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Vor vielleicht zwei Jahren habe ich begonnen, mich näher mit dem Thema Selbstfürsorge und Selbstliebe zu beschäftigen. Es ging mir damals nicht gut, ich hatte Anzeichen von Ausgebranntsein – Burnout. Ich habe seit dem viel gelernt. Ich habe Bücher gelesen, mit Menschen gesprochen, war in Coachings und beim Arzt. Ich habe viele Tränen geweint und viel über mich erfahren. 2016 war ein Jahr der Fülle und der Heilung für mich. Wie tiefgehend dieser Schritt war, mich damit auseinanderzusetzen, wurde mir erst bewusst als ich mich beim letzten Dharmatraining Modul im Sommer von etwas trennen sollte, was mir sehr am Herzen liegt.

Der Beginn einer Reise

Ich dachte, dass ich nicht an so vielen Sachen in meinem Besitz anhafte. Das war aber ein weit gefehlter Trugschluss. Das Loslassen hat mich doch sehr beschäftigt. Am Ende habe ich ein Skizzenbuch von mir hergegeben. Das erste jemals gefüllte Skizzenbuch von mir. Darin befanden sich Zeichnungen von meinen Reisen 2016. Helsinki, Köln, ein Aquarellkurs in Dresden. Dazu Ideen und Zeichnungen, Notizen und Gedanken. Als ich das Buch weggeben habe, liefen mir die Tränen und es ist mir deutlich geworden, wie wichtig das Thema Selbstfürsorge für mich ist. Ich habe lange geweint und war sehr aufgewühlt. Die Reisen waren eine Reise zu mir selbst.

Ja, ich kümmere mich gut um mich, achte auf Auszeiten, ausreichend Schlaf und gutes Essen. Ich achte meine Grenzen und sage nein. Ich liebe mich selbst. Doch tue ich das wirklich? Eine Interessante Facette der Selbstliebe kam in den letzten Monaten zu mir. Sie hat mich etwas von den Socken gehauen und ich knabbere daran noch. Ich nenne sie mal grob umschrieben Selbstoptimierung. Ich bin da mit meinen Gedanken dazu auch noch nicht fertig, sondern mitten im Prozess.

Selbstoptimierung

Ich habe Schmerzen. Diese Schmerzen lassen sich durch nichts wegmachen. Keine Tabletten, kein Fitness, keine Physiotherapie. Ich habe mich ihnen schon auf verschiedenen Ebenen genähert und stelle mit Erschrecken fest: Ich lehne mich ab mit diesen Schmerzen. Ich kann sie nicht annehmen, ich will sie nicht haben. Ich will funktionieren, bestimmen, kontrollieren. Ich liebe mich. Diese Teile, die ich toll an mir finde, vielleicht auch paar kleine Fehler oder Macken. Aber einen Körper, der nicht fuktioniert? Ich bin an dieser Stelle auf viel Ablehnung und Taubheit gestossen, dass ich richtig erschrocken darüber bin. Ich möchte mich gern durchtrainiert und muskulös, fit und gesund haben (damit ich geliebt werde? mich lieben kann?). Ich merke, wie es etwas in mir trifft, wenn ich sehe, wie andere durch Disziplin und Ausdauer in Form kommen und ich es nicht schaffe. Es springen sonderbare Muster in mir an. Ich will gut sein und die Dinge richtig machen. Ich möchte die unausgesprochenen Erwartungen von anderen Erfüllen. Ich möchte geliebt werden. Doch liebe ich mich selbst? So richtig wie ich bin? Ein interessantes Feld!

Es wird besser. Dennoch hat mir diese Erkenntnis viel Denkarbeit gegeben. Selbstliebe ist so ein weites, tiefes und schwer zu fassendes Thema. Mehr als nur ein Modewort oder Achtsamkeitsgedöns. Es ist so vielschichtig. Ich bin gespannt, wie sich das mit mir und den Schmerzen so weiterentwickelt. Das waren jetzt lose, unvollständige Gedankenfetzen. Spuren. Ich bin gespannt, ob sich Knoten lösen, Fäden aufdröseln. Vernetzungen zeigen.

18 thoughts on “Von Selbstliebe – Gedankenfetzen

  1. Ich glaube es geht vor allem darum, die „nicht gut“ oder die „zu gut“ fühlenden Momente zuzulassen und sie anzunehmen und nicht wegzureden, zu verdrängen, zu verstecken und vom Kopf her unter Kontrolle zu bringen. Ich kann das auch nicht gut.

  2. Ich danke dir für die Worte zum Thema Selbstoptimierung im Zusammenhang mit Schmerzen. Wieso? Weil ich gerade ein ähnliches Problem habe. Ich fühle mich durch Rückenschmerzen von meinem Körper verraten und verkauft und mag ihn gerade einfach nicht. Auch wenn es einen Verdacht gibt, macht es das doch nicht besser. Denn mit 30 und dem Verdacht auf Bandscheibenvorfall lebt es sich im Alltag nicht besser, weil es meinem Körper mehr zufügt als bloße Schmerzen. Was ist mit meinem geliebten Sport? Darf ich das noch? Gehegt und gepflegt habe ich meine Gesundheit in der Mehrheit und dann tut mir mein Körper sowas an? Undankbares Stück!
    Ich möchte einfach mein agiles Ich zurück, denn irgendwie spiegelt der Körper die Seele wider. „Mens sana in corpore sano.“ Im Moment reißt der Körper die Gesundheit der Psyche mit aller Macht nieder.

