_Alltag

Herzlichkeit und Sonne

Mein Tag startete früh, wie immer. Gemeinsam mit dem Sterngucker frühstückte ich. Nach dem Essen hat er ein bisschen von seinen Wochenaufgaben erledigt: Das Datum und das Wetter auf englisch angesagt, den Satz der Woche in sein Heft geschrieben und mit dem Montessori-Wortartenlineal die Wortarten markiert, die er schon kennt (Nomen). Auch ein paar Aufgaben im Matheheft hat er gerechnet. Dann kam der Mann zum Frühstück und ich konnte mich zu meinem Therapie-Telefonat zurückziehen. Es tat wohl, jemanden verständnisvolles, warmherziges und zugewandtes am Telefon zu haben. Ich konnte ein paar Tränen weinen und mir meine aktuellen Sorgen von der Seele reden und gemeinsam mit der Therapeutin reflektieren. Weinen macht zwar müde für den Rest des Tages, löst aber auch viele Knoten im Bauch auf.

Als abschliessenden Tipp zu meinem heutigen Thema gab mir die Therapeutin unter anderem mit, die Gefühle, die hochkommen wahrzunehmen und anzuerkennen. Sie dürfen da sein. Passend dazu fand ich den Text von Anselm Grün in meinem Fastenzeitkalender von heute:

„Von Jesus lernen wir, gütig und demütig zu sein. Gütig meint, mit einem milden Auge auf das zu schauen, was in der Stille in uns auftaucht, nicht zu bewerten, sondern es einfach in die Güte Gottes hineinzuhalten. Demütig meint den Mut, hinabzusteigen in das Chaos der eigenen Gefühle. All das in uns darf sein. Wir müssen keine Angst haben.“ Anselm Grün

Danach hatte ich ein paar wichtige Dinge zu arbeiten. Das Managementforum wurde zwar vorerst verschoben, die Arbeiten hierfür möchte der Kunde dennoch fertig haben, worüber ich sehr erleichtert bin. Irgendwann klingelte es an der Tür, ich dachte, es sei vielleicht die Post, hatte doch aber nichts bestellt. Aber nein, zu meiner völligen Überraschung war es eine Bekannte, eine Kalligrafiekollegin, die meinen letzten Blogpost gelesen hatte und mit zwei Packungen Klopapier statt Blumen vor der Tür stand. Na ich hab mich vielleicht gefreut. So eine Überraschung!

Und die noch größere Überraschung: Später am Nachmittag klingelte es noch einmal und die Nachbarin stand vor der Tür. Auch mit einer Packung Klopapier. Waaah! Ich bin so gesegnet, und wir sind jetzt gut versorgt. Das hat heute echt meinen Tag sehr bereichert.

Zum Mittag gab es Reste. Reis, Brokkoli, Zuchini, Joghurt mit frischem Schnittlauch, Sossenreste vom Vortag und Rohkost. Was sich eben so im Kühlschrank fand. Weil die Putzfrau unser Haus wieder schön pflegte, assen wir auf der Terrasse. Diese Woche ist das Wetter ja frühlingshaft schön. Nächste Woche soll es regnen und deutlich abkühlen.

 Den Nachmittag verbrachten wir mit Hausaufgaben, Regenbogen fangen und Briefe schreiben. Die Jungs nutzten das schöne Wetter und waren viel draussen. Hier begegnen wir kaum anderen Menschen, weshalb sie noch allein raus dürfen, radeln und Scooter fahren. Sie haben sogar Holz gehackt. Der Mann spielte noch eine Runde Fußball mit ihnen. Ich nutze die Zeit, um meinen Spaziergang zu machen. Es fühlt sich so unwirklich an. Der sichere Rhythmus der Natur und alles, als wäre nichts gewesen. Innen drin aber die Gewissheit, dass gerade nichts ist, wie es war. Ein komischer Zustand. Und ich glaube das ist es auch, was so an unser aller Nerven zehrt und zerrt.

Nach dem Abendessen habe ich mit dem Sterngucker die Sendung mit der Maus geschaut, dann war Schlafenszeit. Durch die viele Frischluft und den veränderten Rhythmus ist er sehr müde. Wir haben noch was gelesen und dann Gute-Nacht-gesagt. Als abendliches Vorlesebuch haben wir gerade „Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen“ – das passt ja richtig zu dem Gefühlsthema heute. Das Buch hatte ich neulich bei unserem Edeka im Büchertauschregal entdeckt. Es ist noch wie neu und hat wirklich schöne Geschichten und  Illustrationen rund um das Thema Gefühle wie Wut, Traurigkeit, Sauer sein oder Wehmut. Es ist so herrlich zart geschrieben, dass ich es wirklich gern lese.

Über die Wasserwacht, wir gehören ja zum Bayrischen Roten Kreuz, kommen jetzt die ersten Emails mit Aufrufen für Menschen mit entsprechenden medizinischen Qualifikationen für den Krisenstab. Es werden Helfer zur Duchführung von Tests und Mithilfe im Testzentrum gesucht. Ich habe allerdings keine der geforderten Qualifikationen. Ausserdem gibt es eine Initiative zur Hilfe und Versorgung von erkrankten Menschen,  in Quarantäne oder Risikogruppen im Landkreis. Diese sollen mit Einkäufen und Notwendigkeiten versorgt werden.

Johannes Hartl gibt ein paar Tipps um stabil zu bleiben während du in Quarantäne bist. Viele davon passen auch allgemein für das Leben oder auf die derzeitige Situation, deshalb finde ich sie sehenswert. Ich kenne sie auch aus dem Dharmatraining für Menschen in Krisen und Trauerprozessen. Struktur ist wichtig und gibt uns Halt.

Im Blog habe ich noch ein Frühlingsbasteltutorial gefunden, was vielleicht gerade ein netter Zeitvertreib ist. Oh, was war ich da noch jung :)

Heute ist es mir gut gelungen, im Jetzt zu sein und wenig Nachrichten zu konsumieren. Der Tag hat sich leicht und freudig angefühlt, wir haben gelacht und waren gut im Kontakt miteinander.


Hat dir der Beitrag gefallen? Wie bei StrassenkünstlerInnen der Hut, steht hier im Blog eine Teekasse. Nur eben virtuell. Wenn du magst, kannst du mir einen Tee ausgeben. Oder Farben und Papier. Danke für die Wertschätzung <3

3 Kommentare

  • Simone aus Bayern

    Liebe Ramona,

    ich lasse Dir einen lieben Gruß da, vielen Dank für Deine Einblicke in Euren Alltag unter dieser Extrem Situation.
    Ich schicke Dir viel positive Energie, viele Sonnenstrahlen. Liebe Grüße Simone

  • andrea

    von mir auch ein winken. danke dass du schreibst. das tut mir gut, warum auch immer :)
    liebe grüsse

  • Suomitany

    Ich schicke auch liebe Grüße rüber.
    Ich bin mittlerweile auch nicht mehr locker und kämpfe mit meinen Emotionen.
    Die große Tochter ist noch im Ausland. Ihr Praktikum vorzeitig beendet und vom Land nichts gesehen. Wenn sie heim kommt, muss ich auch ihre Emotionen auffangen, aber auch auf mich achten. Schwierige Zeiten. Glg bleib gesund!

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