Passionsfrucht

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Den ganzen Winter über hat mir meine Passionsblume eine Blüte nach der anderen geschenkt. Auch jetzt noch zaubert sie diese Wunderwerke. An einigen der verblühten Knospen hat der Wolf jetzt diese eigenartigen Knollen entdeckt. Passionsfrüchte! Mal sehen, wie weit wir es schaffen. Die mögen wohl das Klima hier (genau wie der kleine Feigenbaum draussen).

Wie es uns geht

Siedlungskitsch

Einfahrt zu unserer Siedlung: Postkartenidylle mit Alpenblick (in echt sehr viel imposanter)

kindergartenweg

Die Strasse Richtung Kindergarten. Auch mit Blick auf die Alpen und weiten grünen Flächen.

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Feldrand bei Herrmannsdorf. Da sieht man gleich den Unterschied zwischen Bio und Pestizit-behandelten Feldern.

Die ganze Zeit schon möchte ich aufschreiben, wie es uns mittlerweile geht. Nun bin ich schon fast 10 Monate in Bayern eingebürgert, lebe mit meiner Familie zusammen, habe eine Schwangerschaft erlebt und hier ein Baby geboren. Da war ganz schön was los an inneren und äußeren Veränderungen. Und ist es immer noch, denn solche Phasen brauchen ihre Zeit. Im Dezember noch was der Stand der Dinge so. Und jetzt? Schaun wir mal…

Das Haus
Momentan ist im Haus Veränderungsstillstand. Es gibt zwar noch jede Menge Bedarf, aber es fehlt an finanziellen Mitteln. Unser Wohnzimmer wartet noch immer auf ein Regal für unsere Bücher, es fehlen noch diverse Lampen und Regale für den Keller. Auch eine Wanduhr wäre nicht schlecht. Diverse Zimmer bräuchten noch Optimierung, durch das neu hinzugekommene Familienmitglied müsste einiges umorganisiert werden. Ich füge Veränderungen in homöopatischen Dosen hinzu, mal hier mal da. So ist unser Wohnraum Teil des ganzen Prozesses. Mit der Zeit findet man ja auch erst raus, was im Alltag funktioniert und was verbessert werden kann (Garderobe, Klamotten etc)
Die Dinge im haus, die nicht in unserer Verantwortung liegen…nun denn, mit denen lernen wir zu leben. Ich werde ruhiger mit der Treppe (es sei denn, es kommt Besuch mit kleinen oder wilden Kindern). Wenn es regnet, lassen wir die Jalousinen runter, damits nicht reinregnet (der Vermieter kümmert sich gerade um neue Fensterbretter, um das Problem zu beheben).

Die Umgebung
Mit 50% der unmittelbaren Nachbarschaft verstehen wir uns gut. Die anderen 50% haben keine Kinder und führen ihr eigenes Leben. Die Kinder können einfach raus und finden meistens jemanden zum Spielen. Es sind keine Zäune um die Grundstücke, somit ist die Siedlung ein einziger Spielplatz. Quasi. Die Tochter hat eine Freundin hier, mit der sie viel Zeit verbringt. Oder sie ist im Kuhstall. Auch gemeinsam mit der Freundin. Sie retten Frösche, kuscheln Kälbchen und helfen der Bäuerin.
Bei schönem Wetter sehen wir die Alpen. Etwas lästig ist der dauerhafte Wind. Den habe ich so schlimm nichtmal aus hamburg in Erinnerung. Es fetzt den Sonnenschirm um, die Blumentöpfe und diverses anderes unbefestigtes Zeug. Es macht keinen Spaß draussen zu sitzen, weil dauern Wind oder pralle Sonne ist. Einen Windschutz können wir nirgends sicher befestigen. Etwas schwierig, das Thema.
Am meisten jedoch stört mich der Geruch, wenn die Bauern die Gülle auf den Feldern entsorgen. Und das ist irgendwie ständig. Es widert mich so sehr an. Da ist es draussen so heiss, daß man die Fenster nicht öffnen kann, um die Wärme draussen zu halten. Abends wenn es abkühlt, möchte man das Fenster weit aufreissen um die abkühlende Luft reinzulassen, da fahren die Bauern Odl und man holt sich den Gestank in die Bude. Oder gleich morgens, wenn man nichtmal Wäsche raushängen mag, weil sich der Geruch sonst darin festsetzt. Uah. Dann möchte ich zurück in die Stadt.

