Dankbarkeit und Gedankenschnipsel über Verantwortung und Vertrauen

Dankbarkeit und Gedankenschnipsel über Verantwortung und Vertrauen

Als ich ich neulich den vollen Einkaufswagen im Wert von 70 Euro Familieneinkauf aus dem Supermarkt schob, überkam mich wieder dieser Gedanke: Wann ist es eigentlich passiert, dass ich so ganz souverän für eine ganze Familie sorge?
So groß und erwachsen fühle ich mich doch gar nicht. Grad hat mir noch meine Mama Care-Pakete in meine Studentenbude mitgegeben, damit ich durchkomme (das macht sie immer noch) und jetzt bin ich diejenige, die sich um das Wohl der Bande sorgt. Da möchte ich mir da mal selbst auf die Schulter klopfen: die meiste Zeit mache ich das richtig gut und dieses Mutter-Ding macht mir Spaß. Manchmal ist es viel und groß und überwältigend. Ich lerne viel über mich selbst und bin froh, da zu stehen, wo ich heute bin. Ja, ich darf mir da auch mal auf die Schulter klopfen und mich freuen. Mich nicht immer nur schelten, wenn Dinge mal nicht so laufen, wie ich es gern hätte oder denke, dass es optimal wäre.

Vertrauen

Am Mittwoch war ich mit der Tochter auf der Ehrung der Quali-Besten jeder Schule des Landkreises. Quali ist der qualifizierte Hauptschulabschluß, für den die Tochter in den vergangenen Wochen durch die Prüfungen gegangen ist. Die Tochter hat als zweitbeste ihres Jahrgangs an ihrer Schule abgeschlossen. Das freut mich so sehr. Nicht wegen der Note oder wegen des Beste-seins, sondern wegen ihrer persönlichen Entwicklung, die dahinter steckt. All die Jahre, die sie und auch wir es wirklich schwer hatten. Mit Schule, mit unserer Familienkonstellation und allen Themen, die es mit sich bringt, in einer Patchworkfamilie zu leben und mehrfach umzuziehen. Alles Hadern und Verzweifeln, alles Durchhalten, geduldig sein und Vertrauen haben. Das ist, was mich so glücklich macht. Wie sich aus dem Kokon nach so vielen Jahren, die wir es schwer hatten, langsam dieser tolle Schmetterling entfaltet (Raupe und Kokon waren auch toll, keine Frage).

Dankbarkeit

Am Freitag war die Abschlussveranstaltung, wo die Zeugnisse ausgegeben und alle SchülerInnen, die von der Schule gehen, verabschiedet wurden. Es gab schöne Reden, Rührungstränen, viele Dankesworte von allen Seiten, ein kleines Abschiedsritual und ein Buffet. Eltern und Schüler haben sich auf ihre ganz eigene Weise bei den LehrerInnen bedankt und sich von ihnen verabschiedet. Ich bin dankbar für alle, die die Tochter so gut begleitet und unterstützt haben, sie gesehen und genommen haben, wie sie ist. Ihr Potenzial erkannt, ihr vertraut und etwas zugetraut haben.
(Das Titelbild zeigt einen Ausschnitt der Danke-Karten für die LehrerInnen in Form von kleinen Bilderrahmen)

9 Gedanken zu „Dankbarkeit und Gedankenschnipsel über Verantwortung und Vertrauen

  1. hallo ramona,
    ja schulterklopfen find ich gut. anerkennen, was man da geleistet hat, all die ganzen jahre. und was man (aus-)gehalten hat. wir mütter sind der dreh-und angelpunkt, um so mehr in patchworkfamilien. also klopf, klopf,klopf und glückwunsch. und während ich dir dies so schreibe, wird mir bewusst, dass ich auch gerade an einer mütterlichen schwelle stehe. nachdem die zwei grossen töchter schon länger aus dem haus sind zieht jetzt die jüngste nach und wird langsam erwachsen. diese magische zeit zwischen nichtmehrkleinundnochnichtgross. ohja, da geht eine phase unwiderbringlich zu ende. ich glaub, ich klopf auch mal auf meine schulter, nachdem ich mir die tränen abgewischt habe ;-)

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