Gatka

gatka

Am Freitag unterrichtete ich fast 3 Stunden lang Gatka auf dem Kundalini Yoga Frauencamp in Linden. 30 Frauen verknoteten sich die Beine, lernten den Grundschritt (Pentra) und die Stöcke schwingen, hatten Spaß und waren am Ende ausgeglichen und balanciert. Mir selbst hat der Workshop große Freude bereitet.

Doch was ist eigentlich dieses Gatka? Und was begeistert mich daran so? Als ich mich auf den Workshop vorbereitet habe, suchte und sichtete ich nicht nur meine Stöcke/Waffen, sondern recherchierte auch ein bisschen Hintergrundwissen. Ich vergesse ja Zahlen und Zusammenhänge schnell wieder. Geschichte ist nicht meine Stärke. Deshalb war es für mich sehr interessant, nochmal ein bisschen darüber zu lesen.

Gatka – ein ganzheitliches System

Gatka ist eine nordindische Kampfkunst der Sikhs. Der Name Gatka bezeichnet die Waffen, die Stöcke. Die Sikhs sind eigentlich ein sehr friedliches Volk. Aufgrund ihrer geografischen Lage waren sie jedoch immer wieder Ziel von Unruhen und Angriffen, was sie dazu zwang, sich selbst zu verteidigen. Anfang des 17. Jahrhunderts gründete der 6. Sikh Guru Hargobind Singh eine Armee, um die Freiheit der Sikhs zu verteidigen. Guru Hargobind war selbst ein guter Krieger und ermutigte jeden, sich physisch und mental fit zu halten. Gatka ist, wie viele andere Kampfkünste, nicht nur ein Weg zu kämpfen, sondern ein ganzheitliches System aus Kampf-Fertigkeiten, Religion, Heilkunst und Philosophie. Eine Haltung, eine Lebensart. Die Elemente daraus haben sich aus dem uralten Wissen der Kshatriyas (Krieger in Indien), dem Shastar Vidya (Kunst der Waffen) entwickelt. Heute wird Gatka für Wettkämpfe, Rituale und Shows trainiert.

Gatka basiert auf einem Grundschritt, dem Pentra. Daraus entwickeln sich verschiedene Handhabungen von Stöcken, Schwertern und anderen Waffen. Fast tänzerisch wirken die fliessenden Bewegungen, die dafür gedacht sind, den eigenen Körper im Kampf zu schützen und den Feind zu schrecken. Aber auch für den Nahkampf (Messer und andere Kurzwaffen) gibt es Abläufe, die heute eher für Showzwecke eingesetzt werden, da sie einer Choreographie aus Angriff und Abwehr folgen.

Auf youtube gibt es mittlerweile zahlreiche Gatkavideos, wie zb diese Performance in Amritsar

Gatka Camp 2012-4

Gatka und ich

Ich habe Gatka durch Kundalini Yoga kennengelernt und erstmals 2003 einen Workshop bei Nanak Dev Singh Ji auf dem Yogafestival in Frankreich mitgemacht. Danach konnte ich nicht mehr davon lassen und habe Workshops in Hamburg, Berlin und Freiburg mitgemacht und an diversen Gatkacamps teilgenommen. Manchmal unterrichte ich Grundlagen auf dem Frauencamp. Leider gibt es in Deutschland nicht so viele Akaras (der Ort, wo man trainiert und kämpft), wo man regelmässig trainieren kann. Wenn ich in Hamburg bin und es ergibt sich, dann besuche ich die Gatkafamilie dort oder freue mich, wenn wir uns auf anderen Workshops treffen.

