Talentetausch

Also ich vor Jahren, 14 um genau zu sein, noch in der Deco-und Mailart-Szene unterwegs war, begannen wir uns, in kleinen Gruppen zu organisieren (damals noch Yahoo-Groups) und zusätzlich zum normalen Brieffreundschafts und Deco-Tausch Business an Swaps teilzunehmen. Ein Swap ist ein Tausch. Es gab unterschiedliche Arten und Regeln. Oft hatten die Swaps auch Themen. Ich bin zwar nicht mehr in der Szene, meine Liebe zu Swaps ist aber geblieben. In der Vergangenheit hatte ich schon welche mit Ella oder Joy, aber auch mit Maria in Form von Talentetausch. Genau das mag ich. jede gibt, was sie kann in einem vorher vereinbahrten Rahmen. Jede freut sich über Post und Geschenke zwischendrin. Immer ist ganz viel Liebe, Sorgfalt und Wertschätzung dabei.

Juhu! Ein Swap!

Ich habe nicht lange gezögert, als @Frollein_M mich fragte, ob ich nicht Lust auf einen Swap hätte. Also tauschten wir Nähkust gegen Schreibkunst. Wir wechselten ein paar Nachrichten hin und her, um die Parameter festzustecken. Dann kam eine spannende Phase mit geheimnisvollen Fotos per Instagram, und irgendwann brachte die Post ein liebevoll gepacktes Päckchen.

swap

Viele Papierkraniche trugen mir einen Rock, ein T-Shirt und sehr leckere Schoki zu. Das T-Shirt ist bereits regelmässig in Gebrauch, der Rock wartet noch auf wärmeres Wetter.

Schreibkunst

Ich arbeitete an einer Mixed Media Collage mit Kalligrafie ((die ich leider nicht hochwertig fotografierte, bevor ich sie zur Post brachte) zu einem von vielen mir vorgeschlagenen Zitaten. Ich brauchte eine ganze Weile, um von der Idee zum finalen Bild zu finden. Die gesamte Collage ist 30 x 40 cm groß und in mehreren Schichten aufgebaut. Der Swap hat mir große Freude bereitet.

kalligrafie_swap

kalligrafie_georgiaokeeffe

Den Beitrag verlinke ich zum creadienstag.

Weniger ist mehr :: Kalligrafie Seminar in Freising

freising_werkzeuge

freising_sehnsucht

freising_kreuz

Meinen November startete ich mit einem Kalligrafie Seminar in Freising. Das Domberg Scriptorium in Freising lud die TeilnehmerInnen – unter der Leitung von Torsten Kolle und dem Motto „Weniger ist mehr“ – ein, eine Woche zu schreiben und zu experimentieren. Auf der Mitbringliste standen schwarze und weisse Gouache, eine Farbe, 5 zueinander kontrastreiche Werkzeuge und viel Übungspapier.

Es war mein dritter Kurs bei Torsten Kolle. Wie schon in den vorangegangenen Seminaren mochte ich sehr, daß es nicht nur um Kalligrafie ging. Vielmehr wurden wir auch angeregt, das Thema „Weniger ist mehr“ für uns persönlich, aber auch in Hinblick auf unsere Gesellschaft und den aktuellen Themen zu hinterfragen. So kam es während der Seminarwoche zu interessantem Austausch und Gesprächen.

freising_q

freising_witchcraft

Experimente und Buchstaben im Detail

Kalligrafisch beschäftigten wir uns zuerst mit Expermienten zu unseren gewählten Werkzeugen. Wir untersuchten, welche Spuren sie auf Papier hinterlassen können, um später vielleicht darauf zurückzugreifen. Dann widmeten wir uns der serifenlosen Antiqua, welche wir mit der Bandzugfeder übten. Dazu gab es verschiedene Anregungen. Wir begannen ganz bei den Grundformen, beschäftigten uns mit Proportionen und Variationsmöglichkeiten. Was passiert, wenn wir nur einen teil des Buchstabens zeigen? Was macht einen Buchstaben aus und worin unterscheidet er sich von anderen Buchstaben des Alphabets? Das untersuchten wir in einer anderen Übung. Mit unseren Werkzeugen probierten wir neue Alphabetformen aus, einige Teilnehmerinnen entwickelten ihre eignenen Alphabete. Im Laufe der Woche fand jedeR ins Tun und Schreiben, alle unter dem selben Motto jedoch mit unterschiedlichsten Ergebnissen. Kalligrafie nicht nur als Schönschreiberei, sondern als Auseinandersetzung mit Material, Thema, Farbe und vorallem inneren Prozessen. Das ist genau, was ich daran liebe.

