Schon im November habe ich begonnen, mein Jahr, dieses 2015, zu reflektieren. Zurückzublicken auf die vergangenen 12 Monate mit ihren Herausforderungen, Geschenken und Momenten. Ich lese gern andere Jahresrückblicke und auch meine eigenen der vergangenen Jahre. Beim Schreiben meines eigenen Jahresrückblicks finde ich die Fragen von Jana sehr inspirierend (dieses Jahr hat Jana sogar die Fragen, ergänzt um einen Ausblick auf das neue Jahr, als Download zur Verfügung gestellt).

Ich startete das Jahr sehr motiviert, merkte aber, wie mir zunehmend die Puste ausging. Mitte des Jahres kam mir die Erkenntnis, daß ich ausgebrannt bin und mich erstmal etwas zurückziehen möchte. Ich klärte organische Ursachen für einige Symptome, die ich habe/hatte, ab und besprach mich oft und viel mit dem Mann. Ich traf Entscheidungen, die nicht immer einfach waren und schaue nun, wie es weiter geht.

Neben meinen Belastungsgrenzen waren auch Freundschaften ein vorrangiges Thema. Was in der ersten Jahreshälfte noch schmerzhaft war (ungeklärt beendete Freundschaften, Funkstille, Mißverständnisse an verschiedenen Enden) kehrte sich zur zweiten Hälfte in durchweg schöne Erfahrungen. Ich habe neue Herzensfreundinnen dazugewonnen, solche, die mir mein Herz wirklich weit und warm machen, habe alte Freundschaften wiederentdeckt und ganz überraschend eine sehr schöne Weihnachtskarte bekommen. Ich schliesse das Jahr also ganz erfüllt und in Frieden ab. Der Rest wird sich fügen. Ich möchte da gern loslassen.

1. Welche bedeutsamen Entscheidungen habe ich im vergangenen Jahr getroffen?

  • eine Schule für den Wolf
    der Kindergarten für den Sterngucker
    Entscheidungen bzgl meiner Arbeit, die jedoch noch nicht ausgegoren sind, aber sich bereits sehr weitreichend anfühlen

2. In welche Richtung hat sich mein Leben dadurch entwickelt?

Entscheidungen machen frei. Bei allen Entscheidungen habe ich viel Zuspruch und positive Rückmeldung bekommen, sehr viel Rückhalt und Bestätigung. Wohin sich alles langfristig entwickeln wird, steht noch offen. Die meisten Entscheidungen haben wir erst Ende des Jahres getroffen, sodass die Veränderungen sich im neuen Jahr zeigen werden. Ich hoffe auf mehr innere Balance, Zeit, Fokus und entspanntere Nerven.

3. Was war die größte Überraschung bzw. Freude in diesem Jahr?

Eine Weihnachtskarte einer alten Freundin hat mich sehr überrascht. Überhaupt Freundschaften. Welche Wege sie nehmen, welche unerwartete Verbindungen da sind. Ich hatte zu einer Studienfreundin 13 Jahre keinen Kontakt, im November haben wir uns zu einem Wellnesswochenende getroffen. Manche Freundschaften sind verlässlich und beständig, da gibt es wenig Überraschungen. Andere sind immer wieder Arbeit und emotional. Besonders schön sind frische Freundschaften, wo alles noch neu, zart und aufregend ist. Ich hatte in diesem Jahr von allem etwas. Und tatsächlich habe ich mich dieses Jahr ganz oft über liebe Worte auf allen möglichen Wegen gefreut. Das Jahr war voller wunderschöner Gespräche, Auszeiten und Seelenstreichel.

4. Was war die stärkste Enttäuschung?

Es gab traurige Momente, Erschöpfung, Orientierungslosigkeit. Enttäuscht war ich über ungeklärte Mißverständnisse und die Auswirkungen. Aber wirklich nichts, woran ich michn lange aufhalten möchte.

5. Was ist 2015 zu kurz gekommen? Was habe ich vermisst?

Ich habe meine Ausgeglichenheit und Geduld vermisst.

