_Alltag

Fastenzeit 2021 | Tag 7

Heute geht weiter mit dem Präsenzunterricht in der Grundstufe. Die Schulbusse fahren wieder. Der Sterngucker geht nach wie vor täglich zur Schule, hat aber nur jeden zweiten Tag mit seiner Klasse Unterricht. An den anderen Tagen ist er in der Notbetreuung. Der Wolf bleibt daheim beim Videounterricht.

Mein Dienstag

Ich stehe gegen 7 Uhr auf, gehe ins Bad und schreibe danach meine Morgenseiten. Ich habe Ideen zum Kurs und einige andere, die mir kommen. Ich nehme mir vor, wie es im „Der Weg des Künstlers“ vorschlagen ist, einmal mit zwei Stiften bewaffnet die Morgenseiten zu lesen und daraus Erkenntnisse und Aufgaben to extrahieren. Bisher hatte ich mir dafür noch keine Zeit genommen. Ich stelle es mir spannend vor, all die 126 Seiten, die ich in diesem Jahr schon geschrieben habe, nochmal durchzulesen. Vielleicht auch ein Grundthema in meinem Leben zu erkennen oder eine Entwicklung, die auf so subtiler Ebene stattfindet, dass ich sie gar nicht bemerkt habe, aber in der Rückschau erkenne. Ich bin gespannt.

Gleich nach dem Frühstück bringe ich den Sterngucker zum Bus und schreibe dann einen Herzensbrief. Wenn ich einmal ins Schreiben komme, dann fliesst es aus mir raus. Die Briefe schreibe ich immer auch ein bisschen für mich. Dabei kommen Erkenntnisse, Ideen und Einsichten. Das mag ich sehr.

Heute ist ein besonderer Tag. Ich habe eine Verabredung zum Trompete spielen. Juhu! Eine ganze Stunde blasen wir das Blech. Ich merke gar nicht, wie die Zeit vergeht. Ab nächster Woche dürfen wir auch wieder anlassbezogen Proben. Wir bereiten uns auf Himmelfahrt vor. Ich habe gemerkt, dass mir zum Üben der Antrieb fehlt, wenn ich kein Ziel vor Augen habe. Die Stunde Blaserei tut mir total gut.

Wieder daheim kümmere ich mich um den Artikel fürs Handschrift Magazin. Der liegt ja schon halb fertig hier. Ich muss nur noch ein paar Ergänzungen hinzufügen, damit er ins Lektorat kann. Ausserdem liegt noch ein Flyer für die nächste Gongausbildung des Mannes an und die Vorbereitung meines Zoomcalls für heut Abend. Für morgen möchte ich noch die Kurs-Email zum Thema Mut versenden.

Es werden viele der Punkte auf meinem Zettel liegen bleiben, das weiss ich jetzt schon. Uff.

Zum Mittag koche ich Blumenkohlcurry. Es ist entlastend, einen Speiseplan zu haben, wo ich morgens einmal drauf schaue und dann weiss, was ich kochen kann. Demnächst biete ich mal einen Termin an, wo wir das gemeinsam machen können. Einfach zusammensitzen und Speiseplan für die Woche schreiben. Hat da jemand Lust drauf? Sollte so ein Termin eher abends oder morgens sein?

Nach dem Mittagessen schnippel ich ein bisschen Rankpflanzen an der Terrasse zurück und geniesse die Sonne, bevor ich zurück an den Schreibtisch gehe. Heute habe ich eine Telefonverabredung mit Tine. Wir kennen uns aus einem Kurs von Karin Wess und telefonieren seit dem regelmässig, um uns gegenseitig als Selbständige zu inspirieren.

Am Nachmittag fahre ich nach Grafing (und vorher zur Post, Karten aufgeben und Textmarker kaufen. Ich entdecke welche mit Glitzer!). Ich möchte ein paar Kleinigkeiten für den Geburtstag der Tochter organisieren und eskaliere etwas im Bioladen. Ich kaufe Brotaufstriche und andere Leckerein, etwas für die Tochter und ein paar aufmunternde Kleinigkeiten für Freundinnen. Diese Ausgaben im Bioladen zählen nicht in unser Wochenbudget. Die zahle ich selbst.

