_Alltag

Herbstschnipsel

Nun sind meine Oktoberreisen vorbei. Der Kalender lichtet sich wieder. Die letzte Reise sollte zu Beginn der Ferien in zwei Wochen nochmal zu meinen Eltern gehen, um die Gedenkfeier für meine im Frühjahr verstorbene Oma zu feiern. Weil keine Trauerfeier im großen Familienkreis möglich war, wollten wir an ihrem 95.Geburtstag eine kleine Sause feiern, ihr zu Ehren. Das haben wir nun vernünftigerweise abgesagt. Mit seiner Krebserkrankung ist mein Bruder Risikogruppe, da sind wir besser vorsichtig. Möglicherweise sind bis dahin Familienfeiern eh wieder auf eine bestimmte Personenzahl begrenzt. Das ändert sich gefühlt ja täglich. Und da wir alle aus verschiedenen Teilen Deutschland anreisen würden, hielten wir es für vernünftiger, zu Hause zu bleiben.

Nun endlich kann ich im Herbst-Einkuschel-Modus ankommen. Ich geniesse das Wetter, die Sonne und die Morgennebel. Anfang Oktober habe ich mein Lauftraining wieder angefangen. Wenn die Kinder aus dem Haus sind, laufe ich eine halbe Stunde aus dem Dorf hinaus und zurück, meistens mit einem Hörbuch oder einem Podcast im Ohr*, bevor ich dann in den Arbeitstag starte. Alle zwei Tage rappel ich mich dazu auf und bin ganz schön stolz auf mich, dass ich es bisher durchgehalten habe.

Nestbau

Drinnen haben mich schon lange die ganzen unordentlichen Ecken im Haus gestört. Der schnelle Wechsel aller Familienmitglieder, unsere Arbeit immer präsent, Termine, Garten, Essen, das Haus, was mit seinen nun schon 6 Jahren Verbrauchsspuren und Abnutzung zeigt – irgendwie vermisse ich die heimelige Gemütlichkeit, möchte es ordentlich, wohlfühlig und ansprechend haben. Eine Art Nestbaumodus ist in mir angegangen. Jetzt schreibe ich eine fortlaufende Liste an Dingen, die ich verändern möchte. Mit dem kleinen Schrank in unserer Wohnküche habe ich angefangen. Die Fläche verlockt dazu, immerzu Dinge darauf abzustellen. Ich habe einen Blumentopf gekauft und herbstlich dekoriert. Das macht gleich was mit dem ganzen Raum.

So richtig gefallen mir unsere Möbel nicht. Sie sind zusammengestückelt aus unseren vorherigen Wohnungen, aus unseren vorherigen Leben. Stühle vom Auszug des Mannes aus seiner ersten Ehe, Regale aus meiner Studentenbude. Viele Dinge schon klapprig und keineswegs schön. Ich bin hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, alles neu haben zu wollen und der Überzeugung, dass das Alte noch gut ist und seinen Zweck erfüllt. Es wäre Verschwendung. Abgesehen davon haben wir kein Budget für neue Möbel. Zum Aufarbeiten und Umdekorieren fehlen mir Zeit, Kraft und Muße. So bleib es wohl ein Stückwerk. Und das ist ok so.

Dieser Nestbaumodus erinnert mich an ein Artist Retreat Kurs, den ich mir gerade anhöre. Da sprach die Künstlerin auch von „fluff your creative nest“, davon, den Arbeitsplatz aufzuräumen und sich einen kreativen Kokon einzurichten, der einladend ist, ins Tun zu kommen. Ein schönes Bild.

Im Garten habe ich neulich nochmal zwei große Schüsseln voll Himbeeren geerntet. Und es waren nicht die letzten. Ich habe sie eingefroren. Daraus machen wir später Marmelade oder peppen Müsli, Milchreis und Grießbrei damit auf. Auch die Sonnenblumen habe ich abgeschnitten und zum Trocknen hingelegt. Der Garten wird nun leer. Ein letztes Aufblühen. Wie der Ahorn vorm Haus, der nochmal sein bestes gibt und in der Sonne leuchtet. Zum Wochenende wird er vermutlich schon alle Blätter abgeworfen haben. Ich liebe dieses Farbschauspiel.