6. Was habe ich über mich selbst gelernt? Welche noch offenen Themen sind mir bewusst geworden?

Meine eigenen Grenzen. Meine tiefsitzenden Glaubenssätze über mich selbst, meine Verletzlichkeit, meine Erwartungen und Anforderungen an mich selbst. Damit stehe ich mir oft selbst im Wege. Aus dieser Erkenntnis ist auch mein Motto für 2016 entstanden: Loslassen. Loslassen dieser alten Glaubenssätze und Denkmuster, loslassen von Ballast in materieller und energetischer Form, loslassen von Beziehungen und Ansprüchen.

7. Worauf bin ich stolz?

Auf meine Selbstreflektion, meine Kinder, die Beziehung mit meinem Mann, auf meine Fähigkeiten und meinen Optimismus.

8. Wie haben sich die Beziehungen zu den für mich wichtigen Menschen entwickelt?

Ich gehe aus diesem Jahr so dankbar raus, denn gerade die wichtigen Beziehungen haben sich gefestigt und stabilisiert. Sie sind mein Anker und mein Boden. Mein Nest, meine Nahrung. Ich habe zwei ganz wunderbare Menschen in diesem Jahr dazugewonnen (obwohl ich sie schon länger kenne), aber unsere Freundschaft hat eine tiefere Qualität bekommen, die ich gerade sehr geniesse. Andere Beziehungen sind innig wie eh und je. Ich konnte im Juni ein Freundinwochenende geniessen, die ersten Nächte weg vom Sterngucker.

Die Beziehung zum Sterngucker: Wir haben aufgehört zu stillen. Nach meiner kleinen Stillkrise im Oktober 2014 hat es doch noch fast ein Jahr gedauert, bis wir uns tatsächlich gelöst haben. Und nun fühlt es sich aber rund und richtig an. Es war weder für den Sterngucker noch für mich schmerzhaft. Wir haben das Stillen einfach ausgeschlichen. Es war ein ganz wunderbar natürlicher Prozeß.

9. Wie habe ich meine Lebenszeit gestaltet? Womit bin ich zufrieden? Womit unzufrieden?

Ich habe gelebt. Sehr intensiv, manchmal widersprüchlich, ich habe Fehler gemacht, Entscheidungen getroffen, ich war kreativ und auch mal ganz planlos. Ich habe selbständig als Kommunkationsdesignerin für meine Kunden gearbeitet, die Familie gemanaged, Kinder begleitet, gelacht, geküsst, geweint, Sport getrieben, geliebt, gehofft, geschrieben, ich bin gereist, ich war an der Ostsee, ich habe Schulanfang gefeiert und das erste mal den Sterngucker im Schulbus fahren lassen. Ich habe getröstet, Essen gekocht, Wäsche gewaschen, eingekauft, Geschenke gemacht, Überraschungen erhalten. Ich habe Bücher gelesen, mir Sorgen gemacht, bin erleichtert gewesen, habe überrascht, gegeben, empfangen. Und ich bin dankbar gewesen.

{familie} Ich bin dankbar für meine Familie. Die kleine wie die große. Immer und immer wieder erfahren wir Unterstützung von unseren Eltern und Geschwistern, meiner Tante und Oma. Wir telefonieren oder schreiben uns regelmässig, bekommen Carepakete und besuchen uns gegenseitig.
Die Geschwister streiten und lieben sich, halten zusammen, wenn es drauf ankommt. Wir haben alle unsere Geschichten, an denen wir wachsen. Wir sind füreinander da, lachen viel und geniessen das Beisammensein.
Herausfordernd finde ich tatsächlich das Altersspektrum der Kinder und die unterschiedlichen Bedürfnisse aller Familienmitglieder. Das führt oft zu Spannungen und Frust. Da muss ich vielleicht auch den Anspruch loswerden, allen gerecht werden zu können. Es ist hier oft laut, es fallen harte Worte und fliegen die Fetzen und Türen. Das hätte ich gern anders. Friedlicher, achtsamer, dankbarer.

{beruflich} Mein Ausgebranntsein und meine Orientierungslosigkeit zeigten sich übers Jahr gesehen auch in meiner Auftragslage und genereller (un)Zufriedenheit meiner Arbeit und Kunden. Ich möchte gern meine Freude an dem, was ich tue zurückerlangen und diese Schaffensfreude in meiner Arbeit sichtbar machen. Finanziell lag mein einkommen unter dem von 2014.

