Herbstblues – wie es mir gerade geht

Herbstblues – wie es mir gerade geht

schafe

Nein, ich glaube eigentlich nicht, daß mein Blues am Herbst liegt. Denn eigentlich mag ich den Herbst mit allem, was dazu gehört. Dennoch geht es mir gerade nicht gut und ich möchte hinschauen, was mich bewegt. Manchmal hilft ja schon, darüber zu schreiben, um die Themen zu beleuchten und Loszulassen oder aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Trübsal und unerledigte Sachen
Ich blase Trübsal in einem Ausmaß, wie ich es von mir nicht kenne. Ich bin unmotiviert, müde und antriebslos, obwohl draussen das tollste, farbenfrohste Herbstwetter herrscht. Wir haben klaren Blick auf die Berge und die Bäume leuchten in den wundeschönsten Farben. Die Sonne scheint und doch ist mir trüb zumute. Ich habe das Gefühl, nicht voran zu kommen, niemandem gerecht zu werden, am allerwenigsten mir selbst. Es ist immer irgendwas zu tun, immer bleibt was liegen. Ich merke, daß ich keine Geduld für die Kinder habe, schnell laut und ungehalten werde, wenn hier wieder ein Wutanfall hereinbricht, Dinge durch die Gegend fliegen und Geheul und Geschrei schon den Morgen bestimmen. Wenn der Sterngucker in seinem kindlichen Forschungsdrang das Haus wie ein Orkan verwüstet und ich eigentlich den halben Tag damit beschäftigt bin, an die Hausregeln zu erinnern (gegessen wird am Tisch, an der Treppe wird nicht geklettert blah blah) oder das Schlimmste zu verhindern (z.B. unabschwaschbare Stempelfarbe auf den Dielen, abstürzende Kletterkinder auf dem Treppengeländer, breitgeschleppte ausgepackte Bananen und geplünderter Kühlschrankinhalt). Selbst Hausarbeiten fühlen sich unproduktiv an, weil der kleine Räuber die frisch aufgehangene Wäsche wieder abnimmt, weil er meint, daß er mir damit hilft. Dann bin ich sauer auf mich, weil ich keine Geduld habe, weil ich mich nach ungestörter Arbeitszeit sehne. Dann bin ich sauer auf den Mann, weil er mich hier allein lässt und auf Geschäftsreise fährt. Ich habe keine Lust zu kochen, keine Lust auf Hausarbeit oder Einkaufen. Alles fühlt sich leer und sinnlos an.

Den Fokus ändern
Tief innen drin weiss ich ja, daß das alles Quatsch ist und alles wieder gut sein wird. Momentan muss ich meinen Weg da durch finden. Meinen Ansprüche an mich selbst neu definieren. Wertschätzen, was ich alles erreicht habe und nicht den Fokus so sehr auf die unerledigten Dinge lenken. Das sagt sich immer so einfach daher, ist im Alltag aber schwieriger als gedacht. Ich habe beschlossen, mir Hilfe zu suchen, da ich noch ein zwei andere Themen habe, an denen ich immer wieder zu Knabbern hab und die ich gern loslassen können möchte. Vielleicht finde ich in meinem Mütterkreis einen Hinweis auf jemanden, mit dem ich gemeinsam anschauen kann, wo es eigentlich hakt.

Lebenszyklen aus yogischer Sicht
Sehr interessant ist, daß ich gerade meinen 18er Lebenszyklus beende. Ich habe die ganze Zeit nicht darüber nachgedacht, aber jetzt kommt es mir wieder in den Sinn. Der 18er Zyklus ist der Zyklus des Lebens. Ihn betreffen:

  • Lebensstil, äußere Ziele, Lebensumstände
  • angefangene und gepflegte Beziehungen
  • Aktivitäten
  • Gesundheit, Ebene und Qualität unserer Lebensenergie

Nun ja, was soll ich sagen. Wir haben ein Haus gebaut. Da hat sich so einiges in unserem Leben geändert und manifestiert, was vorher nur eine Richtung oder ein Gedanke war. Ich merke, daß hier viel passiert ist auf so verschiedenen Ebenen. Jetzt müssen wir uns erstmal neu sortieren. Das braucht sicher seine Zeit und Aufmerksamkeit.

16 Gedanken zu „Herbstblues – wie es mir gerade geht

  1. Ich habe immer wieder diese Phasen, wie Du es im zweiten Absatz beschrieben hast. Ich versuche dann einfach es zu registrieren, für mich. Und dann zu akzeptieren und nicht dagegen ankämpfen, was meistens mir einfach zu viel zusätzliche Energie abverlangt. Im nächsten Schritt versuche ich mehr für mich zu tun, so weit es geht.

    Vielleicht liegt es aber auch an den hormonellen Hintergründen, die im Alltag untergehen ohne beachtet zu werden. Oder auch an den Wachstumsschüben unserer Kinder.

