Donnerstag – Arbeit, Leberkas und Blackoutgedichte

Donnerstag – Arbeit, Leberkas und Blackoutgedichte

Am Abend sitze ich nicht mehr auf der Couch, sondern am Fell auf dem Boden. Die Couch tut meinem Rücken nicht gut. Ich habe das Gefühl, dass das am-Boden-Sitzen besser für mich ist. Irgendwann wollen wir die Couch aussortieren und vielleicht durch zwei gemütliche Ohrensessel und Bodensitzkissen ersetzen. Insgesamt möchte ich wieder mehr auf meine Haltung achten. Meine Arbeitszeit am Computer ist in den letzten Tagen wieder mehr geworden. Ich arbeite an einem Auftrag für eine große Management-Veranstaltung. Dafür liefere ich gerade die Grafiken für die Event-App, wo Sponsoren, Speaker und Lagepläne zu finden werden. Damit verbringe ich den Großteil meines Vormittags. Ausserdem unterstütze ich immer auch den Mann bei der Ausstattung seiner Angebote. Von Veranstaltungsflyern zu Anmeldeformularen und kleinen Grafiken hier und da.

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Der Sterngucker war die ganze Woche im Kindergarten. Weil wir Ferien haben, fährt kein Schulbus. Also habe ich ihn mit dem Auto hingebracht. Wir haben dann Morgens beim Bäcker immer eine kleine Brotzeit für ihn gekauft. Das ist für ihn das Ferienhighlight. Am ersten Tag hat er Brezenknöpfe genommen. Das ist Laugenteig, aber nicht in Form einer Breze sondern ein bisschen wie eine Semmel, ein Knopf. Der Verkäufer war sehr freundlich, das hat dem Sterngucker gefallen. Dass er ihn angelacht hat und mit ihm gesprochen.

Am zweiten Tag hat der Sterngucker den Verkäufer gefragt, ob er denn auch Leberkas-Semmeln hat. Der Verkäufer hat ihm angeboten, eine zu machen. Mit kaltem Leberkas. Der Sterngucker war begeistert. Ja, eine bitte. Mit Butter, aber ohne Essiggurke. Ganz stolz ist er mit seiner Tüte aus der Bäckerei spaziert und hat sich auf die Brotzeit im Kindergarten gefreut.

Auch heute wollte er wieder eine Leberkas-Semmel vom Bäcker. Im Auto meinte er, jetzt ist der Verkäufer fast schon sein Freund. Weil er immer so nett zu ihm ist. Heute war aber eine Verkäuferin da. Die fand er auch nett. Die hat ihm nämlich gleich beim Reinkommen ein Tütchen Gummibärchen gegeben. Und dann auch eine Leberkas-Semmel gemacht.

Ich bin jetzt nicht so begeistert von den Semmeln oder den Gummibärchen, hab mich aber sehr über den Sterngucker gefreut. Über seinen Mut und seinen Stolz, seine Selbstwirksamkeit, seine Freude. Wir hatten schöne Autofahr-Gespräche und Kontakt. Ich geniesse diese Momente am Morgen sehr. Die Nachmittage sind eher wuselig und anstrengend, weil wir dann noch halb in unserer Arbeit stecken und der Sterngucker schon Kindergartenmüde und manchmal etwas jammerig oder aufgedreht ist.
Bevor ich gestern zum Sensory Awareness gefahren bin, hat er mir zum Abendessen einen Gemüseteller angerichtet. Ich fand sehr nett, wie er die Tomate dekoriert hat. Hat er im Kindergarten gelernt.

Blackout-Gedichte

Gestern habe ich das Fastenzeitlesebuch* (Buch7) begonnen. Das Buch ist so aufgebaut, dass es immer einen kleinen Textimpuls gibt, einen Bibelvers, eine vorgeschlagene Bibelstelle, eine Frage zum Weiterdenken und ein Gebet. Ausserderdem gibt es immer auch einen sinnlichen Teil: eine Anleitung zum kreativ werden, basteln oder kochen {mitmachen | riechen | gestalten | probieren | zuhören}. Gestern war der Bibelspruch aus Johannes 1,14 „Er, der das Wort ist, wurde Mensch und lebte unter uns. Er war voll Gnade und Wahrheit und wir wurden Zeugen seiner Herrlichkeit…“ Der Mitmachvorschlag dazu ist ein Blackout-Gedicht. Das geht so:

Du nimmst eine alte Buchseite und liest den Text. Dabei umkreist du alle Worte und/oder Satzteile, die dir zu einem Thema (in dem Fall solle der Bibelvers/-Text als Impuls dienen) ins Auge fallen. Danach schwärzt du den restlichen Text ringsherum.