Schulgespräche

In den letzten Tagen hatten wir Elterngespräche in der Schule. Zuerst mit dem Sterngucker. Nichts überraschendes, alles gut. Mathe macht er nicht so gern, beim Schreiben ist er etwas schlampig, weil es schnell gehen muss. Aber er ist beliebt, interessiert sich für viele Dinge, was zur Folge hat, dass er nicht gut an etwas dranbleiben kann. Ja, wir haben ihn durchaus wieder erkannt. Er erzählt gern die Dinge, die er bei den Referaten der anderen Kinder gelernt hat und probiert die vielen Montessori-Materialien aus.
Zwei Tage in der Woche bleibt er bis zum Nachmittag. In der Töpferwerkstatt und bei „Zeit haben“ – ein Angebot, wo die Kinder einfach draussen spielen können während das Feuer knistert. Manchmal kochen sie Suppe über dem Feuer oder machen Popcorn.

Am Montag hatten wir ein Elterngespräch mit unserem Schulwechselwolf. Die Kinder sind bei den Gesprächen dabei. Eigentlich ist es ein Gespräch zwischen den LehrerInnen und den Kindern und die Eltern sind halt dabei und dürfen auch was sagen. Das Wolfsgespräch dauerte länger, weil viel grundlegendere Sachen besprochen werden mussten. Insgesamt sind wir mit einem guten Gefühl da rausgegangen. ich habe das Gefühl, dass die Absprachen wichtig waren und schon fruchten. Das freut mich sehr. Der Wolf tut sich nicht leicht mit neuen Situationen und Umständen. Hier konnte die Lehrerin Brücken finden, wie er sich Orientierung verschaffen und in die Eigenverantwortung gehen kann. Als Folge stehen auf dem Foto zwei Kinder am Schulbus. Juhu!

Während wir beim Elterngespräch waren, war der Sterngucker allein daheim. Er ist mit dem Bus nach Hause gefahren und hat dort Mittag gessen und sich die Zeit vertrieben. Als wir wieder kamen hatte er abgespült, Wäsche aufgehangen, Staub gesaugt, die Gruschelbank im Flur aufgehübscht und mit der Oma telefoniert. Wir haben nicht schlecht gestaunt. Sah aus, als wäre die Putzfrau dagewesen, hehe.

Was noch schön ist

  • Im Posaunenchor spielen wir jetzt Weihnachtslieder. Bei der letzten Probe klang das schon fast nach Musik, wenn 3 Trompeten und 2 Posaunen, die wir da waren, „Ihr Kinderlein kommet“ in mehren Stimmen spielen. Hach. An Heilig Abend haben wir unseren ersten öffentlichen Auftritt. ich bin gespannt!
  • Schon lange standen neue Wander- und Winterschuhe auf meinem Wunschzettel. Jetzt habe ich mir welche gekauft.
  • Der Wolf und ich haben angefangen, die Harry Potter Filme nochmal zu schauen (inspiriert durch eine Macbeth-Englischaufgabe in der Schule).
  • Ich räume meine Angebote auf und biete einen Teil meiner Kurse im Sale an. Die verschwinden dann Anfang des neuen Jahres von der Website und können nicht mehr gebucht werden. Das fühlt sich gut an. Das Aufräumthema zieht sich durch.
  • Erkenntnisse während meiner letzten Sensory Awareness Stunde, die mich näher an eine Spur über mich selbst brachten. Über Wut und Orientierung, Standing und Positionierung.

*als Hörbuch höre ich derzeit „Heisse Milch“ und bin fast fertig damit. Als Podcast habe ich gerade Lvstprinzip von Theresa Lachner entdeckt.


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Ein Kommentar

  • andrea

    ach schön! ja, der herbstmodus. Ich hab ein bisschen gefremdelt, will den sommer nicht gehen lassen und immer zu draussen sein. aber ja, nesten hilft. und tanzen in der küche. Ich hab jetzt so fette kopfhörer und höre Kate bush und anne clark. die hat einen Song, Poems withoud word’s Part 2, da ist auch ein blasinstrument drin. sehr sehr cool. genau wie der putzende sternengucker ;)

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