Wochenendschnipsel

Mein Wochenende war voll. So wie auch diese Woche voll sein wird. Deshalb nur ein paar notierte Gedankenschnipsel in der Rückschau.

Samstag

9-13 Uhr Wasserwacht Schulung zum Defibrilator. Kurzweilige Auffrischung zur Lebensrettung, Übungsstationen zum Blutdruck- und Blutzuckermessen, Funken, Infusion vorbereiten, Stiffneck anlegen und eben Wiederbelebung mit Herzdruckmassage, Beatmung und Defibrilator. Ein netter, schnell vergangener Vormittag. Ich freue mich jedesmal sehr, mit dem Team beisammen zu sein. Die Geschichten, die gemeinsame Aufgabe, die Menschlichkeit.

Kurz daheim, Mittag essen, bisschen im Garten graben (immer noch Quecken!).

Dann weiter zum Kindergarten. Wir sind dran mit Putzdienst. Mittlerweile haben wir schon eine gute Routine. Der Mann kümmert sich um die Küche, ich ums Klo, Atelier und Gruppenraum. Der Wolf ist beim Freundgeburtstag, der Sterngucker beim Nachbarsjungen, die Tochter mit einer Freundin unterwegs.

Wieder daheim. Ich grabe im Garten, der Mann fährt zum Sport. Auf dem Rückweg bringt er die Tochter mit.

Sonntag

Der Mann wartet auf seinen Leihwagen. Ich möchte zu einer Ausstellung, die 11 Uhr eröffnet. Wir kümmern uns um die Wäsche und die Kinder. Der Leihwagen wird geliefert, ich mache mich auf den Weg.

Ein Mädchen klingelt, um zu Betteln. Ich weise sie ab und denke noch lange darüber nach. Eigentlich tue ich das nicht. Doch hatten wir schonmal so eine Situation. Ein Mädchen fragte nach Wasser. Als wir Wasser gaben, fragte sie nach Essen, Geld, Kleidung usw. Da ich gerade aussortiert hatte, hab ich Kleidung. Während sie auf ein Auto wartete durchstöberte sie grob die Sachen und nahm, was sie gut fand. Als das Auto kam, wurde alles, was sie brauchen konnten eingepackt, der Rest blieb an der Strasse vorm Haus liegen. Die ganze Aktion hatte so etwas rauhes und undankbares an sich, daß ich verunsichert war. Ich stelle keine Bedingungen an meine Hilfe, jedoch hatte ich ein komisches Bauchgefühl bei der Vorgehensweise und im Gesamtkontext der Situation.
Das Bettelmädchen am Wochenende schien nach ähnlichem System vorzugehen. Es war eine ganze Familie, die im Dorf unterwegs war und mit jeder gereichten Hand/Hilfe, dreister wurde. Mich verunsichern solche Erlebnisse, weil ich eigentlich gern helfen möchte jenen die in Not sind. Das Erlebnis lässt einen schalen Geschmack zurück. Ich denke über meine Privilegien nach, über Strukturen, Kulturen und Gesellschaft. Das beschwert meine Brust. Ich möchte niemanden wegschicken.

Ich fahre weiter zur Ausstellung. Eine Kalligraphie- und Keramikausstellung im Nachbarort. Sie gefällt mir gut, zeigt mir aber auch, daß ich viel mutiger sein könnte, aus mir rauszugehen. Ich kann das auch. Ich bewunderte die Kalligraphin für ihren Mut, sich so zu zeigen und beschloss, auch mal eine Ausstellung zu machen. Irgendwann.

Als ich zurück komme, fährt der Mann mit dem Leihwagen gen Berlin zur Republica. Ich bleibe mit den Kindern hier. Wir wurschteln uns durch den Tag. Die Tochter sortiert ihr Playmobil, ihre Fillys und Littlest PetShop Viecher aus. Die Jungs spielen mit dem Playmobil. Wir schauen Fotoalben an und reden über die Vergangenheit. Die Tochter erinnert sich, daß sie mal dieses Video ganz toll fand. Als sie klein war. Wir amüsieren uns darüber und führen noch ein paar andere schöne Gespräche.

