image

image

image

Neulich dachte ich an meine Brieffreundin aus Finland, die ich nun schon seit über 15 Jahren kenne. Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich ihre ersten Briefe in der Hand gehalten und gelesen habe. In meiner kleinen Wohnung in Kühlungsborn, während meiner Studienzeit in Heiligendamm. Und dann kamen mir all diese Gedanken an diese Wohnung. Wie ich das Meer in der Ferne sehen konnte, wenn ich aus dem Küchenfenster schaute. Wie ich die runtergekommene Bruchbude zusammen mit meinem Vater renovierte. Wie wir Kohlen bestellt haben für den Kachelofen im Wohnzimmer. Wie ich im Winter nur 10 Grad in der Wohnung hatte, weil ich tagsüber an der Hochschule war und abends nicht einheizen wollte. Wie der Wind durch die Fenster pfiff. Ich dachte an den alleinerziehenden Nachbarn und wie er mir ein Glas voller Bernsteine geschenkt hat für eine Urkunde, die ich ihm kalligrafierte. Ich dachte an all die wunderbaren Menschen, die ich in dieser Zeit kennengelernt habe und zu Besuch bei mir hatte. An gutes Essen und das ein oder andere Gläschen Wein. An Internet mit Modem und meine allererste Website. An ein Bild aus dem Fotografieband „Venus“ von Günther Blum*, was ich erinnere an die Wand gemalt zu haben. Mit schwarzer Farbe. An Abende in der Badewanne mit Wein und einer Freundin, wie ich mit ihr Haare gefärbt und berauscht vom Wein gekichert habe. An Strandspaziergänge. An wunderbare Geschenke, die ich zum Teil immer noch habe und hüte. An Monate, in denen das Geld knapp war und ich mich durch Carepakete und Eingekochtes von Muttern über Wasser gehalten habe. An Kartoffeln, die ich auf dem Stoppelfeld gesammelt habe und an mein Fahrrad, daß ich im Trödelhaus in Plauen gekauft und mit an die Ostsee genommen habe. An die Mollie-Bahn und wie ich einmal auf der Strasse arg stürzte, weil die Reifen meines Fahrrades in den Schienen der Molliebahn hängengeblieben war. An frisch gefangenen Fisch aus Rerik. An einen Autofahrer, den ich mal nachts, als ich von einer Party kam, aus dem Strassengraben gezogen habe. An viele kleine Details, Erinnerungsfetzen, Gefühle, Momente. Unser Gehirn ist verrückt, nicht?!

5 thoughts on “Erinnerungsfetzen

  1. Schön das zu lesen ….
    Ich kenn das auch …oft auch mit Wehmut und Sehnsucht verbunden , so liest es sich bei dir auch etwas….
    Ich hab dann oft auch noch Gerüche dazu in der Nase ….

  2. Da gebe ich dir recht. Manchmal kommen mir ganz plötzlich Dinge in den Kopf, an die ich mich lange nicht erinnert habe. Dann sind sie einfach wieder da, verrückt…
    Lg Sternie

  3. wie schön!
    und ja, unser hirn ist ein tolles ding. ich hab das auch schon erlebt, daß lang vergangenes, an das ich jahrzehnte nicht dachte, durch einen gegenstand, ein foto, einen geruch, aus den hinteren erinnerungsritzen urplötzlich freigesetzt wurden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.