Ich bringe ausserdem ein paar unserer Bücher aus der Bibliothek zurück. Dafür gibt es eine Rückgabebox. Wir haben seit November noch so viele Bücher hier. Einerseits schön, dass wir sie so lange behalten können, andererseits wird es aber auch Zeit, sie langsam zurückzugeben. Weihnachten ist vorbei, hehe.

Der Mann schleift derweil unseren Esstisch und ölt ihn neu ein.

Spaziergang

Wieder daheim esse ich ein paar der mitgebrachten Leckerein, trinke Tee und mache einen Spaziergang. Da der Sterngucker unsere Strecken kennt, fährt er mir mit dem Radl nach. Kleiner Kamikazi. Ich freue mich über das Licht, das wilde Vogelgezwitscher und die milden Temperaturen. Am Himmel steht der Mond. Es ist ein unruhiger Spaziergang.

Gegessen

  • Dinkelbrot mit Avocado, Morgendrink
  • Blumenkohlcurry
  • Rosmarin-Salz Knäcke mit diversen Aufstrichen, Chai, Kekse
  • Borschtsch (davon habe ich noch zwei Gläser im Kühlschrank. Weil ich die einzige bin, die ihn ißt, habe ich ein paar Tage was davon)

Kreativ

So richtig Zeit ist heute keine. Ich möchte diverse Videos anschauen, komme aber nicht dazu. Dafür schreibe ich vier Karten (die ich schon im Januar gestaltet habe) und verschicke sie. Ich bekomme Post zu unserem Kreativprojekt. Letzte Woche hatten wir das Thema Winter. Ich freue mich sehr über die Post und merke, wie auch in mir die kreativen Synapsen aktiviert werden.

Am Abend zeichne ich das Portrait ins Moleskine und habe einen tollen Zoomcall mit meinen Kursteilnehmerinnen im Schriftenteppiche Kurs. Heute geht es experimentell zu, was echt Spaß macht. Im Tun versinken, kleben, schreiben, gestalten. Schade, dass es schon der letzte Zoomabend gemeinsam war.

Gelesen

Im Fastenzeitkalender schreibt Anselm Grün über Wandlungen. Heute stand ein Text darüber, wie unsere Wandlungen nie nur persönlich, sondern immer auch in Beziehung mit anderen passieren. Zum einen, wenn wir uns verändern, verändern sich auch unsere Beziehungen. Zum anderen: wenn uns Menschen begegnen, dann verändern wir uns allein durch diese Begegnung. Oft auch nur ganz unmerklich.

„Wenn ich mich wandle in meinen Gefühlen, in meinen Träumen, in meinem Leib, dann werden auch meine Beziehungen anders. Und umgekehrt geschieht Verwandlung gerade durch die Begegnung mit anderen menschen. Jede Begegnung verwandelt uns.“

Ich denke darüber nach, wie ich mich in den letzten Jahren verändert habe und was das mit den Beziehungen zu mir nahestehenden Menschen gemacht hat. Aber auch, wie mich andere Menschen verändert haben oder wie durch andere Menschen Veränderung überhaupt möglich wurde. Nicht alle Besziehungen halten dieser Veränderung stand.

Und dann gibt es da noch den Trauerprozess in mir drin. Eine Veränderung kann auch Schmerz mit sich bringen. Oder vielleicht nichtmal, sondern eben einfach nur eine Traurigkeit über Vergangenes, Gelebtes. Eine Trauer, die gesehen und anerkannt werden will. Wie ein Lieblingskleid, was mich lange begleitet (und bekleidet) hat, nun aber alt ist, vielleicht auch nicht mehr passt und seine Zeit gelebt hat. Diese Wehmut, es abzulegen. So ist das auch bisschen mit Lebensphasen und Veränderungen. Verwandlungen.

Dankbar

Zeit zum Trompete spielen, ich freue mich über eine überraschende Telefonverabredung, leckeres Curry zum Mittag, mein Einkaufsbummel im Bioladen, neue Stifte mit Glitzer, der wunderbare Zoomabend mit den Schriftenteppich-Kurs-Teilnehmerinnen, Leckerein aus dem Bioladen


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