Regeln und Erwartungen

Letzten Dienstag nahmen der Mann und ich gemeinsam die Gelegenheit war, ein pädagogisches Forum zum Thema „Regeln und Erwartungen“ zu besuchen. Das Forum ist mehr ein lebendiger Austausch als ein Ort, wo man fertige Antworten auf Fragen bekommt. Die Themen sind immer sehr spannend.

Zuerst gab es eine kleine Einführung in das Thema, später ein paar Fragen als Anregung zum Austausch in kleinen Gruppen. Wir setzten uns damit auseinander, was Regeln eigentlich sind, wofür sie dienen, welche Regeln es gibt und was das ganze mit Erwartungen zu tun hat.

Regeln
Es gab so einen schönen Satz darüber, was Regeln sind. Leider hab ich ihn nicht mitgeschrieben, aber sinngemäss sind Regeln ein Vermittler zwischen dem Ich als Einzelperson und dem Wir, der Gesellschaft. Früher war alles sehr klar und einfach. Es ging um Gehorsam und Befolgung der Regeln. Wir wissen alle, daß blinder Gehorsam kein erstrebenswerter Zustand ist. Die Zeiten haben sich geändert. Dennoch bedarf es einiger Regeln.
Dabei gibt es ausgesprochene Regeln und unausgesprochene Regeln („Man macht das nicht“). Kinder hinterfragen alles und inspirieren uns oft, selbst einmal längst übernommene unausgesprochene Regeln zu reflektieren und auf ihre Sinnhaftigkeit zu überprüfen.
Ausserdem gibt es rote Regeln – alle, die mit unserer Sicherheit zu tun haben (Feuer, Strassenverkehr etc) und rosa Regeln, wo eine Verhandlungsspielraum besteht. Oft jedoch behandeln oder kommunizieren wir rosa Regeln wie rote Regeln oder umgedreht.

Erwartungen
Mit den Erwartungen ist es ähnlich. Hier waren wir uns alle einig, daß es sehr schwer ist, Erwartungen zu erfüllen, wenn diese nicht kommuniziert werden. Oder es noch ein Verständnisproblem zwischen Sender und Empfänger gibt, sei es, daß beim Empfänger was anderes ankommt oder die Person noch zu jung ist, die Erwartung überhaupt inhaltlich zu verstehen.

Insgesamt hatten wir viele Interessante Beispiele und Situationen an denen wir Regeln, Erwartungen und Verantwortung diskutieren konnten. Welche Regeln haben wir? Welche Erwartungen haben wir (an unsere Kinder)? Was dürfen wir erwarten und was ist zweckmässig? Wo haben wir Verantwortung, wann und wo geben wir sie ab?

Vielleicht inspirieren die Fragen dich ja auch, mal ein wenig über deine Regeln und Erwartungen und dem Umgang damit zu reflektieren. Im Austausch ist das natürlich immer sehr viel netter und fruchtbarer, aber vielleicht hast du ja einige Gedanken dazu.

Ich habe mich sehr gefreut, daß ich mit dem Mann gemeinsam zu dem Forum gehen konnte und bin sehr dankbar für diese Foren und den Austausch.

Hausaufgaben

Vor einer Weile gab es in der Schule einen interessanten Elternabend zum Thema Hausaufgaben. Die Tochter geht an eine Montessorischule. Grundsätzlich hat sie keine Hausaufgaben im klassischen Sinne auf. Manchmal, wenn sie in ihrer Freiarbeitszeit etwas nicht schafft, dann nimmt sie in Absprache mit ihrer Lehrerin ein Thema mit nach Hause. Das gilt aber für sie individuell und nicht für die ganze Klasse. Manche Eltern kommen damit klar, andere fordern mehr Hausaufgaben.
Der Elternabend war gut vorbereitet und bestand im Vorfeld aus einer kleinen anonymen Umfrage zu Freizeit, Aufgaben im Haushalt und Selbständigkeit der Kinder. Die Umfrage sollten einmal die Eltern aus Elternsicht und einmal die Kinder aus ihrer Sicht ausfüllen. Am Ende gab es eine kleine Auswertung, die sehr informativ war.

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Hausaufgaben – Aufgaben zu Hause
Grundtenor des gesamten Elternabends war, daß Hausaufgaben Aufgaben zu Hause sind. Und zwar nicht im schulischen Sinne sondern Aufgaben, die auf das Leben vorbereiten, die Kinder einen Teil der Familiengemeinschaft sein lassen, sie selbständig machen. Das darf Müll wegbringen, Spülmaschine ausräumen oder Wäsche waschen sein. ganz an die Bedürfnisse der Familien angepasst. Man soll den Kindern gern etwas zutrauen (einkaufen gehen oder Bus fahren). Dabei lernen sie viel mehr über und für das Leben als bei Schulhausaufgaben. Für sich zu sorgen. Für andere zu sorgen. Gemeinschaft zu leben. Kompromisse einzugehen. Prioritäten zu setzen.
Sollte das Kind doch einmal mit Aufgaben aus der Schule nach Hause kommen, dann sollen wir das nicht zu unserem Thema machen (ob es sie erledigt oder nicht), sondern das ist eine Sache zwischen dem Kind und dem Lehrer. Auch interessant.
Leider war ich bei dem Elterabend nicht mehr bei der anschliessenden Diskussion dabei. Das hätte mich doch wirklich interessiert, was da im Austausch untereinander hochgekommen ist.

