_Alltag

Freitagsschnipsel und Gedankenfäden

Mein Wandertag ging mir im Nachgang etwas an die Substanz. Ich hatte keinen echten Muskelkater, habe aber deutlich gemerkt, dass es ungewohnt und anstrengend war. Die beiden Tage danach war ich etwas schlapp und instabil. Für Juni habe ich in meinem Bulletjournal einen Mood-Tracker. Ich hatte mich immer gefragt, wofür das gut sein soll, weil ich doch im Laufe eines Tages alle Stimmungen erleben kann. Nun habe ich ein System gefunden, wie ich sowohl meine körperlichen als auch meine mentalen Stimmungen in Farben notieren kann. So kann ich mir ein Bild über meine Stabilität machen. Denn da trügt ja manchmal der Schein. Ich denke, es geht mir schon die ganze Woche schlecht, dabei sind es nur 3 von 10 Tagen gewesen oder so. Ich weiss noch nicht, ob ich es fortführe, habe aber für diesen Monat Freude an der Spielerei.

Longing to Belong

Die Tage habe ich also eher auf Sparflamme verbracht. Ein bisschen Haushalt, ein bisschen Arbeit, Zeichnen und Aufräumen. Ich bin ein leicht melancholisch. Eine Stimmung, die mich immer mal ereilt. Diesmal beschäftigt mich wieder mal meine Sehnsucht nach einer (spirituellen) Gemeinschaft. Mein longing to belong. Gemeinschaft leben auf einer gemeinsamen spirituellen Basis, intellektueller Austausch, Unternehmungen, zusammen Essen. Ich geniesse das immer sehr auf Camps. Als ich in Hamburg gewohnt hab, gab es eine zeitlang von einem Yogazentrum das Angebot eines Langar. Gemeinsam Essen, danach noch sitzen und reden und singen. Ja, Musik verbindet. Ich war da ein oder zweimal udn es hat sich so gut angefühlt. Fremde Menschen und doch eine Verbundenheit. Dann denke ich darüber nach, was die Frauen beim letzten Frauencamp zum Abschluss gesagt haben: Wenn du selbst etwas möchtest, was es nicht gibt, warum erschaffst du es dann nicht? (Kann ich das? Bin ich stark genug dafür?) Um diese Idee kreise ich nun. Kann man (ich?) eine Gemeinschaft, wie ich sie mir ersehne erschaffen? Oder ist es ein Idealbild, was ich in mir trage, was es so eh nie geben wird? Wie viel will ich kontrollieren und lenken und wieviel bedeutet es, sich darauf einzulassen und gemeinsam zu wachsen? Was hält mich davon ab, in bestehende Gemeinschaften zu gehen und mich dort anzuschliessen? Was will ich eigentlich? Wie kann diese Sehnsucht genährt werden?

Hast du eine Gemeinschaft in der du dich zugehörig, zuhause fühlst? Was macht die Gemeinschaft aus? Wie groß ist sie?

Ich hab ja beides in mir. Die Sehnsucht nach einer Gemeinschaft und dieses Aufgehen in Anderen. Dann aber wieder das Einsiedlertum, das überfordert sein von zu vielen Menschen, das Geniessen und Genügen von mir selbst. Ich bin alles. Eine Erkenntnis, die mich immer wieder einholt. Auf so vielen Ebenen.

In Haus und Garten

Meine Tage waren aber keineswegs nur so grübelnd und philosophisch. Es gab hier auch ganz erdende Momente: Arbeit im Garten mit Schneckenfrust durch den Regen. Meine Eltern haben mir Schneckenkorn geschickt, aber ich hadere noch, es anzuwenden. Stattdessen sammle ich die Schnecken allabendlich ab, trage sie zum Komposthaufen, wo sie sich sattessen können, wohlwissend, dass es Quatsch ist. Wenn ich mir vorstelle, dass diese Unmengen an Schleimtieren sich paaren und Eier legen. Wah! ich glaube, ich muss mich doch überwinden, ihnen den Garaus zu machen. Laufenten sind keine Option, falls das jemand vorschlagen will.

