stillleben

Das Stillen verlangt mir einiges ab. Hormone, Dauerhunger und Müdigkeit. Ich bin gerade etwas stillmüde, kann aber nicht loslassen.

Vom Anfang – Die Tochter
Stillen hat bei mir bei jedem Kind von Anfang an gut geklappt. Bei der Tochter hatte ich die ersten zwei Wochen wunde, offene Brustwarzen. Jedes Anlegen war eine Qual. Aber mit viel Geduld und Zuspruch meiner Hebamme, Rotlicht und Silicea, wurde es besser. Die Milch floss reichlich, ich hätte mit Sicherheit noch ein zweites Kind miternähren können. Die Tochter fütterte ich schon recht früh zu. Kurz vor ihrem ersten Geburtstag beendete sie unsere Stillbeziehung.

Attachment Parenting und Rohkost – Der Wolf
Beim Wolf beschäftigte ich mich sehr ausführlich mit Attachment Parenting in allen möglichen Hinsichten. Auch beim ihm war das Stillen kein Problem. Ich stillte ihn sehr lange voll, nach und nach kamen frische Früchte hinzu, die er auch ohne oder mit wenigen Zähnen gut essen konnte. Die ersten beiden Jahren ernährte er sich komplett roh und wurde zusätzlich gestillt. Unsere Stillbeziehung beendete ich, als der Wolf 3,5 Jahre alt und ich mit dem Sterngucker schwanger war. Zu dieser Zeit stillten wir eh nur noch abends. Ich konnte das Stillen gut ausschleichen, indem ich nicht mehr jeden Abend stillen wollte, dafür kuschelten wir viel und der Wolf gab sich mit Brust-anfassen zufrieden.

Tag und Nacht – der Sterngucker
Und jetzt stille ich den Sterngucker. Zwischendrin sah es mal aus, als würde es weniger werden, aber es ist wieder mehr geworden. Je nach Entwicklungsphase, ist er mehr oder weniger anhänglich. Anfanges zeigte er mir das Handzeichen für Stillen, jetzt fordert er „Anna“. Tags wie nachts, sehr nachdrücklich und laut. Ich stille gern. Aber momentan merke ich, daß es sich nicht mehr rund anfühlt. Daß es mir viel abverlangt. Es verlangt immer viel ab. Das merke ich an meinem Hunger. Es gibt Tage, da habe ich das Gefühl, durch nichts wirklich satt zu werden. Und wer mich kennt, weiß daß ich echt viel esse. Ich muss wirklich schauen, daß ich gut für mich sorge. Der Sterngucker hat noch keine einzige Nacht, auch nicht ausversehen mal, durchgeschlafen (in Form von nicht-gestillt). Es macht mir für gewöhnlich nichts aus, nachts zu Stillen. Er dockt an, trinkt und wir schlafen weiter. Mehrmals pro Nacht, jede Nacht bedeutet das jedoch, daß ich die meiste Zeit nur in bestimmten Postionen schlafen kann. Das wiederum führt zu Verspannungen. Die Stillhormone wirken sich auf meinen ganzen Körper aus. Auch nach so langer Stillzeit noch. Das bemerkt vorallem mein Physiotherapeut immer wieder. Alles ist weicher und empfindlicher, weniger belastbar.
Ich kann tagsüber sehr deutlich sagen, daß ich nicht stillen möchte. Meistens klappt das auch gut, andere mal reagiert er frustriert darüber. Nachts reagiert er grundsätzlich frustriert. Er schreit und kreischt. Aber er schläft auch wieder ein. Auch ohne Brust.