Das hat mir total Spaß gemacht und erinnert mich ein bisschen an Schnipselpoesie. Ich hatte keine Lust, die übrigen Textteile zu schwärzen und habe meine umkreisten Worte ausgeschnitten und neu aufgeklebt. Also doch wieder Schnipselpoesie.

Trotz Regen habe ich einen kleinen Spaziergang gemacht. Naja, der war wirklich nur kurz, denn draussen nutzen die Bauern gerade das Wetter, um ihre vollen Odlgruben zu leeren. Entsprechend stank es. Das hat nix mehr mit frischer Landluft zu tun. Aber: Ich habe entdeckt, dass die Veilchen blühen. Und duften! So schön.

Es blüht auch meine Hamamelis. Die zeige ich hier immer wieder, weil sie mich jeden Tag aufs neue verzaubert. Verzaubernuss. Ich sehe sie, wenn ich aus unserem Küchenfenster schaue. Dort unterm Küchenfenster steht auch das coole Motorrad der Tochter (Ich werd ja immer mal wieder gefragt wie das so ist mit dem Motorrad. Das ist wirklich ein Motorrad. Eine 125er KTM Duke. Nix Moped und 50 km/h und so. Das Ding fährt richtig Autobahn und 120 km/h. Hat nicht so viel PS, aber geht schon ordentlich ab. Ich war damals froh, wenn es mein Mopet auf 54 km/h geschafft hat, hihi). Das macht mir schon auch ein kleinen mutterstolzen Freudensprung im Herzen, wenn ich sie darauf davonknattern sehe (oder höre). Die Freiheit, die sie sich damit geschaffen hat. Und ich erinnere mich vielleicht auch ein bisschen an mein eigenes 17jähriges Ich. Große Kinder sind schon auch toll.

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Morgen kommt der Wolf wieder. Ausserdem haben wir Putzdienst im Kindergarten und am Wochenende bin ich Strohwitwe, weil der Mann bei einem Seminar ist.

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4 Gedanken zu „Donnerstag – Arbeit, Leberkas und Blackoutgedichte

  1. Hallo liebe Jademond!
    So ungefähr ging es mir auch mit dem Rücken… jetzt haben wir kein Sofa mehr, sondern zwei ordentlich große und zwei kleine (für die Füße) Sitzsäcke (BigBertha – nächstes Mal werden’s aber wahrscheinlich andere, da diese keine abnehmbaren Bezüge haben). Viiiiiel besser, wir wollen sie jetzt gar nicht mehr missen :-).
    Für den Computer haben mein Mann und ich beide jeweils einen (von Hand) verstellbaren Stehtisch – am Anfang gewöhnungsbedürftig, aber dann auch richtig gut :-).

    Die Geschichte mit dem Sterngucker find ich toll (auch in meinem Fall wären natürlich was anderes als Leberkäs und Gummibärchen gut gewesen ;-) )! Wenn man sieht, wie Kinder selbstständiger werden, sich etwas zutrauen und dann ganz stolz sind… schön :-) (ich habe keine eigenen Kinder, aber einen Neffen).

    Ich wünsche euch allen ein wundervolles und sonniges Wochenende!

  2. Ohhhh, Veilchen!
    Wie wundervoll liebe Ramona, die habe ich bei uns noch gar nicht entdecken können…
    Dein Gedicht mag ich sehr und danke dir fürs Teilen.
    Kennst du eigentlich „2 Flügel“? Deren Klang, Wortwitz und Poesie lernte ich zum Advent kennen und mochte es sehr. Vielleicht auch dein Geschmack?
    Ein schönes Wochenende mit deinen Kindern.
    Herzlicher
    Claudiagruß

  3. Liebe Ramona!

    Ich lieb‘ deine Geschichte vom Sterngucker – da ist mal gesundes Essen nicht so wichtig und Ausnahmen bestätigen die Regel.
    Kennst du auf FB die Kurzfilme von Liebscher & Bracht zur Schmerzbekämpfung? Vielleicht interessant. Was wäre mit einem Sitzball beim Computer, vielleicht ab und zu?
    Rückenschmerzen sind ekelhaft…
    Liebe Grüße aus Wien von deiner Barbara

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