Ich habe den Entwurf für diesen Artikel schon eine Weile hier liegen. Er ist sehr bruchstückhaft, weil leider schon zu viel Zeit vergangen ist. Dennoch klingt der Elternabend noch in mir nach. Ich stelle das Thema einfach mal in den Raum. Zum Anregen. Zum Nachdenken.

Wie ist deine Einstellung zu Hausaufgaben? Und Arbeit im Haushalt? Bindest du deine Kinder im Haushalt ein? Wenn ja, wie?

Elternabend

Am Montag war Elternabend im Kindergarten.Es war der erste, an dem ich dabei war. Und er war total anders, als ich einen Elternabend erwartet habe.

Normalerweise nimmt der Mann diese Abendtermine wahr und ich bleibe zu Hause bei der Bande. Nun ist der Mann grad auf Geschäftsreise und meine Mama hier zu Besuch. Also konnte ich hingehen. Der Kindergarten hat 3 Sorten von Elternabenden. Einen strukturellen, wo es um organisatorische Fragen geht, einen inhaltlichen, wo es pädagogisch zugeht und einen Elterngesprächskreis, wo Eltern Fragen mitbringen können, die dann in gemeinsamen Gesprächen erörtert werden. Zusätzlich gibt es natürlich noch persönliche Elterngespräche, wo es um die Dinge geht, die das eigene Kind betreffen.
Ich kam in den Raum und fand die Eltern an den Tischen verteilt in Grüppchen sitzen. Es gab drei Stationen und wir wurden aufgefordert, uns an allen drei Stationen eine Weile zu beschäftigen. Mit Dingen, die uns normalerweise nicht so geläufig sind, die wir im Alltag eher nicht tun.

Station 1
Hier kam es Mathe. Rechnen in verschiedenen Systemen. Mit diversen Abakusen, Wurzelbrett, Tauschsystemen, japanischen und chinesischen Rechentafeln. Ich war ganz aufgeschlossen und liess mir die diversen Syteme mit unechtem und echtem Tauschen erklären. Merkte aber sehr schnell, daß ich das doch nicht so leicht verstand und wie etwas in mir rebellierte und bockig wurde („warum soll ich mich jetzt hier mit Mathe beschäftigen?“ „Mit etwas, was ich nicht von mir aus möchte?“ Etc Etc). Sah man mir wohl auch an. Nach relativ kurzer Verweildauer wechselte ich also zu einer anderen Station.

Station 2
Dechiffrieren. Es gab eine Anlauttabelle, wie die Kinder sie auch haben. Allerdings waren statt der üblichen Buchstaben eine frei erfundene Zeichensprache. Zusätzlich lagen mehrere Texte/Gedichte in besagter Geheimschrift auf dem Tisch und die Aufgabe war, mit Hilfe der Tabelle, die Geheimschrift du entziffern und die Gedichte so lesbar zu machen. Das ging ganz gut, Herausforderung waren einzig die teilweise recht unleserlichen oder sich ähnelnden Zeichen.

Station 3
Als ich damit fertig war, setzte ich mich schliesslich doch an den weiteren Tisch, wo man mit der Bandzugfeder Fraktur schreiben konnte. Heimspiel, nannte es der Kindergärtner. Ich schrieb also ein bisschen lustlos gebrochene Lettern auf das Papier, lauschte den Gesprächen der anderen Muttis und horchte immer wieder in mich herein, ob ich das jetzt gut oder totale Zeitverschwendung finden soll. Mein Ego versuchte das da alles in eine Schublade einzusortieren und fand keine, was mich recht ungeduldig machte.

Aber am Ende gab es natürlich noch eine kleine Feedbackrunde über das, was wir da so erlebte an den einzelnen Stationen. Wie wir mit Lernfenstern, Erfolgen, Mißerfolgen und überhaupt mit neuen Themen so umgehen. Und dann natürlich hinspüren, wie es unseren Kindern da so geht. Wenn sie schreiben lernen. Oder Zahlen. Oder Sprache.

Am Ende war es ein sehr aufschlussreicher Elternabend. Und er wirkt nachhaltiger als eine reine Theoriestunde. Ich bin immer noch ganz angetan. Der Mann hat ja schon einige miterlebt. Einmal zB gab es Partnerübungen, wo sich die Eltern gegenseitig einen Pullover und Socken anziehen mussten und mal fühlen, wie sich das anfühlt. Welche Technik wir da so anwenden. Wie es dem Kind dabei geht. Eine tolle Methode, zu erkennen, einfühlsamer und achtsamer mit den Kindern umzugehen. Der Elternabend wird auf jeden Fall noch eine Weile nachwirken. Meine eignen Muster und Reaktionen zu beobachten. Und immer wieder zu reflektieren. Danke!