Noch bevor mein Wecker klingelt, ist der Sterngucker wach. Er liegt die Hälfte der nacht neben mir im Bett, stillt morgens und steht dann auf, um alle Lichtschalter im Schlafzimmer anzuknipsen. Und manchmal auch wieder aus. An Aus An Aus. Dann räubert er weiter, schiebt die Schranktür Auf. Zu. Auf. Zu. Räumt Papas Schachteln mit Manschettenknöpfen aus und steckt mir die kalten Dinger unter die Bettdecke. Entdeckt die Gitarre und zupft ein paar Saiten. Er ist schneller als mein morgendliches Ich. Ich schlurfe also mit ihm zum Bad und mache uns beide tagfertig. Dann wecke ich zuerst die Tochter, indem ich ihren Lichtstern anschalte und ihr Fenster schliesse (damit sie beim Aufstehen nicht gleich erfriert). Auch den Wolf erinnere ich an die Aufstehzeit.

novembertag1

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Frühstück
Ich bereite das Frühstück und die Brotdosen für die Kinder vor, immer wieder mit dem Blick zur Uhr und ein paar durchs Haus gerufenen Worten, um die Einhaltung des Zeitplans zu unterstützen. Ich bewundere den morgendlichen Himmel und den Blick auf die Berge. Der Sterngucker futtert eine Mango und wuselt mir danach um die Beine herum. Endlich sind alle Kinder am Frühstückstisch und essen. Dann ziehen sie sich winterfest an und gehen zum Bus. Der Wolf isst sein restliches Frühstück auf dem Weg. Ich finde es schwierig, morgens das richtige Zeitfenster zu takten. Zu viel Zeit gibt Spielraum, sich zu verzetteln, zu spielen und dann nicht aus dem Haus zu kommen. Zu wenig Zeit macht es stressig und hektisch. Im Winter ist es morgens anders als im Sommer. Die Kinder kommen schlechter aus den Betten und in die Gänge. Die Tochter muss ich mittlerweile um einiges früher wecken als den Wolf, weil sie morgens länger braucht, sich passend zu kleiden und zu stylen. Oder ihr fallen noch Sachen ein, die sie mitnehmen oder erledigen möchte. Sehr dringend, versteht sich.
Als alle Kinder aus dem Haus sind, frühstücke ich erstmal. Und dann auch der Mann. Und der Sterngucker gleich nochmal mit. Dann bringen wir den Mann zum Bahnhof (10 km mit dem Auto hin, 10 km wieder zurück).

Vormittag
Wieder daheim, mache ich eine Runde durchs Haus: betten machen, Waschmaschine anschalten, Schuhe im Flur sortieren und Handtücher für die nassen Schuhe bereitlegen, Fenster von Schwitzwasser befreien. Der Sterngucker wuselt nebenher. Solange er wach ist, kann ich nicht konzentriert arbeiten. Dann packe ich ein paar Packerl von meiner Bastelkisten-Aktion, wechsle eine Stinkewindel, drehe eine Runde durchs Haus, um die ausgebreiteten Sachen vom Sterngucker wieder einzusammeln, pflücke ihn mehrmals vom Tisch. Nach einer kleinen Stillpause kann ich gerade noch verhindern, daß er von der Couch fällt, weil er drauf rumturnt. Ich kümmere mich um den Abwasch in der Küche, bereite mir einen Tee, tausche die Müllbeutel im ganzen Haus, stelle die vollen Müllbeutel vor die Tür und packe weiter Päckle, denn heute möchte ich zur Post.

