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Wir und die Medien :: Medienerziehung

Vor einer Weile schrieb ich schonmal vom virtuellen Elternabend zum Thema Medienerziehung. Der Elternabend war sehr interessant, kratzte aber nur an der Oberfläche herum. Das meine ich überhaupt nicht negativ, sondern eher im Sinne von: da ist noch viel Diskussionspotenzial enthalten. Scoyo hat das genutzt und gemeinsam mit BerlinMitteMom, die auch eine der Gäste auf dem Elternabend-Hangout war, zu einer Blogparade zum Thema Medienerziehung aufgerufen.

Noch bevor die Frist zu Ende ist, erzählich ich euch, wie wir das so handhaben.

Medienerziehung bei Jademondens
Das Thema Medien und Medienerziehung begegnet mir immer wieder, sei es im Internet oder auf den Elternabenden und dem Elternbeiratstreffen der Schule. Es beschäftigt die Gemüter in alle möglichen Richtungen. Wir suchen nach einem Weg, einem richtig und falsch. Aber gibt es das? Ich glaube nein. Ich glaube, es ist genau so ein individuelles Thema wie Ernährung oder der allgemeine Lebensentwurf. Wichtig finde ich jedoch, sich immer wieder zu reflektieren, zu überlegen, wohin wir gehen wollen, was unsere Ziele sind und welche Werte wir weitergeben wollen. Wie wir unseren Kindern Werkzeuge auf den Weg geben können, sich da draussen zurechtzufinden, ihren Weg sicher zu gehen und sich selbst treu zu bleiben.

Doch bevor ich hier endlos darüber referiere wie es ist, was man sollte oder könnte, was wie aufs Gehirn wirkt oder auch nicht, lasse ich dich mal in den Medienumgang in unserer Familie blicken. So wie es jetzt gerade ist. Denn wir ändern unser Verhalten und unsere Standpunkte auch immer mal wieder.

Fernsehen und Filme
Wir haben kein Fernsehgerät. Das hat sich irgendwann mal so ergeben. Wenn wir eine Sendung sehen wollen, dann bedienen wir uns sehr gezielt der Mediatheken oder Livestreams (Fussball!). Somit gibt es kein ungefiltertes Herumzappen oder Kampf um ein TV Gerät. Wenn wir Filme sehen wollen, dann leihen wir sie uns online (iTunes und Amazon) oder bedienen uns aus den wenigen DVD’s, die wir besitzen und schauen sie am Laptop an. Kommt selten bis kaum vor. Denn wir finden schlicht keinen geeigneten Zeitraum. Die Tochter schaut sich Filme auch allein an oder mit/bei ihrer Freundin. Manchmal veranstalten sie dafür extra Filmeabende mit Übernachtung, was ich sehr schön finde.

Computer, Handy & iPad
Diese Geräte sind hier ständig präsent, denn sie sind Teil unseres Jobs. Wir Erwachsenen arbeiten am Laptop, oft auch in kleinen Zeiteinheiten zwischendrin, um die Menge an anfallenden Tätigkeiten zu schaffen. Hier arbeite ich immer wieder neu an einer Routine, um nicht ständig auf den Bildschirm zu starren. Momentan habe ich es mir eingerichtet, vormittags am Laptop zu sein, vor allem, wenn der Sterngucker schläft. Das iPad benutze ich persönlich eigentlich nie. Mit dem Handy ist es schon schwieriger. Das nutze ich, um E-Mails zu checken, Neuigkeiten zu lesen (wie andere Zeitung) oder Fotos zu machen und zu teilen. Das heisst, mein Handy ist meistens griffbereit. Ich kann es aber auch gut eine Weile liegen lassen, ohne draufzustarren, denn so wichtig ist das, was da drin passiert nun auch nicht. Ich checke öfter Mails, wenn ich weiß, daß ich Feedback von Kunden erwarte. Ausserdem gibt es hier die Regel: kein technisches Gerät bei Tisch. Das heisst: maximal ein (paar) Fotos vom Essen machen, dann kommt das Ding weg. Wir haben auch keine Musik während des Essens laufen. Nach dem Essen sind sowohl Bücher und Zeitschriften als auch das Handy wieder gestattet. Das klappt eigentlich ganz gut.

Die große Tochter (12)
Sie hat ihr eigenes Handy, abgetragene Smartphones aus der Familie. Damit bleibt sie mit ihren Freunden in Kontakt, hört Musik und spielt manchmal Spiele. Auch hat sie meinen alten Laptop. Auf dem spielt sie online. Hier trifft sie sich auf 2-3 Spieleplattformen mit Freundinnen aus dem echten Leben, um gemeinsam zu spielen. Zudem schaut sie natürlich YouTube-Videos und hört bzw. verwaltet ihre Musik. Phasenweise verbringt sie sehr viel Zeit im Internet, dann wieder lange Zeit kaum. Viel lieber ist sie mit Freundinnen unterwegs und macht analoge Sachen. Aber das geht halt aufgrund der räumlichen Distanz und der unterschiedlichen Stundenpläne nicht immer. Ihre Internet-Zeit und Handlungsspielraum sind durch die Eltern-Einstellungen am Mac und der FritzBox begrenzt. Durchschnittlich bleibt sie aber in ihrer Internet-Nutzung pro Woche unter dem gesetzten Tageslimit und bewegt sich durchschnittlich bei etwas mehr als 1h pro Tag. Mit dem Smartphone kommt sie an die 3-Stundengrenze (was aber auch daran liegt, daß sie Musik über youtube oder spotify hört, die ja online laden. Sie starrt also nicht 3 Stunden in das Kastl rein). Wichtig ist mir, daß wir immer wieder im Gespräch sind und ich weiß, was sie tut. Ich unterstütze zB keine ‘illegalen’ Filmeseiten, sie ist nicht auf Facebook und nutzt kein WhatsApp. Ich helfe ihr bei Fragen und Problemen. Wir erkunden gemeinsam Möglichkeiten oder schauen uns Dinge an, die für sie interessant sind.

