_Alltag

Freitag – Auftakt ins Wochenende

Als ich heute um 7 Uhr aufstehe, habe ich den Morgen für mich. Das ist ganz ungewöhnlich. Normalerweise bemerkt der Sterngucker immer gleich, wenn ich das Bett verlasse und ist dann auch wach und begleitet mich. Doch heute schläft er einfach weiter. Ich geniesse die Stille und frühstücke in Ruhe allein. Ah! Weil der Kühlschrank ziemlich leer ist, esse ich heute mal warmen Müslibrei, den ich mir mit Obst, Gojibeeren und Schokoknuspermüsli pimpe. Die Sachen, die ich mir neulich im Biomarkt gegönnt habe. Vorher trinke ich meinen Vitamindrink fürs Immunsystem und für die erste Ladung Ballaststoffe. Nach dem Frühstück mache ich mir einen Kräutertee. Ich trinke keinen Kaffee. Davon werde ich nur hibbelig. Ich bin morgens auch ohne anregende Getränke wach.

Gerade als ich mich für den Tag sortieren will, gesellt sich der gesprächige Sterngucker zu mir. Ich stricke zwei Reihen Powerflowersocke und beginne langsam mit den Aufgaben für den Tag. Zuerst sortiere ich Fotos. Ich starte beim aktuellen Tag und arbeite mich chronologisch rückwärts voran. Für die Fotos im Mai brauche ich schon fast eine Stunde. Dann beginne ich an meinem Text zu schreiben, für den ich nächste Woche Abgabetermin habe. Das geht nur schleppend voran, denn nebenbei soll der Sterngucker ein bisschen Schulaufgaben machen, wofür er aber viel Begleitung braucht. Für ein Leseübungs-Arbeitsblatt braucht er fast eine Stunde, weil er sich immer wieder ablenken lässt. Der Wolf macht gar nichts. Den meisten Teil seiner Arbeitsblätter hat er schon erledigt, den Rest der Aufgaben verweigert er kategorisch.

So sind wir alle irgendwie bis zum Mittag beschäftigt. Ich schreibe an meinem Artikel weiter, editiere und strukturiere immer wieder um. Zum Glück hatte ich den Großteil des Textes schon vor ein paar Tagen in einem guten Flow geschrieben. Der Mann schneidet meine Kurs-Videos für das zweite Schriftenteppiche-Modul, die wir am Dienstag gedreht haben. Dann kocht er zum Mittag Risotto. Die Kinder haben keine Lust auf unser Essen und machen sich Nudeln mit veganer Bolognese.

Nach dem Mittag schreibe ich ein paar Buchstaben – Kurshausaufgaben für den Built-Up-Capitals Kurs mit Yves Leterme. Diesmal will ich dranbleiben! Dann kümmere ich mich um die letzten Zeilen meines Textes und bereite den Zoomcall für heut Abend vor. Die TeilnehmerInnen hatten Fragen, die ich mir notiere, damit ich im Videochat darauf eingehen kann.

Der Wolf hat nach langer Zeit wieder Trompetenunterricht via Zoom. Er möchte gern den Coffin-Dance spielen können und tüftelt mit seinem Lehrer an den Noten.

Später fährt der Mann mit dem Sterngucker einkaufen. Ich kümmere mich derweil um das Abendessen. Der Tag heute ist trüb und verregnet, mir ist kalt. Der Sterngucker beschwert sich am Abend, dass wir viel zu wenig Zeit für die Kinder haben, weil wir immerzu arbeiten müssen. Aber gleichzeitig sieht er unsere Arbeit nicht, wenn wir am Computer sitzen. Er schlägt vor, dass ich die Arbeit für ihn sichtbar mache, indem ich zum Beispiel den Artikel per Hand schreibe. Dann würde er sehen, dass ich wirklich arbeite. Das ist ja auch schwer, wenn alles so unsichtbar im Computer stattfindet und nicht klar ist, was Arbeit und was rumgedaddel ist. Da hat er schon auch recht. Bei Hausarbeit ist viel klarer, wann eine Tätigkeit zu Ende ist und eine neue beginnt. Nicht?

Ich denke an meine Oma. So richtig ist ihr Tod noch nicht bei mir angekommen. Neulich hab ich im Laden eine Rätselzeitung gesehen und daran gedacht, dass das was für sie wäre. Dann fiel mir ein, dass sie ja gar nicht mehr lebt. Oder ich will beim Telefonieren oder Schreiben mit meiner Mutter noch den üblichen gruß an die Oma hinten dranhängen. Ein komisches Gefühl. Sie fehlt.

Nach dem Abendessen habe ich dann den Zoomcall mit einem Teil der Kursteilnehmerinnen. Ich bin aufgeregt, aber alle sind nett und die Technik klappt auch ganz gut. Es ist schön, zu den Namen nun auch Gesichter zu sehen. Ich erkläre ein paar Schriftdinge, beantworte Fragen und hoffe, dass jede für sich etwas mitnehmen kann.

Dann bin ich durch für den Tag, kuschel und lese noch mit dem Sterngucker, drehe eine Runde durch den Garten (Schnecken von meinen Radieschen wegkicken…grrrr) und beende den Tag.

Notiert

  • gelesen: ein bisschen in dem Buch Zeit Wert Geben* (Affiliate Link, weil ich es anders nicht finden konnte), was ich mir für nichtmal einen Euro gebraucht bestellt habe (es ist toll gestaltet!)
  • vorgelesen: Latte Igel
  • kreativ: Buchstaben geübt, Buchstaben und Schreibgedöns erklärt
  • gespielt: nichts
  • gegessen: Müslibrei zum Frühstück, Risotto zum Mittag, Vollkornbrot mit Cheddar und Salat zum Abendessen (ich habe gerade einen Cheddarjiieper), Schokokuchen, den der Mann gebacken hat.
  • bewegt: gar nicht

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