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Elternblog-Fragen

Die geschätzte DasNuf hat wieder eine kleine Fragerunde auf ihrem Blog. Die Fragen fand ich sehr interessant. Das hat mir Lust gemacht, mal in mich zu gehen und nach Antworten zu suchen.

  • Was haben dich deine Kinder gelehrt?

In erster Linie ganz viel über mich selbst, indem sie mir immer wieder den Spiegel vorhalten. Sie zwingen mich, mein Verhalten zu reflektieren und auch mal mich selbst zu erziehen, damit ich weitergeben kann, was mir wichtig ist. Da kommen Themen hoch, an die ich vielleicht ohne Kinder nie gekommen wäre. Alte Muster, Grenzen, Denkweisen. Ein sehr spannender Prozess.

  • Was hilft dir in den anstrengenden Zeiten (Schlafmangel, Autonomiephase & Co.)?

Den Blick aufs Große und Ganze zu richten. Weg von diesem einen kleinen nervigen Detail. Auf das Gute konzentrieren, auch wenn es gerde dann schwer ist, es zu sehen. Und Abstand. Mal rauskommen. Durchatmen. Das Kind mal jemandem anderen geben und eine Stunde Schlafen. Austausch mit anderen, gleichgesinnten Müttern. Perspektivwechsel. Atmen. Letztendlich Vertrauen und Hingabe.

  • Was fehlt dir aus dem kinderlosen Vorleben? Ist es für immer verloren? Kommt es wieder und wenn ja, wie?

Gedanken zu Ende denken. In den Tag hineinleben. Konzentriert an einer Sache arbeiten und dafür einen größeren Zeitrahmen zur Verfügung zu haben. Selbstbestimmung. Das kommt aber alles wieder. Und das, was nicht wieder kommen wird, das vermisse ich nicht. Das hatte seine Zeit und war schön. Jetzt ist etwas anderes dran. Das ist ja auch immer Teil einer Entwicklung.

  • Was hast du mit den Kindern für dein Leben dazu bekommen?

Einen Lebenssinn. Etwas, wofür ich lebe. Es ist doch viel schöner, für jemanden zu leben als einfach nur mit jemandem zu leben. Ich habe ganz viel Lachen bekommen, Liebe, interessante Anschauungen (die Kinderlogik!), Erfahrungen, Narben, Mut und Stärke. Jedes Thema, was die Kinder mit sich bringen, in das ich mich neu einarbeite, sei es durch Erfahrung oder Belesung, ist ein Gewinn. Und später habe ich hoffentlich jemanden, der mich im Alter besucht, nicht allein sein lässt.

  • Über welche Tabus im Zusammenhang mit Kindern wird zu wenig geschrieben und was sind deine Erfahrungen dazu (Sexleben als Eltern? Überfordertsein? Die Kinder nervig finden? Wie führt man Beziehungen nach einer Trennung? …)?

Hmmm. Ich lese grad nicht so viel im Internet, deshalb weiss ich gar nicht, wieviel darüber geschrieben wird. Mich würde mehr zu Patchworkfamilien interessieren. Da gibt es ja die allerbuntesten Facetten. Wir leben ja selbst eine Patchworkfamilie. Ich verstehe natürlich auch, daß es sich nicht so einfach drüber schreibt, weil so viele Personen involviert sind, deren Privatshäre geschützt werden möchte. Oder weil das Thema oft noch mit Schmerz oder Emotionen geladen ist. In diesem Zusammenhang finde ich auch das Thema Trennungen interessant. Vorallem in Verbindung mit Kindern. Welche Auswirkungen hat so eine Trennung. Über die Verletzungen innen drin, vielleicht auch über psychosomatische Störungen, die damit zuammenhängen, Verhaltensveränderungen, Traumata. Und wie man damit umgehen kann, was hilft. Auch für einen selbst, wenn man nicht viel machen kann, Schuldgefühle hat oder gegen Hilflosigkeit und Wut ankämpft. Dieses Thema ist mein persönliches größtes Thema, mein Tabu, meine Herausforderung. Daran suche ich regelmässig meine Stellung, meinen Platz, meine Aufgabe, aber auch meine Grenzen. Da ist noch viel Verletzung, die ich trage, obwohl sie nicht mir gehört. Viel Loslassen wollen, aber irgendwie auch nicht können.
Ich schreibe darüber nicht, weil es kein öffentliches Thema ist. Weil ich beim Veröffentlichen eines Blogbeitrags immer im Hinterkopf habe, wer ungefähr alles meinen Blog liest (neben all den Unbekannten). Weil es mein Thema ist. Und ich mich verletzbar fühle.

