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gelesen :: Über den Tod und das Leben

Nach meiner Ausbildung in Krisenintervention, Sterbe- und Trauerbegleitung sind meine Sensoren natürlich besonders offen für diese Themen, die uns unweigerlich immer wieder im Leben begegnen. Was passiert, wenn wir Sterben? Wieso ist es so schwer, die richtigen Worte zu finden, wenn jemand in Trauer ist und warum erschreckt uns der Tod?

Wie ich einmal auszog, den Tod kennenzulernen, und dabei eine Menge über das Leben erfuhr

Wie ich einmal auszog, den Tod kennenzulernen, und dabei eine Menge über das Leben erfuhr, Ilka Piepgras, Droemer, 18,00 Euro (gebundene Ausgabe)*

Genau diesen Fragen will Ilka Piepgras nachgehen, als sie sich nach dem plötzlichen Tod ihrers Nachbars und mit der eigenen Hilflosigkeit konfrontiert, auf den Weg macht, Sterbebegleiterin zu werden. In dem Buch beschreibt sie unterhaltsam, tiefgründig und gut recherchiert ihre Erlebnisse und Gedanken. Zwischen persönlichen Erfahrungen streut sie aktuelle Forschungsergebnisse, Interviews und philosophische Sichtweisen ein. Immer wieder reflektiert sie ihre Standpunkte, stellt sich Ängsten und erweitert ihren Blick aufs Leben.

Das Buch liest sich sehr angenehm, enthält viele Spuren das Thema weiter zu beleuchten und viele Einsichten, wo ich beim Lesen zustimmend nicken wollte oder den Stift gezückt habe, um mir Notizen zu machen. Ich kann es sehr empfehlen.

Lieblingszitate

„Kein Weltbild zu haben sei ein Mangel, den wir am schmerzlichsten am Lebensende erfahren, schreibt die österreichische Schrifstellerin Lotte Ingrisch in ihrem Reisefüher ins Jenseits, „es ist, als hätten wir bei Regen, Sturm und Gewitter kein Haus. Der Mensch muss seiner Seele ein Haus bauen, und dieses Haus ist ein Bild von der Welt. Jedes Weltbild verbindet die Seele mit dem Universum, das Individuum mit der Gesellschaft, das Leben mit dem Tod.“

„Womit kann ich ihnen eine Freude machen?“ – „Dass Sie wiederkommen, nächste Woche. Die Anwesenheit anderer Menschen ist ein Segen. Wenn ein Kosmos den anderen berührt“

„Sich an jemanden zu erinnern heißt, ihn fortleben zu lassen. Erinnerung ist die unkomplizierteste Variante von Unsterblichkeit.“

„Sich genau dann zu verabschieden, wenn man so vieles im Leben begriffen und gelernt hat, ist eine ungeheure Verschwendung. Warum muss das so sein? Weil das Leben ohne das Bewusstsein, nur eine begrenzte Zeit zur Verfügung zu habenm keinen Spannungsbogen hätte.“

„…man kann es aber auch lesen als die Geschichte einer Wandlung von Gedankenverlorenheit zu höchster Hingabe an das eigene Tun. So gesehen, bekommt der Tod tatsächlich einen Sinn: Er wird zum Maßstab fürs Leben.“

„Der Tod konfrontiert dich mit der Frage, ob das, was du tust, auch das ist, was du tun willst. Seine Brutalität bringt alles gewohnte durcheinander.“

„Der Tod erinnert uns daran, wie die Welt sein sollte und wie wir sein wollen. Er erinnert uns an unsere Sehnsucht.“

 

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gelesen :: Familientisch – Familienglück

Zu Weihnachten habe ich von einer Freundin das Buch „Essen kommen“ von Jesper Juul* bekommen. Ich hatte vorher schon ein Auge drauf geworfen, weil es mich interessiert hat, was Juul zum Thema Essen zu sagen hat. Weil ich das Cover überhaupt nicht ansprechend fand, habe ich es mir aber nicht gekauft. Ich weiss gar nicht, nach welchen Kriterien so Coverdesigns ausgewählt werden. Doch dazu später mehr. Ich habe mich über das Geschenk jedenfalls sehr gefreut und lese gern in dem Buch. Es war meine Weihnachtsferienlektüre.

Essen kommen, Familientisch – Familienglück, Jesper Juul*

Das Buch ist kein klassischer Juulscher pädagogischer Ratgeber, sondern eine Mischung aus Kochbuch, persönlichem Statement und eben auch Beratung. In fünf Kapiteln geht es um Stress am Esstisch bzw die Vermeidung von eben jenem, die Eltern als Gastgeber, gute Beziehungen, Tischmanieren und Konflikte rund um den Esstisch. Dabei spannt Juul den Bogen vom Kleinkind bis hin zum Teenager und weist immer wieder auf unsere Rolle als Erwachsene hin. Es geht um die Familie als Gemeinschaft, um Zusammenleben, Kontakt und die Freude an gutem Essen. Am Ende jeden Kapitels gibt es einen kleinen Rezeptteil mit Gerichten zum Nachkochen und Ausprobieren.

