Vom Taschengeld

Vom Taschengeld

Als die Tochter 6 war, kam sie zu uns und wollte gern regelmässig Taschengeld haben. Wir setzten uns mit ihr zusammen und beratschlagten, welche Höhe für sie gut ist und wie sie es ausgezahlt haben möchte (wöchentlich, monatlich, 14 tägig). Wir legten uns auf 6 Euro fest (an ihrem Alter orientiert), die sie zunächst wöchentlich ausgezahlt haben wollte (1,50 Euro pro Woche). Sie war so interessiert am Prozess des Einkaufens, der Erfahrung des Habenwollens und Besitzens, daß sie damit gleich zum Spielzeugladen lief und in endlosen Diskussionen mit mir feststellen musste, daß sie sich für 1,50 Euro eigentlich nichts kaufen konnte, was sie begehrte. Wir gingen dazu über, ihr das Geld einmal im Monat zu geben. Auch das gab sie bei nächster Gelegenheit aus. Gelegenheiten hatte sie genug, da wir in der Stadt lebten und sie jederzeit in Geschäfte gehen konnte (mit uns, mit Freunden in den Penny bei der Schule, allein ins Zoogeschäft gleich in unserer Strasse). Nach einer Zeit entwickelte sie aber ein Gespühr für Werte und es kam eine Phase, in der sie überhaupt kein Geld ausgab. Nun, das hat sich wieder geändert. Mittlerweile bekommt sie mit 12 Taschengeld in Höhe von 12 Euro. 6 Euro per Überweisung auf ihr Konto, 6 Euro in bar auf die Hand. Davon kauft sie sich Süßigkeiten, Zeitschriften und kleine Dinge, die sie haben möchte. Manchmal heben wir gemeinsam auch Geld vom Konto ab, wenn sie etwas braucht. Da sie auch größere Wünsche hat, die sie sich erfüllen möchte, gibt es immer die Möglichkeit, Geld dazu zuverdienen. Rasenmähen, Babysitten, bei Freunden putzen, Auto innen putzen, Pfandflaschen wegbringen… Da gibt es schon Möglichkeiten.
Wichtig für die Kalkulation eines Taschengeldes finde ich, zu schauen, was das Kind davon bezahlen möchte bzw soll. Danach richtet sich dann auch der Bedarf. Lebensmittel, Hygieneartikel und Schulsachen zahlen natürlich wir. Auch Taschengeld für Reisen oder mal ein Schwimmbadbesuch. Wenn sie sich allerdings im Schwimmbad Eis oder Süßkram kaufen möchte, dann geht das vom Taschengeld weg.

eisgeld

Der Wolf hat vor einer Weile auch Taschengeld erfragt. Er bekommt, wie damals seine Schwester, auch 6 Euro. Anfänglich kaufte er davon Kinderzeitschriften, Süßkram und Eis. Später sollte es Lego sein. Da mussten wir aber feststellen, daß er mit 6 Euro noch keine Lego-Sets bekommt, die er gern möchte. Nun sind wir dazu übergegangen, daß er alle 3 Monate 15 Euro ausgezahlt bekommt, mit denen er sich im Spielzeugladen zB Lego kaufen kann. Oder er investiert einen Teil auf dem Flohmarkt (diese Möglichkeit bietet sich hier allerdings äußerst selten). Den monatlichen Resteuro lege ich in seinen Geldbeutel. Davon kauft er sich Eis, wenn der Eiswagen kommt. Dafür hängt an der Garderobe immer sein kleiner Geldbeutel (den damals die liebe Ringelmiez für ihn genäht hat) mit entsprechendem Kleingeld. Wenn der Eiswagen klingelt, kommt er angerast und schnappt sich das Geld.

Taschengeld ist hier im übrigen nicht an Bedingungen (Hilfe im Haushalt oder Gehorsam) geknüpft. Es ist bedingungsloses Grundeinkommen.

Wie hast du die Taschengeldfrage gelöst? Wie kennst du es aus deiner Kindheit? Was bezahlen die Kinder davon?

11 Gedanken zu „Vom Taschengeld

  1. Bei uns steht das Taschengeldthema auch bald an, aber wir haben noch nicht konkret ausbaldowert, wie wir es machen wollen. Für später, wenn die Kinder schon „groß“ sind, finde ich das Konzept sehr interessant, das in der Familie des Mannes gefahren wurde: Die Kinder haben ein sehr hohes Taschengeld bekommen (ich glaube, 200 oder sogar 250 Mark im Monat), mussten davon aber auch alles bezahlen: Schulbücher, Hefte, Kleidung, Freizeit, Süßigkeiten…Weil zb Schulbücher zu Anfang des Schuljahres immer gleich einen großen Batzen kosteten, mussten sie lernen, zu diesem Zeitpunkt ausreichend Geld zurückgelegt zu haben, damit in diesem Monat nicht das ganze Taschengeld für Bücher und Schulsachen draufging. Der Mann sagt, er hat so den Umgang mit Geld und den Wert von Geld kennengelernt und er findet das bis heute die beste Taschengeld- Methode.
    Ich bin gespannt, wies bei uns läuft, wenn der große ab seinem sechsten Geburtstag regelmäßig Taschengeld bekommen soll…

