Erdbären im Regän

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Gestern machten wir einen spontanten Ausflug zum Erdbeeren ernten mit der Naturmama. So ein Glück, daß sie und die Naturkinder nicht zimperlich sind. Denn mitten auf dem Weg dahin stellte sich heraus, daß sich die paar Nieseltropfen doch zu einem ordentlichen Regen entwickelten. Aber die Verlockung der Erdbeeren war stärker. Und so pflückten wir im strömenden Regen die fettesten, saftigsten Bioerdbeeren auf dem Feld vom Franz. Und weil es regnete, hatten wir das ganze Feld für uns. Ich habe ca 10 kg dieser saftigen prachtkerlchen mit nach Hause genommen (fragt nicht, wie wenige davon nur noch übrig sind). Sogar der kleine Wolf, der sonst ausschliesslich Walderdbeeren verzehrt, verspeiste die ein oder andere Strohbeere mit Genuss. Heut morgen gab es vegane Plinsen mit Erdbeeren. Mehr Eindrücke gibts bei Naturmama.

Kuhstallgeschichten

Die Tochter (10) hat mit ihrer Freundin hier im Ort einen Bauernhof gefunden, auf dem sie ihre Zeit verbringen. Genauer gesagt im Kuhstall. Dort haben sie einmal zufällig eine Kälbchengeburt miterlebt, als sie grad da waren. Sie durften das Kälbchen mit Stroh trockenreiben. Seit dem sind sie fast jeden Tag dort (und kommen nach Kuhstall stinkend und aussehend wieder nach Hause). Jetzt werden gerade viele Kälbchen geboren. Die Mädels vergeben Namen und kuscheln mit den Kälbchen. Die Tochter führt Tagebuch über die Kuhmütter und ihre Kälber, denkt sich Namen aus, schreibt Listen und hält nun auch ein Referat über Kühe in der Schule. Neulich hatten die Mädels die Idee, doch auf dem Bauernhof zu übernachten. In einem Kälbcheniglu. Das haben sie tatsächlich auch gemacht. Zwei Nächte lang. Und spektakuläre Geburtsfotos (siehe weiter unten) mitgebracht.
Ich stehe dem ganzen etwas zwiegespalten gegenüber. Einerseits finde ich gut, wenn sie ihre Erfahrungen auf dem Bauernhof machen können und etwas haben, was sie so interessiert und fesselt. Immerhin hatte die Tochter dadurch sogar die Motivation, ihre eigene Wäsche zu waschen ;-) Also der Lerneffekt durch dieses „Projekt“ ist auf so vielen Ebenen und so nachhaltig. Gleichzeitig werde ich dadurch, daß die Tochter natürlich das Erlebte mit uns teilt, mit dem traurigen Leben der Milchkühe konfrontiert. Und das macht mich ziemlich hilflos. Die Tochter meinte, warum ich denn auch nachfrage, wenn mich die Antworten so mitnehmen. Ja, warum auch? Die Kühe stehen den ganzen Tag im Stall aus Beton, dann werden sie besamt (vom besamer) und durchleben ihre Schwangerschaft, bekommen ihr Kälbchen (wie es aussieht zwischen den anderne Kühen in der Box auf hartem Beton). Das Kälbchen wird ihnen gleich nach der Geburt weggenommen und in einem Kälbcheniglu fern von den Mutterkühen untergebracht. Das Kälbchen darf nicht bei Mama saugen oder Nähe erfahren, die Mamakuh darf ihr Kälbchen nicht kuscheln und stillen. Stattdessen wird sie an die Melkmaschine angeschlossen und darf ihre Milch in den Milchtank spenden. Und hat sie darauf keinen Bock, wird sie per Elektroschock angetrieben. Ist das nicht grausam? Und das nur, damit der Mensch artfremde Milch, die für Kuhbabies bestimmt ist, trinken kann?

Nee, das sollte hier kein Moraleintrag werden. Aber mich beschäftigt das grad sehr. Weil ich selbst auch frisch Mama geworden bin. Und mein Baby nicht gleich bei mir hatte. Und auch stille. Und mir vorstelle, wie es anders wäre. Wäre ich eine Kuh. Welch schreckliches Los. Zeit, mal wieder unser Konsumverhalten zu überdenken. Mal zu reflektieren, wo Milch, Käse & Co eigentlich herkommen (und zu welchem Preis). Bei den Biobauern ist es nur unwesentlich anders. Beton ist Wiese und die Kälbchen dürfen ein paar Tage bei den Mamas bleiben. Nicht schön das. Nein.