Vom Loslassen
Ich bin gerade etwas stillmüde. Nun werden Stimmen sagen: „Dann still doch ab. Das Kind ist doch eh schon alt genug, das brauchts doch nicht mehr. Blah Blah.“ Wenn es so einfach wäre, dann würde ich mich mit dem Thema nicht auseinandersetzen. Ja, es nervt mich gerade. Ja, ich will nicht mehr. Aber gleichzeitig möchte ich doch noch. Ich geniesse die kleinen Pausen und die innigliche Zweisamkeit, die uns das Stillen gibt. Der Sterngucker ist sonst kein verkuschelter. Einzig die Stillpausen sind unsere Zeit für Körperkontakt und Liebesturtelei. Stillen ist natürlich längst jenseits von nur Ernährung. Es ist Seelentrost und Anker, Sicherheit und Rückzug. Stillen rückt die Welt wieder gerade, wenn sie aus den Fugen gerät. Es tröstet, beruhigt und schmeckt zudem gut.
Und bei mir? Stillen ist eine beidseitige Beziehung. Ich kann nicht loslassen. Ich glaube, das ist die knallharte Wahrheit. Vorallem in dem Bewusstsein, daß der Sterngucker das letzte Kind ist, was ich stille. Ich wollte immer schon gern vier Kinder haben. Mindestens. Aber der Mann möchte keins mehr. Er wollte eigentlich schon vor dem Sterngucker keins mehr. Der Sterngucker ist mein kleines Geschenk. Und ich nehme Abschied von diesem Wunsch in mir drin, mal eine richtige Großfamilie zu haben. Ja, ich glaube, diese Wehmut, dieser kleine Schmerz, macht es mir nicht leicht, den letzten Schritt zu tun und Abzustillen. So generell finde ich mich mehr und mehr damit ab, nur drei Kinder zu haben. Ich geniesse die Zeit. Es ist anstrengend. Aber auch schön. Die letzte Schwangerschaft und Geburt hat mir einiges abverlangt. Ich weiss nicht, ob ich das nochmal möchte. Je länger es zurück liegt und je mehr Zeit vergeht, desto mehr verblasst alles und desto offener werde ich für den Gedanken, auch noch ein viertes Kind bekommen zu können. Aber es ist so nicht geplant.
Nun also die Frage, wie ich den Absprung schaffe. Das Loslassen. Sanft für uns beide. Vielleicht versuche ich es erstmal nachts? Dann zehrt es vielleicht nicht mehr so?

25 thoughts on “Vom (Langzeit) Stillen

  1. Diese Schwierigkeiten kann ich so sehr nachvollziehen, insbesondere im Hinblick auf den Wunsch nach dem vierten Kind. Der Gedanke nie wieder zu stillen ist schmerzhaft. So empfinde ich das auch. Ein Abschied von so vielen Dingen gleichzeitig. Ich wünsche dir, dass gelingt, was gelingen soll!

  2. Hach ja. Ganz exakt meine Gedanken und Zwiespälte. Auch dieses nicht Loslassen können, wissen, dass es das letzte Mal ist, teilweise wieder genießen. Dabei zehrt es sehr, ich nehme immer wieder ab statt zu, bin auch nie satt. Hm. Es ist schwierig. Tagsüber habe ich für mich gut reduziert, so weit, dass ich zumindest auch mal ohne Stilltop außer Haus gehen kann, mal wieder Gewand anziehen kann, was 2 Jahre im Schrank schlafen musste. Die kleinen Freuden. Ich bin gespannt, wie es weiter geht und wünsche Dir, dass Ihr einen guten Weg findet und geht. Wie auch immer der aussehen mag.

  3. Danke für Deine ehrlichen Worte.

    Es ist ja nun so: im Leben mit Kindern müssen wir immer und immer wieder von kleineren und größeren Dingen Abschied nehmen. Das Abnabeln beginnt quasi bei der Geburt und ist lange nicht beendet.

    Alles Gute!