Zum Essen hatten wir leckeren Spargel mit Cashewsosse und gute Lagerkartoffen. Heute gab es Blumenkohlcurry.

Ich habe weiter Zeug aufgeräumt und aussortiert. In den nächsten Tagen stelle ich noch ein paar Bücher auf meinem Instagram-Flohmarkt-Account ein. Das Decluttering findet auch digital statt. Heute habe ich meinen Patreon-Account gelöscht. Da war sogar noch Geld drauf, was ich mir auszahlen lassen habe. Von den bisherigen Flohmarkt-Einnahmen und dem Patreon Geld habe ich mir eine Christus-Statue bestellt. Ich habe im Frühling in einem Osterbuch von Jeanne D’Arc Living eine schöne weisse Figur gesehen und bin seitdem auf der Suche nach sowas für meine kleine Gebetsecke. Ich wollte aber weder einen kitschig angemalten noch einen gekreuzigten Jesus haben. Nun habe ich eine Nachbildung der Statue von Thorvaldsen gefunden, die im Dom von Kopenhagen steht. Die hat mir sofort gefallen und ist mir ins Herz gesprungen. So ist das wohl mit Kunst, wie es Sigrid Artmann in ihrem Newsletter neulich schrieb: „Wenn Dich dann ein Kunstwerk auf besondere Art anspricht und Dir sofort signalisiert: das ist genau mein Bild (oder Skulptur, oder oder oder…) Dann entsteht eine Beziehung zwischen Dir und dem Kunstwerk, die Dich ein Leben lang begleitet. Kunst bereichert unser Sein und öffnet neue Blickwinkel.“ Jetzt bin ich jedenfalls ganz aufgeregt, ob auch die Nachbildung verbricht, was sie auf dem Bild ausgelöst hat. Ich werde berichten.

Vorfreude

Durch die Ausgangsbeschränkungen mussten meine Freundin und ich Anfang April unseren Ausflug nach Bamberg verschieben. Wir haben uns gleich ein neues Wochenende im Oktober ausgesucht. Gestern habe ich das Bahnticket gebucht und hoffe, dass unser Treffen so unbeschränkt wie möglich stattfinden kann. Beim Buchen ist schon etwas Vorfreude aufgekommen. So sehr ich die Zeit daheim genossen habe, die Langsamkeit, das keine-Termine haben und niemanden treffen, aber jetzt freue ich mich langsam auch wieder auf Begegnungen und Kontakt.

Am Montag enden bei uns die Pfingsferien. Dann gehen die Jungs bis zu den Sommerferien in tageweisem Wechsel zur Schule. Der Zufall wollte es so, dass sie nie gleichzeitig zur Schule gehen, sondern immer einer daheim ist. Ich bin mal gespannt, ob es uns gelingt, den Überblick zu behalten. Ich werde wieder bei der Pausenaufsicht aushelfen und so meinen teil zur Schulgemeinschaft beitragen. Im Juli gebe ich einen Kalligrafiekurs zur Projektwoche der Tochterschule.

Buchtipp – Fantastic Stories for Fearless Girls

Fantastic Stories for fearless Girls. 15 Erzählungen aus aller Welt

Ich habe schon lange kein Buch mehr vorgestellt, obwohl ich einiges gelesen und gehört habe. Dieses Buch habe ich als Rezensionsexemplar bestellt. Zum einen, weil mich der Titel und die Illustrationen angesprochen haben. Zum anderen natürlich, weil es nicht genug Geschichten mich furchtlosen Mädchen geben kann. Ich bin ja mit Ronja Räubertochter, Pipi Langstrumpf, Gerda (das mutige Mädchen aus der Schneekönigin) und Rike (Ein Buch von Egon Aderhold) aufgewachsen. Für mich war es nie eine Frage, dass ich weniger wert bin als Jungs. Ich hab mich mit ihnen getroffen, gekloppt und Mutproben gemacht. Meine LehrerInnen hatten es meistens nicht leicht mit mir. Irgendwann in der Pubertät, ich erinnere mich noch ziemlich genau an ein Schlüsselerlebnis, ist mir mein loses Mundwerk verloren gegangen. Aber darum soll es jetzt nicht gehen, sondern um die mutigen Mädchen.