Familientisch ist hyggelig

Das Buch lässt sich flüssig und angenehm lesen. Juul schreibt mit Beispielen aus seinem Beratungsalltag, aber auch eigenen Erfahrungen und Ansichten. Für meinen persönlichen Geschmack kommt das Wort hygge ein bisschen zu oft drin vor, das kann ich aber gut überlesen – vielleicht mit einem kleinen Augenrollen an den entsprechenden Stellen. Insgesamt wird wieder deutlich, wie wichtig es für uns Eltern ist, zu führen und gleichzeitig im Kontakt mit unseren Kindern (und PartnerInnen) zu sein. Die Tipps sind nicht dogmatisch, sondern ich lese sie als Anregung zu hinterfragen, wie ich es haben möchte und welche Werte ich in meiner Familie leben und mitgeben möchte.

Optisch – ich erwähnte es bereits – finde ich das Cover überhaupt nicht ästhetisch. Der Innenteil hingegen ist sehr schön gestaltet. Zurückhaltende Farbigkeit, gute Aufteilung und Aufbereitung der Inhalte. Auch die Bilder sind ansprechend und im guten Verhältnis zur Textmenge. Ich habe schon einige Rezepte nachgekocht. Die Blumenkohlsuppe verschmäht die Familie, die Pizza hingegen sehr beliebt.

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gelesen :: Die Geschichte der Bienen

Nachdem ich vielerorts die Empfehlung für das Buch gesehen habe, war ich neugierig. Weil ich aber so selten zum Lesen komme, lud ich mir ‚Die Geschichte der Bienen‘* bei Audible als Hörspiel runter. Fast 13 Stunden lang durfte ich eintauchen in den Roman, der über 3 Generationen und 3 unterschiedliche Geschichten den Zusammenhang zwischen Menschen und Bienen erzählt.

Die Geschichte der Bienen, Maja Lunte

Wir begleiten die chinesische Arbeiterin Tao im Jahr 2098, den Imker George in Ohio 2007 und den englischen Biologen William 1852. Alle drei Geschichten werden abwechselnd erzählt.

Tao lebt in einer Zukunft, in der es keine Bienen mehr gibt. Die Bestäubung der Obstbäume erfolgt per Hand. Lebensmittel sind künstlich erzeugt und knapp. Wir bekommen Einblick in ihren Tagesablauf als Arbeiterin und in die politische Struktur des Lebens, wo die Gemeinschaft mehr zählt als das Individuum.

George hat einen eigenen Bienenhof. Der leidenschaftliche Imker möchte gern, dass sein Sohn Tom den Hof übernimmt. Tom jedoch möchte lieber Journalist werden. Dann verschwinden die Bienen.

William ist ein Samenhändler und Biologe. Er hat acht Kinder und verlässt seit Wochen das Bett nicht, weil ihm der Lebensfunke fehlt. Doch dann kommt ihm eine Idee. Er widmet sich den Bienen und konzipiert einen völlig neuartigen Bienenstock, wo er die Bienen ungestört beobachten und den Honig ohne Schaden ernten kann.

Am Ende wird deutlich, wie alle drei so unterschiedlichen Geschichten miteinander verbunden sind. Wie die Geschichte der Menschen und die Geschichte der Bienen zusammenhängen.

Das Buch war unterhaltsam zu hören. Das ging auch gut in Autofahr-Häppchen. Ich mochte die Einzelgschichten und den großen Zusammenhang. Die Verhaltensweisen der Personen war mir oft fremd. Die Art miteinander zu kommunizieren, die Erwartungshaltungen aneinander. Es fiel mir schwer, mich wirklich in eine der Personen richtig reinzuversetzen und konnte mich damit auch nicht emotional mit ihnen verknüpfen (damit meine ich Mitfiebern, Mitweinen, Mitfreuen und Mitleiden). Tieferes Fachwissen über Bienen erlangt man nicht, eher halten sie den Rahmen der Geschichten.

Dennoch hat das Buch etwas in mir angerührt. Noch einmal mehr die Situation, in der wir uns befinden vor Augen geführt. Das Bienen- und Insektensterben und wie es Einfluss auf uns alle hat.

Die Geschichte der Bienen, Maja Lunte*

Zum Weiterlesen

An dieser Stelle ein kleiner Hinweis zur Naturmama, die sich sehr mit dem Thema Bienen, Umwelt und Nachhaltigkeit beschäftigt. Sie hat eine Liste interessanter Links zum Schauen und Weiterlesen gepostet. Ausserdem unterstützt sie das Herzens-Projekt von Sabrina.

Hier findest du eine kleine Anleitung zum Basteln von Bienen aus Erlenzapfen für den Jahreszeitentisch.

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