Alte Zöpfe abschneiden

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Letzte Woche war der Tag gekommen, an dem der Sterngucker sich seine langen Haare abschneiden liess. Sie wurden vorher noch niemals geschnitten (ausser mal die Augen frei) und reichten ihm schon bis zum Po. Lange, leicht gewellte Haare in verschiedenen blond-Abstufungen. Am liebsten liess er sie sich zu Pipi Langstrumpf Zöpfen flechten, weil er mal zugeschaut hat, wie ich der Tochter eine Flechtfrisur machte. Doch nun hatte er sie über und wollte sie so kurz wie sein Bruder haben.

Etwas wehmütig sass ich beim Friseur und schaute zu, wie aus meinem kleinen Langhaarsterngucker quasi ein neuer Junge wurde. Jetzt muss ich ihn immer wieder anschauen, entdecke ihn nochmal neu. So eine andere Frisur macht was. Die Mimik wirkt anders, ja die ganze Körperhaltung verändert sich. Sehr faszinierend. Der Sterngucker liebt seine neue Frisur.

Nun könnte ich glatt ein Bullshitbingo mit den zu erwartenden Sprüchen erstellen („endlich ein richtiger Junge“ etc), so wie ich das vorher schon mit den Kommentaren zu den langen Haaren machen konnte („wolltet ihr lieber noch ein Mädchen haben?“). Da ich aber Bullshitbingos doof finde, lasse ich das und freue mich lieber an meinem fantastischen Kind.

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Wochenende :: Arbeit und entspanntes Tun

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Mein Wochenende war eine wunderbare Mischung aus konzentrierter Arbeit (während der Mann mit den Kindern den Wochenendeinkauf erledigte) und entspanntem Tun. Es gab gutes Essen, Zeit mit den Kindern und dem Mann, geschaffte Projekte, schöne Gespräche. Es gab Zeit zum Stricken, zum Laufen, zum Apfelkuchen backen & geniessen und offensichtlich sogar zum Zeichnen.

Mit der Tochter in Paris

Irgendwann hatte sich die Tochter einen Ausflug nach Paris gewünscht. Mal den Eiffelturm sehen und Crème brûlée essen. Es hat einige Jahre gedauert, bis wir den Wunsch Wirklichkeit werden lassen konnten. Zum Geburtstag gab es einen Gutschein für unseren kleinen Paris-Ausflug, den wir in den Pfingstferien dann einlösten. Um unser Budget nicht zu sehr zu strapazieren, buchte ich ein 2-Bett-Zimmer in der Jugendherberge Jules Ferry, da wir eh eine Familienmitgliedschaft beim DHJ haben (und diese für Hosteling International gilt). Mit dem TGV reisten wir von München aus direkt nach Paris Gare de l’est. Ich fand die Reise sehr komfortabel, der Tochter gingt es nicht ganz so gut. In Paris bezogen wir unser spartanisches Zimmer im vierten Stock der einfach ausgestatteten Jugendherberge. Da gerade das Treppenhaus gemalert wurde, fuhr man uns im Lastenaufzug in den vierten Stock. Nachdem wir uns kurz ausgeruht hatten, zogen wir gleich los zu unserem ersten Ziel:

Tag 1 – Montmartre & Sacre Coeur

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Blick auf Sacre Coeur vom Kaufhaus La Fayette aus

Mit der Metro, für die wir uns gleich zuerst ein 3-Tages-Touristenticket (Paris Visite) gekauft hatten, fuhren wir zum Montmartre. Unser Ziel war, die Treppen zur Sacre Coeur hinauf zu steigen und ein bisschen in das Künstlerviertel einzutauchen. Ich verliebte mich wieder in die Pariser Jugendstil-Metrostationen. Wir sahen aus der Ferne das Moulin Rouge, schlenderten durch enge Gassen, bestaunten Strassenkunst und das Treiben der Touristen im Viertel. Wir fotografierten die Ich-Liebe-Dich-Mauer (Platz Jehan Rictus in der Nähe des Platzes Abesses) und stiegen viele Treppen. Unterwegs kauften wir uns ein paar Kleinigkeiten fürs Abendessen in einem Bioladen, die wir dann Abends in der Jugendherberge assen.