Aber ansonsten isses schön hier. Jawoll.

Soziale Kontakte
Diese halten sich noch etwas beschränkt. Ich halte Schwätzchen mit der Nachbarin, weil die Kinder sich gut verstehen und wir doch in dem ein oder anderem Thema ähnlich gestrickt sind. In der Umgebung wohnen diverse Internetbekanntschaften, mit denen ich hin und wieder was unternehmen kann (und gern auch mehr würde). Ich habe Freunde in München, die Yogagemeinschaft und nun auch wachsend die Rohkosttruppe. Es wird also auch hier weniger einsam. Gemeinsam mit dem Mann haben wir Pläne, einen Yoga- bzw Gatkakurs aufzubauen. Aber alles zu seiner Zeit. Ich bin also nicht einsam hier. Schöner wäre es aber, etwas mehr spontan sein zu können. Mal auf einen Nachmittag bei Freunden vorbeizuschauen oder sich auf dem Spielplatz zu treffen, wie in Freiburg. Was auch fehlt sind die lieben Gespräche im kleinen Bioladen. Das hatte ich beides in Hamburg & Freiburg.
Ich geniesse, daß wir immer mal wieder Besuch haben. Von Freunden, von Familie. Und wir können ihn gemeinsam empfangen.

Die Mobilität
Die liebe Mobilität. An unserer Autosituation hat sich noch nichts geändert. Wir teilen uns weiterhin das eine Auto und koordinieren brav unsere Termine. In erster Linie bedeutet es, daß ich einen weiteren Job -nämlich Taxifahrerin- an der Backe habe. Morgens den mann zur Bahn fahren, ihn abends wannauchimmer abholen. Zwischendrin zum Kindergarten fahren, zum Einkaufen fahren. Überhaupt überall hin fahren. Spaziergänge um mal raus zu kommen muss ich richtig feste in meinen Tagesablauf einbauen. Das fällt mir wirklich schwer, da ich eher so ein pragmatischer Mensch bin und gern das eine mit dem anderen verbinden würe (Spaziergang zum Kindergarten zB). Geht aber nicht. Deshalb hatte ich auch schon lange keinen Spaziergang mehr.
Im September wird sich diese Situation etwas entspannen, denn dann wechselt der Wolf den Kindergarten. Zum neuen Kindergarten kann er mit dem Schulbus der Tochter mitfahren. Das erspart mir insgesamt ca 50 km Taxifahrt am Tag. Bis dahin zähle ich schon die Tage.
Immer noch ärgert mich, daß ich mein Fahrrad quasi gar nicht nutzen kann. Hrmpf. Man sieht hier zwar viele Hobbyradler, die die Landstrassen entlangflitzen, aber so Alltagsradfahrer mit Kindern wie ich einer bin, haben hier schlechte Karten mit den schnell befahrenen Landstrassen.

Die Familie
Etwas belastend erweist sich momentan noch unsere finanzielle Situaion. Wir zahlen noch immer den Kredit für den Umzug ab. Die Steuerrückzahlung kam zwar mittlerweile, jedoch nicht in der Höhe, die wir erwarteten. Diverser Kleinkram hat uns ausserdem einen Strich durch unsere anfängliche Rechnung gemacht (einbehaltene Mietkaution etc). Wir versuchen, hier und da unseren Standart zu optimieren. Sehr nützlich hat sich nach wie vor die Gemüsekiste erwiesen. Ausserdem sind wir nun in Besitz einer Bio-Großmarkt-Karte und können unsere Basics in größeren Gebinden und somit günstiger einkaufen. Da müssen wir noch bisschen ausloten, was wir wo kaufen, um wirklich zu sparen.
Wie bereits weiter oben geschrieben ist das Loch in der Kasse auch Hemmschuh für Optimierungen in Haus & Garten. Aber wollen wir mal nicht meckern, wir sind gesund und uns geht es gut.
An einigen Stellen knirscht es noch im Getriebe. Diese Baustellen lassen wir Anfang Juli mal von einer Familienberatung begutachten. Nicht, weil es anders nicht mehr geht, sondern weil wir uns einen neutralen Blick von Aussen wünschen und mal einen anderen Betrachtungswinkel. Ich bin schon sehr gespannt, was für Aha-Momente dabei entstehen. So eine Patchworkfamilie, die nach Jahren des Pendellebens zusammenzieht, ist keine einfache Konstellation, das sag ich euch ;-)

