_Alltag

Fastenzeit 2021 | Tag 3

Am Abend waren die großen Kinder da. Die Tochter und ihr Freund. Die Jugendlichen haben einen anderen Biorhythmus. Der Wolf ja mittlerweile auch. So hingen sie also zu dritt in der Wohnküche herum, machten sich Essen, die Tochter setzte diverse Teige an, die sie heute verbacken will. Mit dem Mann und dem Wolf spielte ich noch eine Runde skribbel, dann war ich aber so müde und wollte unbedingt ins Bett. Das war mir schon viel zu spät. Schon fast 23 Uhr! Ich schrieb noch ein paar Zeilen in mein Dankbarkeitstagebuch. Seit Beginn des Jahres habe ich schon 16 Seiten vollgeschrieben (nicht in Listen, sondern fortlaufend in einer Zeile).

Das Aufstehen war etwas zäh heut morgen, aber mit dem Frühstück kamen die Lebensgeister. Ich bin verspannt und habe mir einen Nerv im Rücken eingeklemmt, sodass manche Bewegungen schmerzhaft sind.

Mein Tag

Das übliche am Morgen: Aufstehen, Tagfertig machen, Morgenseiten schreiben (heute beantworte ich meine eigenen Fragen, die ich den Kursteilnehmerinnen im Mut-Kurs gestellt habe), Brotzeit für den Sterngucker herrichten, Frühstücken, Arbeitstag starten. Der Mann bringt den Sterngucker zur Schule. Der Wolf schläft aus.

Heute steht in meinem Kalender ein Vormittag voller Kundenarbeit. Ich bespreche mich mit dem Mann. In einige Aufgaben teilen wir uns rein. Ich arbeite für ihn, er für mich. So ergänzen wir uns gut in unseren Kompetenzen. Ah, ich brauche Wärme. Also heize ich den Ofen an. Unsere Heizung im Haus ist ja eine Wandheizung, die sich von den Solarzellen auf dem Dach speist. Wenn es draussen nicht sonnig/hell genug ist, heizen wir mit Scheitholz nach. Damit werden der Raum und das Wasser warm.

Bevor ich richtig loslege, checke ich noch mein Konto und tätige Überweisungen. Ich zahle die Coaching und stelle den Dauerauftrag für die Künstlersozialkasse um. Der Beitrag wird jährlich anhand meines geschätzten Einkommens berechnet.

Für die Arbeit an der Kundenwebsite schicke ich dem Mann die notwenigen Daten, die er von mir braucht. Dann kümmere ich mich um die Nachbereitung des Schriftenteppiche Kurses. (Wenn du Lust auf den Kurs hast, kannst du den buchen und ganz in deinem Tempo anschauen und mitmachen.) Ich lade die Aufzeichnung des Zoomcalls runter, editiere das Video, lade es bei Vimeo hoch und binde es in den Kursbereich ein. Dazu kommen noch die Tipps der Teilnehmerinnen aus dem Chat und ein Bild unseres gemeinsamen Werkes. In einer Email erinnere ich die Teilnehmerinnen an unser nächstes Treffen nächste Woche.

Der Mann kommt aus dem Büro zu mir in die Wohnküche, weil es ihm zu kalt geworden ist. Er macht sich ein warmes Müsli und setzt sich zu mir an den Küchentisch, wo ich arbeite.

Auch an die Teilnehmerinnen des Mut-Kurses zur Fastenzeit will ich noch eine Email mit der Erinnerung an unser Treffen am Sonntag senden. Diese bereite ich vor, damit sie am Samstag rausgeschickt wird (auch bei diesem Kurs kannst du bis Sonntag noch einsteigen, wenn er dich ruft). Ich beantworte Emails zum Kurs und bin überrascht, wieviel Zeit das Drumherum zu einem laufenden Kurs doch in Anspruch nimmt. Der Vormittag geht viel zu schnell vorbei. Es bleibt noch einiges liegen von dem, was ich mir vorgenommen habe.

Nachmittag

Mittagspause wie immer: Gemeinsam mit dem Mann Essen kochen, Sterngucker von der Schule abholen (8km mit dem Auto), auf dem Rückweg beim Bäcker Krapfen kaufen, Mittagessen. Dann streiten sich die Kinder um das Ausräumen der Spülmaschine. Keiner will zuviel tun. Alles wie immer.

