Die Muss-Diät

brutblatt 4

Vor einigen Jahren las ich in einem Trainingsbuch zur gewaltfreien Kommunikation mit Kindern über das Müssen in unserem Leben. Oft sagen wir „Ich muss noch dies, ich muss noch jenes“. Und wie sich das für die Kinder anhören mag. Welch Spaßloses Leben wir Erwachsenen doch führen, wo ich soviel muß. Denn eigentlich muß ich ja gar nichts. Es ist immer meine Entscheidung. Es hat lediglich Konsequenzen, wenn ich etwas tue oder eben nicht tue. Aber es ist immer noch meine Entscheidung, was ich dann daraus mache.

Ich habe nach dieser Lektüre begonnen, das Wort ‚muß‘ aus meinem Wortschatz zu streichen. Es gelingt mir nicht immer, aber ich bemühe mich, so wenig wie möglich zu müssen. Es klingt doch viel schöner, zu sagen: „ich möchte noch aufräumen (weil ich es gern ordentlich habe)“ als „ich muß noch aufräumen“. Durch diese kleine Veränderung in deinem Denken und Sprechen wirst du Chef über dich selbst. Mit deiner Haltung kannst du bestimmen, wie du deinem Alltag und seinen Herausforderungen begegnest. Du hast die Entscheidung. Die Wahl, wie du dein Leben gestaltest.

Im Workshop sprach Dharma Singh ganz am Ende genau dieses Thema nochmal an. Er erzählte noch ein zwei Geschichten drumherum und schlug uns vor, eine Muß-Diät zu machen. Nach und nach das Wörtchen ‚muß‘ aus unserer Sprache herauszunehmen.

Probier es mal und schau, was es mit dir macht. Wie geht es dir damit?

Kommunikation

Neulich war abends in der Schule ein Vortrag von Karsten Czimmek zum Thema Kommunikation. Der hat mich sehr interessiert, denn Kommunikation spielt immer wieder eine entscheidende Rolle im Zusammenleben mit unseren Mitmenschen. Ich war sehr dankbar, daß die Kinder mir diesen Abend ermöglicht haben. Der Mann war auf Geschäftsreise, ich mit den Kindern allein. Die große Tochter meinte, ich solle doch ruhig zum Vortrag gehen, sie würden das schon alleine schaffen. und auch der kleine Wolf fand das ok und kooperierte unglaublich toll beim bettfertig machen. So fuhr ich guter Dinge mit dem Sterngucker im Gepäck zu einem anregenden Vortragsabend.

Kommunikation. Ein Riesenthema, wovon wir in den zwei Stunden sicher nur an der Oberfläche herumgekratzt haben. Der Abend selbst war total anders als ich erwartet hatte und dennoch sehr inspirierend und gut. Wie Karsten schon zu Beginn seinen Vortrags meinte, ist das ein weites Thema und „er habe da ein Faß angestochen“. Der Schwerpunkt des Abends lag auf der Kommunikation von Erwachsenen mit Kindern.

Hier zusammengefasst ein paar Gedanken, die ich mir notiert habe:

  • bestimmend ist, was ich sage und was ich tue. Geht das zusammen? Stimmen sprachliche Ebene, Gebärde/Körperhaltung sowie innere Haltung überein?
  • 3 Ebenen der Kommunikation. Wirkung (innere Haltung), Tun (Gebärde), Wort. Sprachliche Ebene wirkt als letztes.
  • Sprache mit (kleinen) Kindern in erster Linie zweckbedingt, handlungsnahe Themen (Essen, Körperpflege, Spiel…)
  • Kommunikation/Sprache bleibt konkret (=handlungsnah) bis es zum Konflikt kommt, dann wirds schnell unkonkret (unsere erzieherische Moral kommt dazu)
  • Konflikt: wir haben ein Bild vom Kind, was es nicht erfüllt (kann es noch nicht). Setzen oft zuviel voraus (unausgesprochenes Selbstverständnis). Selbst wenn Verständnis bei Kinden da ist, heisst es noch lange nicht, daß sie müssen (<- unsere Erwartungen erfüllen).
  • es wird viel als selbstverständlich vorausgesetzt ohne dies zu kommunizieren (siehe sozialisierung, ungeschriebene Gesetze etc)
  • wir sind uns oft selbst nicht im Klaren über unsere eigenen Absichten und senden dadurch verwirrende mißverständliche Botschaften
  • Wir haben Erwartungen. Es ist nicht Aufgabe der Kinder, unsere Erwartungen zu erfüllen.
  • Kommunikation ist die Fähigkeit zu Hören.

Wir schauten uns einige Film-Beispiele aus dem Pikler Insitut in Budapest an. Da ging es in erster Linie um Kommunikation schon in der  Babyzeit. Wie kommuniziere ich mit dem Kind. Die Beispiele waren sehr interessant und lehrreich. Mit dem pädagogischen Konzept von Emmi Pikler bin ich das erste mal durch die Spielgruppe des Wolfes in Berührung gekommen, habe mich aber nie tiefer damit beschäftigt).

Fazit
Und was hat mir der Abend gebracht? Erstens bin ich megastolz auf meine Kinder, daß sie mir den Abend gegönnt und ermöglicht haben. Zweitens wurde ich wieder erinnert, mehr Präsenz an den Tag zu legen. Eins nach dem anderen zu tun. Nicht viele Dinge gleichzeitig. Jedem zu seiner Zeit die volle Aufmerksamkeit zu widmen. Im Moment sein. Meine Kommunikation auch oft wieder hinterfragen. Geht das was ich fühle, wovon ich überzeugt bin auch mit dem zusammen, was ich sage? Öfters mal laut denken, damit die Kinder meine Entscheidungen nachvollziehen können und Überlegungen transparent sind. Und damit ich selbst meine Absichten besser erkennen kann.

 

Honoring Silence

Meine Stimme ist weg. Ich wurde unfreiwillig zum Schweigen verdonnert. Ich! Da merkt man erstmal, wieviel man im Alltag quatscht. Wie wichtig die Stimme ist. So ein Familienalltag im Flüsterton ist so anstrengend. Mal sehen, ob ich es heute schaffe, gar nicht zu reden. Ein Schweigetag sozusagen. Wie Mönche oder Yogis als Meditation machen. Dann trage ich ein „Honoring Silence“ (Verehre die Stille) Anstecker. Hihi. Eine wirklich interessante Erfahrung: Sich auf wenige (oder keine ) Worte zu konzentrieren. Mehr Körperkontakt einsetzen. Gerade bei den Kindern ist das so wichtig, sie zu berühren, wenn man mit ihnen spricht. Beim Mann auch immer wieder. Ich werde besser wahrgenommen, wenn ich direkt mit ihnen kommuniziere, wenn ich Körperkontakt herstelle. Eine wichtige Botschaft übrigens auch aus dem Buch „Warum Kinder nicht zuhören“.

Einen Schweigetag hatten wir schonmal während der Yogalehrerausbildung. Aber da waren wir auch unter anderen Yogis, also aus dem Alltag heraussen. Wir konnten uns in unser Schweigen vertiefen. Wir haben das Schweigen durch verschiedene Meditationen begleitet. Es war damals ein sehr intensiver Tag, den ich aber zu Hause nicht fortsetzen konnte.