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Metrostation mit Blick auf Le Moulin Rouge

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Streetart

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Le Mur des Je t’aime – 311 Liebeserklärungen in 250 Sprachen auf 612 Kacheln vom Künstler Frédéric Baron

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Postkarten an Freunde und Newsletter-LeserInnen

Tag 2 – Eiffelturm, Louvre, Notre Dame

Am nächsten Tag, nach einem spartanischen Frühstück (wir beschlossen, am nächsten Morgen auswärts zu frühstücken) begannen wir unsere Tour zum Eiffelturm (den wir uns aber nur von unten ansahen). Von dort liefen wir zu Fuß weiter zum Louvre, schlenderten durch Parks und Strassen und liessen uns gut Zeit. Das Licht war nicht so schön zum Fotografieren an dem Tag. Wie schade.

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Imposant und elegant in all seiner Größe, der Eiffelturm

Vom Louvre aus gingen wir weiter Richtung Notre Dame. Ein paar Stationen fuhren wir Metro. Mancherorts begegneten wir bewaffneten Soldaten mit Maschinengewehr im Arm. Das macht dann doch ein etwas mulmiges Gefühl im Bauch. Unser nächstes Ziel war das Insititut de la Monde Arabe. Dort konnte man, so hatte ich es in Paris-Spaziergänge* gelesen, von der Aussichtsplattform im 6. Stock wunderbar auf Notre Dame blicken. Ich traute mich allerdings nicht in den gläsernen Fahrstühlen zu fahren, sodass die Tochter allein die Aussicht genoss, während ich fasziniert das steampunkig anmutende Sonnenschutzsystem mit seinen vielen Irisblenden bewunderte.

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Beeindruckendes Sonnenschutzsystem

Zum Mittagessen liessen wir uns in einem kleinen, von einer Blogleserin empfohlenen Restaurant, in der Nähe von Notre Dame nieder. Das Restaurant „Le grenier de Notre Dame“ ist ein vegetarisch-vegan-makrobiotisches Restaurant. Ich mochte die Auswahl auf der Speisekarte und die nette Bedienung. Danke für die Empfehlung.

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Notre Dame

Gestärkt schlenderten wir also weiter, bewunderten die wunderschöne Notre Dame (so beeindruckend) und bogen ab in die kleineren Strassen auf der anderen Seite der Seine. Dort suchte (und fand ich) den Kalligrafieladen Melodies Graphique. Diese Ecke von Paris hat mir fast am besten gefallen. Kleine Läden, Papeterie, Kunst, Klamotten, nicht so touristisch überlaufen, stilvoll und charmant.

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Fliese im Boden des Kalligrafieladens

Die Tochter genoss ihre Crème brûlée in einem Café an der Strasse. Dann besuchten wir den winzigen Laden Tumbleweed, über den ich auch in Paris-Spaziergänge* gelesen hatte und wo ich unbedingt für den Sterngucker einen Kreisel kaufen wollte. Die Verkäuferin war sehr nett und wir plauderten ein wenig, liessen uns beraten und probierten diverse Kreisel aus. Ziemlich erschöpft fuhren wir wieder zu unserer Jugendherberge in der Nähe vom Place de la Republique, kauften noch ein Baguette in der kleinen Biobäckerei an der Ecke und liessen den Tag erschöpft ausklingen (kleines Nickerchen, Abendessen & WLan im Speiseraum).