Mit dem Wolf übe ich eine Runde Mathe. Ein paar wenige Aufgaben Multiplikation mit Dezimalbrüchen. Der Wolf ist schneller und besser als ich. Ich tue mich schwer mit Kopfrechnen. Die Tochter setzt sich zu uns und macht ihre eigenen Mathe-Aufgaben. Abitur. Andere Liga. Ich kann damit nichts mehr anfangen, obwohl ich früher Mathe-Leistungskurs hatte. Dann spielen wir nochmal eine Runde Skibbl. Die Tochter bäckt Bagel und versucht sich an Krapfen.

Am Abend lungert die Bande noch im Wohnzimmer rum. Der Mann und der Wolf schauen einen Film. Ich habe, inspiriert vom Onlinekurs, eine Weile gezeichnet und ziehe mich gegen 21 Uhr ins mein Zimmer zurück. Mit Tee und Buch.

Spaziergang

Nach dem Tee gehen wir wieder die Strasse bis zu hohlen Eiche, die keine Eiche, sondern eine Linde ist. Wir reden über unsere finanzielle Situation, Kredite und generell Strategien in diesen Zeiten über die Runden zu kommen. Es ist ganz schön warm geworden, sogar die Sonne kommt nochmal raus. Die Vögel zwitschern schon frühlingshaft. Wir gehen zügig und schaffen mit dieser Runde 6000 Schritte. Der Mann hat immer weniger Schritte als ich. Wir vermuten, das liegt daran, dass er größer ist und für die gleiche Strecke weniger Schitte machen muss.

Gegessen

  • Im Vorratsregal habe ich eine Packung Fincrisp entdeckt. Davon habe ich mir 6 Scheiben zum Frühstück gemacht. Mit Avocado, Bergkäse und einem halben Apfel. Dazu ein Glas Basic-Drink mit dem Heart Duo Öl, heute ohne Activize, weil ich lieber einen Grüntee trinken wollte. Ich reagiere empfindlich auf anregende Getränke, deshalb bin ich da vorsichtig in der Dosierung (im Activize ist Guarana drin).
  • Mittagessen: Blätterteig mit Spinat oder Champignonfüllung, Salat. Für den Salat habe ich alle frischen Reste im Kühlschrank zusammengeschnippelt und noch etwas Feldsalat aus dem Garten geholt.
  • Croissant zum Grüntee. Jetzt hab ich sie über. Das war eine süße Faschingswoche. Jetzt möchte ich erstmal kein Croissant mehr.
  • Zum Abendessen: frische Bagel von der Tochter.

Post

Heute kam viel Post:

  • ein Care-Paket von Oma mit Leckerein, Kaffee und Waschpulver.
  • eine Socken-Bestellung für den Wolf
  • aus meiner Skizzenbuch Bestellung noch ein Moleskine Watercolor Sketchbook
  • ein Brief aus Freiburg
  • Eine Erinnerung der KSK, dass noch Geld fehlt. Das hatte ich aber selbst schon bemerkt und gerade heute morgen angewiesen.
  • eine Geburtstagsgeschenkbestellung

Weggeschickt habe ich heute nichts, aber die Rücksendung des LAN Kabels in die Wege geleitet. Und ein neues passendes bestellt.

Kreativ

  • Nadine Roßa, meine Lieblingssketchnoterin, bietet einen Minikurs zum Hände zeichnen an. Den Kurs gibt es noch bis Ende Ferbuar zum Einführungspreis. Um den schleiche ich schon rum, seit er am Start ist. Jetzt kam im Newsletter nochmal eine Erinnerungen. Den buche ich mir.
  • Die nächste Lektion des Skizzenbuch-Kurses mit Lewis Rossignol ist online. Heute geht es um Schattierungen. Ich schaue mir die Lektion an und probiere die Techniken gleich aus.
  • Ins Moleskine kommt mein tägliches Selbstportrait.
  • Die blauen Restesocken wachsen weiter. ich habe mich für ein 5er Ringelmuster entschieden: immer fünf Reihen einer Farbe im Wechsel. So kann ich alle vier Wollrestknäuel gut miteinander verbinden.

Gelesen

Den Artikel von Martin Schleske in der Zeitschrift „Anders Leben“ weitergelesen. Irgendwie wurde ich da neulich unterbrochen. Er schreibt über eine mögliche Botschaft der Plage, die wir gerade haben. Martin Schleske ist ja Geigenbauer und erlebt in seiner Arbeit spirituelle Zusammenhänge und Gleichnisse zwischen Tun und Sein, Arbeit und Erleben.

In seinen Gebeten zu Beginn der Corona-Krise hat er immer wieder eine Botschaft gehört, die auf das Artensterben hinweist. Im Artikel schreibt er darüber, wie uns Krisen immer wieder auf eine schmerzhafte Weise lehren, was nicht stimmig ist.

