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Alltagsschnipsel vor Ostern: Darf ich sagen, dass es mir gut geht?

Die letzte Woche vor den Osterferien. Die Kinder gehen mürrisch zur Schule. Man merkt, dass die Luft raus ist. Der Sterngucker darf sich einen Pause-Tag gönnen, an einem Tag, wo er Notbetreuung hätte. Der Wolf nimmt sich seine Pause eh, wie es ihm passt, um es mal salopp zu sagen … (natürlich steckt da viel mehr dahinter, aber das soll jetzt nicht Thema sein.) Mit anderen Worten: wir freuen uns auf die Osterferien.

Selbst meine genügsamen Kinder, was Sozialkontakte betrifft, fragen vermehrt nach Kino, Essen gehen und diverse Aktivitäten, die gerade nicht möglich sind. Auch materielle Wünsche müssen wir gerade ausschlagen. Ein Drahtseilakt für alle. Aber wir haben beschlossen, uns ein schönes Osterfest zu machen. Das haben sich die Kinder gewünscht. Wenn das Wetter so bleibt, steht dem nichts im Wege. Ich stelle mir vor, draussen zu sitzen, das Feuer an zu haben, die frische Luft und die Freiheit eines eigenen Gartens zu geniessen.

Die Woche hat sich, abgesehen von einem Streit und einer Panikattacke, von einer ausgesprochen schönen Seite gezeigt: herrliches Frühlingswetter, Blüten und Vögel, tolle Post, schöne Gespräche, Ermutigung, Einsichten, wertschätzendes Feedback. So viele goldenen Momente, die mich reich und dankbar machen. Ein paar Momente davon möchte ich hier gern festhalten und teilen:

Da gibt es die täglichen Spaziergänge mit dem Mann. Während wir unsere 30 – 60 Minuten gehen (je nach Wetter, Tagesplan und Zeitkontingent) haben wir interessante Gespräche, beobachten Vögel und die erwachende Natur (ok, und manchmal halten wir uns die Nasen zu vom extremen Gülle-Gestank, weil die Bauern gerade verstärkt ihre Odl-Tanks auf den Wiesen leer fahren). Besonders angetan haben es uns die vielen Greifvögel, die wir hier beobachten können. Ein Milan, der elegant durch die Lüfte gleitet, schnell flatternde Falken und die Mäusebussarde sowieso. Es macht so Freude, die zu beobachten.

Überhaupt ist es eine Freude, das Singen, Zirpen, Zwitschern und wilde Naturtreiben zu beobachten. Gefühlt von einem Tag zum anderen ploppen die Blüten aus dem Boden und verwandeln den Garten und die Wegesränder in ein rauschendes Fest. Herrlich. Immer wieder hüpft ein Rotkehlchen über die Terrasse, an einem Baum konnte ich einen Kleiber beobachten.

Während der Woche habe ich nicht nur Briefe verschickt, sondern auch wunderbare Post erhalten. Ein verspätetes, aber sehr berührendes goldgrünes Geburtstagsgeschenk und meine Blütezeit-Box, die ich mir von den Teekassenspenden gegönnt habe. So eine Freude!

Auch per Email kommen sehr wertschätzende Rückmeldungen. Zu meinen Herzensbriefen und Blogposts, zu meinem Newsletter und meiner Arbeit in den Kursen. Das freut mich sehr, vorallem, weil ich immer wieder ins Zweifeln gerate und Sinn suche. Die Fastenzeit-Social-Media-Pause hat mir sehr gut getan. So langsam kehre ich Häppchenweise zurück, sehr vorsichtig noch, weil ich um die Gefahr weiss, wie schnell ich eingesaugt oder berieselt werden kann.

Seit ein paar Wochen gelingt es mir immer besser, eine Art ruhigen Morgen für mich selbst zu etablieren. Es macht so einen Unterschied, wie ich in den Tag starte! Ich stehe vor der Familie auf, mache ein bisschen Sport für Schultern und Rücken. Dann schreibe ich meine Morgenseiten, wenn ich Zeit habe, lese ich noch ein bisschen bevor es Zeit wird, mich um das Frühstück zu kümmern. Ich nehme diese Morgenroutine nicht streng. Wenn mir danach ist, länger liegen zu bleiben, kuschle ich eben noch bisschen im Bett und verkürze die ein oder andere Einheit. Ich will, dass es sich gut anfühlt und mir Kraft für den Tag gibt.