  4. Ich stehe aktuell vor dem gleichen Problem. Habe meine beiden Großen jeweils ca. 3 Jahre gestillt und dann in der Schwangerschaft mit dem jeweils nächsten Kind aufgehört. Jetzt wird es aller Wahrscheinlichkeit auch bei uns kein 4. Kind mehr geben. Momentan stille ich noch einmal am Tag und finde es gut dass ich es soweit reduzieren konnte. Aber mit dem letzten Schritt tue ich mich auch sehr schwer. Habe immer gern gestillt, aber es verbraucht unheimlich viele Ressourcen. Ich denke der Tag wird kommen, an dem wir soweit sind und loslassen können – früher oder später…

  5. das ist soooo schön geschrieben… :-)

    Du hast mich mit Deinen Emotionen zurückversetzt in meine Zeit, als mein Kleiner 3 Jahre alt wurde und ich mich mit dem Abstillen auseinander gesetzt habe. Verbunden mit denselben Empfindungen wie Du sie nun schreibst. Mein Kleiner ist das zweite Kind und – so wie es ausseiht – auch das letzte. Mein Plan waren immer viele, viele Kinder…… und der Abschied vom letzten Baby fiel mir in jedem Augenblick schwer.

    Ich liebte das Stillen und hatte auch nicht so sehr das Gefühl, dass es mir zuviel abverlangt. Trotzdem war vor allem nachts unser Schlaf sehr unterbrochen und ich lag in den absurdesten Positionen. Müdigkeit und Rückenschmerzen waren die Folge.

    Ich habe mir irgendwann einen festen Tag vorgenommen, an dem ich das letzte Mal gestillt habe. Meinem Kleinen habe ich erklärt, dass er nun 3 Jahre alt geworden ist, damit ein großer Junge sei und stillen was für Kleine ist. Das fand er – in der Theorie – auch völlig okay. Groß sein ist cool – vor allem, wenn man einen großen Bruder hat, dem man nacheifern möchte….

    Am großen Abstilltag haben wir uns beide schick angezogen, ich hab die Kamera bereit gelegt und unser letztes Stillen haben wir beide genossen und ich habe für mich ganz persönlich Erinnerungsfotos gemacht.

    Ein letztes Mal ist immer traurig. Egal wann es stattfinden wird. Das liegt in der Natur von Abschieden. Aber es hat nunmal alles seine Zeit.

    Meine Erfahrungen rückblickend:
    Nur der Abschied schmerzte. War er er „endlich“ vollzogen, machte sich bei mir Erleichterung breit, dass ich den Abschied bewältigt hatte.
    Mein Kleiner fragte noch ein paar Mal nach Milch. Eher aus Gewohnheit als aus echter Not heraus. Ich hab gesagt, dass die Milch alle ist und gut wars. Keine Diskussionen. Keine Tränen. Einfaches Annehmen der neuen Situation.
    Und es dauerte nur eine kurze Zeit, bis mein Kleiner viel, viel besser geschlafen hat. Länger am Stück vor allem. Ich denke also im Nachhhinein, das lange Stillen bedeutet auch für den Kleinen eine gewisse Art von Stress. was verfügbar ist, will auch konsumiert werden. Auf Kosten anderer Bedürfnisse wie zum Beispiel dem langen und erholsamen Schlaf. Wenn man unterbewußt immer Milch oder Mama = Milch schnuppert…. ich möchte (eigentlich) auch nicht neben einem Berg Schokolade schlafen… ;-)

    Im Nachhinein habe ich das Gefühl, mein Kleiner war schon länger bereit zum Loslassen. Aber er hat meine Not gespürt, wie schwer ich mich damit getan habe zu akzeptieren, dass er kein Baby mehr ist und ich damit vermutlich nie wieder ein Baby haben werde. Und ich glaube, er wollte mir das Baby so lange wie möglich schenken. Auch auf seine Kosten. dafür bin ich ihm dankbar. aber ich war es ihm auch schuldig, ihn jetzt endlich groß werden zu lassen…. :-)

    es gibt für alles eine individuelle richtige Zeit. und die wirst Du sicher finden.
    aber auch nach dem Stillen wird es viele innige Momente mit Deinem Kind geben. andere. dem Alter angepaßte.

    alles Gute und viele Grüße aus dem hohen Norden
    Tine

  6. Oh wow.
    Der Wunsch nach einem weiteren Kind – ich kann das so gut verstehen.
    Und auch die Trauer.
    Ich sehne mich bis heute manchmal immer noch nach einem weiteren Kind, obwohl ich tatsächlich auf der anderen Seite damit abgeschlossen habe (bei mir waren die Gründe allerdings andere, warum kein weiteres Kind kommen konnte).
    Ich wünsche Dir viel Klarheit mit Deinen Gefühlen und eine gute Kommunikation mit dem Sterngucker, damit auch er sich lösen kann.