„Frieden und Freiheit und Sicherheit folgen der Stimmigkeit, in der wir leben. Vielleicht kann die Intonation, also die Stimmigkeit eines Musikinstrumentes, hierfür ein Gleichnis sein: Der Schmerz über einer falschen musikalischen Intonation ist nicht böse, er ist ein Signal dafür, dass etwas nicht stimmig ist. Im Schmerz ist der Drang, das Falsche zu korrigieren. Darum sollten wir im Schmerz die unbestechliche Sehnsucht nach Stimmigkeit sehen. (…) Krisen lehren uns auf eine schmerzhafte Weise, was nicht ’stimmig‘ ist. (…) Wir erleben einen mahnenden Schmerzensschrei der Schöofung gegenüber dem Menschen, ein ökologisches Seufzen nach Weisheit und Behutsamkeit, ein Seufzen nach Schutz und Würde der Tierwelt, dem Segen der pflanzen, der Vielfalt der Arten, dem Gleichgewicht der Schöpfung.“

Ich mag gern, wie er schreibt und welch Spiritualität und Tiefsinn dahinter steckt. Gleichzeit denke ich nach, was ist mein Anteil an diesem Artensterben, an der Kirse, am Ungleichgewicht? Was kann ich in meinem Alltag in kleinen Veränderungen anders machen, damit die Welt wieder heil wird und ins Gleichgewicht kommen kann? Vielleicht mal wieder auf mehr veganes Essen achten?

„Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern.“ Stefan Zweig

Austin Kleon schreibt draüber, wie Kunst immer auch das Aufzeigen von Dingen ist. Wir zeigen auf Dinge, die uns gefallen und lassen andere daran teilhaben. Oder zeigen Dinge auf, die nicht stimmig sind und rücken sie in den Fokus.

Gehört

Sway (Hach, ich würde so gern tanzen können!) Oder diese Version aus dem Film mit Richerd Gere *schmacht*

Im Radio beim Abholen des Sternguckers gehört: Haben sie schonmal im Dunklen geküsst von Max Raabe

Notizen

In dieser Woche läuft ein Minikurs für Naturverbindung von Wildniswind. Seit Mittwoch gibt es täglich eine Email mit kleinen Aufgaben zum Rausgehen, Herumstromern und die heimische Natur kennenzulernen. Das passt gut zum Artikel von Martin Schleske, wo es um das Artensterben und Vielfalt geht. Im Wildniswind-Kurs geht es um die Birke. Gestern sollten wir die Birke kennenlernen und mit allen Sinnen entdecken und erfahren. Dazu hab es ein Arten-Journal zum ausfüllen (hab ich noch nicht gemacht). Heute gibt es eine Anleitung, eine Zunderbüchse aus Birkenrinde herzustellen. Birkenrinde ist sehr haltbar und wird zum herstellen von Gefässen, Papier und anderen nützlichen Dingen verwendet.

Ich habe überlegt, ob das tägliche Bloggen eine Ersatzhandlung zur Social Media Pause ist. Nein, ist es nicht. Social Media ist durchscrollen und konsumieren. Bloggen ist mich in die Welt schenken und (mit)teilen. Hier gibt es keine Herzchen und Likes, die mein Tun bewerten. Hier gerate ich nicht so sehr ins Vergleichen.

Es kommt eine Email von der Schule mit Infos zum Schulstart im Wechselunterricht nächste Woche und zur Notbetreuung an den anderen Tagen. Ich gebe dem Sterngucker schonmal einen Überblick, werde ihm aber anfangs jeden Tag sagen müssen, wo er wann hingehen muss.

Im Posaunenchor sind anlassbezogene Proben möglich. Ab März können wir wieder in kleinen Ensembles üben. Wir bereiten uns auf Himmelfahrt vor. Ich bin gespannt und vorfreudig auf die erste Probe.

Wäsche gewaschen, aufgehangen, gefaltet… Business as usual

Mein Computer vermeldet Probleme mit der Batterie. Nach 6 Jahren Dienst häufen sich nun die Problemchen. Ich denke über eine Neuanschaffung nach. Ist ja schliesslich mein Arbeitsgerät. Da wird mir bei solchen Meldungen schon mulmig, dass er von jetzt auf dann einfach aufhört zu leben.


Hat dir der Beitrag gefallen? Wie StrassenkünstlerInnen der Hut, steht hier im Blog eine Teekasse. Nur eben virtuell. Wenn du magst, kannst du mir einen Tee ausgeben. Oder Farben und Papier. Danke für die Wertschätzung <3

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.