Labyrinth

One year ago I moved from Hamburg to Freiburg and went through the most chaotic year of my life. And the most interesting and most teaching so far. If I can say so.

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Genau ein Jahr ist es her, daß ich morgens um 6:00 auf dem Freiburger Hauptbahnhof angekommen bin. Mit dem Nachtzug von Hamburg. Mit den Kindern (Sohn, damals 6 Monate; Tochter, damals 6 1/2) und einer Freundin und ihrer Tochter. Für einen Neuanfang. Wir waren aufgeregt und neugierig. Der Umzugswagen war gleichzeitig unterwegs. Auf der Strasse. Zuerst brachte er die Sachen von der Freundin nach Stegen. Danach zu uns nach Munzingen, wo ich per Internet eine Zwischenbleibe gemietet hatte. Zum verweilen und in Ruhe Wohnung suchen. Wir machten uns also auf nach Munzingen. Eine kleine Odyssee mit Bahn und Bus. Und ach oh Schreck, was erwartete uns da in unseren „80 qm Wohnatelier aus einer umgebauten Schreinerei“!? Chaos war’s. Ein Durchgangszimmer genutzt als Aufenthaltsraum für alle WG-Bewohner. Eine versiffte Kochecke mit leeren Bierflaschen, angetrockneten Essensresten, Kippen in Aschenbechern. Schon der Hof war von Hundehaufen gespickt, Schlafen sollten wir in einem Hochbett unterm Dach. Nein, so hatte ich mir das nicht vorgestellt. Ich wollte weg, sofort. Hunde und Katzen liefen durch den Raum, durch zugige Schlupflöcher. Aber der Umzugswagen war herbestellt. Was tun? Geduldig harrten wir der Dinge. Den kleinen liess ich nicht krabbeln, die Tochter spielte hocherfreut mit den Hunden und der Katze. Ich war erschöpft.

Keine Nacht wollte ich da verbringen. Ich buchte ein Zimmer im Backbacker Hotel in Freiburg, liess die Möbelpacker unsere Sachen in Munzingen unterstellen und fuhr mit den Kindern und dem nötigsten Gepäck nach Freiburg.

Die Wohnungssuche entpuppte sich als schwieriger als wir dachten. Wir verbrachten die erste Woche Zypresse lesend und Wohnungsanzeigen studierend im Backpacker Hotel, jeden Tag hoffend, etwas zu finden. Jeden Tag das Zimmer neu buchend. Die letzten Tage schliefen wir sogar im Gemeinschaftsschlafsaal.

Aber es war auch eine schöne Zeit. Die Tage im Backpacker Hotel. Begleitet von warmen Menschen, die uns ihr Mitgefühl und ihre Nähe zeigten. Es gab immer was zu Essen, immer interessante Gespräche – einige von den Menschen treffe ich heute immer noch. Ich habe viel gelernt. Über unsere Ansprüche, über Bedürfnisse und darüber, was wirklich zählt im Leben.

Ein Jahr. Und so viel ist passiert in so kurzer Zeit.

2 thoughts on “Lebenswege

  1. Schön sowas zu lesen und weiterhin viel Energie und genügend Ausgeglichenheit für das nächste Jahr. Im übrigen erinnert mich deine Geschichte auch ein wenig an meinen Start hier oben: erste Woche im Hostel verbraucht und nebenher Wohnung gesucht. Gut, das mit der verdreckten Wohnung hatten wir nicht, bin ich aber auch froh!

    Alles Gute weiterhin!
    LG. M

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