    Liebe Grüsse –

  7. Danke.

    Dieser Text hat mir gerade Tränen in die Augen getrieben. Er ist so wundervoll ehrlich geschrieben und berührt mich, weil auch ich einige der Situationen kenne. Ich finde auch den Kommentar von Tine wundervoll. Er schenkt Zuversicht, dass alles seine Zeit hat und sich alles finden wird.
    lg
    Barbara

  8. Seit langer Zeit lese ich heimlich, still und leise in deinem Blog mit und freue mich über Einblicke in euer Leben, Arbeiten und den Alltag als Familie.

    Heute habe auch ich mich in meinem Inneren angesprochen gefühlt!

    Mein Traum vier Kinder, doch nicht der meines Mannnes. „Alle guten Dinge sind drei“ wir haben doch eh schon „keine ruhige Minute mehr“! Der Verstand sagt es ist okay, wir gehen schließlich als Paar und Familie gemeinsam durch dieses Leben. Doch der Bauch und das Herz wollen mehr … Ich habe noch so viel Platz in mir … Wehmütig werde ich, wenn ich aus dem Leben der Vier-Kind-Mamis lese … Kirschkernzeit, Kreativberg, Frische Brise … so toll, so bunt, so lebendig. Und dennoch ich habe eine tolle Familie, drei wunderbare Kinder, einen tollen Mann, ich möchte nicht undankbar sein.

    Ich WEIß, eine Nummer vier wird es nicht geben.

    Ich SPÜRE, ich trauere!

    Ich versuche Abschied von diesem Wunsch zu nehmen, aber es tut weh.

    Daher tut auch jedes Ende einer Lebensphase meiner jüngsten Kinder weh. Gestillt habe ich nur 18 Monate, dennoch war das Abstillen einerseits eine Erleichterung, weil danach ein paar Dinge besser wurden, aber auch ein großer Abschied von einer sehr innigen Phase. Mittlerweile genieße ich die neu gewonnenen Freiheiten und Freiräume, um wieder zu mir zu finden. Ich genieße die Energie, die zurückkehrt, meinem Körper Kraft und Power gibt. Ich genieße viele ICH-Zeiten. Kraft für Yoga, Kraft für Sport, Kraft für die Seele, Kraft für mich.

    Tja, einen Tipp habe ich auch nicht. Aber ich verstehe dich, kann dein Chaos nachvollziehen, wünsche dir, einen Weg zu finden, der für dich okay ist.

    Du bist eine Powerfrau! Geh weiter, bleib bei dir …

    Namaste

  9. Liebe Ramona, heute möchte ich Dir einfach einen lieben Grüß da lassen und wünsche Dir für die kommende Zeit die nötige Ruhe und Achtsamkeit, dass eine harmonische Veränderung zu Eurem besten Wohl passieren darf.
    Alles Liebe, Martina :-)

  10. Mir geht es gerade ganz ähnlich…auch wenn wir noch mindestens ein Kind haben wollen…aber ich danke Dir sehr für diese offenen Worte! Und den tollen Link…habe ihn gleich an ganz viele befreundete Mütter weitergeleitet…Danke!

  11. Ich danke Dir für diese wunderbaren und so offenen Gedanken, die mich richtig angerührt haben. Ich wünsche Euch weiterhin eine schöne Still-Beziehung – in welche Richtung auch immer sie sich entwickeln möge – und daß ihr den Moment spürt, wenn er da ist und ihm offen folgen könnt. Offen für etwas Neues, was sich für mich (ich stille momentan meinen 2. Sohn immer noch, er wird bald 3) auch irgendwann ankündigen wird… Bis dahin freue ich mich immer, Deinen blog zu lesen und ein bisschen an Deinen Gedanken teilhaben zu dürfen.