Davon gibt es 15 Erzählungen. Prinzessinnen, arme Mädchen und schlaue Kriegerinnen überlisten das Böse und wenden die Geschichten zum Guten. Ich weiss nicht, ob ich der Märchensprache entwachsen bin. Früher habe ich ganz viele Märchen gelesen. Ich fand es für mich nicht so fliessend, die Geschichten dem Sterngucker vorzulesen, obwohl sie an sich ganz schön sind. Liegt es an den fremdklingenden und ungewohnt auszusprechenden Namen? Die Geschichten sind aus aller Welt zusammengetragen. Norwegen, Griechenland, Russland, China… Entsprechend ungewöhnlich ist es manchmal, sich in die Bilderwelt anderer Kulturen einzufinden.

Aus dem Klappentext: „In den 15 Erzählungen aus aller Welt erleben Mädchen und Frauen rasante Abenteuer und schaffen sich mit Mut und Tatkraft ihr eigenes Happy End. So zieht die tapfere Bradamante auf ihrem fliegenden Pferd in den Kampf um ihren Geliebten, Unana rettet ihre Kinder aus dem Bauch eines Elefanten und die kleine Molly Whuppie trickst einen Riesen aus. Und das sind noch lange nicht alle heldinnenhafte Geschichten, von denen sich junge und ältere Leserinnen zu eigenen mutigen Taten inspirieren lassen können.“

Ich finde ich das Buch schön, allein wegen der bezaubernden Bilder der Illustratorin Khoa Lee (Schau dir unbedingt die Website mit ihren Arbeiten an!) Wir werden das Buch auf jeden Fall weiterlesen und empfehlen. Die Welt braucht starke Frauen.

Noch mehr Lektüre

Heute kam noch ein Päckchen aus dem Internet. Eine Blogleserin hatte zwei Bücher von meiner Merkliste im Regal stehen und hat sie mir zum Lesen ausgeliehen. Wie schön! Gleich mit Tee und Kerze für gemütliche Leseabende. Ich freu mich schon drauf.

Gelesen: Freundschaft, die uns im Leben trägt. Margot Käßmann | Der Klang. Geigenbauer Martin Schleske (meine aktuelle Lektüre)
Gehört: Der Weg des Künstlers. Julia Cameron (Audible) | Rich Dad, Poor Dad. Robert T. Kiyosaki (das höre ich gerade auf Spotify) | Der Wald, vier Fragen, das Leben und ich. Tessa Randau (Audible)


Hat dir der Beitrag gefallen? Wie StrassenkünstlerInnen der Hut, steht hier im Blog eine virtuelle Klimperkasse. Wenn du magst, kannst du mir einen Tee ausgeben. Oder ein Buch und Schokolade. Danke für die Wertschätzung <3

PS: Am 21.6. startet der Sommerskizzenbuchkurs. Sechs Wochen lang zeichnen, kleben und gestalten wir. Daraus entsteht dein ganz persönliches Sommerskizzenbuch – eine tolle Möglichkeit besondere Momente oder Alltägliches festzuhalten, im Moment abzutauchen und mit Freude eine kleine Welt auf Papier entstehen zu lassen. Ich freue mich, wenn du dabei bist. Melde dich gleich an!

Ein Kommentar

  • annette

    huhu ramona, mein kommentar auf deinen letzten post ist wohl nicht angekommen,
    ich hoffe, doch, dass wenigstesn paypal funktioniert hat ???
    lg
    annette

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