novembertag3

novembertag4

Mittag
Der Sterngucker wird müde und rast wild durch die Gegend. Ich pack ihn in den Manduca auf meinen Rücken. Er schläft gleich ein. Ich erinnere mich an meinen nunmehr kalten Tee, telefoniere kurz mit dem Mann. Wir warten auf die Bagger, die auf dem grundstück mit den Grabungen beginnen sollen. Danach setze ich mich hin, um Skizzen für ein Logo zu digitalisieren. Das telefon klingelt. Es ist der Schalungsbauer, der noch Pläne braucht. Ich suche sie raus, wechsle den schlafenden Sterngucker auf den Bauch, ziehe mich an und bringe die Pläne zum Grundstück, wp -oh Kribbel im Bauch!- ein Bagger bereits gräbt. Nach einem Gespräch mit dem Bürgermeistert (da da grad zufällig längs kam), der zukünftigen Nachbarin und dem Schalungsbauer, gehe ich zurück ins Haus. Der Sterngucker wird wach und möchte Stillen. Ok, keine Arbeitszeit für mich heut.
Ich mache mir eine Kleinigkeit zu Essen und bereite das Mittag für die Kinder (Kartoffelsuppe) und Rote Beete für heut Abend vor.
Der Sterngucker braucht eine neue Windel. Jedes mal eine Herausforderung, schneller mit dem Lappen am Po zu sein und sauberzumachen als er mit seiner kleinen Hand, um zu tasten, ob noch alles dran ist. Ich räume mit ihm sein Spielzeug auf und drehe wieder eine der unzähligen Runden durchs Haus, um Sachen einzusammeln, die er breitwildert (Papier, Schuhe, Dosen aus der Küche). Ich bin müde und gönne mir eine kleine Pause auf der Couch. Zwei Runden Puppenschuh häkeln schaffe ich, dann muss ich schon wieder hoch, um Unheil zu verhindern und Schaden zu begrenzen. Ich schalte die vorbereitete Kartoffelsuppe für die Kinder ein, räume die nasse Wäsche aus der Waschmaschine, schalte eine neue ein. Dann mache ich die Suppe fertig und lasse die Kinderbande rein, die 13:30 vom Bus kommt.
Ich setze mich mit ihnen gemeinsam zum Essen hin und höre zu, was es zu erzählen gibt. Die Post kommt. Dabei ein Packerl von meinem Vater. Mit geknackten Walnüssen, Maroni und einem verlorengeglaubten Playmobil-Säbel vom letzten Oma-Besuch des Wolfes. Juhu! Großes Glück. Der Sterngucker quengelt. Die Tochter schlägt vor, mit ihm raus zu gehen. Also zieht sie sich und den Minibruder wieder an, ich packe ihn in den Kinderwagen und sie geht mit ihm spazieren. Zum Grundstück, zu den Kälber, eine Runde durch den Ort. Der Wolf wärmt sich in seinem Zimmer auf, wir lesen eine Geschichte in seinem momentan liebsten Buch aus der Bibliothek „Zacharias Zuckerbein“, dann geht er auch raus, um dem Bagger auf dem Grundstück zuzuschauen.

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Nachmittag
Ich versorge die Spülmaschine, räume Gruschel weg und packe unser Zeugs zusammen, was ins Auto muss. Gegen 15:00 Uhr kommt die Tochter wieder rein. Sie wechselt in ihre Reitsachen. Ich belade das Auto mit den Paketen für die Post und bringe den Müll in die Mülltonne & zum Kompost, setze den Sterngucker ins Auto. Dann ist auch die Tochter soweit und wir fahren bis zum grundstück, schaun nochmal, wie weit die Abeiter sind und sammeln den Wolf ein. Ich bringe mit Hilfe der Kinder die ganzen Packerl zur Post. Während ich zahle, schaun sich die beiden größeren im Spielzeugladen um (der gleich neben der Post ist). Ich schaue noch ein wenig mit, suche ein Wichtelgeschenk für unser Twitterwichtelkind aus und ratsche mit einer Schulmama aus dem Ort. Ein Blick auf die Uhr: wir müssen uns beeilen. Die Tochter hat 16:00 Reiten. Alle schnell wieder ins Auto. Wir bringen die Tochter zum Pferdehof und fahren danach zurück, um noch diverse Einkäufe zu erledigen. im Buchladen kaufe ich Karten und möchte Konzertkarten für ein Lars-Eisbär-Musical kaufen. Die möchte ich gern in den Nikolaus-Stiefel tun. Die gibt es aber nur in der großen Stadt. Dann fahre ich zum Edeka, um noch einige fehlende Sachen zu kaufen. Per Handy kläre ich mit dem Mann, wann wir ihn am Bahnhof einsammeln sollen. Es bleibt uns noch zeit für einen Abstecher zum Blumenladen, wo ich Steckmasse kaufe und der Wolf eine Blume geschenkt bekommt. Er ist extra deswegen mit reingekommen, um nach einer Blume zu fragen. Er hat mal eine Rose geschenkt bekommen und fand das sehr schön.

