Heute ist so ein Tag, wo ich all meine kriegerischen Fährigkeiten mal wieder austesten kann. Weil nichts so läuft, wie ich es mir gestern abend ausgedacht habe.

„The archetype of a warrior is female“ – „Der Archetyp eines Kriegers ist weiblich.“ Das sagte Nanak Dev Singh auf meinem ersten Gatkaworkshop vor vielen Jahren auf dem Yogafestival in Frankreich.
Warum? Was hat eine Frau und Weiblichkeit gemeinsam mit diesem Kriegerbild, daß uns automatisch in den Kopf kommt, wenn wir den Begriff hören? Frauen haben die Fähigkeit, sich besonders gut auf neue Situationen einzustellen. Sie können blitzschnell umdenken und die Richtung ändern, wenn es erforderlich ist. Schade, daß ich euch nicht körperlich vorspielen kann, wie Nanak Dev das später in einem anderen Workshop mal gezeigt hat. Und bei einem Krieger ist es das gleiche. Den Gegner beobachten, notfalls die Strategie ändern, wenn es die Situation das erfordert.

Eigentlich wollte ich heut morgen, nachdem die Kinder versorgt sind, ins Büro fahren, meine To-Do Liste, die ich mir gestern abend geschrieben habe abbarbeiten und gegen mittag den Wolf aus der Spielgruppe abholen. Zuhause essen und mit dem Wolf auf die Tochter warten, dann nachmittags gemeinsam mit ihr zur Zirkusaufführung gehen.
Die erste Planänderung schob ich schon heut nacht ein, als ich merkte, daß sich Symptome eines Milchstau anbahnen (Brust schmerzt) und ich dringend eine Pause machen muss, um das schlimmste zu verhindern. Also beschloss ich, eine Pause einzubauen und eventuell früher aus dem Büro nach Hause zu gehen.
Die Tochter sollte heut morgen mit dem Auto mit zur Schule genommen werden. Es kam was dazwischen. Wir mussten kurzfristig mit der Bahn fahren. Also hab ich den Wolf früher zur Spielgruppe gebracht, die Tochter zum Hbf begleitet. Armes Ding, war total durch den Wind, weil sie den Morgenkreis nicht verpassen wollte, es aber keine andere Möglichkeit gab ausser auf den Zug zu warten und die Dinge anzunehmen, wie sie sind. Hilflosigkeit. Wut. Tränen. Sie bat mich, sie dafür heut nachmittag vom Bahnhof abzuholen (sonst kommt sie allein oder mit jemanden mit).
Als ich sie in den Zug gesteckt hatte fuhr ich mit der Strassenbahn nach Hause. Es schon 9:30. Ich hatte noch keine Sachen gepackt, es lohnte sich nicht mehr, ins Büro zu fahren. Also beschloss ich, einen ruhigen Tag zu machen, meine Brustentzündung zu pflegen und zu entspannen. Noch während der Bahnfahrt rief allerdings einer meiner besten Kunden an, ich solle ihn doch zurückrufen. Was ich dann auch tat. Er braucht ein Projektlogo. Schnell. Am besten bis gestern. Ob das ginge. Och klar, für sie geht doch alles. Bitte. Danke. Ich lege auf, mach mir was zu essen und begebe mich direkt ans Angebot schreiben,  Brainstorming und die Entwürfe.
11 min Entspannung konnt eich noch einbauen bevor ich den kleinen Wolf vom sonnigen Spielplatz abholte. Schnell nach Hause mit dem Wicht und was essen, denn 13:15 mussten wir los, die Schwester am Bahnhof abholen. Grad als ich uns anziehen wollte, klingelt das Telefon. „Mama, kann Leonie heut mit zu uns kommen? Und hier übernachten?“ …

Nun kommt die Tochter also mit der Freundin, ich hole sie nicht am Bahnhof ab. Später gehen wir alle gemeinsam zur Zirkusaufführung und danach wird die Freundin wieder abgeholt. Denn heut kommt der Mann. Da möchte ich keinen Übernachtungsbesuch. Das ist mir sonst zuviel Chaos.

Mal sehen, wann ich dazu komme, die Sachen zu erledigen, die ich eigentlich heute vor hatte.

Dieser beschriebene Tag ist kein Einzelfall in meinem Alltag. Und es ist erst 14:00. Heute fand ich es nur sehr deutlich, welche Koordinationsleistung und Flexibilität wir jeden Tag aufs neue an den Tag legen.

5 thoughts on “Alltagskriegerin

  1. Befinde mich auch im Krieg mit meinem Alltag (also mehr mit der All“nacht“, in der sich Tochter und Sohn mit Aufwachen abwechseln). Schicke dir dennoch alle guten Energien, die übrig sind, möge die Brustentzündung nicht zu böse werden!! Alles Liebe!

  2. kriegerin des lichts :) … so ist das leben … und wäre es nicht langweilig, wenn alles nach plan liefe?

    meine (& mittlerweile immer öfter auch meiner tochter) fähigkeit, herausforderungen, schwierigkeiten, planänderungen als chancen zu nehmen, macht uns das leben so viel einfacher … der sohn kann das leider nicht. ob’s am alter liegt oder am y-chromosom .. ?!?

  3. vielen dank für diese sicht auf die dinge und deinen bericht darüber! wenn ich solche tage habe, komme ich mir eher unzulänglich vor, dabei hast du eigentlich recht und ein abweichen von den eigentlichen plänen ist gar keine niederlage, sondern flexibilität…
    linnea

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