Nach dem Abendessen bringe ich erst den Sterngucker, dann den Wolf ins Bett. Später richte ich den Geburtstagstisch für den Wolf her (9!) und kümmere mich noch um die Druckdaten für die Projektschülerin während sich die Tochter um den Kuchen kümmert. Viel zu spät bin ich endlich im Bett.

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Wochenende :: ausgefüllt

Wie unterschiedlich sie doch sein können, diese Wochenenden. Dieses zum Beispiel war von der ruhigen und ausgefüllten Sorte. Am Freitag habe ich die Tochter zum Flughafen gebracht und nach Hamburg verabschiedet.

Samstag

Den Samstag haben wir hauptsächlich im Garten arbeitend verbracht. Unser Garten vorm Haus soll gefräst werden. Dazu muss erst das ganze Unkraut, vorallem die Quecken, raus. Ich bin fasziniert von dem unterirdischen Wurzelwerk. Wenn ich am Wochenende die Augen geschlossen habe, sah ich immer die Queckenwurzeln vor mir. Nach dem Mittagessen hat der Mann den Wolf zu seinem Freund zur Übernachtung gebracht und den Wochenendeinkauf erledigt. Der Sterngucker radelte derweil durch die Siedlung. Ich widmete mich weiterhin den Quecken oder erholte mich lesend in der Hängematte von der Gartenarbeit (Rücken! Ich bin halt doch keine 20 mehr). Am Abend, als der Sterngucker im Bett war, hatten der Mann und ich Zeit für uns. Wir tranken gemütlich einen Hugo und gingen früh ins Bett.

Sonntag

Auch der Sonntag stand ganz im Zeichen des Gartens. Weiter graben, weiter Quecken wegsammeln. Ausserdem arbeitete ich noch an den Texten für meine Website und war am Nachmittag im angenehm leeren Fitness-Studio. Ich habe einen neuen Trainingsplan bekommen. Der erste war eher zur Haltungsstabilisierung (ich bin ja wegen meiner Rückenschmerzen da), der jetzige hat einen zusätzlichen Fokus auf tatsächlich definierte Muckis. Fand ich schon immer schön. Nach dem Training saunierte ich noch kurz und fuhr dann wieder nach Hause. Der Wolf wurde gegen 17 Uhr gebracht und verschwand gleich wieder mit dem Radl in der Siedlung. Später kam er nochmal, seinen Schlafsack zu holen, weil er beim Nachbarsfreund übernachten wollte. Der Mann verabschiedete sich nach München zur Gongmeditation, der Sterngucker wollte ins Bett gebracht werden. Und plötzlich hatte ich einen Abend für mich. Ich erledigte Kleinkram, las noch eine Runde und wartete auf den Mann.

So verging das Wochenende ganz entspannt und leise.

Wochenende :: ruhelos

Seit Mittwoch bin ich Strohwitwe. Es gibt Zeiten, da macht mir das nichts aus, da kann ich mich gut drauf einstellen und wir haben leicht miteinander. Dann gibt es andere Tage, da bin ich nicht so gut beeinander. Dann ist auch das Miteinander etwas schwieriger. Von dieser Sorte war das Wochenende. Irgendwie ruhelos.

Samstag

Der Sterngucker hat eine Idee nach der anderen und versucht sie hartnäckig umzusetzen. Sei es, das Feuer, was er liebevoll im Rasen aufgebaut hat und unbedingt anzünden möchte oder sein Drang, den großen Jungs hinterherzuradeln. Wie ungerecht er es findet, daß er nicht alleine auf der Strasse durch die Siedlung fahren kann. Und überhaupt, jetzt möchte er Gnocchi essen und Schokolade gleich noch als Nachspeise. 10:30 Uhr oder so. Ich merke, wie ich zunehmend unentspannt werde. Jetzt schon. Vielleicht sitzt mir auch noch die vergangene Nacht im Nacken. Viel zu spät bin ich ins Bett gekommen. Habe die Tochter abgeholt, die bei einem Freund und noch in der Dunkelheit draussen unterwegs war. Wenn die Kinder klein sind, schlägt man sich die Nächte um die Ohren, weil sie weinen. Wenn sie groß sind, lauscht man, wann sie zurück sind (oder man sie abholen kann, in diesem Fall).