Ich selbst nutzte Gatka für mich als Werkzeug. Das Pentra zählt als idiotensichere Meditation, da es aus sich kreuzenden Bewegungen besteht und somit die Körperhälften ausgleicht. Ein bisschen wie eine gesteigerte Form von Spazierengehen oder Tanzen. Das wirkt ja auch meditativ. Das Pentra hat zum Ziel, dich zu zentrieren, zu balancieren und auszurichten. Es verbindet mich mit mir selbst und mit der Erde. Mit einem Rhythmus kann man in Trance geraten. Wir haben das auf dem Gatkacamp in Frankreich, wo ich früher immer mit meiner Familie war, für 1h lang geübt. Das Gefühl danach ist phantastisch. Ausserdem gefällt mir der Aspekt von Flexibilität und Hingabe einer Kriegerin. Das kann ich gut auf meinen Alltag anwenden. Für körperliche Fitness und die Fertigkeiten mit den Waffen müsste ich es noch mehr trainieren.

Waffen

Wenn es um Waffen geht, dann teilen sich die Gemüter schnell. Schliesslich können Waffen Werkzeuge sein, um zu kämpfen, zu verletzen, ja zu töten. Am Ende sind sie letztendlich nichts anderes: Werkzeuge. Was sie zu Waffen macht, ist immer die Intention, der Nutzer. Ein Messer kann Waffe oder Werkzeug sein, ein Stock ist nicht immer gleich eine Waffe. Ich selbst war schon als Kind fasziniert von Waffen. Habe mit Pfeil und Bogen geschossen, mit Knallpistolen und Luftgewehr. Heute bin ich der Überzeugung, daß Waffen im Zusammenhang mit einer Kampfkunst immer auch eine Metapher sind und uns viel lehren können. Sie lehren Achtung vor dem Leben, Fokus und Achtsamkeit. Sie gelten als unsere Lehrmeister und werden mit Respekt behandelt. Nebenbei ist es für mich sehr nützlich, zu wissen, daß ich mich im Notfall verteidigen und die Unversehrtheit meines Körpers schützen könnte. Dafür hilft mir nicht unbedingt der Umgang mit Waffen, sondern vielmehr die innere Haltung und mein Auftreten, mit dem Wissen der Kampfkunst im Hintergrund. Es ist nie das Ziel, die Waffen einzusetzen, sondern durch Flexibilität, gesunden Menschenverstand und vorausschauendes Handeln gar nicht erst in Situationen zu geraten, wo Waffen notwendig sind.

Unser Wochenende :: Zwischen Frust und Freude

Etwas verspätet gewähre ich noch einen kleinen Einblick in unser volles Wochenende. Manche Wochenende sind gemütlich daheim, andere sind prall gefüllt mit Aktion. Letztes Wochenende war eines der prallen. In München war die Yogamesse „World of Yoga“, wo unsere Kundalini Yoga Sangat einen Raum hatte und der Mann diverse Workshops und Sessions mit dem Gong anbot. Einen kleinen Einblick bekommst du in dem kurzen Beitrag vom BR. Der Mann ist ziemlich am Anfang zu sehen.

Am Samstag waren wir mit der ganzen Familie auf der Messe. Die Kinder wollten gern mit, sie hatten sich gefreut, unsere Freiburger Freunde da zu treffen. Die waren jedoch gerade an diesem Tag nicht auf der Messe, hatten ihre Session aus Zeitmanagement-Gründen getauscht. Der Mann kümmerte sich um seine Vorträge, ich hielt derweil die Kinder in Schach, was zugegeben nicht einfach war. Dafür hatten wir lecker veganes Mittagessen (das Catering auf der Messe war wirklich toll), probierten uns durch alle möglichen Nascherein an den Ständen und schauten uns die diversen Klamotten und Werbung an. Nachdem der Mann mit seinem Job fertig war, fuhren wir wieder nach Hause und verbrachten noch einen harmonischen Abend miteinander.