    In diesen Zeiten fange ich jeden Funken Energie, Motovation und Inspiration auf, die ich bekommen kann, um doch nach vorne zu schauen, wenn es mir gelingt, z. B. diesen Post hier. Es zeigt mir, dass es die Anderen auch damit ringen, kämpfen und machen. Es zeigt mir, dass es zum Leben gehört. Und ich weiß auch, dass morgen sowieso alles besser wird :-)

    Die Theorie mit den Lebenszyklen hört sich sehr interessant an.

    LG Julia

  2. Manchmal ist es so. Der Text ist sehr treffend formuliert und zeugt von großer Achtsamkeit gegenüber sich selbst.

    Vielleicht ist es dieses Gefühl, wenn alle Kinder auf der Welt sind und ein Hausbau geschafft ist….

    Alle guten Wünsche zum Durchschreiten des Tales!

  3. „Gute“ Ratschläge sind wohl das letzte, was du jetzt brauchst! Also einfach ein: Ich fühle mit Dir, denn was Du beschreibst, klingt mir sehr vertraut. Du schaust genau hin, wo es drückt – das ist der erste, eigentlich der wichtigste Schritt, wie ich finde. Alles andere braucht Zeit. Ich wünsche Dir, dass Du eine gute Begleitung auf Deinem Weg findest!
    LG,
    katobia

  4. Wie schön formuliert von Dir! Bei den ersten Sätzen musste ich so an mich denken…so erging es mir auch einmal und Schuld waren bei mir aber körperliche Ursachen…wenn Du magst, lasse auch einmal beim Arzt Deine Schilddrüsenwerte (TSH, fT3 und fT4) überprüfen! Ganz liebe Grüße und viele sonnige Momente im Gemüt ;-) Kristina

  5. Liebe Ramona, was du beschreibst klingt mir sehr vertraut und ich wünsche dir dass du gute Hilfe bekommst, die nicht nur körperliche Ursachen (Schilddrüse, Vitamin D) ausschließt sondern auch alles andere auffängt. Bei dem großen Angebot an „Hilfen“ schien es mir sehr schwer jemand geeigneten zu finden und ich habe lange gebraucht bis ich mich gut aufgehoben fühlte. Hoffentlich geht es bei dir ganz schnell. Alles Liebe von Maria aus Berlin!

  6. Ich drück‘ dich doll aus der Ferne. Ein jeder Mensch, der behauptet, es würde ihm immer gut gehen, lügt. Danke, dass du so ehrlich bist und das laut sagst, was die meisten zu verstecken suchen.

  7. Liebe Ramona,

    für mich klingt das nach einem klassischen Burn-Out, in dem ich auch gerade stecke. Ich wünsche dir viel Kraft und empfehle dir dieses Buch von Herzen, das mir unfassbar geholfen hat!

  8. Liebe Ramona,

    das klingt ja nicht so gut.
    Ich finde du musst dich nicht verstecken, vor dem was du gleistet hast. Du bist vor einigen Jahren in Bayern angekommen (was für einen Sachsen sicherlich nicht ganz leicht ist … die bayrische Mentalität ;-)), hast tolle, energiegeladene, clevere und charmante Kinder. Hast gemeinsam mit dem Mann ein Traum von einem Haus gebaut, hast Energie in Planung, Koordination und Management investiert. Hast deine Leser im Blick und lässt uns täglich teilhaben, an deinem Leben – DANKE dafür. Da darfst du auch mal erschöpft sein und da darfst du dir auch mal eine Auszeit gönnen … wie war das mit einer Kur?!

    Ich kenne selbst solche „Stimmungstiefs“ wo alles zu viel ist, ich nur am rummotzen bin, mich über mich selbst ärgere und bereits nach dem Aufwachen lieber wieder schlafen oder zumindest liegen bleiben will. Auf Arbeit gebe es einiges zu tun, aber ich weiß nicht wo ich anfangen soll und Freude ist auch schon lange nicht mehr dabei. Gerade an diesen Tagen strebe ich nach Anerkennung und Bestätigung vom Chef, vom Mann, von der Welt … aber woher soll diese kommen.

    Mir hat eine Heilpraktikerin daraus geholfen – ich sehe Sie nur zwei dreimal im Jahr, aber sie hat mir im letzten Jahr ein wahres „Wundermittel“ rausgesucht, passend zu meiner Stimmung , meinen seelischen und körperlichen Symptomen. Und was soll ich sagen es wirkt! Wenn ich dieses Mittel nehme (das letzte Mal vor vier Monaten) dann geht es ab, ich sitze gleich in den ersten Tagen, bis nachts und schaffe Dinge, die vorher nicht gingen. Ich kann Arbeiten erledigen und neue Aufgaben angehen, die Antriebslosigkeit ist verschwunden und das Leben fließt wieder besser. So eine extreme Wirkung ins Positive hätte ich mir nicht träumen lassen, aber so ist es … klar gibt es immer noch tausend Dinge zu tun, aber ich bin zufriedener und ich stehe gerne wieder auf und freue mich am Leben ;-).