freising_blaetter

freising_dom

freising_gingko

Austausch und Zeit für mich selbst

Am Morgen vor den Kursen und in den Pausen war ausreichend Zeit, rings um den Domberg spazieren zu gehen oder in der Altstadt von Freising zu bummeln. Ich genoss die Herbststimmung, schaute mir den prachtvollen Dom von innen an und liess mich immer wieder von dem leuchtenden Ginkobaum im Hof des Seminarhauses verzaubern. Ich konnte am Abend früh zu Bett gehen, meinen Gedanken nachhängen und mich mit anderen TeilnehmerInnen austauschen. So ist ein Seminar auch immer eine tolle Begegnungsmöglichkeit. Ich nehme jedes Mal kleine Inspirationen jenseits der bloßen Kursinhalte mit nach Hause.

freising_arbeitsplatz

freising_hoffnung

Serifenlose Antiqua und Lapidarantiqua

Mein selbstgewähltes Thema waren hauptsächlich die Buchstabenformen der serifenlosen Antiqua. Ich habe mich bemüht, die Proportionen zu erfassen und Buchstabeformen schreiben zu lernen. Ich habe mit Federhaltung, Beschaffenheit der Schreibflüssigkeit, Druck und Schreibgeschwindigkeit gekämpft. Am Ende war ich doch sehr zufrieden mit meinen Fortschritten, die ich nicht nur im Laufe des Kurses, sondern auch im Laufe des Jahres an mir beobachte. Es sind einige Arbeiten entstanden, in denen ich das gelernte Wissen angewandt und kombiniert habe. Das Seminar hat mir viel Freude bereitet.

Skizzenbücher

Das Highlight des Seminares war für viele von uns der Einblick in eines von Torstens Skizzenbüchern. Er zeigte und erläuterte uns seine Gedanken und Inspirationen zu den Themen und Zeichnungen. Skizzenbücher sind eine sehr persönliche Sache. Wir sahen es als großen Vertrauensbeweis, einen Einblick in die Auseinandersetzungen mit diversen Themen zu erhalten. Lieber Torsten, vielen Dank!

 

 

 

Eine Kalligrafiewoche in Freising

Schreiben – Essen – Schlafen. So könnte ich die Woche in drei Worten beschreiben. In Wirklichkeit war es natürlich viel tiefgründiger, umfassender und beeindruckender. Sehr kurzfristig habe ich mich zu einer Fortbildung, einer Schreibwoche zur Capitalis Monumentalis bei Torsten Kolle, im Domberg Scriptorium Freising angemeldet. Von Montag bis Freitag führte uns Torsten gelassen und geduldig in die Geheimnisse und Fertigkeiten der erhabendsten aller Schriften, der Capitalis Monumentalis, ein. Diese Schrift gilt als die schönste und ausgewogendste Antiqua. Sie ist auf der Trajan Säule in Rom zu finden und ist Vorlage und Ausgangspunkt für viele moderne Antiqua-Schriften. Nicht nur der Blick aus meinem Fenster, sondern auch die Umgebung des Dombergs waren Balsam für die Seele. Wäre ich nicht so viel mit Schreiben beschäftigt gewesen, hätte ich mir gern auch den Ort angeschaut. So genügte mir mein allabendlicher Ausblick und ein Rundgang über die Rosenterrasse. Freising hat jedoch noch viel mehr zu bieten, hab ich mir sagen lassen.

freising

scriptorium

Die Schreibstube – unser Arbeitsplatz für die Woche.

rosenterrasse

rosen

Pause für die Augen auf der wunderschönen Rosenterrasse.

gegenwart

taurosen

torsten_kolle_erklaert

Immer wieder geduldige Erklärungen, Ermutigung und Tricks von Torsten.

rosarosen

uebungsblaetter

Eine Woche lang hochkonzentriert arbeiten, auch mal fluchen und alles-hinschmeissen-wollen, neue Motorik eintrainieren und Werkzeuge erfahren. Sich mit dem eigenen Anspruch auseinandersetzen und üben, üben, üben. Zuerst mit dem Pinsel. Details. Dann gerade Buchstaben, Rundungen, Proportionen. Drehungen, Handhaltung. Dann mal mit der Feder. Wie fühlt sich ein starres Werkszeug gegenüber einem weichen an? Welche Ergebnisse lässt es zu. Wir wirken die Buchstaben im Text? Buchstabenabstände? Verhältnisse? Wie kann ich die Formen auch frei und expressiv einsetzen? Wie spiele ich mit Größen und der Grundlinie? Am Ende dann nochmal Details mit dem Pinsel. Wie fühlt es sich jetzt an? Nach einer Woche?

uebungsblatt

Die Woche hat mir unglaublich gut getan. Ich habe viel gelernt, viel erfahren und viel mit nach Hause genommen. Ich möchte dran bleiben an der Capitalis Monumentalis.

Jetzt, Soeben,
Flüchtig, Zart,
Unser Leben,
Gegenwart.

Text von Franz Wittkamp aus dem Alphabetbuch (Affilate Link)