Fazit
Wir wollen nicht meckern, auch wenn es so erscheint. Uns geht es gut, wir treffen viele nette, wohlgesonnene und gleichgesinnte Menschen hier. Nach den Juwelen in jeglicher Hinsicht muss man etwas länger Suchen als in einer (Groß)Stadt, aber diese Suche lohnt sich. Durch die Hebamme und andere Kontakte tun sich immer neue Juwelchen auf, die es hier wirklich lebenswert machen. Für die Kinder ist es sehr toll, allerdings bin ich gespannt wie es in ein paar Jahren aussieht, wenn die Tochter Tee-Nagerin geworden ist und sie das Abendteuer jenseits des Kuhstalls lockt (so es jemals der Fall sein wird. Wir malen uns ja schon eine Zukunft in der Robbenrettungsstation oder als Peta-Kämpferin aus…aber das ist ein anderes Thema ;-)
Wir wissen daß wir uns Zeit geben müssen, auch wenn einem die Momente immer sehr lang vorkommen, wenns mal nicht so flutscht. Wir haben uns lieb, halten zusammen und wissen, wo wir hingehen, wenns mal nicht so rund läuft. Wir arbeiten noch dran, mit unsere Energiereserven optimaler zu haushalten. So ne große Familie bedarf einiges an Management-Skills. Aber ich bin da zuversichtlich. Ich habe auch nie an diesem Schritt gezweifelt oder etwas bereut. Alles hat seinen Sinn, die Schatten wie die Sonnenseiten.

wip wednesday :: Kleinkram

Mein ganzer Alltag ist ein WIP. Könnte man behaupten. Arbeiten, Denken oder was auch immer ist nur häppchenweise möglich. Immer wieder werde ich unterbrochen. Von Kindern und ihren sofort zu stillenden Bedürfnissen, Taxifahrten zu Terminen, Verabredungen, Bahnhof. Prioritäten die sich im minutentakt verschieben. Demnach gibt es viele WIP’s in diesem Haushalt. Wäsche, die darauf wartet, in den Schrank sortiert zu werden (oder darauf, daß die erste Waschmaschine fertig ist und neu beladen werden kann). Nebenbei beginne ich auch langsam wieder zu arbeiten. In erster Linie bestehende Projekte weiterbetreuen, Anfragen koordinieren und ggf an Partner abgeben, Angebote schreiben…so Kleinkram eben, der sich aber auch nicht von selbst macht. Dennoch gibt es viele ruhige Minuten, wenn der Sterngucker auf meinem Bauch ein Nickerchen nach dem Stillen hält oder einfach nur kuscheln möchte. Dann lese ich oder stricke ein paar Runden oder koordiniere meine To-Do-Liste.

Auf Stricknadeln

Für die Post

  • Sterngucker Danke Karten
  • Calligraphy Exchange Juni & Juli
  • ein Brief –>bereits begonnen

Und sonst

  • 2 kalligrafierte Tischläufer für diverse Hochzeiten -> bis Anfang Juli

Ich würde ja auch gern mal wieder an die Nähmaschine, um ein bisschen was wegzunähen. Aber die steht in meinem Gruschelraum im Keller und da ist es kalt. Da bleibe ich bei diesem tollen Wetter nicht lange. Ausserdem möchte ich gern erst etwas durchsortieren. Da unten kann ja kein Apfel zur Erde, sozusagen. Hier oben hab ich schon gut was geschafft. Der Sterngucker trägt nun keine S-Windeln mehr. Da isser schon rausgewachsen, der kleine Moppel. Also habe ich gestern mal die Babyklamöttchen durchsortiert und weggeräumt. Tschakka.