_Alltag

Himmelfahrt

Draussen läuten die Kirchenglocken. Ich mag das sehr. Heute ist HImmelfahrt. Zum Tagesstart lese ich in meinem Osterfreude-Buch von Anselm Grün. Ich habe seit einigen Tagen Aufruhr im Herzen. Die inneren Stimmen aller Art sind laut. Wut, Trauer, Verletzung, Liebe, Sehnsucht, Versöhnung, Festhalten an Vergangenem, Würde… Kennst du vielleicht selbst. Der Impuls, jedes einzelne dieser Gefühle auszuagieren ist groß. Nichts von dem, was ich rausliesse, würde dem Kern dessen, was in mir tobt auch nur annähernd nahe kommen. Der Facettenreichtum einer Beziehung. Das Gleichzeitige Existieren von Liebe, Verbindung, Trennung und Verletzung. Die Gefahr ist zu groß, noch mehr kaputt zu machen. Innehalten, Aushalten, jedes einzelne Gefühl spüren. Die Tiefe begreifen. Puh! Was eine Aufgabe.

Doch zurück zu Anselm. Der schreibt nämlich in seinem Kapitel vom Mittwoch (was ich heute erst lese) mit der Überschrift „Der innere Meister (Lk 24,51)“ sehr viele schlaue Worte:

„Die Frage ist, wann uns ein Mensch wirklich nahe kommt. Er ist uns nahe, wenn wir ihn berühren, mit ihm sprechen, ihn küssen. Aber in dieser Nähe ist immer auch Ferne. Manchmal spüren wir den anderen gar nicht. Auch in der Berührung blieben wir oft an der Oberfläche und erreichen nicht das Herz des anderen. (…) Wir müssen uns verabschieden von den Illussionen, die wir uns über unser Leben gemacht haben. Es gilt, Abschied zu nehmen von allen Abhängigkeiten und Anhänglichkeiten, aber auch von der Last der Vergangenheit, von den Verletzungen und Anhänglichkeiten, aber auch von der Last der Vergangenheit unserer Lebensgeschichte.“

Wenn das nur so einfach wäre :) In Abschied liegt auch immer ein bittersüßer Schmerz. Und den muss man erstmal aushalten können. Als ich vor zwei Jahren beim Frauencamp war, habe ich das sehr deutlich gespürt. Diese Trauer in mir, die auch eine Trauer darüber war, einen Teil meines alten Ich’s, meiner Identität, ein Teil von dem loszulassen, was mich mein bisheriges Leben ausgemacht hat. Das gehört wohl aber zu einem Prozess dazu. Dazu fällt mir spontan das Lied „Dunkle Wolken“ von Rosenstolz ein.

Was schön war diese Woche

Aber genug der Grübelein, die hier ja auch nur einen Bruchteil wiedergeben und kryptisch bleiben. Mein Alltag besteht nicht nur aus Trauer, Jammer, Sehnsucht und Gedankenkarussellen, sondern ist bunt und fröhlich, voller Leben, Arbeit, Liebe und Überraschungen.

Am Dienstag habe ich spontan einen Ausflug zur Bibliothek gemacht, die wieder geöffnet hat. Es ist zwar alles etwas anders, tat aber gut durch die vollen Bücherregale zu stromern und eine Handvoll wieder mit nach Hause zu nehmen. Diesmal einige Wanderführer, weil mich das Thema Pilgern nicht loslässt, und ein tolles Buch zu Harry Potter mit wunderschönen Illustrationen, Auszügen aus den Manuskripten der Autorin und historischen Recherchen. Für alle Harry Potter Fans ein wirklich schön gemachtes, ästhetisches und informatives Buch.

Unter Menschen

Ausserdem hatte ich gestern Pausenaufsicht an der Schule. Einige Eltern konnten sich melden, um die Lehrer bei der Pausenausicht zu unterstützen, zB die Bälle und Federballschläger nach Rückgabe desinfizieren u.s.w. Das Schulleben ist komplexer geworden, ich habe mich aber gefreut, wie fröhlich und gut gelaunt sowohl LehrerInnen als auch Kinder miteinander umgingen. Trotz Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen.