Die Tochter derweil schmiedet Pläne, wie sie das Los der Kälbchen verändern kann. Baut im Kopf (und auf Plänen) den Kuhstall um, plant die Bullen zu behalten, um sich das Geld für den Besamer zu sparen und all das. Interessante Prozesse…

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Kommunikation

Neulich war abends in der Schule ein Vortrag von Karsten Czimmek zum Thema Kommunikation. Der hat mich sehr interessiert, denn Kommunikation spielt immer wieder eine entscheidende Rolle im Zusammenleben mit unseren Mitmenschen. Ich war sehr dankbar, daß die Kinder mir diesen Abend ermöglicht haben. Der Mann war auf Geschäftsreise, ich mit den Kindern allein. Die große Tochter meinte, ich solle doch ruhig zum Vortrag gehen, sie würden das schon alleine schaffen. und auch der kleine Wolf fand das ok und kooperierte unglaublich toll beim bettfertig machen. So fuhr ich guter Dinge mit dem Sterngucker im Gepäck zu einem anregenden Vortragsabend.

Kommunikation. Ein Riesenthema, wovon wir in den zwei Stunden sicher nur an der Oberfläche herumgekratzt haben. Der Abend selbst war total anders als ich erwartet hatte und dennoch sehr inspirierend und gut. Wie Karsten schon zu Beginn seinen Vortrags meinte, ist das ein weites Thema und „er habe da ein Faß angestochen“. Der Schwerpunkt des Abends lag auf der Kommunikation von Erwachsenen mit Kindern.

Hier zusammengefasst ein paar Gedanken, die ich mir notiert habe:

  • bestimmend ist, was ich sage und was ich tue. Geht das zusammen? Stimmen sprachliche Ebene, Gebärde/Körperhaltung sowie innere Haltung überein?
  • 3 Ebenen der Kommunikation. Wirkung (innere Haltung), Tun (Gebärde), Wort. Sprachliche Ebene wirkt als letztes.
  • Sprache mit (kleinen) Kindern in erster Linie zweckbedingt, handlungsnahe Themen (Essen, Körperpflege, Spiel…)
  • Kommunikation/Sprache bleibt konkret (=handlungsnah) bis es zum Konflikt kommt, dann wirds schnell unkonkret (unsere erzieherische Moral kommt dazu)
  • Konflikt: wir haben ein Bild vom Kind, was es nicht erfüllt (kann es noch nicht). Setzen oft zuviel voraus (unausgesprochenes Selbstverständnis). Selbst wenn Verständnis bei Kinden da ist, heisst es noch lange nicht, daß sie müssen (<- unsere Erwartungen erfüllen).
  • es wird viel als selbstverständlich vorausgesetzt ohne dies zu kommunizieren (siehe sozialisierung, ungeschriebene Gesetze etc)
  • wir sind uns oft selbst nicht im Klaren über unsere eigenen Absichten und senden dadurch verwirrende mißverständliche Botschaften
  • Wir haben Erwartungen. Es ist nicht Aufgabe der Kinder, unsere Erwartungen zu erfüllen.
  • Kommunikation ist die Fähigkeit zu Hören.

Wir schauten uns einige Film-Beispiele aus dem Pikler Insitut in Budapest an. Da ging es in erster Linie um Kommunikation schon in der  Babyzeit. Wie kommuniziere ich mit dem Kind. Die Beispiele waren sehr interessant und lehrreich. Mit dem pädagogischen Konzept von Emmi Pikler bin ich das erste mal durch die Spielgruppe des Wolfes in Berührung gekommen, habe mich aber nie tiefer damit beschäftigt).

Fazit
Und was hat mir der Abend gebracht? Erstens bin ich megastolz auf meine Kinder, daß sie mir den Abend gegönnt und ermöglicht haben. Zweitens wurde ich wieder erinnert, mehr Präsenz an den Tag zu legen. Eins nach dem anderen zu tun. Nicht viele Dinge gleichzeitig. Jedem zu seiner Zeit die volle Aufmerksamkeit zu widmen. Im Moment sein. Meine Kommunikation auch oft wieder hinterfragen. Geht das was ich fühle, wovon ich überzeugt bin auch mit dem zusammen, was ich sage? Öfters mal laut denken, damit die Kinder meine Entscheidungen nachvollziehen können und Überlegungen transparent sind. Und damit ich selbst meine Absichten besser erkennen kann.