    Liebe Grüße, Sybille

  12. Amen, Schwester! ;) Mir geht’s gerade genau so. Das Osterkind stillt, wenn ich verfügbar bin. Vor allem nachts. Zudem bekommt sie gerade Zähne und da laut sie gern. Die ganze Nacht. Hinzu kommen die von dir beschriebenen Rückenschmerzen/ Verspannungen. Aber loslassen? Ihr den Anker entziehen? Mir die exklusive Kuschelzeit nehmen? Kann und will ich nicht. Noch nicht. Wegen der Müdigkeit und den anderen „Stillbeschwerden“ glaube ich, ich hab keine Kraft für ein drittes Kind. Aber dann bedeutet es auch, diese Stillzeit ist meine letzte. Ein Teufelskreis. Aber ich kann und will das noch nicht beenden. Auch wenn ich glaube, dass Osterkind wird nicht von allein aufhören. (Irgendwann schon, ist klar. ;)

  13. Tine hat das ganz wunderbar beschrieben finde ich…..

    Es ist wie es ist und so ist es gut….
    Das wird so wie es richtig ist!
    Sicher.

  14. Liebe Ramona, ich lese nun seit einiger Zeit Deinen Blog, den ich sehr schön und persönlich finde. Dein Post über das Stillen hat mich nun so beschäftigt, das ich gerne etwas dazu sagen möchte. Zum einen Stimme ich Tine voll und ganz zu, unsere Kinder wissen selber um den Zeitpunkt wann es gut ist mit dem Stillen und ein neuer Abschnitt anfängt. Wichtig ist für uns Mütter hinzu spüren was unser Kind braucht, und das deutlich zu trennen von dem was wir als Mamas brauchen. Kinder tun alles für Ihre Eltern( im wahrsten Sinnes des Wortes) und wenn es Dir schwerfällt diesen innigen und intensiven Lebensabschnitt zu beenden, dann wird Dein Sterngucker Dir entgegenkommen und dich immer wieder bestätigen, das er das Stillen noch braucht. Gleichzeitig wird es dann auch etwas „schräg“ denn auch der Sterngucker spürt das er das quasi „nur für Mama macht“. Sprich schläft schlechter, wacht oft auf, etc. Wenn Du für Dich garnicht den Punkt finden kannst, versuche es mal mit mit einer systhemischen Aufstellung. Oft stecken Geschichten aus unsere Biografie, die sehr weit zurückreichen können, hinter Problemen in unserem Leben. Gerne kannst du mir auch mailen, wenn Du mehr wissen möchtest . Ich wünsche Dir viel Kraft, egal wie es nun weiter geht. Ganz herzliche Grüße Katja

  15. Liebe Ramona,

    dein Dilemma kann ich gut verstehen, das ging mir mit meinem dritten Kind ganz genauso.
    Als ich germekt habe, dass ich F nicht mehr stillen möchte und es mich so viel Kraft gekostet hat, hab ich mir ein paar Tage freigenommen und bin auf eine Veranstaltung mit Freunden gefahren, ohne Stillkind. F war beim Papa völlig zufrieden, auch nachts. Ging alles viel entspantter, als ich gedacht hatte! Beschäftigt hat es mich aber noch sehr lange, das Stillen war nur ein Symptom für einen Prozess udn gar nicht die Hauptsache. Der nichterfüllte Wunsch nach einer Familie mit mehr als drei Kindern hat mich noch jahrelang beschäftigt und da war eine Menge Trauerarbeit :) nötig. Heute ist mein Jüngster 8 Jahre alt (und ich bin 46) und ich kann es genießen, keine eigenen kleinen Kinder mehr zu haben.
    Loslassen und akzeptieren, dass es gut ist, wie es ist, das fällt mir immer sehr schwer, vielleicht bist du da ähnlich. Im Rückblick hat es sich genauso gefügt, wie es sollte.
    Dir alles Gute, Ulrike