Anfang der Woche hat ein Bekannter angerufen, ein Freund, mit dem ich als Teenager Zeit verbracht habe. Wir hatten uns aus den Augen verloren. Nach all den Jahren hat er sich vor ein paar Wochen gemeldet und am Montag verkündet, dass er beruflich in München zu tun habe und gern auf einen kurzen Besuch vorbeikommen würde. Und so hatte ich gestern einen sehr netten Nachmittag mit Besuch aus der Vergangenheit mit einer Tüte voller Geschenke vom Bodensee (da wo er jetzt lebt) und vielen alten Geschichten, ergänzenden Puzzlestücken zu der damaligen Situation (er ist Spätumsiedler aus Siebenbürgen) und einem Update zur jetzigen Lebenssituation. So viel Offenheit, Herzlichkeit und Vertrauen. Lässt mich immer noch Lächeln, wenn ich daran denke.

Am Abend hat mich die Tochter in ihr „Schnauferl“* gepackt und ist mir zum Steinsee gefahren. Ich bin grad echt stolz auf dieses Kind, ihre Entwicklung und ihr Wachstum auf so vielen Ebenen. Und es ist cool, eine volljährige Tochter zu haben, die ihren kleinen Bruder zur Verabredung fährt und wieder abholt. Das rockt! (*Das Schnauferl ist ein kleiner Skoda, der meinen Eltern gehört und die Tochter fahren darf.)

Finanzspaß

Den Rest der Zeit arbeite ich an meinem Onlinekurs, der nächste Woche in die dritte und letzte Woche geht, schreibe, prokrastiniere Arbeit, werkele im Garten, lese und stricke. Ich habe das Madame Moneypenny Hörbuch fertig gehört und voll Lust auf den ganzen Finanzkram, mit dem ich mich eh die ganze zeit immer wieder beschäftige. Seit ich Bodo Schäfer gelesen habe, habe ich einen ganz neuen Blick auf das gesamte Thema. ich merke, wo ich noch Defizite habe und wo nach oben Luft ist, aber auch, was schon gut funktioniert. Ich hatte mir ja letzten Monat schon einen Sparplan mit ETF’s angelegt. Die erste Zahlung ist da nun reingegangen und jetzt kann ich täglich den Verlauf in meinem Depot verfolgen. Neulich beim Scrollen durch die App habe ich einen weiteren Font entdeckt, der mir spontan zugesagt hat. Also habe ich nochmal einen kleinen Betrag investiert und mir Anteile gekauft und meinen Sparplan neu gestaltet. Jetzt habe ich Spaß am Beobachten der Kurven und das Gefühl, einen wichtigen Schritt für meine Altersvorsorge getan zu haben. Denn zugegeben, 300 Euro Rente, wie sie momentan auf dem Blatt der Rentenversicherung steht, wird mir nicht zum Leben reichen.

Heute verbringen wir einen weiteren gemütlichen Zuhausetag. Ein bisschen Arbeit, ein bisschen Familie, ein bisschen Haushalt, ein bisschen Kunst, Gebet und süßes Nichtstun.

PS: Heut Abend kommt „Astrid“ im ZDF. Ein schöner Film über einen Lebensausschnitt von Astrid Lindgren. Ich habe ihn schon im Kino gesehen und sehr gemocht.


Hat dir der Beitrag gefallen? Wie bei StrassenkünstlerInnen der Hut, steht hier im Blog eine Teekasse. Nur eben virtuell. Wenn du magst, kannst du mir einen Tee ausgeben. Oder Farben und Papier. Danke für die Wertschätzung <3

2 Kommentare

  • annette

    ….ui prima, der tipp mit dem harry poter buch kommt richtig….das passt für unsere größe zum geburtstag….
    lg
    annette

  • Micha

    Liebe Ramona,

    oh ja, das mit den verschiedenen Gefühlen, die in einem toben können, kenne ich nur zu gut. Da hatte ich gestern auch einen recht schwierigen Tag.
    Madame Moneypenny habe ich inzwischen durch dich auch entdeckt und mit Begeisterung ein paar Podcast-Folgen gehört. Um ihre Ideen wirklich umzusetzen, brauch ich aber glaube ich noch etwas mehr Knowhow.

    Ganz herzliche Grüße,

    Micha

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.