{kreativ & Handarbeit} Ich hatte viele kreative Projekte. ich habe bei Lifebook 2015 mitgemacht, einem Mixed Media Online Kurs von Willowing Art, der über das ganze Jahr lief. ich habe nicht alle Aufgaben mitgemacht, aber die mich angesprochen haben, waren toll. Ich habe mich für 2016 wieder angemeldet. Auch die Arbeit mit Ali Edwards One Little Word Kurs hat mir Spaß gemacht. Ich habe ein Skizzenbuch begonnen und auch mal draussen gezeichnet. Ich war auf einem Kalligrafieworkshop von Torsten Kolle und habe generell wieder mehr geschrieben und kalligrafiert. Es ist schön, wieder mehr ins Tun zu kommen. Weniger Zeit habe ich beim Stricken verbracht. Entweder kamen mir nicht die richtigen Projekte unter, oder meine Muße hat generell etwas geschlafen.

{Fitness & Gesundheit} Im Februar waren wir eine ganze Weile recht hartnäckig erkältet, den Rest des Jahres haben wir gesund durchgebracht. Vielleicht jeder mal mit einer Erkältung. Ich hatte ein paar nervige stressbedingte Symptome und Verspannungen. Ich war weniger Laufen, dafür aber regelmässig Schwimmen. Ich habe das silberne Rettungsschwimmerabzeichen geschafft und war wieder öfter beim Yoga. Jetzt gegen Ende des Jahres merke ich allerdings, daß Kondition und Kraft wieder Training brauchen. Im Sommer war ich oft am See, entweder abends allein zum Schwimmen oder zum Dienst bei der Wasserwacht. In der Wasserwacht habe ich eine schöne gemeinschaft gefunden, in der ich mich wohlfühle und sinnvoll einbringen kann.

10. Wofür bin ich dankbar?

Das Gefühl, angekommen zu sein.
Sicherheit, Frieden, Familie, Freundschaften, Essen auf dem Teller und Dach überm Kopf, Gesundheit, Wohlstand und eine Fülle an täglichen Möglichkeiten und Entscheidungen.

11. Welche Situationen, eigenen Verhaltensweisen, Menschen tun mir nicht gut?

mich mit anderen vergleichen, Dinge von anderen Menschen erwarten, hohe Ansprüche an mich selbst, Menschen, die Negativität ausstrahlen und immerzu meckern, Situationen in denen ich viel Lärm ausgesetzt bin, viele Menschen auf einen Haufen, Stress, Hektik

12. Welche Situationen, Zufälle, Menschen haben mich unterstützt?

Das waren in diesem Jahr zuallererst mein Mann, meine Familie, mein Mütterkreis, Freundinnen und Mairegen.
Ich habe im November begonnen, ein Coaching mitzumachen. Es besteht aus Stimm- und Lebenscoaching. Ich hatte bereits drei Sitzungen und merke, wie es in mir arbeitet.
Im Sommer habe ich Jana getroffen. Wir konnten uns spontan verabreden. Wir haben einen Tag miteinander verbracht und die zeit dabei völlig vergessen. Das tat mir so sehr gut. Ausserdem meine Frauenwochenenden mit Gesprächen, Faulsein und Kuschelzeit. Meine Zeit im Kloster zum Kalligrafiekurs empfand ich sehr schön. Und viele überraschende oder geplante Alltagsbegegnungen mit der ein oder anderen Umarmung ohne Worte. Sehr wohl tat mir unser monatliches Date mit dem Mann.

13. Wenn ich dem Jahr 2015 einen Titel geben sollte, wie würde er lauten?

Mein Wort für 2015 war Heal. Und das ist tiefer gegangen als ich Anfang des Jahres dachte. Ich finde den Titel sehr passend. Heilen.

