_Alltag

Februar 2021 | Es ist ein bisschen mühsam gerade

Den Einleitungssatz meines letzten Beitrages könnte ich glatt wiederholen. Jeden Tag schreibe ich mir eine Liste, was ich alles zu tun habe, im Kopf schwirren noch tausend andere „das will ich’s“ herum. Zwischendrin habe ich auf nichts Lust und doch will ich vieles schaffen. Da gibt es die Dinge, die dafür sorgen, dass KundInnen zufrieden sind und Geld reinkommt. Und die Sachen, die mein Herz in die Welt schenken will.

Ich habe Sehnsucht nach einer Pause, würde gern in die Sauna gehen oder ins Café. An die Ostsee fahren und drei Tage im Hotel ohne Fremdbestimmung einfach nur sein. Oder die Zeit nutzen und Fotos sortieren, Alben kleben, Malen und Zeichnen. Ich würde gern auf Kalligrafie-Seminare fahren und mich mit Kolleginnen austauschen, gemeinsam schreiben und über Gestaltung sprechen. Ich will Kunst machen und nicht „nur“ in meinem Skizzenbuch herumkritzeln, weil mehr gerade einfach nicht geht, und ich offensichtlich meine Expertise an meinen Output festmache. Weia.

Ich halte diese Rückgezogenheit wirklich lange aus, weil ich gut mit mir selbst klar komme. Aber langsam komme ich an einen Punkt, wo mir der Austausch fehlt. Die kleinen Fluchten und Rückzugsorte. Das süße Leben. Mein Alltag ist an vielen Stellen süß. Ich mache mir den so. Ich gehe immer noch jeden Tag mit dem Mann fast eine Stunde spazieren. Wie haben schöne Gespräche, lachen zusammen und es ist wieder leichter geworden (nach einem kurzzeitigen Lagerkoller im Januar).

Ansprüche fasten

Und trotzdem ist gerade alles etwas mühsam. Mein Kurs, der vor meinem inneren Auge entsteht, aber ewig nicht bei Digistore freigegeben wird, damit ich ihn bewerben und er gebucht werden kann*. Technische Tücken bei dem anderen Kurs, unfreundliche Emails und Forderungen, die mir den Nachtschlaf nehmen. Ein seltsam schwülstiger anonymer Anruf. Dann noch das Gefühl als Mutter zu versagen, weil ich keinen Umgang mit der Zockerei des Wolfes habe und neben seinem Teenagerdasein zwischen Ratlosigkeit und Vertrauen schwankend stehe und mir selbst dabei zuschaue, es eigentlich anders machen zu wollen (aber wie?).

Zur Fastenzeit will ich Anspüche fasten. Vielleicht auch eine Social Media Pause machen.

*(Wenn dich der Kurs trotzdem schon anspricht, schreibe mir eine Email. ich schreibe auch Rechnungen)

Geht schon wieder. Musste mal raus. Es ist viel auf meinem Tisch. Viel zu tragen, obwohl es uns wirklich gut geht in der Situation. Und doch hat der Tag zu wenige Stunden, wenn die Nächte schlaflos sind. Ich will mich gemütlich hinsetzen, Saatgut sortieren und vorziehen. Dann den Minipflanzen beim Wachsen zuschauen und sie im Frühjahr rauspflanzen, als gäbe es keine Schnecken, die alles wieder wegfressen. Von einer üppigen Ernte im Sommer und Herbst träumen.

Gelesen

Nachdem ich im letzten Roman durch Frankreich gereist bin, befinde ich mich nun in Schweden und lese aus dem Leben von Doris in dem Buch „Das rote Adressbuch

Gesehen

Auf Netflix habe ich mir „The Call to Courage“ angeschaut. Ein unterhaltsamer Vortrag von Brené Brown zum Thema Verletzlichkeit, Scham und Mut.

Was schön ist

  • Der Sterngucker hat Freude an Massagen. So bauen wir uns hier einen kleinen Minispa auf, wo wir uns gegenseitig verwöhnen. Kopf kraulen, Rücken massieren. Duftöle versprühen.
  • Freundinnen. Telefonate. Messages. Austausch. Post.
  • Positive Rückmeldungen zu meiner Arbeit. Es ist unglaublich, wieviele positive Rückmeldungen es braucht, um eine negative Email aufzuwiegen.
  • Die Spaziergänge mit dem Mann. Schafe auf den Wiesen, Spechte in den Bäumen, die blühende Hamamelis, der Humor des Mannes.
  • Das ruhige Wochenende mit der ganzen Familie an Bord. Gemeinsame Mahlzeiten, gemütliches Beeinandersitzen, Feuer im Ofen.
  • Mein Strickmaulwurf, dem jetzt nur noch ein Fuß und die Füllung fehlt. Dann bekommt er Klamotten.
  • Eine ruhige halbe Stunde für mich, bevor der Tagestrubel beginnt. Die nutze ich zum Schreiben.
  • Wenn die Tochter den Besuchshund dabei hat. Es ist so süß, die beiden miteinander zu sehen. Sie möchte gern einen eigenen Hund.
  • Vorfreude auf diverse Onlinekurse, zu denen ich mich schon angemeldet habe. Zwei abende davon am Donenrstag und Freitag.

Hat dir der Beitrag gefallen? Wie StrassenkünstlerInnen der Hut, steht hier im Blog eine Teekasse. Nur eben virtuell. Wenn du magst, kannst du mir einen Tee ausgeben. Oder Farben und Papier. Danke für die Wertschätzung <3

Ein Kommentar

  • Suomitany

    Ich fühle mich so verstanden.
    Ja, uns geht es eigentlich gut. Aber allein durch eine Fuß OP Anfang Oktober bin ich seitdem ausgebremst.
    Mal ist es in Ordnung, aber heute ist es einfach nur belastend. Wieder weitere Wochen ohne Kontakte. Ich wohne auf dem Land – ein großes Glück – aber ich kann den Waldweg nicht mehr sehen. Ich will raus, ich will auch ins Café, ins Kino, ich will Menschen umarmen. Ich möchte, dass meine Studententochter ihre Kommilitonen treffen kann und nicht nur im Zimmer sitzt und dass die jüngere Tochter noch irgendwie schöne letzte Schulwochen hat und einen fairen Abschluss bekommt.
    Gerade fühlt sich alles so schwer an.
    Und ich bräuchte soviel Kraft nur für mich alleine….(ein Hotelzimmer wäre mega;-))

    Liebe Grüße
    Tany

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