_Alltag

Fünftes Märzwochenende

Beim Nachrichten lesen schleicht sich dieses ungute Gefühl leise heran und macht sich im Körper breit. Bedrohlich, unbehaglich, nicht recht fassbar. Ich habe den Fehler gemacht, gleich am Morgen Nachrichten zu lesen. Schnell rudere ich zurück, Frühstücke und konzentriere mich auf das Hier und Jetzt. Auf das Atmen und Dankbarkeit für alles, was wir gerade trotz der Ausgangsbeschränkung miteinander haben.

Bei einem Spaziergang mit dem Mann kann ich den Gebustag des Sternguckers besprechen. Der ist im zeitlosen Wabermodus (dem Buddenbohm geht es übrigens ähnlich mit der nicht vorhandenen Konzentration) bisschen aus dem Fokus gerückt. Es ist noch etwas Zeit, dennoch besprechen wir Geschenkideen für unseren Jüngsten. Er wird im April schon 8 Jahre!

Neulich fragte die Tochter, ob ich nicht mal so eine Flöte hatte… Tja, ich hab dann also meine alte Spielmannszugflöte rausgekramt und ein paar Märsche (oder was davon noch übrig war) geblasen. Erstaunlich, wie gut sich die Finger noch an die Griffe erinnern. Wir waren trotzdem froh, als die Flöte wieder verstummte. Denn für den Inneraum und ohne Mitspieler ist es ja doch eher kein Wohlklang (und ungeübt gleich zweimal nicht).

Samstag

Am Samstag morgen zieht sich der Mann für mehrere Stunden in sein Zimmer zurück und unterrichtet das erste Treffen mit seiner neuen Gongausbildungsgruppe per Zoom. Wir haben beschlossen, den Ausbildungsstart nicht ausfallen zu lassen und Alternativen überlegt, wie es trotzdem gut gelingen kann. Also wurde alle Gongs voher an die Teilnehmerinnen geschickt und die Gruppe trifft sich nun erstmal virtuell. Für August sind nun bereits Alternativtermine gefunden, in der Hoffnung, das dann das Leben langsam wieder normal stattfinden kann.

Ich hab die Zeit mit kleinen nützlichen Dingen verbracht: das Flusensieb der Waschmaschine reinigen, weil ich beim Wäsche aufhängen bemerkt habe, dass mein Hemd ganz fusselig aussieht; Blumen, Kohlrabi, Gurke und Salat in Eierpappen aussäen, um sie später rauszupflanzen; und Mittagessen kochen (Pasta mit veganer Linsenbolognese).

Ich habe noch ein Fenster gesputzt, mit meinem Bruder und meiner Schwägerin telefoniert, die Vorhänge abgenommen um sie zu waschen. Die Tochter hat unter „Fernanleitung“ ihrer Bonusmutter einen Kuchen gebacken. Überhaupt wird hier gerade sehr viel gebacken. Die Kinder zaubern einen Kuchen nach dem anderen. Das Rezept des Bienenstichs von neulich reiche ich auf jeden Fall noch nach.

Ausserdem habe ich mir endlich ein paar Fitness- und Laufpläne angeschaut, um wieder zurück zu meiner Kondition zu finden. Ich hatte eine App probiert, aber so richtig hat mir das in der kostenlos-Version nicht gefallen. Weil das Wetter besser wurde, hatte ich Lust, das Lauftraining wieder aufzunehmen. Ich bin also nach diesem Laufplan am ersten Tag 8x 3 min gelaufen mit 2 min Gehpause dazwischen. So war ich insgesamt 40 min unterwegs, was ich ganz schön fand. Danach war ich aber erstmal platt.

Der Tag endete, wie so oft in den letzten Tagen, mit der Sendung mit der Maus, ein bisschen Sockenstrickerei und Buch im Bett.

Sonntag

Ich weiss gar nicht, ob es einen Zusammenhang zu diesem Laufstart gibt, aber in der Nacht ging es mir kurz gar nicht so gut. Auch heute hänge ich eher schlapp in den Seilen, merke die Anstrengung von gestern und bin nicht belastbar. Es ist, als wären meine Panik- und Erschöpfungssymptome zurück.

Gleich nach dem Frühstück habe ich die sechste Email für den Fastenzeitkurs verschickt. Danach gab es virtuelles Aktzeichnen vom Kunstverein. Per Zoomcall haben wir uns in realtiv großer Runde getroffen und zwei Stunden ein Aktmodell gezeichnet. Das war eine ganz spannende Erfahrung, so am eigenen Schreibtisch per Videochat. Die Tochter und ganz zum Schluss auch der Sterngucker haben mitgemacht. Es sind wirklich schöne Zeichnungen entstanden. Zwei Stunden abtauchen im kreativen Tun. Wir haben das sehr genossen.

Der Mann hat sich derweil um das Mittagessen gekümmert: Risotto mit frischem Spinat aus der Gemüsekiste, die gestern Abend geliefert wurde. Sehr lecker!

Trotz meiner Schlappheit wollte ich gern im Garten noch ein Beet fertig machen (und Frischluft geniessen). Also habe ich ein bisschen umgegraben, Giersch rausgerissen und Erbsen gesät. Die Fenster haben frische Vorhänge bekommen, ich habe noch einen Newsletter für einen Kunden geschrieben, den ich am Freitag nicht geschafft hatte.

Ich stricke eine Socke fertig, zum Abendessen essen wir Reste der letzten Tage. Im Internet habe ich eine Anleitung zu einem Cowl gefunden, den ich vielleicht Stricken möchte: Don’t touch your face cowl von Nicolor.

Jetzt gibt es Maus und Buch und Bett.

Buchtipp

Die Osterfreude auskosten, 50 Impulse von Ostern bis Pfingsten. Anselm Grün, Vier-Türme-Verlag

In der Fastenzeit haben wir den Leidensweg Jesu angeschaut, stellvertretend für unsere eigenen Wunden. In der Osterzeit geht es um die Auferstehung. Wir lassen die eigenen Wunden hinter uns und erleben, was daraus erblühen kann. Wir der frühling, der nun allerorten die Starre des Winters verwandelt.

Mit Geschichten aus der Apostelgeschichte, Symbolen und Impulsen der Osterevangelien begleitet uns Anselm Grün von Ostern bis Pfingsten. Für jeden Tag in diesem Zeitraum gibt es ein kurzes Kapitel mit Impulsen zur Osterzeit. Am Ende eines jeden Tages gibt es einen Impuls, eine Frage oder kleine Aufgabe. Die konkreten Übungsvorschläge helfen, die sieben Wochen bewusst als einen Weg zu neuem Leben zu gehen.

Ich mag die Texte von Anselm Grün sehr gern, vorallem weil sie nicht abgehoben theologisch sind, sondern immer noch erfahrbar und bodenständig. Deshalb freue ich mich schon sehr auf dieses Buch als Osterzeitbegleiter.

 


Hat dir der Beitrag gefallen? Wie bei StrassenkünstlerInnen der Hut, steht hier im Blog eine Teekasse. Nur eben virtuell. Wenn du magst, kannst du mir einen Tee ausgeben. Oder Farben und Papier. Danke für die Wertschätzung <3

 

 

 

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