post

Das Weiss auf Instagram

Ich mag das Weiss auf Instragram. Neulich entdeckte ich auf Instagram ein grässlich buntes Bild mit Typo drin. Ein Aufruf für mehr Buntheit und Farbe auf Instagram. Instagram sei zunehmend gleichförmig, ordentlich und realitätsfremd. Ich habe darüber eine Weile nachgedacht und überlegt, wie meine Haltung dazu ist. Wie und wofür ICH Instagram nutze und was ich da sehen möchte.

Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt

Auf Instagramm bin ich selbst in gewissem Maß Chefin über meine Timeline. Das heisst, das Bild, was ich mir zeichne, was ich sehe, entscheide ich über die Accounts, denen ich folge. Wenn ich vielen Weiss-schön-aufgeräumt-stylish Accounts folge, dann ist klar, daß mir eben dieser Content angezeigt wird und ich den Eindruck habe, Instagram besteht nur aus weiss-schön-stylish-aufgeräumt. Dabei gibt es auch genug Fotos, die nicht in mein ästhetisches Empfinden passen. Diesen Accounts folge ich auch nicht. Also muss ich mich nicht beschweren, daß mir alles zu eintönig und gleichförmig ist. Das mache ich mir ja selber so. Es gibt ausreichend Farbe auf Instagramm. Da kann ich mir meinen persönlichen Regenbogen in der Timeline zusammenstellen.

Ästhetik – Ungeschönter Alltag in guten Fotos

Ich bin nicht daran interessiert, mir anderer Leute ungeschönten Alltag anzusehen. Das liegt nicht am Alltag an sich, sondern daß die wenigsten Menschen die Fähigkeit besitzen, ungeschönten Alltag in ästhetischer Bildqualität zu präsentieren (Licht, Bildkomposition, Informationsgehalt). Das mag sein, daß es anderen Leuten total unwichtig ist, wenn sie Fotos betrachten. Ich selber erfreue mich an guten Fotos, eine der Hauptgründe, warum mir Instagram so gefällt. Wenn also jemand Alltagsbilder postet, dann habe ich einen gewissen Anspruch daran. Denn Alltag, auch ungeschönten, kann man durchaus in guten Fotos zeigen.

Das Weiss auf Instagram – Ich möchte inspiriert werden

Ich nutze Instagram, um andere Menschen zu inspirieren, um Momente für mich festzuhalten und um inspiriert werden. Chaotische Alltagssituationen habe ich hier genug. Die sind hin und wieder nett auch bei anderen zu sehen, aber sie inspirieren mich nicht. Ich brauch keine Vergleiche, daß es bei anderen ähnlich zugeht. Ich brauche auch keine Buntheit in Fotos, wenn die Bilder dadurch unharmonisch werden oder schlecht ausgeleuchtet sind. Da schaue ich mir dann lieber aufgeräumte, weisse Instagrambilder an. Wenn ich mir Bilder anschaue, dann möchte ich angeregt werden. Vielleicht den Tisch wie x zu decken, weil mir die Stimmung gefällt. Oder ein Essen zu kochen, was y gerade gepostet hat, weil mir bis dahin die Idee fürs Mittagessen fehlte oder ich durch das Bild Appetit bekommen habe. Oder ich sehe, daß z wieder Laufen war und bekomme Lust, selber in die Laufschuhe zu steigen. Vielleicht sehe ich auch, daß t mit ihren Kindern Seifenblasen macht und erinnere mich, daß das jetzt eine gute Idee wäre, die Kinder aus ihrem Gemotze rauszuholen. Oder eine Künstlerin zeigt ein Making-Of ihrer Arbeit und ich lerne daraus ganz viel für mein nächstes Bild oder ein kleines Technik Detail. Dafür ist Instagram für mich gut.