  2. Die Regelung, die ihr getroffen habt, klingt wirklich gut und ist so ähnlich, wie das bei meinem Bruder und mir war, als wir klein waren.
    Wir bekamen auch, jeweils an unserem Alter, Taschengeld. Bei mir ging das so, bis ich etwas 14/15 Jahre alt war, dann wünschte ich mir mehr Taschengeld, musste davon aber auch mehr bezaheln. Wieviel es genau war, kann ich nicht mehr sagen, aber ich weiß noch, dass ich meine Eltern nicht immer um Geld bitten wollte, wenn ich z.B. mal ein neues Kleid/eine neue Hose o.ä. kaufen wollte. Seit diesem Zeitpunkt kaufte ich meine Kleidung immer selbst. :)
    Mit 14 bekam ich dann auch ein eigenes Taschengeld-Konto mit EC-Karte – das war spannend! Das Konto hatte natürlich keinen Dispo, aber es war toll zu lernen, mit einer Karte umzugehen und ein Gefühl dafür zu entwickeln, dass das Geld auch auf diese Weise ‚verschwindet‘, auch wenn ich es nicht sehe. ;)
    Freundinnen von mir bekamen im Alter von 16 an aufwärts z.B. ihr Kindergeld, mussten davon aber alles bezahlen (wie ella es beschreibt). Das wollte ich auch erst, entschied mich dann aber dagegen, weil ich mein Geld nicht für Schulsachen und so ausgeben wollte.
    Ich denke, wenn man sich gemeinsam für oder gegen ein Modell entscheidet (und es bei Bedarf anpasst) ist das immer richtig. :)

  3. Ich persönlich finde, Taschengeld ist, wie der Name schon sagt, etwas Geld für die Tasche, das Kindern, solange sie abhängig sind und kein eigenes Einkommen habe, regelmäßig bedingungslos zur freien Verfügung gestellt wird.
    Es soll vor allem dazu dienen, dem Kind schrittweise den selbstständigen Umgang mit Geld und Kaufvorgängen beizubringen.
    Vom Taschengeld Schulsachen kaufen zu müssen (auch wenn der Betrag entsprechend hoch ist), finde ich persönlich nicht schön.
    Taschengeld sollte für die Extras und schönen Dinge bestimmt sein, die man nicht zwingend braucht, aber gerne haben möchte ;-) Schulsachen gehören – in meinen Augen – zum Grundbedarf eines Kindes, für den die Eltern sorgen sollten. Taschengeld sollte auch nicht als Druckmittel benutzt werden.
    Wie gesagt, das ist meine persönlich Meinung. Ich weiß leider nicht mehr, wieviel Taschengeld ich erhalten habe, weiß nur noch, dass ich ein fleißiger Sparer war ;-)

  4. ella,

    Ab dem 12. Geburtstag war es bei mir genauso wie bei Ellas Mann. Ich kann mich noch gut daran entsinnen, wie erstaunt ich war, wie schnell das viele Geld wegging für doch eigentlich selbstverständliche Dinge. In einem Winter mussten meine Eltern sogar warme Schuhe sponsern, weil ich es nicht im Blick hatte, dass es zu kalt für Turnschuhe würde :-)
    Im Ergebnis habe ich als Teenager nähen gelernt, um den Kleidungsetat zu entlasten, kaufe bis heute eher Sachen, die lange halten und kann das System empfehlen. Als Eltern muss man aber gelegentlich sehr tapfer sein, wenn an mitansieht, wofür das Kind das Geld ausgibt.

    Mein Elfjähriger wäre für so etwas noch nicht reif genug. Er bekommt zur Zeit 2,50 € pro Woche, die er mit gelegentlichen Botengängen für uns oder die Nachbarn aufpeppt. Gerade haben wir beschlossen, das Geld auf sein Konto zu überweisen, da er mit elf von der Bank eine „richtige“ Karte bekommt und es cool findet, zum Automaten zu gehen. Ausgegeben wird das Geld vor allem für Comics. Als wir die Anschaffung einer Nerf-Plastikwaffe verweigert haben, hat er so lange eisern gespart, bis er das nötige Geld zusammen hatte.

  5. Mein Sohn ist 10 Jahre alt und bekommt auch seit dem 6. Lebensjahr Taschengeld. Angefangen haben wir mit 1 € pro Woche, mit 8 erhöhte sich das auf 2 € pro Woche und jetzt bekommt er 10 € im Monat. Auch bei uns ist Taschengeld an keine Bedingungen geknüpft und Lebensmittel (außer besonderen Schnakerkram), Pflegeprodukte und Co. bezahlen wir. Da er oft Dinge mutwillig kaputtmacht, sind wir dazu übergegangen, ihn diese von seinem Taschengeld bezahlen zu lassen. Kann aber noch nicht feststellen, ob es da schon eine Veränderung gegeben hat. Die Taschengelder für Juni und Juli sind für zwei Sätze zerstörte Stifte draufgegangen, nachdem ich vier Jahre lang alle drei Monate neue kaufen mußte.

