Wie kleine Kinder schlau werden, Selbständiges Lernen im Alltag, John Holt

Schnell gelesen und interessant gefunden. Das Buch enthält keine Anleitungen oder Gesetzmässigkeiten, sondern einfach nur Beobachtungen von John Holt und seine Gedanken, die er sich dazu macht. Es enthält interessante Anregungen und ist erstaunlich zeitgemäss, wenn man bedenkt, wie alt das Buch schon ist. Einige Gedanken, die ich mir festgehalten habe:

„Man beachte aber einmal, mit welch liebender Sorgfalt ein kleines Kind einen Sandkuchen formt, tätschelt und glattstreicht. Sie versuchen es so gut zu machen, wie es in ihren kräften steht –  nicht um irgend jemandem zu gefallen, sondern weil sie es sich als Aufgabe gestellt haben.“ S.29

„Es kommt sehr selten vor, daß ein Kind so anhaltend und absichtlich grausam ist, wie wir es oft bei Erwachsenen sehen.“ S.33

„Es lässt mich daran denken, wieviel Kinder gelernt haben mußten, als sie Leuten noch bei handwerklichen Tätigkeiten zusehen konnten. Dies einzurichten, ist heutzutage gar nicht einfach. So viel von dem, was man heute in unserer Gesellschaft „Arbeit“ nennt, wird ein kleines Kind kaum verstehen und nachvollziehen können (…) Wie gut wäre es, wenn man Wege finden könnte, die es ermöglichten, daß viele Kinder ihnen bei der Arbeit zusehen und ihnen Fragen dazu stellen könnten.“ S. 64

„Kinder lernen durch die Bereitschaft, Fehler zu machen“ S. 73

„Kinder haben ein ungesichertes und vorläufiges Verständnis von der Welt. Wenn wir ihnen zuviel Fragen stellen oder sie mit zuviel Schärfe stellen, schwächen wir es dadurch eher. Ihr Verständnis wächst schneller, wenn wir imstande sind, ihnen zu vertrauen und sie im übrigen in Ruhe zu lassen.“ S.87

„Die meisten von uns werden so taktvoll sein, andere Erwachsene nicht auf ihre Irrtümer hinzuweisen, aber nur wenige werden diese Höflichkeit (oder irgendeine andere Höflichkeit) Kindern zukommen lassen. Und doch wäre es angebracht, daß wir es täten, denn sie nehmen alles wahr, sind empfindlich und leicht verletzt, erniedrigt und entmutigt.“ S.100

„Einer der Gründe, warum Kinder so gut von älteren Kindern lernen, besteht vielleicht nicht nur darin, daß ein älteres Kind die Sprache des jüngeren versteht und sich seiner Ausdrücke bedienen kann, sondern auch darin, daß es ein geeigneteres Vorbild ist, weil es innerhalb des Erreichbaren bleibt.“ S. 112

„Schliesslich lernen Kinder schneller und mehr, als wir ihnen vorgeben oder vorschreiben würden, wenn sie ihrer eigenen Nase und Neugier nachgehen.“ S. 205

„Das Ziel, das ich mit meinem Schreiben verfolge, ist nicht in erster Linie, Eltern, Erzieher und Psychologen zu überreden, neue Doktrinen gegen alte einzutauschen, sondern sie zu bewegen, Kinder immer wieder geduldig und mit Respekt anzuschauen und dabei jede Theorie und jedes Urteil über sie so lange zurückzuhalten, bis sie sich eine einigermaßen zutreffende Vorstellung davon gebildet haben, wie Kinder wirklich sind.“ S. 212

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