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Heute morgen, als ich im Auto sass und vom Bahnhof zurück fuhr, waren sie plötzlich da. Erinnerungsfetzen, wie sie manchmal ohne besonderen Grund das Gehirn stürmen und einen in die Vergangenheit oder Gefühlswelten zurückversetzen. Ich pfiff also kleine Sequenzen von Märschen vor mich hin und erinnerte mich an meine Jahre im Spielmannszug.

Marschmusik im Herzen

Von meinem 10.Lebensjahr an spielte ich im Spielmannszug. Zuerst bei den Kindern, später bei den Erwachsenen. Wir lernten Märsche zu blasen und passend dazu zu marschieren. Wir nahmen an Meisterschaften teil, veranstalteten Trainingslager und fuhren zu Blasmusikfestivals und kleinen Vereinsreisen. Der Spielmannszug war mit in dieser Zeit ein zweites Zuhause. So bin ich mit einer Verbindlichkeit und Gemeinschaft durch die Pubertät gekommen. Ich habe jüngeren Kindern das Flöte spielen beigebracht und hatte Verantwortung. Das war ein stabiler Pfeiler während meiner Teenager-Jahre. Gemeinsam Musik zu machen, ein Ziel zu haben und die Gemeinschaft hat mein Herz erfüllt, mich getragen und wachsen lassen. Dort habe ich auch meinen ersten Freund kennengelernt, das Leben ausserhalb von Familie und Schule.

Ich erinnere mich genau, wie gern ich zu Meisterschaften das Zusammenspiel von vielen anderen Spielmannszügen liebte. Ein Stadion voller Marschmusik, die Zeichen des Tambormajors, die alle verstanden. Die Bewegungsabläufe, die auf seine Zeichen folgten, die wir so lange geübt hatten. Und dann die Fanfarenzüge, deren Klänge ich eigentlich noch mehr liebte.

Dieses Gefühl also überkam mich heute morgen im Auto. Ein bisschen wehmütig, dass diese Zeit vorüber ist. Aber auch Freude, dass sie da war und sich so tief in meinem Herzen festgesetzt hat, dass sie mich auch nach so vielen Jahren noch wärmen kann.

3 thoughts on “Erinnerungsfetzen

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