Abend
Dann sammeln wir den Mann am Bahnhof und die Tochter beim Reiterhof ein und fahren gemeinsam nach Hause. Da sind alle schon hungrig und müde. Die Tochter und der Wolf streiten sich. Es gibt Kindergeschrei. Zuhause wärmen wir die restliche Suppe auf und essen ausserdem Brot & Rote-Beete-Salat. Dann bringt der Mann den Sterngucker ins Bett, ich kümmere mich um die Küche. Dann tauschen wir, ich telefoniere noch mit der Tochterfreundinmama einige Wochenendorganisationssachen ab. Der Mann liest dem Wolf vor, die Tochter telefoniert mit ihrer Freundin, ich kuschle mit dem Wolf, dann schreibe ich den Tagesbericht, küsse den Mann, hänge die nasse Wäsche auf und gehe ins Bett. Vielleicht lese oder Stricke ich noch zwei Reihen. Aber nur vielleicht. Denn eigentlich fallen mir die Augen schon zu. Donnerstage, diese!

4 thoughts on “Ein Tag im November

  1. Schön…wie viel Zeit du mit deinen Kinder verbringen kannst….Du hast auch einen super vollen TAg…aber es hört sich trotzdem irgendwie nicht überstresst an….
    Viele Grüsse Luise

  2. Uuuuf, ich dachte nur ich habe so volle Tage :-) Aber es ist auch schön, besonders wenn es einem gelingt in dem ganzen Trubel zwischen Kinder und Küche wenigstens einen Projekt, ob kurz im Keller sortieren oder ein wenig arbeiten, auf den Weg zu bringen.

    Meistens nehme ich mir immer eine Sache vor, und wenn mehr daraus werden, war das schon ein sehr effizienter Tag. Manchmal lasse ich aber die Zeit schleifen und erhole mich in den kleinen Pausen, aber nur manchmal.

    Toll, dass Du noch stillst. Meine Tochter wird 12 Monate am 05. Dezember, und ich werde schon schief angeguckt „was, du stillst, noch! sie kann doch schon alles essen“. Mittlerweile wird es schon nach und nach mein kleiner Geheimnis – ich rede einfach nicht mehr darüber. Kommt Zeit, kommt Rat. Momentan ist mir noch gar nich danach.

    Schönes WE, Julia

  3. Ach, noch eine Frage: als Du den Sterngucker vom Rücken auf den Bauch gewechselt hast (warum eigentlich?) und dann raus gegangen bist, hat er da die ganze Zeit geschlafen? Wenn ja, wie hast Du ihn wettertauglich angezogen? Oder hast Du noch den Mamaponcho oder ähnliches und das reicht?

    So Tragemamafragen. Ich find das nämlich immer superdoof den Sohn manchmal zu wecken weil wir los müssen. Er wird einfach wach wenn ich ihn aus dem Bett hochnehmen. Wenn ich merke dass er mal recht spät mittags schläft und ich abschätzen kann dass er noch schlafen würde wenn wir los müssen die Käthe abholen, dann würde ich ihn nämlich gleich in der Trage schlafen lassen. Aber da ist ja das leidige Anziehen….

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