Kein Tabuthema, aber trotzdem interessant, finde ich immer wieder die Alltagsorganisation von anderen (Groß)familien. Wie gehen Arbeitsalltag und Kinder zusammen, wie strukturieren anderen ihren Tag, ihren Speiseplan, ihren Einkaufszettel, ihre Finanzen, ihre Routinen. Da gewinne ich oft Einsichten und Ideen, die dann auch bei uns funktioneren (oder eben nicht). Was kostet es, eine 5 köpfige Familie zu ernähren, zu kleiden. Da gibt es soviele interessante Modelle. Das finde ich spannend.

  • Welche wichtige Frage habe ich im Zusammenhang mit Kindern und Familie total vergessen und was möchtest du dazu loswerden?

Oh, da fällt mir grad keine ein. Also keine Frage. Ich finde immer wieder sehr spannend, mir Gedanken zu machen, über Muster, die wir an unsere Kinder weitergeben durch unser Verhalten. Auch Muster, die wir von unseren Eltern mitgenommen haben, schon über Generationen und (unreflektiert) weiterleben. Themen, die immer wieder auftauchen (bei mir ist das immer noch und immer wieder Kontrolle und Anerkennung/was denken andere über mich). Wie beeinflussen solche Muster mein Leben, meine Kinder. Wie wird dadurch das Familienkonstrukt, auch mit Schwiegereltern, Partnern, Eltern beeinflusst?

Ein anderes sehr interessantes Thema in allen Lebenslagen, ob mit oder ohne Kindern, sind Erwartungen. Ich finde das ein sehr grundlegendes Thema. Was erwarte ich von anderen, von mir selbst. Wie sehr engen mich meine eignen Erwartungen ein, wie sehr werden andere (Kinder, Partner?) von meinen Erwartungen eingeengt. Wie sind Enttäuschungen an nicht-erfüllte Erwartungen geknüpft und wie begegne ich denen? Wie kann ich mich frei machen von Erwartungen? Ist das für mich ein Gewinn? Oder doch ein Verlust (Kontrolle? Sicherheit?) ?

Ich mag auch nicht, wie oft Kinder (oder Erwachsene) darüber definiert werden, was sie können (oder nicht können) und nicht darüber, was sie sind. Warum bin ich stolz, wenn mein Kind ein tolles Zeugnis nach Hause gebracht hat? Ist es nicht viel wichtiger, zu wertschätzen, daß es zB ein Thema hatte, wo es über sich hinausgewachsen ist. Oder einen Prozess durchgemacht hat, wo es viel Energie investieren musste und viel gelernt hat?

Das nur so in den Raum geworfen zum Weiterspinnen, Liegenlassen oder Reflektieren.

Hast du Themen, die dich gerade bewegen? Worüber du gern mehr lesen würdest? Oder ein Thema, was du (neu) entdeckt hast? Blogs, die du sehr hilfreich findest?

2 Kommentare

  • dasnuf

    Hab mich gefreut, dass du die Fragen auch beantwortet hast. Nachdem ich dich die letzten Male immer mitaufgezählt hatte, wollte ich dich nicht schon wieder behelligen, deswegen warst du nicht in der Liste.
    Jedenfalls: Gerne gelesen und das Thema Patchworkfamilie, da würde ich auch sehr gerne, sehr viel mehr lesen. Wir sind ja selbst eine, aber ich hab genau das Problem, das du schilderst. „Betroffen“ ist ja nicht nur meine Kernfamilie sondern auch die anderen Familienteile, die es vermutlich ohnehin nicht so prickelnd finden jemanden in der Familie zu haben, der bloggt.

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