  3. Wieder ein sehr ehrlicher Blogeintrag.Dankeschön!Ich gehe mit Dir!
    Spannend den Körperschmerz als Sprache Deiner Seele zu verstehen.Da konnte ich schon viel auflösen ,oder mich aber einfach nur dem hingeben!
    Da gibt es wunderbare Bücher zu;
    Zb.von Rüdiger Dahlke & Louis L.Hay
    Glg Ines Düe

  4. Was für ein wundervoller Text voller so wichtiger Selbstreflektionen! Die Balance zwischen dem zu finden, was für jeden selber Gesundheit und Krankheit ausmacht, das ist manchmal sehr schwer, aber so so unendlich bereichernd. Macht man das nicht, wird allein schon das Älter werden unter Umständen etwas sehr schwieriges. Ich wünsche Dir, dass Du Dich immer mehr so annehmen kannst, wie Du auch körperlich bist.
    Herzlichst,
    Ev

  5. danke für diesen offenen text. mir ging es ähnlich, selbstliebe nur dann zu erspüren, wenn ich nach meinen werten und massstäben gut war (yoga gemacht, gitarre geübt, das haus ordentlich, achtsam gewesen, gute mutter, aufregende partnerin usw.) was für ein anspruch! wie milde hätte ich einer freundin verständlich gemacht, wie unglaublich viel sie leistet. und wie gnadenlos war ich mir selbst gegenüber. hab mich nur gemocht, wenn ich selbstfürsorglich, achtsam und bei mir war. die anderen anteile in mir, die zuviel rauchende, aus unsicherheit trinkende, etwas unachtsam sagende, nicht in ihrer mitte seiende, die mochte ich nicht. …..inzwischen ist das (fast) geschichte. manchmal merke ich noch, wie ich in diesen selbstoptimierungsablehnungswahn reinrutsche. aber es wird mir immer rascher bewusst und dann gebe ich mir alles mitgefühl, dessen ich fähig bin. alles liebe für dich und nochmals danke! andrea

  6. und noch etwas viel mir gerade auf…dass du dein heissgeliebtes skizzenbuch wegegeben hast fühlt sich für mich irgendwie grausam und ungut an. ist es wirklich so schlimm, wenn wir unser herz an etwas hängen? oder anders gefragt, ist es nicht auch anhaftend und anmassend, wenn loslassen die vorausetzung für irgendetwas sein soll? …

  7. Es mag dir, fern vom eigentlichen Kontext des Seminars heraus, grausam erscheinen. Dort und im Zusammenhang all dessen, was wir als Thema hatten war es absolut stimmig für mich. Im Blogpost fehlen ein paar Ebenen dieses Ereignisses.

  8. das hab ich schon vermutet und deshalb auch ein bisschen gezögert, ob ich es überhaupt schreibe. komischerweise hatte es mir fast ein bisschen wehgetan, als ich darüber las. (was wiederum auch mit mir zu tun haben kann, ich gebe wohl manchmal mehr, als mir gut tut und ‚verbuche‘ es unter loslassen…) um so mehr danke für deine klärung, die mir das nochmal bewusst machte…

  9. danke fürs aufschreiben, grade weil es noch nicht „fertig“ ist.
    das ist ein schwieriger grad in der selbstliebe zwischen sich selbst guttun und optimierungswahn. aber ist nicht auch wachstum selbstoptimierung? „weiterkommen“ wollen wir doch alle und das ist ja auch ein wichtiger motor im leben. von daher ist dann der weg das ziel, und vielleicht sind so auch ungeliebtere anteile als stufen/schritte auf dem weg annehmbar. (und für dein schmerzen wünsch ich dir vile geduld gute besserung!)

  10. Ja, der Weiterentwicklungsgedanke schwingt auch immer mit. Ich denke, wie mit allem, ist es ein Ding des Maßes. Die Dosis macht das Gift oder so. Danke für deine Gedanken.

  11. Danke fürs Teilen Deiner Gedanken. Das Thema Selbstliebe beschäftigt mich gerade auch sehr und da tut es mir gut zu erfahren, wie es anderen damit geht.

  12. Vielen Dank fürs Teilen. Es geht mir ähnlich. Wenn mein Körper nicht funktioniert, im Sinne von krank werden, kann ich das schlecht akzeptieren. Und dabei geht es nicht um eine Erkältung, eher etwas chronisches, was immer mal wieder kommt, obwohl ich sehr darauf achte.
    Wir leben in so einer „fitten“ Gesellschaft. Und haben verlernt über diese „Unzulänglichkeiten“ zu reden. Bin gespannt, wie es bei Dir weitergeht. LG, Rike

  13. Selbstoptimierung!? Ein neuer Begriff für meinen Körperkosmus, in meiner persönlichen Schmerzwelt…

    Durch Zufall hier gelandet, blätterte ich durch die verschiedenen Posts und las mich gerade an diesem Post fest.

    Die Optimierung geht allgemein für mein Dafürhalten mit einer Analyse einher. Was schmerzhaft sein kann, mühsam, fordernd. Meine Philosophie geht zusätzlich in Richtung neue Ufer ausloten, in der Entwicklung weiterer Techniken. Sozusagen ein neues Agreement mit mir selbst zu finden.

    Daher ist das Statement hier und jetzt im Betrachten besonders wichtig.

    …alles Gute für Dich und einen angenehmen Sonntag, herzliche Grüßle, Heidrun

Reacjis

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