Mittagessen aus der Tüte

Zum Mittagessen mache ich Kartoffelbrei aus der Tüte, dazu Saure Gurken aus dem Glas. Ich habe keine Lust zu kochen. Entsprechend schmeckt das Essen. Es nährt mich nicht. Die Kinder spielen abwechselnd im Garten oder auf dem Spielplatz. Zeitweise ist es angenehm ruhig im Haus, dann wieder schlagartig emsiges Gewusel und lautes Gestreite. Ich fahre die Tochter zu ihrer Freundin. Wir kaufen noch kurz Blumen ein. Als wir zurück kommen, warten die Jungs auf den Eiswagen, der vielleicht kommt. Währenddessen streiten sie sich um das Geld. Ich glaube nicht mehr dran, daß der Eiswagen kommt. In ruhigen Minuten liege ich in der Hängematte und lese. Die ruhigen Minuten werden immer wieder unterbrochen. Der Wolf kommt mit einer dicken Beule. Er ist beim Spielen gegen ein Verkehrsschild gerannt.

Immer wieder Auto fahren

Endlich. Die erlösende Eiswagenmelodie. Die Kinder stürmen zum Auto des freundlichen Italieners, der hier im Sommer seine Runden über die Dörfer dreht und Eis verkauft. Ich werkele ein bisschen im Garten, rupfe Unkraut und freue mich, daß es den ein- und umgesetzten Pflanzen so gut geht. Nach einem kleinen Zusammenbruch, beschliesst der Sterngucker ins Bett zu gehen. 17 Uhr legt er sich hin und schläft eine Stunde. Dann kommt er wieder runter, isst etwas zu Abend und lässt sich wieder ins Bett bringen. Ich richte dem Wolf einen Abendbrotteller und fahre die Tochter bei ihrer Freundin abholen. Wie ich dieses Rumgefahre leid bin. Einen Bus oder Radwege in die nächste Stadt gibt es nicht. Also wird das wohl noch eine Weile so bleiben. Ich denke das erste mal darüber nach, die Tochter den Moped-Führerschein machen zu lassen.

Wieder zurück, bringe ich den Wolf ins Bett, lasse mir eine Badewanne ein und lese mein Buch zu Ende.

Sonntag

Niemand bereitet das reiche Frühstück mit Obstmandalatellern. Oder deckt auch nur den Tisch. Keiner geht zum Bäcker (wir haben keinen) und holt duftende Brötchen. Es brüht auch keiner Tee auf. Der Sterngucker möchte Pfannkuchen (was sonst) zum Frühstück. Da wir eh nix aufs Brot haben, mach ich halt Pfannkuchen. Der Wolf rümpft die Nase. Schon wieder Pfannkuchen. Isst sie dann aber trotzdem. Mit ganz viel Puderzucker. Ich trinke meinen Tee. Um mich herum beginnen die Jungs mit dem gleichen Lärm und Gewusel des Vortages. So möchte ich meinen Tag nicht starten. Ich seufze und schreibe ein bisschen Frühlingspost.

Verspannung und Anspannung

Ich bin verspannt. Meine Schultern und mein Rücken tun weh. ich war schon tagelang nicht beim Sport. Die Tochter leiht mir ihre Blackroll, die sie zum Geburtstag von einem Freund bekommen hat. Ich könnte eine gute Massage gebrauchen, merke meine innere Unruhe und Angespanntheit. Ich habe Ideen, ich möchte Dinge tun, aber mir fehlt die Ruhe und Kraft, etwas zu beginnen. Ich versuche zu lesen, höre mich aber immer wieder mit den Kindern wettern. Tut dies nicht, lasst jenes. Geht dahin, aber dorthin nicht. Was ist los mit mir? Woher kommt diese innere Unruhe? Ist es die Unruhe von den Kindern, die sich auf mich überträgt? Oder ist es mein Zustand, der die Kinder beeinflusst? Ich bin nicht in Kontakt, ich plärre leere Anweisungen über die Wiese. Ich bin genervt. Von den Kindern, mehr noch von mir selbst. Irgendein kleines Detail ist es, ich fange an zu weinen. Ich fühle mich überfordert und hilflos.