  16. Alles hat seine Zeit. Ich musste unseren ersten Sohn mit 1 1/2 J abstillen, weil ich wieder schwanger war. Ich habe das sehr bedauert und hatte fast Schuldgefühle. Der 2. Sohn hat sich nach 2 J. selbst abgestillt. Er hat es im Urlaub einfach vergessen und ich konnte deshalb ganz entspannt losgelassen.
    Unseren 3. Sohn stille ich auch wieder. Mir ging es wie Dir, die 3. Schwangerschaft war im Vergleich zu den anderen viel anstrengender. Eine ideale Schwangerschaft zum Abschiednehmen.
    Ich finde es schön, wenn das Stillen langsam ausläuft. Ich habe nach den gängigen Empfehlungen zugefüttert. Die Kinder haben praktisch schon normal mit gegessen.
    Ich denke auch, ab einem bestimmten Alter wird es für das Kind immer schwerer, aufzuhören. Die Schnullerabgewöhnung war beim älteren Sohn erst mit 5 und er hat sich deutlich schwerer getan….
    Warum ist es schwer für Dich loszulassen? Es gibt noch eine tiefere Ebene als die, dass es dein letztes Stillkind ist. Wenn Du für Dich diese Frage geklärt hast beginnt der Lösungsprozess zwischen Euch vielleicht von ganz allein.

  17. Katja,
    Aloha,
    wollte nur kurz einwerfen, daß ich schon öfter als Katja kommentiert habe, bei Wohnideen etc, aber nicht die Katja in dem Kommentar oben bin. (kinder- und in diesem Thema eher ahnungslos)
    Hab mir jetzt ein Glückssternchen verpasst :-)

  18. Liebe Ramona,
    länger lese ich bereits hier und heute muss ich dir mal schreiben.
    Meine beiden Söhne sind inzwischen 23 und 18 Jahre alt.

    Mit dem Älteren war alles ganz einfach, fast wie aus dem Lehrbuch.
    Er trank 9 Monate ausschließlich Muttermilch, interessierte sich dann plötzlich sehr für unser Essen, interessierte sich während des Stillens für alles um ihn herum, trank nur noch früh morgens an der Brust und stillte sich zum 1. Geburtstag selbst ab.
    Mit erschien das natürlich und normal, wir waren beide zufrieden.

    Der 2. Sohn biss mich bereits im Kreissaal blutig, saugte mit merkwürdigem Unterdruck. Ich hatte zerbissene Brustwarzen, geschwollene blau- schwarze Brüste, enorme Schmerzen. Das Baby wurde von Koliken geplagt, wand sich an der Brust, schrie und schrie.
    Wir hatten 2 Hebammen, Stillberatung, nichts war uns Hilfe, die Verzweiflung groß.
    Unvorstellbar, dass es unmöglich sein könnte, mein Kind zu stillen.
    Er wurde nicht satt, nahm ab. Ich pumpte ab, er zerbiss die Sauger des Fläschchens, ich ging auf dem Zahnfleisch. Die eine Hebamme sprach von Masochismus. Wir trennten uns von ihr.
    8 Wochen haben wir durchgehalten. 8 Wochen, in denen ich keines meiner beiden Kinder umarmen konnte, weil der Schmerz an der Brust so unerträglich war.
    Und doch war er nichts, gegen den Schmerz in meiner Seele.

