_Alltag

Donnerstagsschnipsel – lavendelduftig

Die einzigen Fotos, die ich gerade mache, sind von unserem Lavendel. Der blüht jetzt üppig und lilablau. Es ist eine Pracht. Für die Augen, die Nase und die Bienen. Ein Gesumme und Geschwirre, es ist herrlich. Wenn ich an meinem Schreibtisch sitze, sehe ich einen teil der Lavendelbepflanzten Mauer und freue mich über den Anblick.

Mir fehlen ein wenig die Worte dieser Tage. Die stauen sich irgendwie in mir drin und machen so ein ganz kribbelig aufgeregtes Gefühl. So ein bisschen, als wollten sie loslaufen noch bevor sie fertig sind. Das sind solche Zeiten, wo meine Ideen und Gedanken schneller sind als ich selbst, wo ich tausend Dinge anfange und bei nichts wirklich dabei. Innere Unruhe und das Gefühl, nirgendwo richtig hinzugehören. Also nicht ich, sondern diese Gedanken und Ideen.

In den letzten Tage haben ich am Geburtstagsalbum für den Sterngucker gearbeitet. Für die Geburtstagsfeiern in der Schule gibt es ein kleines Minialbum mit ein paar Fotos und Worten pro Lebensjahr. Das habe ich ewig vor mir hergeschoben. Nun hatte er im April Geburtstag und in der Schule werden nach und nach alle Geburtstage bedacht. Morgen darf also der Sterngucker im Montessori-Geburtstagsritual die Welt umrunden und seine Fotos zeigen.

So ein Fotoprojekt bringt natürlich ausreichend Sentimentalitis mit sich. „Awww, schau mal, wie klein er mal war. Und wie süß er hier guckt! Und hier!!!“… Du kennst das vielleicht. Jetzt habe ich zumindest einen Haken an dieses Projekt gemacht. Fertig bin ich mit den Fotos aber längst nicht. Da warten noch die anderen Fotoalben der Kinder auf ein Update. Beim Wolf fehlen zwischendrin mehrere Jahre. Das Tochteralbum, mittlerweile 3 Bände, beende ich nun. Sie ist 18 und die Bilder, die ich von ihr habe, werden immer weniger.

Ich möchte gern Sport machen, aber so richtig klappt das nicht. Heut morgen habe ich eine Weile über die Prioritäten in meinem Leben nachgedacht und über Selbstfürsorge. Wieso ich den Dingen, die mir wichtig sind, so wengi Raum eingestehe. Aber dann wieder, gerade als ich das hier schreibe, fällt mir ein, dass ich es sehr wohl tue. Nur eben nicht jeden Tag. Sondern mal mehr hier und mal mehr da. Es ist eine Illusion, für alles immer Zeit zu finden. Und dann fällt mir ein, was wir immer wieder beim Sensory Awareness über Balance erfahren. Balance ist kein statischer Zustand, kein verharren in einer Position. Balance ist dynamisch, mal hiervon ein bisschen, mal davon etwas mehr. Eine Bewegeung um die Mitte. Bei aller Selbstoptimierung vergessen wir das schnell. Es geht nicht darum, jeden Tag auf alles zu achten, sondern eine generelle Balance herzustellen.

So kann ich vielleicht zwischen all dem Wollen innehalten und ausatmen. Ums Atmen geht es auch beim Trompete spielen. Vielleicht gefällt es mir deshalb so sehr. Die Atem-Übungen, das Beckenboden-Spüren. Mit der Spannung und Ausdehnung arbeiten, dem Fliessenlassen. Und auch hier ertappe ich mich dabei, alles richtig machen zu wollen. Dabei werde ich eng. So funktioniert das nicht. Es ist so spannend, wahrzunehmen, wie ich ticke!

Der Mann ist heute Gongspielen. Das heisst, ich habe den Abend mit den Jungs. Heute habe ich schöne Post bekommen. Am liebsten würde ich heute Abend Briefe schreiben, bei geöffnetem Fenster während der Sommerregen und das Gewitter draussen rumpeln und grollen. Ich mag diese Stimmung. Vielleicht reicht es für einen Leseabend. Ich lese gerade „Ein ganzes Leben“ von Rober Seethaler. Das Buch hat mir eine Freundin in ihrem Buchpaket geschickt. Es liest sich schön und handelt vom Leben eines Mannes, der in den Bergen groß wird und ein bewegtes, aber auch einfaches Leben führt. Mit Schicksalsschlägen und einer ganz eigenen Art, damit umzugehen.

Morgen freue ich mich auf ein Monatsdate mit dem Mann und am Abend auf ein Videotreffen mit den TeilnehmerInnen meines Sommerskizzenbuch-Kurses. Ich bin schon sehr gespannt, wer sich alles einwählen wird, welche Fragen gestellt werden und was wir zusammen zeichnen werden. Und dann ist schon wieder Wochenende.


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Ein Kommentar

  • M.M.

    Deine Ausführung zur Balance und dem nicht immer alles machen können und müssen tun mir gerade sehr gut.

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