_Alltag

Eine geheime Alchemie

Die Tage vergehen relativ gleichförmig, was ich gar nicht schlimm finde. Ich mag den steten Rhythmus als Rahmen eines Alltags. Aufstehen, Frühstücken, Arbeiten und Schule, Mittag kochen, Mittag essen, Mittagspause und noch ein bisschen Kleinkramarbeit, Teepause, Spazieren gehen, Nachmittagsbeschäftigungen Abendessen, Bettzeit.

Manchmal kommen ein paar Termine dazwischen, je nachdem, was gerade beruflich ansteht sind das Zoomcalls an den Abenden. Aber auch Sensory Awareness und Trompeten-Proben, vormittags manchmal Therapie oder Coaching. Mehr läuft nicht. Es reicht mir aber auch. Zwar würde ich liebend gern mal wieder schwimmen gehen, ansonsten hält sich meine Sehnsucht nach Action aber in Grenzen.

Ich fröne noch immer der Serie (wir sind bald durch), weshalb viele andere Dinge, die ich sonst schaffe, gerade liegenbleiben. Was ok ist. Ich mag diese langsamere Gangart. Dienstags habe ich meinen Kreativ-Salon. Gestern habe ich zu diesem Text gearbeitet, der mich gerade sehr anspricht:

„Im Bewusstsein der Menschen ist in aller Stille eine geheime Alchemie am Werk, wie im Winter, wo sich die Explosion des Lebens im Frühling vorbereitet. Auch während des großen Schlafs der Natur hat man den Eindruck, dass nichts geschieht. Alles scheint statisch, unbewegt, während sich in Wirklichkeit in der Tiefe der Erde ein Keimprozess vollzieht, der am Ende einen Blütenreigen mit sich bringt.“ Pierre Rabhi, Aus: Wer sich verändert, verändert die Welt

So geht es mir auch. Die Fragen, die mich sonst so lautstark beschäftigen sind gerade leise und subtil, ich spüre aber, wie sie unter der Oberfläche arbeiten, sich Erkenntnisse fügen und an die Oberfläche schweben.

Draussen wird es jetzt endlich etwas sonniger und milder. Ich hatte noch gar keine echte Lust, im Garten zu werkeln, weil es entweder zu nass oder zu kühl war. Dabei breitet sich der Giersch dort aus, wo ich Bohnen säen will. Vielleicht komme ich am Wochenende zum ausgiebigen Gartenwerkeln. Neulich habe ich immerhin schon unseren neuen Kompost aufgebaut. Und den Weihnachtsbaum zusammengeschnitten, der noch im Garten rumlag.

Was gerade schön ist

Der Sterngucker ist in der Notbetreuung, gestern sogar am Nachmittag. Sie haben am Feuer Popcorn, Kartoffeln und Pfannkuchen zubereitet. Ein Stück Normalität trotz aller Einschränkungen. Ich habe einen ausgeglichenen, nach Feuer riechenden, schmutzigen Jungen abgeholt. Das tut gut.

Serienabende mit dem Mann und dem Wolf. Gemeinsames Eintauchen in eine Fantasiewelt, recherchieren von Fakten und Hintergründen, Filmdreherei und Legenden. So habe ich gelernt, dass Lucifer aus dem Lateinischen (lux – Licht, ferre – tragen) kommt und Lichtträger heisst und auch die Bezeichnung für den Morgenstern, die Venus ist. Der Name Lucifer Morningstar ist also quasi doppelt gemoppelt. Auch wurde diese Figur erst ab dem Mittelalter als gefallener Morgenstern mit dem Satan identifiziert. Sowas finde ich sehr spannend, und wir lesen uns durch diverse mythologische Hintergründe zu den Serienfiguren, aber auch zu Fakten, Los Angeles etc. Hihi.

Meine Schachbrettblumen blühen. ich liebe diese zarten Schönheiten, ihre Form, Farbe und Eleganz.

Posaunenchorproben. Wir proben mit Abstand, Hygieneregeln und reduzierter Bläserstärke für den Gottesdienst im Freien an Himmelfahrt. Es dürfen je nach Inzidenz nur Ensembles einer bestimmten Stärke auftreten. Momentan sind das 10 Bläser. Ich bin etwas aufgeregt bezüglich des Auftritts. Wir spielen sechs Stücke, wovon ich das Gefühl habe, kein einziges wirklich zu können. Wah! Die Proben machen dennoch immer wieder Spaß, vorallem weil wir gemeinsam an den Anforderungen verzweifeln. Gemeinsam musizieren macht Freude.

Die täglichen Spaziergänge mit dem Mann. Immer noch. Egal bei welchem Wetter nehmen wir uns die Zeit, eine Runde zu gehen. Unsere liebste Tagesroutine. Wir beobachten Greifvögel, beobachten, sehen, wie sich die Natur verändert und reden miteinander über Dinge, die uns gerade beschäftigen. Das mag ich sehr.

Der Mann lässt sich gerade einen Bart stehen und gefällt mir damit richtig gut.

Der Austausch mit den Kursteilnehmerinnen und Menschen im Kreativsalon, der Künstlerpakt und meine eigene Gestaltungslust. Das macht Freude. Ich bin gerade mit viel mehr Regelmässigkeit am Gestalten, Zeichnen und Schreiben. Dabei entstehen keine Meisterwerke, aber es tut gut, mich auszudrücken.

Besonders dankbar bin ich für die Schulen und das Lehrpersonal der Kinder. Ich habe das Gefühl, dass alle drei gut begleitet werden. Einmal mehr bin ich froh, dass wir uns für eine private Schule entschieden haben. Dafür zahlen wir jeden Monat viel Geld, das wir nicht für Urlaub und Konsum zur Verfügung haben. Gerade in diesen Zeiten finde ich es aber eine enorme Entlastung, nicht einem Notendruck und Leistungserbringung zu unterliegen, sondern einfühlsame LehrerInnen zu haben, denen es am Herzen liegt, in Kontakt mit den Kindern zu bleiben und möglichst unbeschadet durch diese herausfordernde Zeit zu bringen. Die Kinder machen dennoch ihren Schulkram: die Tochter per Online, Präsenz oder Hybridunterricht ganz selbständig, der Wolf in zwei Blöcken am Tag per Zoom und der Sterngucker in der Notbetreuung (weil wir beide selbständig arbeiten, können wir das Angebot in Anspruch nehmen).


Hat dir der Beitrag gefallen? Wie StrassenkünstlerInnen der Hut, steht hier im Blog eine Teekasse. Nur eben virtuell. Wenn du magst, kannst du mir einen Tee ausgeben. Oder Farben und Papier. Danke für die Wertschätzung <3

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