Ausblick 2016
1. In welche Richtung soll sich mein Leben entwickeln?
Ich möchte wieder Sinn in meiner Arbeit und zurück zu meiner Mitte finden, ich möchte Orientierung und Entschleunigung. Beibehalten möchte ich die Herzenswärme, Liebe und Wertschätzung, die mir wiederfahren ist.
2. Was bzw. wer könnte mich bei meinen Vorhaben unterstützen?
Ich selbst, denn alles ist bereits in mir. Freunde und Familie für Support und Rückhalt. Im November habe ich auch die Zusammenarbeit mit einem Coach begonnen. Ich geniesse inspirierenden Input von Blogbeiträgen, Büchern und Gesprächen sowie die Arbeit mit Workbooks und E-Kursen. Ich freue mich auf bereits gebuchte Reisen und noch ungeplante Workshops.
3. Um welche Themen will ich mich verstärkt kümmern? Wie?
Um meinen Anspruch an mich selbst, das Vergleichen mit anderen und Erwartungen, die ich habe. Ich habe dafür einen Coach, werde mich dem Thema aber auch durch Selbstreflektion, Gespräche und Arbeitsbücher widmen.
4. Auflistung kleiner hilfreicher Dinge, Vorhaben, Wünsche!
Ich freue mich auf eine Reise nach Mittsommer in Finland, ein Frauencamp in Norddeutschland, eine geplante Reise nach Paris mit der Tochter, auf Dates mit meinem Mann, auf Familientreffen und Mütterkreistreffen. Auf Schwimmtrainings und Laufrunden, vielleicht auch einen kreativ-Workshop. Auf Singen und Schwimmen, auf Yoga und Massagen, auf Gespräche und Inspiration.
5. Welches Motto wähle ich mir für das Jahr 2016

Loslassen

Statistik

  • Stromverbrauch :: 2811,90 kwh (zum Vergleich 2014: 2836,80 kwh, 2013: 2589,60 kwh; der durchschnittliche Stromverbrauch für einen 5-Personenhaushalt beträgt 5928 kwh)
  • Wasserverbrauch :: 120 000 Liter (Das sind 65,75 Liter pro Person/Tag. Mir kam das gerade viel vor. Aber der deutsche Durchschnitt liegt bei 127 Liter/Person. Das realtiviert meine Wahrnehmung wieder etwas.)
  • Heizkosten (Holz) :: Wir haben 4 Ster Buchen-Holz für 420 Euro gekauft (2014: 4 Ster für 360 Euro, aber Birke)
  • gelaufen :: 72,9 km (2014: 137,4 km)
  • geschwommen :: ca 19 km (2014: ca 10 km)
  • Gestrickt :: ca 530 g (2014: 826 g) Wolle verstrickt (unfertige Strickwerke noch nicht mitgezählt)
  • Gelesen :: 7 Bücher (incl Hörbücher) fertig, das bewegendste war Die Bienenhüterin (den Film hingegen mochte ich nicht so)
  • Podcasts :: 1
  • Blogposts ::   223 (2014: 301)

Jahresrückblick 2014
Jahresrückblick 2013
Jahresrückblick 2012

2 thoughts on “Jahresrückblick 2015

  1. Was für ein reicher und ausführlicher Rückblick!
    Ich habe für mich heuer keinen Rückblick gemacht/geschafft/machenwollen, aber jetzt hier beim Lesen habe ich natürlich unwillkürlich eigene Antworten auf die Fragen gefunden, was doch sehr interessant ist, daher vielen Dank für die Anregungen!
    Dein Motto für 2016 finde ich sehr schön und stark/mutig; ich möchte mich heuer verstärkt an „Prioritäten“ halten (auf allen Ebenen: gesundheitlich, arbeitsmäßig, gefühlsmäßig, spirituell, geistig usw.), da hat darin „Loslassen“ auch Platz.
    Nun wünsche ich dir noch, dass sich möglichst alle deine Vorhaben umsetzen lassen und freue mich auf deine Blogposts. Liebe Grüße und alles Gute!
    Sybille

  2. Ein toller Rückblick!! <3
    Ich kann mir immer wieder so viele Anregungen von dir holen.
    Was ich erstaunlich finde ist euer Stromverbrauch, wir haben fast 1000kwh mehr :( da geht echt noch was bei uns. Aber der Mann uns sein ganzer Technikkram ;)

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