_Alltag

Fastenzeit 2021 | Tag 5

Ah, Sonntag. Die lasse ich gern bewusst etwas langsamer angehen. Lange im Bett liegen, lesen, mich treiben lassen. Manchmal schleicht sich eine herrlich ruhige Stimmung ein, manchmal herrscht Familientrubel. Diesen Sonntag war von allem etwas dabei.

Mein Sonntag

Der Tag startet ruhig mit Frühstück, Sonnenschein und Langsamkeit. Ich lese gemütlich im Anders Leben Magazin, mache eine Runde durchs Haus, sammle Wäsche ein und schalte eine Waschmaschine an, räume hier und da ein bisschen auf. Der Mann sitzt af der Couch und liest, der Wolf und die Tochter schlafen, der Sterngucker spielt.

Ich kümmere mich um meine Wochenplanung und den Speiseplan für nächste Woche. Später sortiere ich meine Samen und beschliesse, nicht so viel vorzuziehen wie letztes Jahr, sondern schon fertige Pflanzen zu kaufen. Wenn überhaupt. Momentan kribbelt mein Gärtnerinnendaumen noch nicht sehr.

Nach dem Mittagessen übe ich mit dem Wolf ein bisschen Mathe. Wir schauen uns Division von Dezimalzahlen an. Dann räumen die Jungs die Gartenmöbel auf die Terrasse und chillen in der Sonne. Ich entdecke den ersten Krokus in der Wiese.

Spaziergang

Am Nachmittag fragt mich die Tochter nach einem kleinen Spaziergang. Wir gehen eine kurze Runde, die Tochter gibt mir Feedback zu unserer Kommunikation mit den Jungs und die Familienstimmung. Das ist toll an großen Kindern, Dinge so miteinander zu reflektieren und rückgemeldet zu bekommen.

Später, nach dem Tee bin ich mit dem Mann noch eine größere Runde gegangen. Der Sterngucker hat uns mit seinem Radl zum Wald begleitet und dort wieder auf uns gewartet. Diesmal hat er sich sogar ein Picknick eingepackt. Wir führten Gespräche über Limitierungen und Glaubenssätze.

Gegessen

  • Dinkelbrot mit Cheddar, Apfel, Morgendrink und Chai zum Frühstück
  • Pizzaschnecken mit Salat (und dem Dressing von Oma. Den Zucker ersetzen wir durch Agavendicksaft)
  • Fincrisp mit Cheddar und Sencha
  • Borschtsch und Pizzaschnecken vom Mittag

Kreativ

  • Ich schaue mir den zwiten Teil des Kurses von Jurgen Vercaemst zu Jan Rossey-Lettering an. Von den zwei Stunden schaffe ich vielleicht 30 min. Den Rest hebe ich mir für diese Woche auf. Der Kurs ist nicht mehr lange verfügbar.
  • Die Socken wachsen minimal weiter.
  • Ich bereite Briefe vor, die ich mit einem Krokus-Stempel, den ich vor ein paar Jahren mal geschnitzt habe, verziere.
  • Am Abend treffe ich meine Telnehmerinnen vom Mut-Kurs zum gemeinsamen Werkeln im Art Journal.
  • Kein Portrait ins Moleskine, stattdessen ins Art Journal als Kursaufgabe.

Gelesen

Ein Interview mit Pater Anselm Grün über Chancen in der Krise, Rituale für die Menschen von heute und ihre Sehnsucht nach Gott (die sich oft nichtmal als solche ausdrückt, sondern einem Wunsch nach Geheimnis, Echtheit, Klarheit, Sinn, dem Guten und einem erfüllten Leben). Es geht immer wieder um Kontakt und Begegnung, um echtes Interesse statt moralisierendem Zeigefinger.

Pater Anselm schlägt ein schönes Ritual für den Abend vor, wenn man vor lauter „hätte“ und „wäre“ nicht zur Ruhe kommt:

Ich sage dann immer: „Der Tag ist vorbei, den könnt ihr nicht mehr ändern, aber Gott kann das Vergangene in Segen verwandeln.“ Da kann man als Ritual abends die Hände als Schale Gott hinhalten: „Das ist der Tag, mit allem Durcheinander und dem Chaos. Er ist, wie er is, aber du kannst das, was war, in Segen verwandeln – für mich und für die anderen.“ Und dann kann ich auch loslassen.

Dankbar

Die Langsamkeit, die Gespräche mit der Tochter und dem Mann, der Kontakt mit dem Wolf, meine Lust auf Kreativität und die Dinge, die dabei entstehen, das gute Essen, Lektüre, Sonne, die Frühblüher und die warme Luft, mein Kurs

Notizen

Eine Leserin hat nach unserem Wochenbudget gefragt. Wir haben einen Haushaltsgedlbeutel, der jede Woche mit 100 Euro befüllt wird. Davon kaufen wir für 4-5 Personen ein (die Tochter versorgt sich zum größten Teil selbst, isst aber hin und wieder doch mit). Wir kaufen meistens Montags und Samstags ein. Die meisten Dinge kaufen wir beim Aldi (nicht nur Bio). Zusätzlich kommt 1x pro Woche die Biokiste mit Obst und Gemüse im Wert von 40 Euro. Das wird von meinem Konto abgebucht.

Ich habe Rückenschmerzen und bewege mich wie eine alte Frau. Überhaupt bin ich gerade nicht im Frieden mit den körperlichen Veränderungen des älter Werdens. Neue Besenreißer und trockene Haut an den Beinen. Ich fühle mich heute etwas verknittert und weinerlich, was aber im Laufe des Tages besser wird. Ich mag die Langsamkeit von Sonntagen, mich treiben zu lassen.

Erstaunlich, wie stark immer noch der Impuls ist, zwischendrin einfach das Handy zu Hand zu nehmen und ohne groß nachzudenken die Apps zu öffnen. Mails checken, Instagram… ich habe mindestens zwei mal auf die Instagram-App geklickt und dann wurde mir erst klar, dass ich ja eigentlich gerade Pause mache. Hab sie schnell wieder geschlossen, ohne durchzuscrollen.


Hat dir der Beitrag gefallen? Wie StrassenkünstlerInnen der Hut, steht hier im Blog eine Teekasse. Nur eben virtuell. Wenn du magst, kannst du mir einen Tee ausgeben. Oder Farben und Papier. Danke für die Wertschätzung <3

Ein Kommentar

  • gesasglueck

    Vielen Dank liebe Ramona, für die Beantwortung meiner Frage nach dem Budget. :)

    Der Tulpenstempel ist wunderschön! Die Karten wird es nicht zu kaufen geben, oder?

    Ich habe meine Social Media Apps übrigens vom Handy gelöscht. Das hilft mir beim Abschalten sehr. Und zur Not sind sie ja schnell wieder installiert. ;)

    Liebe Grüße und einen schönen Tag,
    Gesa

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