  6. Unser Großer ( fast 7) bekommt 2 Euro die Woche, die er für das ausgeben darf, was er möchte. Bezahlen muss er davon Dinge, die er in der Schule verschlampt . Er bekommt von uns die Grundausstattung, geht aber recht sorglos mit seinem Material um, so dass schon nach wenigen Schulwochen fast nichts mehr im Mäppchen war. Seidem muss er Stifte usw. nachkaufen, wenn sie binnen drei Tagen nicht wieder auftauchen. Sind die Stifte klein gearbeitet, kann er sie bei mir kostenlos tauschen genauso wie Kleber usw. Gibt er einen Stift zurück, weil er wieder aufgetaucht ist, bekommt er auch sein Geld wieder. ( Leztens waren es fast 40 Euro – die Schulputzfrau hatte die Fundsachen in der Schulputzkammer gehortet und keiner wusste von der Kiste. Als diese gefunden wurde, stand der Große mit einer ganzen Tupperschüssel voll mit Material vor der Tür inklusive seiner seit 3 Monaten verschollenen Brille und dem seit 3 Wochen fehlenden Mäppchen – wobei er Brille und Mäppchen nicht selbst bezahlen musste, da dies seine Möglichkeiten überstiegen hätte)
    Er bekommt bei Ausflügen die gleichen Vergünstigungen wie seine kleinen Brüder – also wenn es ein Eis gibt, dann für alle. Gibt es kein Eis, steht es ihm frei sich eines von seinem Geld zu holen.
    Von seinem Geld kauft er sich meist Playmobil und er spart auch darauf, damit es ihm eine gescheite Packung reicht.

  7. Wir haben das eigentlich genauso wie Du gelöst mit dem Taschengeld. Ich glaube, es gab das erste Mal Taschengeld mit 8 oder 9, weil ein Freund Taschengeld bekam. Davor war das einfach kein Thema.
    Jetzt ist unser Sohn 13 und bekommt 13 Euro Taschengeld. Und ist zufrieden damit. Zusatzverdienste gibt es durch Flaschenwegbringen und ähnliches, wie bei Dir. Das klappt alles sehr gut. Es liegt vielleicht aber auch immer am jeweiligen Kind, unserer ist am Geldausgeben einfach (noch?) nicht so interessiert – worüber ich sehr froh bin. Wir sind es allerdings auch nicht. Wir überlegen auch immer noch gemeinsam bei Ausgaben, ob dies oder das jetzt wirklich sein muss – aber das kommt, wie gesagt, selten vor. Da er eine Leseratte ist, tut es einfach die lokale Bibliothek und überhaupt, dass man Sachen leihen bzw. verleihen kann und nicht jeder alles selbst haben muss, haben wir schon sehr früh besprochen.

  8. Ps

    Verschlampte Sachen müssen auch selbst ersetzt werden, natürlich verhältnismässig – Radiergummis, Stifte etc. Schulsachen bezahlen ansonsten wir Eltern, auch Kleidung etc. Selbst nähen, das finde ich toll, schaffe ich aber nicht einmal selbst….
    Und man kann ja nichts erwarten, was man selbst tut.
    Primär wird das Taschengeld auf Süssigkeiten verwendet, auch schon mal auf einen Kinobesuch. Mit diesen kleinen Dingen – und mit Einkäufen, die er für unseren gemeinsamen Haushalt tätigt (natürlich nicht von seinem Geld) wird ja auch schon klar, was die Dinge kosten, und darum geht es ja auch irgendwie, oder?
    Schön finde ich, wenn er z.B. eine Runde Eis für die Familie spendet von seinem Taschengeld!

  9. Hier sind alle mit ihren 2 und 1 Jahren natürlich viel zu jung für Taschengeld, ich kenne es aus meiner Kindheit so und so.

    Eine Zeit lang gab es ein „Bedingungsloses Grundeinkommen“, das änderte sich dann irgendwann in der Pubertät und musste sich teuer „erputzt“ oder „erholfen“ werden.
    Ein Modell das ich bei meinen Kindern *nicht* anstrebe. Ich erinnere mich einfach daran wie Blöd ich alleine die Änderung von „gibts so“ zu „mach was“ fand. Neben dem (gefühlt) ständigen ermahnen der Eltern in der Pubertät kam dann auch noch der Zwang dazu (zwar durchaus notwendige) Aufgaben zu übernehmen, die ich lieber ab und zu freiwillig als häufig (so in meiner Erinnerung) unter Zwang gemacht habe.

  10. Bedingungsloses Grundeinkommen, das finde ich super und mache es genauso. Wir haben im Bekanntenkreis erschreckend viele, die Taschengeld kürzen oder einbehalten, wenn das Kind nicht “ gehorcht“.
    Ich finde es schrecklich, denn auch wenn ich mich mit meinem Chef streiten würde, möchte ich trotzdem mein Gehalt haben.
    Anders sieht es aus, bei verschlampten Schulsachen oder Zerstörung, da würde ich auch drauf bestehen, das die Kinder es selber bezahlen, was zum Glück aber noch nie vorgekommen ist.

    Lieben Gruß
    Simone

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