    Schätze dich glücklich, für eure lange, innige Stillzeit und lass zu, wenn die Zeit gekommen ist, eure Beziehung auf eine andere Ebene zu stellen.
    Vielleicht möchte dein Sterngucker bald bei einem Kindergartenfreund schlafen. Oder bei der Oma?
    Und ehrlich, vielleicht ist es auch nicht so gut, wenn er sich in der Pubertät noch zu genau an die Stillzeit erinnern kann?
    Ich verstehe deinen Schmerz nur zu gut. Alles kommt und geht. Wir können nichts dagegen tun.
    Euch alles Liebe. Herzlicher
    Claudiagruß

  19. sehr berührend und bewegend.

    auch ich habe das stillen geliebt. es schenkt eine unwiederbringlichen nähe und intensität.
    und das loslassen IST schwer, grad beim vermutlich letzten mal. am leichtesten ist es noch, wenn es einfach geschieht, weil das kind nicht mehr will – das letzte stillen also schon hinter dir liegt.

    fürs erste hilfreich könnte ich mir vorstellen, das nächtliche stillen abzustellen – den sterngucker für nachts an den papa abzugeben. dann hast du für tags mehr kraft, und kannst bestimmt tags noch länger weiterstillen ;-). und auch der sterngucker hätte die gelegenheit, bewußter mit dem stillen umzugehen – nicht mehr so aus dem schlaf heraus, sondern wach zu stillen. dadurch evtl anders genießen zu können.

    hach.
    ich wünsche dir noch eine schöne weitere stillzeit und ein leichtes ende. es kommt dann anderes wunderschönes *trööst*.

    (nebenbei: wenn ich vom stillen so bewegend geschrieben lese, dann krieg ich direkt brustkribbeln, fast 8 jahre nach dem letzten stillen!)

  20. Liebe Katja, ich sehe anhand eurer emailadressen, wenn es sich um verschiedene Personen handelt.

  21. Liebe Ramona, wie berührend du wieder schreibst…. Auch hier ist das alles gerade ein großes Thema, ich wollte auch bald darüber schreiben, um dies für später festzuhalten. Unsere Große habe ich nur ein paar Monate gestillt – ich war zu jung und zu unerfahren, hatte keine (guten) Berater… und sah den Wert damals einfach nicht. Aber jetzt denke ich mir das schön und sage mir, dass sie wenigstens diese 4 Monate hatte… und schäme mich doch…

    Die zweite Tochter dann – 11 Jahre später und etwas klüger – lange voll gestillt, mit 10 Monaten stillte sie sich ab. Von ganz allein. Ich hatte nur kurz diesen Abschiedsschmerz, aber dann war es gut.

    Und nun: J. kam weitere 5 Jahre später und wird im nächsten Monat 4 Jahre alt. Und wir lassen uns nicht los. Wir hängen beide gleich daran, glaube ich. Mir geht es wie dir. Ich habe manchmal kaum Kraft dafür, möchte es aber auch nicht missen. Früher hab ich mich über solche Mütter wie mich gewundert, und nun bin ich selbst so. Aber ich stille nachts so gut wie nicht mehr. Ich war auch mit meinen Kräften am Ende, als ich vor ca. 2 Jahren auf eine Dienstreise musste und wir nun bangten, wie denn die Nacht für den Kleinen und seinen Papa werden würde. Aber siehe da – alles war gut. Er wurde kurz munter, begriff, dass ich nicht zur Verfügung stand und schlief wieder ein. Was soll ich sagen?!? Seitdem schlafe ich auf der Couch… Die Männer des Hauses also im großen Bett, das der kleine inzwischen natürlich für seines hält und ich habe nur noch diese unterbrochenen Nächte, wenn ich bei ihm schlafe, weil der Mann auf Tournee oder so ist. Weil er, sobald ich neben ihm liege, danach (lautstark) verlangt. Damit kann ich gut leben, weil die Zeit begrenzt ist, aber ansonsten brauche ich für den Alltag, den 40-Stunden-Job usw. meinen Schlaf, der auch so natürlich recht kurz ist. Aber so schlafe ich wenigstens am Stück.

    Das war gar nicht so geplant, aber seit ich weiß, dass er nur an die Brust will, wenn ich wirklich neben ihm liege, kann ich gut damit leben, dass ich ihm nachts nicht zur Verfügung stehe, weil ich nun weiß, dass er es eigentlich nicht braucht. Morgens ist sein erster Gang zu mir an die Brust, dann haben wir unsere ausgiebige Kuschelzeit. Am Wochenende trinkt er meistens auch mittags und abends sowieso. Ich kann seit dem sehr gut damit leben, seit ich den Schlaf habe, der mir die Kraft für alles gibt.