Deshalb freue ich mich auch weiterhin über meine schönen, inspirierenden und genau für mich passenden Accounts.

post

Freitagsschnipsel

Was schön ist

  • Gemeinsames Frühstück mit der ganzen Familie. Heute gab es Pfannkuchen, weil das Brot alle war.
  • Freitage mag ich gern. Dann sitze ich mit dem Mann am Küchentisch, wir beide arbeiten konzentriert an unseren Jobs, manchmal besprechen wir auch gemeinsame Projekte oder fragen uns gegenseitig um unsere Meinung.
  • Ideen. Als hätten wir nicht schon genug davon.
  • Leckeres Risotto zum Mittag.
  • Viele Haken an der To-Do-Liste.
  • Liebevolle Nachrichten mit Freundinnen austauschen.
  • Gemeinsam lachen, Witze machen und uns umarmen.
  • Ostseevorfreude.
  • Der wachsende Garten.
  • Die freitägliche Gemüsekiste.
  • Vorfreude auf meinen Friseurtermin Anfang April.
  • Erste Sponsorenzusagen für ein Goodiebag für unsere Kreativ- und Klangauszeit.
  • Bestellungen im Kallimagie-Shop.
  • Positives und persönliches Feedback zum Newsletter.
  • Die Tochterschule plant eine Cryptoparty.
  • Zum Abendessen Fladenbrot mit Kräuterjoghurt-Sosse, gebratenem Tofu und frischen Leckerein aus der Gemüsekiste. Dönerstyle.
  • Kuckuckskind von Ingrid Noll* lesen
  • Schneckenbänder häkeln
  • Am Wochenende  ein Theaterstück an (Die Dreigroschenoper von Brecht) schauen
  • Lebensbaum Grüntee Sencha
  • ichoc Sunny Almond auf meiner Zunge
post

Wertvoll mit allen Facetten

Nach einem unserer Coaching Telefonate fragte Jana mich, ob ich die Essenz unseres Gespräch als Kalligrafie festhalten könnte. Meinen Satz einmal schreiben. Ich willigte ein. Und dann begannen die Bilder in mir zu arbeiten. Das goldene Braun eines Herbstwaldes, was ich gesehen und gespürt hatte, das warme Gefühl und die Botschaft aus meinem tiefsten Inneren, meinen kleinen Saboteuren zum Trotz: „Ich bin wertvoll mit allen Facetten“

Wenn ich schreibe, dann bin ich ganz bei mir. Dann breitet sich in mir ein Frieden aus. Eine Ruhe. Wie schön es war, die Verbindung zu spüren. Zwischen dem, was ich da schreibe und was ich bin. Ich habe den Satz oft geschrieben. In verschiedenen Schriften und verschiedenen Größen. Manchmal habe ich mich auch verschrieben oder war mit der Anordnung nicht ganz zufrieden. Beim einen gefiel mir der Hintergrund besser, beim anderen die Schrift. Ich habe dann beide Blätter beendet und beide für schön erklärt, obwohl keins perfekt ist. Es war nicht wichtig, was dabei rauskommt, sondern die Botschaft. Und daß ich ganz bei mir bin. Jetzt werde ich eins der beiden rahmen und aufhängen. Damit ich mich, immer wenn mir wieder Zweifel kommen, daran erinnere: „Ich bin wertvoll mit allen Facetten“

The Making Of

Zuerst habe ich die Aquarellpapiere auf eine Holzplatte gespannt. Die Blätter habe ich dann mit leuchtend gelber Aquarellfarbe eingefärbt (Stockmar & Schmincke), dann mit Airbrushfarbe (Schmincke Aero Color brazil brown) drauf herumgepinselt. Dadurch ist das golden leuchtende Braun entstanden. Die verschiedenen Textschichten sind dann mit Guache, Fine Tec Goldfarben und Beize in Walnuss aufgetragen.

Am Schluss habe ich hier und da noch ein paar Details hinzugefügt, um die Komposition auszugleichen oder mehr Tiefe hinzuzufügen. Insgesamt habe ich echt lange an den Blättern gearbeitet, weil ich immer wieder warten musste, bis die einzelnen Schichten trockenen oder ich überhaupt Zeit fand, in Ruhe zu schreiben. An ungestörter Schreibzeit mangelt es mir am meisten. Ich kann nicht sauber schreiben, wenn an meinem Arm ein Kind zerrt und was von mir möchte. oder ich angesprochen werde. Was ja im Alltag durchaus vorkommt. Es tat gut, diesen meinen Satz so oft zu schreiben und zu merken, daß Tun und Sein so viel Miteinander zu tun haben.

Den Beitrag verlinke ich zum Creadienstag, wie passend, denn dort werden heute zwei Bücher vorgestellt, die zeigen, wie man Kalligrafie auch sehr spielerisch und illustrativ angehen kann.

Merken