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Kreiseparade im Tumbleweed

Tag 3 – Gare Montparnasse & Jardin Atlantique, Les Catacombes und La Fayette

Wir wollten nicht in der Jugendherberge frühstücken, also kauften wir uns auf dem Weg etwas beim Bäcker und fuhren dann zum Gare Montparnasse. Unser Ziel sollten die Katakomben sein. Doch zuerst suchten wir den Jardin Atlantique, einen kleinen Park auf dem Dach des Bahnhofes Gare Montparnasse. Dort frühstückten wir unsere unterwegs gekauften Croissants und Baguettes. Die Züge, die den Gare Montparnasse verlassen, fahren alle Richtung Atlantik. Irgendwie mochte ich die Vorstellung. Wenn dann Ausgänge auch noch Porte Oceane heissen, dann macht es das Bild für mich komplett.

Im Bahnhof besuchten wir noch einen kleinen Moleskine-Laden, den ich entdeckt hatte und plauderten sehr nett mit dem Verkäufer. Er erklärte der Tochter eine kleine Lesetaschenlampe und erwähnte die Gremlins. Dann kam er sich plötzlich sehr alt vor, als sie damit nichts anfangen konnte. Das sorgte für viel Humor. Am Ende schenkte er uns zwei Ausmalpostkarten und mir ein kleines Moleskine-Notizbüchlein und wünschte uns viel Glück in der Warteschlange vor den Katakomben.

Genau dahin begaben wir uns und reihten uns in die Warteschlange ein. Wir vertrieben uns die Zeit mit Menschen beobachten, reden und zeichnen. Fast 2 Stunden lang. Dann endlich durften wir in das Labyrinth unter Paris. Die Tochter nahm sich einen Audioguide und hörte gespannt den Geschichten zu den Gebeinen in den Katakomben.

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Zeitvertreib beim Warten – Zeichnen

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unzählige gestapelte Gebeine

Als wir nach 45 Minuten wieder im Tageslicht ankamen, hatten wir erstmal Hunger. Wir schauten uns kurz im Souvenirladen beim Ausgang um und besorgen uns danach etwas zum Mittagessen in einem kleinen nahegelegenen Bioladen und im Marks & Spencer (der hatte so geniale und bezahlbare Salate!). Nach einer Stärkung fuhren wir zum Traditionskaufhaus LaFayette. Ich war so neugierig auf die Architektur! Und tatsächlich kam ich aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Ich war eigentlich nur damit beschäftigt, die Details und Architektur des Kaufhauses zu bestaunen. Kraft für Klamottenkauf auf 6 Etagen hatte ich kaum noch. Wir kamen uns ausserdem stilistisch (und budgetmässig) etwas fehl am Platze vor.

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die Kuppel des Kaufhauses LaFayette

Nach Schliessung des Kaufhauses fuhren wir super erschöpft zurück in unsere Jugendherberge und liessen den Abend dort ausklingen, packten unsere Sachen für eine frühe Abreise am nächsten Morgen und gingen schlafen.

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Abendhimmel in der Nähe des Place de la Republique

Fazit:
Wir hatten eine total schöne, intensive Zeit miteinander. Es hat uns Spaß gemacht, Paris zu entdecken. Die Zeit war zu kurz. Paris empfanden wir laut und voll, was für uns Landeier natürlich gewöhnungsbedürftig war. Vorallem die Tochter hat Geräusche, Gerüche und Menschen sehr intensiv wahrgenommen. Das nächste Mal wollen wir eine komfortablere Unterkunft wählen. Pariser Jugendherbergsstandard ist dann doch kein deutscher. Wir hatten sehr schöne Begegnungen mit den Menschen, konnten uns gut orientieren und kommunizieren auch mit nur rudimentären Sprachkenntnissen. Ich bin sehr dankbar für diesen kleinen Ausflug.

Reisekosten: 716,85 Euro (358,43/Person)

  • Bahnfahrt im TGV München – Paris für 2 Personen mit Bahncard 24 187,55
  • Unterkunft in der JHB incl Frühstück für 2 Personen im 2 Bettzimmer 184,00
  • Metro-Tickets (inkl Neukauf eines verlorengeganenen 3 Tages Tickets) 78,30
  • Diverse Ausgaben für Essen, Postkarten, Sightseeing, Mitbringsel 267,00