    Manchmal fühle ich mich aber auch wie eine Rabenmutter, weil ich nicht bei ihm schlafe. Aber ich weiß ja, dass er nicht allein ist und dass ich sofort da bin – FALLS er mich braucht. Aber das tut er nachts einfach nicht mehr. Ohne Geschrei, ohne Weinen. Eigentlich sollte ich das wohl einfach genießen…

    Das Umfeld reagiert natürlich sehr befremdet, wenn es mitbekommt, dass wir immer noch stillen. Aber das ist mir inzwischen auch egal. In der Öffentlichkeit stille ich aber nicht mehr. Das kann ich auch ganz klar sagen, das akzeptiert er auch sofort. Aber sobald wir irgendwo zu Hause kuscheln… hach, ich liebe es…

    Vor Jahren schon rieten mir einige Ärzte ab davon, es würde ihn klein machen, er würde dadurch nicht männlich werden können… zum Glück habe ich darauf nicht gehört. Nun ist er ein wirklich wilder Rabauke, bei dem ich eher den Eindruck habe, dass ihn das alles nur noch extra stärkt. Wer weiß.

    Manchmal frage ich mich aber, ob meine Gesamtzustand und -befinden mit dem Stillen zusammenhängen und dein Text hat mich noch mal sehr zum Nachdenken gebracht. Ich bin eigentlich dauerkrank, habe einen Infekt nach dem anderen, bin früh kurz ausgeschlafen, dann aber schnell dauermüde, kraftlos, ausgezehrt… was sich leider nicht auf die Figur niederschlägt, was ich sehr ungerecht finde – ich stille seit 4 Jahren fast jeden Tag mehrmals und nehme dennoch zu. Heißt es nicht immer, dass man dadurch abnimmt?!?! Aber egal, deshalb stille ich ja nicht, aber der Gedanke ist immer mal dabei.

    Unser Kleiner ist jedenfalls ein vor Kraft strotzendes, liebenswürdiges, gesundes und glückliches Wesen. Und er bekommt das, was er nach wie vor sehr deutlich einfordert, noch ein Weilchen, denke ich. Irgendwann wird es ihm doch genug sein, oder?

    Dir wünsche ich viel Kraft und vor allem weiterhin viel Genuss dabei.

    Liebe Grüße,
    Jela

  22. Katja*,

    Hallo Katja,
    Normalerweise kommentiere ich unter „Kati aus Erlangen“, damit keine Vetwechslungen auftreten, dieses Thema war wohl so persönlich das ich meinen „Alltags Namen“ verwendet habe… Aber anhand der Mail Adressen kann man uns ja unterscheiden. schöne Grüße, Kati aus Erlangen

  23. Ganz ehrlich? Auch wenn ich das selber ja noch garnicht erlebt habe, ich hatte jetzt beim Lesen echt Pipi in den Augen und musste ganz schön schlucken.

    Ich finde es toll, wie du darüber schreibst und wie ehrlich du da auch bist.
    Das gibt mir auch für den Kindergarten nochmal zu denken irgendwie.

    Danke dafür <3

  24. Danke für soviel Offenheit. Ich kann vieles davon nachvollziehen. Mit einem Kind. Einem, dass zum Glück dann doch endlich kam als ich 42 war und das sicher nie Geschwister haben wird. Der Suesse stillt noch nachts mit 2,5 Jahren. Er lacht laut und glücklich wenn er mal außerhalb der Nachtzeit Stillen darf. „Böste ginken“ Manchmal liege ich die ganze Nacht unbequem. Manchmal habe ich das Gefühl ganz ausgesaugt zu sein. Aber er liebt es. Und es sind wundervolle Momente der wärme, Geborgenheit und Zuneigung. Momente in denen sich die Welt in Ordnung anfühlt. In denen alles genau so richtig ist Wie es eben ist.

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