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Am Sonntag hatte der Mann eine weitere Session auf der Messe. Ich plante, mit den Kindern daheim zu bleiben. Sehr kurzfristig ergab sich, daß der Sohn sich doch verabreden und ich nochmal zur Messe mitfahren konnte. Ich wollte so gern auch eine Yogasession besuchen und doch noch unsere Freunde treffen. Die Tochter schlief lieber aus und genoss sturmfrei. Den Sterngucker nahmen wir mit.
Der Sonntag war auf der Messe viel entspannter und ruhiger. Ich genoss die Wiedersehensfreunde (manche Wiedersehensurmarmungen machen das Herz ganz weit auf und den Körper ganz warm und glücklich), eine Yogastunde (von der ich heute noch Muskelkater habe) und nochmal das leckere Süßkartoffwel-Curry. Der Mann entdeckte eine schöne Leinenhose eines noch kleinen Hamburger Labels. Ich chillte mit dem Sterngucker in der Lehrer-Lounge und schaute mir in Ruhe die Stände an. Mich interessieren ja gar nicht so sehr die zahlreichen Produkte, sondern vielmehr, wie diese beworben und präsentiert werden und mit welchen Erscheinungsbildern die Yogis mittlerweile daherkommen. Da hat sich im Laufe der Jahre echt viel getan. Ich habe mir Proben, Postkarten und Flyer mitgenommen von Ständen, die ich besonders nett fand.

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Am Nachmittag fuhren wir zurück, putzen noch den Kindergarten (mit neuer Autoaufräumidee. Ich entdecke immer neue Features im Kindergarten) und sammelten den Wolf bei seinem Freund ein. Am Abend waren wir dann ziemlich erschöpft, aber doch sehr erfüllt von den Begegnungen.

Das Hummusrezept vom Abendessen gibts bei Ringelmiez und ein paar Hummus-Samtweich-Tipps noch dazu.

Yoga :: Sitali Pranayama – Kühlender Atem

Der Sommer beglückt uns schon mit hohen Temperaturen. Als wir vom See zurückfuhren, saß der Sterngucker im Auto und hechelte aus Spaß mit ausgestreckter Zunge Luft. Das ist ja auch eine (Atem-)Übung aus dem Yoga. Singhasana – Löwe. Mir fiel dazu aber wieder Sitali ein, eine kühlende Atemtechnik, die ich letzten Sommer schonmal vorgestellt hatte.

Sitali Pranayama
Pranayama bezeichnet im Yogischen Atmemtechniken. Sitali Pranayama ist eine Atemtechnik, die kühlend und entspannend wirkt. Sie gilt sogar als fiebersenkend und verdauungsfördernd. Sitali Pranayama reguliert Pitta, das ayurvedische Feuer-Dosha, kühlt aber auch hitzige Gemüter runter. Also ruhig mal durch die Zunge atmen, wenn die Wut hoch kocht.

Probier die kleine Abkühlung doch mal aus. Setz dich entspannt hin, schliesse die Augen und atme 1-3 Minuten durch die gerollte Zunge.

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Und so geht’s:

  • Rolle die Zunge zu einem U.
  • Atme durch die gerollte Zunge ein und durch die Nase wieder aus

Hör dir gern auch an, wie Sukadev die Übung anleitet.

Sitkari
Wenn du kein Zungenroller bist, hilft dir vielleicht eine andere Variante, der Sitkari Atem:

  • Setze dich entspannt, am besten mit geschlossenen Augen, hin
  • Beisse vorsichtig deine Schneidezähne aufeinander und öffne deine Lippen soweit es dir bequem möglich ist, sodaß deine Zähne zu sehen sind (das sieht ein bisschen aus, als würdest du übertrieben freundlich lächeln)
  • Presse die Zungenspitze gegen den Gaumen.
  • Atme langsam durch die Zahnlücken ein, konzentriere dich auf den zischenden Ton deines Atems.
  • Schliess deinen Mund und atme langsam durch die Nase wieder aus.
  • Wiederhole diese Übung bis zu 20 Mal.

Zusätzlich zum kühlenden Effekt, gleicht Sitkari das Hormonsystem aus und sorgt generell für Vitalität. Nach der Überlieferung soll Sitkari den Gesichtsausdruck verschönern. In der »Hatha Yoga Pradipika« steht: »In dieser Art übend nähert man sich Gottes Schönheit.« (sag ich doch: Lächeln :-)

Sukadev über Sitkari