Atmen

Die Jungs ziehen sich für eine Weile mit den Kaplas ins Kinderzimmer zurück. Ich atme durch und geniesse die Stille. Dann koche ich mir eine Suppe. Die Kinder würden eh Gnocchi mit Ketchup essen. Also kann ich mir auch Mangold mit Bohnen aus dem Buch „Vegan oriental“ machen. Ich esse meine Suppe. Ganz langsam, Löffel für Löffel. Ich lese nicht nebenbei, ich schreibe nicht nebenbei, ich browse kein Instagram. ich esse einfach nur meine Suppe. Allein und ganz in Ruhe. Es geht mir besser.

Ich überlege, wie ich aus dieser Schleife raus komme. Mir fallen „ab in den Wald mit allen“ Sprüche ein, die oft als gute Ratschläge aus dem Internet kommen. Ich habe keine Lust mit den Kindern in den Wald zu gehen. Ich bin Pettersson mit schlechter Laune.

Was geht in mir vor, wie komme ich da wieder raus? Was brauche ich gerade? Wie kann ich es bekommen? Ich möchte für mich sein. Mir fällt der Spruch aus der Meditation von neulich wieder ein. „Me time is with us all the time. It’s within us.“ Ich überlege, wie ich dort hin komme.

Überforderung und Selbstregulation

Die Tochter ist gereizt, weil sie sich die Ferienplanung anders vorgestellt hat und ihr jetzt bewusst wird, welche Tragweite die Entscheidungen, die wir getroffen haben, für sie hat. Sie hat bald Prüfungen und noch viel zu tun. Sie fühlt sich gelähmt davon. Wir versuchen das Thema zu entstressen, in dem wir eine To-Do-Liste für die anstehenden Aufgaben schreiben. Viel „Keine Ahnung“. Viel „Ich muss“.

Die Tochter hat ein gutes Gespür für sich selbst. Sie braucht Bewegung und Frischluft. Selbstregulation. Weg vom Stress. Entschleunigen. Sie fragt, ob ich mit ihr spazieren gehe. Ich habe Widerstand. Kann die Jungs doch nicht alleine lassen und überhaupt. Ich denke an die guten Wald-Ratschläge und muss schmunzeln. Na los. Der Sterngucker möchte Fahrrad fahren. Was sonst. Ok, gehen wir spazieren. Wir drei. Natürlich tuts gut. Einfach zu gehen. Den Duft des sonnenwarmen Waldbodes zu riechen. Das Schwirren und Krabbeln und Summen im Wald. Die feinen Blüten, die emsigen Waldameisen. Ich bin froh um die Tochter.

Zurück daheim. Der Sterngucker spielt mit dem Nachbarsjungen, der Wolf ist eh in der Siedlung unterwegs. Die Tochter ist weiter in den Wald gegangen. Ich habe Zeit für mich. Zum Atmen. Zum Zeichnen. Ich vergesse die Zeit. Ich bin. Es geht mir besser. Ich geniesse die Stille, ich irgnoriere das Chaos um mich herum. Bald ist der Tag vorüber. Das Wochenende. Ich esse die Reste meiner Suppe. Dann muss ich nachher nicht hungrig Abendessen für alle machen. Dann plane ich meine nächste Woche. Sie beginnt mit einem Frühstücksdate mit dem Mann.

Ich bereite Abendessen für die Kinder. Es gibt Pizzaschnecken und Rohkost-Gemüse zum Knabbern. Dann räumen wir langsam auf. Der Mann kommt. Wir staunen, daß auf der Wiese im Garten 8 Spatzen und ein Rotschwanz Abendessen suchen. Es ist Zeit, die Kinder ins Bett zu bringen. Ich bin sehr erschöpft von dem Wochenende, deshalb gehe ich heut früh ins Bett.