Am Abend nehme ich mir Zeit, meine Kursvideos zu schauen. Dieses Frühlingserwachen bringt eine herrliche Energie mit, die ich gern nutzen will. Raus aus dem Winterschlaf, rein ins pralle Leben. Das zeigt auch die Buntheit auf unseren Tellern. Ich will leicht werden, ausräumen, Platz schaffen. Gestern habe ich ein paar Spiele und Bücher auf meinen Instagram-Flohmarkt angeboten, die hier schon lange liegen, weil wir sie nicht mehr nutzen.

Buntheit hat auch der Sterngucker von der Schule mitgebracht. In der Notbetreuung haben sie Eier über dem Lagerfeuer gekocht und dann gefärbt. Als Osterdeko bleiben sie uns nicht. Er hat sie alle schon aufgegessen. dafür haben wir draussen die Büsche mit bunten Eiern dekoriert, die wir in den vergangenen Jahren marmoriert haben. Und im Newsletter von Jeannette Mokosch gab es eine Ostervorlage für ein zartes Fensterbild. Das habe ich direkt mal an mein Bürofenster nachgeschrieben. Das erste Mal, dass ich Kreidemarker auf der Fensterscheibe nutze. Hat Spaß gemacht, und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Jeannette bietet auch ein kleines Oster-Ebook mit Vorlagen und Ideen für ein schönes Osterfest.

Am Vormittag arbeite ich an meinem nächsten Kurs, dem Schriftzauber für Anfängerinnen.  Die Inhalte sind schon fertig, bekommen aber nochmal ein Make-Over, sodass am Ende ein richtig toller runder Kurs fertig wird. Diese Arbeit macht mir so große Freude. Durch die Zoomcalls, die ich zusätzlich zum Kurs immer anbiete, bekomme ich ein besseres Gefühl, wo die Teilnehmerinnen stehen, kann auf Fragen eingehen und direkt mit ihnen zusammen werkeln. Da bin ich richtig froh, dass sich diese Art nun mehr und mehr etablieren konnte.

So kann ich auch digital an meinen Sensory Awareness Stunden teilnehmen. Nur die Posaunenchor-Proben lassen sich nicht am Computer einrichten. Dafür treffen wir uns unregelmässig zu anlassbezogenen Proben. Mit viel Abstand und Lüften, Hygienekonzept und Vorsicht üben wir Stücke für einen Draussengottesdienst an Himmelfahrt.

Auch die Treffen mit meinen ältesten Freundinnen sind öfter und regelmässiger geworden. So verbringen wir schonmal einen gemeinsamen Abend mit Laptop, Chips und Schlafanzug im Bett, reden über alte Zeiten, Kindergartenerinnerungen und halten uns gegenseitig bei Laune. Es braucht viel Trost und Zusammenhalt. Den schenken wir uns gerade, wenn auch nur virtuell. Wie besprechen Impfabwägungen, Sehnsüchte, teilen Urlaubs-Ausfall-Frust und Quarantäne-Genervtheit. Das Tollste: Wir lachen zusammen. Am Samstag ist es wieder so weit. Unsere Weibertalkshow, wie wir sie nennen. ich freue mich!

Alles in allem ist und bleibt das Leben auch hier turbulent, es gibt Sorgen und Nöte (zwei Soloselbständige in einem Bereich, der direkt und indirekt von den Corona-Maßnahmen betroffen ist), es gibt Streit und Genervtheit. Aber ich stelle fest, dass ich mich noch immer mit der Gesamtsituation gut arrangiere. Und ja, ich weiss, dass das ich diese Aussage von einem sehr privilegierten Standpunkt machen kann. Um so dankbarer bin ich, dass es uns so gut geht.


Hat dir der Beitrag gefallen? Wie StrassenkünstlerInnen der Hut, steht hier im Blog eine Teekasse. Nur eben virtuell. Wenn du magst, kannst du mir einen Tee ausgeben. Oder Farben und Papier. Danke für die Wertschätzung <3

Ein Kommentar

  • Simone

    Liebe Ramona, wie schön von Dir zu lesen und dass es Euch gut geht.
    Ich hoffe das bleibt auch so und dass Ihr Ostern im Garten verbringen könnt. So sehen unsere Pläne auch aus, mit Gartenarbeit, Radtouren und Lagerfeuer und Angrillen. Nur leider meldet es schlecht, ich hoffe der Regen verschiebt sich um um ein paar Tage ;-)
    Schöne Ostern

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