Film
Legofilmchen, ausnahmsweise am Laptop, weil das ipad in der Arbeit lag

Der Wolf (6)
Er schaut am Wochenende pro Tag eine ca. 20 min lange Episoden am iPad auf YouTube nach dem Aufstehen.. Das sind diverse Let´s Play Videos wie beispielsweise Super Mario Lego oder Fluch der Kabirik  Das sind so Videos, wo Gamer diese Spiele spielen und dazu mehr oder weniger witzig oder für Erwachsene nervig kommentieren. Bei ihm ist es wichtig, auf dem iPad die Kindersicherung einzustellen. Damit kann er nur dieses eine Video ansehen und danach nicht weiterklicken. Damit hat er ein klares Ende. Das findet er selbst auch sehr wichtig, damit er eben nicht in Versuchung gerät noch eins und noch eins zu schauen und dann ‘zu versacken’. Hin- und wieder schaut er nachmittags einen Film auf DVD. Das kommt aber vielleicht 1-2 Mal im Monat vor. Früher hat er manchmal Serien wie Petersson und Findus auf YouTube geschaut: Das interessiert ihn aber nicht mehr. Die meiste Zeit rennt er draussen mit den Nachbarjungs rum, fährt Fahrrad und macht Zeugs, bei dem ich 90% nicht weiß, was genau. Wieviel er bei den Nachbarn Filme/Sendungen schaut oder am Nintendo spielt weiss ich nicht, das kontrolliere ich auch nicht. Daheim braucht er beim Medien-Konsumieren noch viel Begleitung und klare Absprachen. Es fällt ihm schwer, sich an die getroffenen Absprachen zu halten, wenn er von den Filmen eingesogen wird. Hier erleben wir dann lauten wütenden Streit, trotz Absprachen. Daran arbeiten wir noch. Spiele darf er unterwegs spielen, wenn wir lange Strecken im Auto unterwegs sind, unverhoffte Wartezeiten auftreten oder sich Ungeduld und damit verbundene Wutausbrüche schnell mit einem Spiel auf dem Handy umschiffen lassen. Da ist aber auch immer ein klares Ende in Sicht. Nicht immer fällt es ihm leicht, da auch loszulassen.

Der Sterngucker (2)
Er schaut noch keine Sendungen. Manchmal schnappt er sich mein Handy und macht Fotos damit. Aber generell interessieren ihn die Sachen noch nicht. Bei ihm achten wir mehr drauf, als noch beim Wolf.

Vorbildwirkung
Sowohl in dem Scoyo Elternabend als auch auf dem Blog von BerlinMitteMom tauchte die Frage nach der Vorbildwirkung. Ich finde Vorbild sein viel wichtiger als Verbote und Gerede. Gemeinsam Filme auswählen, Absprachen halten. Selbst reflektiert mit den Medien umgehen, sein eigenes Verhalten immer wieder hinterfragen und ggf neu definieren und nachjustieren. Dabei finde ich es wichtig, den Fokus zu behalten. Was möchte ich tun, was tute ich? Daddel ich rum oder bin ich produktiv? Und weil es hier oft schwer ist, den Unterschied nach aussen erkennbar zu machen, ggf auch den Kindern erklären, was ich da eigentlich grad tue, wenn ich am Rechner sitze (“Du darfst an den Laptop und ich nicht!!!”). Oft genug halten uns die Kinder auch selbst den Spiegel vor. Dann ist das ein guter Zeitpunkt, wieder innezuhalten und sich bewusst zu werden (“Du hängst auch die ganze Zeit am Handy rum!”), denn manchmal ist die eigene Wahrnehmung eine ganz andere als die meines Gegenübers.

Ich könnte hier jetzt noch Seitenweise weiterschreiben. Da fallen mir immer und immer wieder neue Aspekte und Bespeispiele ein. Aber ich möchte es erstmal dabei belassen, beantworte aber gern Fragen.

Hier geht es zur Blogparade.
Hier findest du den Elternabend-Hangout von Scoyo.

2 Kommentare

  • Sabine

    Ein interessantes Thema mit dem ich mich auch immer wieder auseinandersetze. Bei unserer Jüngsten ( 6 Jahre ) werden wir den Umgang mit den Medien ganz anders machen als bei unseren anderen drei Kindern.
    Ich bin sowas von froh, dass sie noch kein Interesse daran zeigt.
    Auch mein Verhalten gegenüber unseres PC’s hinterfrage ich immer wieder kritisch, vor allem weil ich oft länger davor sitze, als ich ursprünglich wollte. Die Vorbildfunktion finde ich sehr wichtig.
    Weitere Beiträge von Dir würden mich sehr interessieren.
    Habt einen schönen Sonntag
    Sabine

  • creawolle

    Liebe Ramona,

    möchte mich bei Dir für Deine Laternen-Anleitung bedanken. Hab ganz fleissig drei gewerkelt und bin ganz begeistert davon. Zwei wurden verschenkt, auch die Beschenkten haben sich sehr gefreut. Vielen Dank fürs Teilen.

    Viele Grüße,

    Martina

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