    Ich wünsche dir ebenso einen Heilpraktiker / Heilpraktikerin oder ähnliche Lebenshilfe in deiner Nähe, mögen Sie dich unterstützen und eine Zeit mit dir gehen.

    Lg

  9. Liebe Ramona,
    ich lese so gern bei Dir. Und gerade heute bewundere ich Deine Offenheit und auch Deine Klarheit mit Dir selbst. Es geht Dir nicht gut, Du siehst es und willst etwas tun. Gut so! Ich wünsche Dir von Herzen, daß Du einen Weg für Dich findest, der Dir gut tut, und daß es Dir bald besser geht!
    Mir selbst ging es schon ein paar Mal so – in meinem Fall waren es immer die Hormone. Lass doch bitte zur Sicherheit Deine Schilddrüse checken. Ich habe Hashimoto und wurde jahrelang falsch behandelt. Erst jetzt, wo ich richtig eingestellt bin, geht es mir richtig gut. Natürlich gibt es viele andere Ursachen, gerade auch Überlastung. Aber einmal Blut abnehmen und testen kann da sicher nicht schaden.
    Ich denk an Dich.
    Alles Liebe,
    Steffi

  10. Liebe Ramona, genau so wie du es hier beschreibst, ist es mir letzten November gegangen. Grad frisch umgezogen nach Hausbau, viel zu viele Aufgaben, die dasitzen und einen wartend anschauen, und eine unheimliche Kraftlosigkeit. Sowie völlig unerwartet neue Perspektiven und Verhältnisse, was Familie und Beziehung betrifft. Ich finde es gut, dass du dir Hilfe suchen willst. Ich hab das nicht gemacht, und es hat etwas gedauert, wieder aus diesem Loch raus zu klettern. Mir hat es geholfen, immer wieder kleine Inseln für mich selbst zu schaffen (laufen, einfach mal spazieren gehen mit guter Musik in den Ohren, Menschen treffen), und zwar täglich. Das war kinderbetreuungstechnisch zeitweise der Wahnsinn, aber es war der richtige Weg. Langsam, langsam hab ich „mich selbst wieder wachgeküsst“ und war wieder eine Frau und nicht nur die richtig gut funktionierende Mama. Es war ein langer Weg, aber es hat sich gelohnt. Dein Weg wird ganz bestimmt ein wenig oder sehr anders aussehen, und das soll auch gar kein Tipp oder Ratschlag sein oder so, sondern nur eine Bestärkung darin, auf dich zu hören und die Augen offen zu halten. So ein Hausbau-Kleine Kinder-Arbeiten-Situation ist einfach wahnsinnig anstrengend! Aber am Ende wird alles gut sein. Und wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende. (Sagte mir eine Freundin mal. ;-) )
    Alles Liebe, Katharina

  11. Ich kann das sehr gut nachvollziehen.
    Der Nachteil einer motivierten, positiven Einstellung kann nämlich sein, daß Du zu tief aus der Quelle schöpfst – Deine Reserven so weit aufbrauchst, daß Du Dich über die Dinge, wenn Du sie endlich vollbracht hast, gar nicht mehr so freuen kannst, und daß Dich Dinge, die Dich vorher kaum gestört hätten, jetzt angehen.
    Allgemeine Dünnhäutigkeit.
    Das kann mehr als ein Urlaubswochenende oder ein paar mal Ausschlafen brauchen, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen.
    Streß sorgt manchmal auch für Hormonungleichgewicht, deshalb stimme ich meinen Vorkommentatorinnen zu, ab zum Endokrinologen.
    Nur als ökonomischer Vorschlag, das zuerst, denn: ich kenne Leute. die sich jahrelang therapeutisch abgearbeitet haben. Eine gute Diagnostik später… kannst Du immer noch entscheiden, wie Du das behandelst ;-)
    Alles wird gut, Katja

  12. auch wenn du es grad negativ empfindest: „quatsch“ ist es ja nun nicht, denn du fühlst dich aktuell so, bist erschöpft, lust- und kraftlos (so liest es sich). das anzuerkennen ist ein wichtiger schritt.

    und manchmal ist das leben schwer. grad im november: das äußere leben zieht sich zurück, die seele muß vielleicht erstmal zur ruhe kommen und sich einfinden. zudem hast du so viel „geschafft“ in diesem jahr, einen hausbau und den umzug neben dem normalen alltag! und dann ist das geschafft und die energie sackt in den keller – ein ganz normales phänomen. bloß so unangenehm auszuhalten, wenn vorher alles so kraftvoll war.

    ich wünsche dir alles gute!

    (ich kenne es ähnlich, dann spinnen mir die hormone mein leben durcheinander und ich bin frustriert vor allem von mir. nur die normalen frauenhormone halt, meine seele ist da stark beeinflussbar. auch mir hilft hinzugucken – und homöopathie.)

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