_Alltag

Januar 2021 – Schnee und viel zu tun

Wir hangeln uns hier durch unseren Arbeitsberg – es gibt viel zu tun, dabei lockt draussen der tolle Schnee. Mittlerweile hat sich so viel angesammelt – Kundenaufgaben, Kursvorbereitungen und Abrechnungen, dass ich gestern kurz in eine Starre verfallen bin, weil ich nicht wusste, wo ich anfangen soll. Mir helfen dann Prioritätenlisten wieder aus dem Dillemma. Und Gebete.

Die Vormittage verbringen wir also arbeitend mit dem Wolf an seinem Schreibtisch. Das Homeschooling ruckelt sich zurecht. Nach der ersten Woche mit Big Blue Button ist die Schule nun doch auf Zoom gewechselt. Das läuft stabiler. Nun groovt sich noch die Gruppenarbeit ein. Der Wolf wählt sich regelmässig ein, nimmt aber nur halbherzig am Unterrichtsgeschehen teil. Er zockt lieber nebenbei oder schaut youtube-Videos. Seufz.

Morgens bringt der Mann den Sterngucker in die Notbetreuung, am Mittag hole ich ihn wieder ab. Dort hat er eine gute Zeit mit den wenigen Kindern, kann mit Material arbeiten und länger an einem Projekt bleiben. Neulich hielt ein Kind ein Referat über Elefanten. Davon hat er mir erzählt. Ich habe den Eindruck, dass der die Referate gern hört und viel daraus mit nimmt.

Schnee Segen

Wir waren die letzten Tage wirklich gesegnet von tollem Wetter. Frost, Schnee, Sonne. Alles dabei. Die Kinder verbringen den ganzen Nachmittag draussen am Schlittenberg. Davon gibt es einige zur Auswahl. Der Mann und ich machen weiterhin einen gemeinsamen Spaziergang am Nachmittag. Ich mag das sehr. Den knirschenden Schnee unter den Schuhen, die kühle Winterluft um die Nase.

Nun wird es aber wieder wärmer und der Schnee taut weg. Ich bin dieser Tage immer wieder müde, sodass ich mich auch mal zu einem kleinen Mittagsschläfchen hinlege. Diese Müdigkeit hatte ich lange nicht. Ich möchte gern meine Langsamkeit beibehalten, was mit Anfragen vom Aussen und dem Druck, für Einkommen sorgen zu müssen, gar nicht so leicht ist. Das Leben ist ein einziger Balanceakt.

Neulich war ich mit einer Freundin spazieren. Über die zugeschneiten Felder und den zugeforerenen Weiher. Das tat gut. Wir hatten uns schon über Monate nicht gesehen. Ich habe sehr genossen zu gehen und zu reden. An einem öffentlichen Bücherschrank ist mir noch ein altes, englisches und wunderschön gestaltetes Buch über Psalm 23 in die Hände gefallen. Das habe ich allein wegen des Umschlags mitgenommen. Später kam mir, dass es ein Zeichen sein musste. Ich habe mir morgens den Psalm rausgesucht und in mein Tagebuch geschrieben. Und dann nochmal in der Mittagspause als Schriftenteppich. Ich stimme mich auf den kommenden Kurs ein und habe große Freude an dem Thema.

Wenn du auch Lust hast, Schriftenteppiche zu schreiben: Hier habe ich einen Blogpost über die Grundlagen verfasst und hier kannst du den Kurs buchen, für mehr und intensiveres Beschäftigen.

Am Sonntag hatte ich mit meinen Kindergartenfreundinnen einen Zoomcall. Das machen wir jetzt manchmal. Unsere Late-Night-Talkshow. Da bin ich erst kurz vor Mitternacht ins Bett gekommen, hatte aber so eine Freude mit den Frauen. So halten wir uns gegenseitig bei Laune.

Manchmal kommt die Tochter vorbei, muss dann aber um 21 Uhr wieder los, denn wir haben ja noch immer die Ausgangssperre ab 21 Uhr. Und dürfen keine touristischen Tagesausflüge mehr als 15km von unserem Wohnort weg machen. Ich beobachte diese Regelungen, habe aber kaum Emotionen dazu. Scheinbar war mein Leben vorher auch schon auf mein Zuhause konzentriert, dass es sich kaum verändert anfühlt. Seit Montag müssen wir beim Einkaufen FFP2 Masken tragen. Ich war seit dem noch nicht wieder einkaufen. Mein einziger Weg besteht zwischen Schule und unserem Haus. Und meine Einkaufsrunden. Ein Spaziergang in der Nachbarstadt mit der Freundin ist da schon sensationell.

Selbst meine Boesner-Bestellung hole ich nicht im Laden ab, sondern lasse sie mir liefern. Ich habe mir Kunst gekauft (auf Instagram von der tollen Aleksandra Sobol) und brauche nun einen Rahmen dafür. Ich habe gleich noch ein paar andere Dinge dazu bestellt. Momentan denke ich wieder viel über das Material und die ganzen Papiere nach, was hier so lagert. Was tue ich mit all den alten Arbeiten? Den Zeugnissen meiner Vergangenheit und meines Werdegangs? Das geht immer bisschen kontra meinem Wunsch nach Minimalismus und Vereinfachung. Gleichzeitig liebe ich es, aus den vollen Schöpfen zu können, Ellenbogentief in Collagematerial wühlen zu können. Was schrieb ich zu Beginn über den ewigen Balanceakt? – ist wohl hier genau so.

Im Abspann, bevor ich wieder in meinen Aufgabenberg abtauche, gibt es ein paar Alltagshäppchen. Speiseplan, Lektüre und noch ein paar Bemerkenswertigkeiten.

Gegessen

  • Montag: Pasta und Tomatensosse
  • Dienstag: Reispfanne mit Gemüse und gebratenem Tofu
  • Mittwoch: Kartoffelgratin
  • Donnerstag: Nudeln mit Tomate-Champignon-Sosse
  • Freitag: Pizza
  • Samstag: Kartoffelbrei, Gemüsestäbchen und Gemüse

Gelesen

Abends im Bett lese ich noch immer Das Lavendelzimmer. Macht mich ganz sehnsüchtig nach Leben. Nach Sommer, Genuss, Liebe und Tango. (Ich würde so gern tanzen können!)

Hin und wieder lese ich ein paar Seiten in Steal like an artist von Austin Kleon.

Da die Bibliotheken noch immer geschlossen haben, lagern hier natürlich noch unsere ganzen im November ausgeliehenen Bücher. Das finde ich gar nicht so schlecht, denn ich bin eine langsame Leserin. Morgens lese ich gerade ein paar Seiten in Flamme sein! Hans Scholl und die Weiße Rose, Robert M. Zoske, einer Biografie über Hans Scholl. Ich bin noch ganz am Anfang, aber schon sehr interessiert. Ich wusste z.B. nicht, dass Hand Scholl homo- bzw bisexuell war. Am Anfang geht es noch ein bisschen um seine Familie und seine Herkunft. Da ist auch sein Halbbruder Ernst Gruele, der aus einem vorehelichen Verhältnis seines Vaters stammte, erwähnt. Er schreibt:

“Man darf nur nicht versäumen, aus allem, was man erlebt, einen Gewinn für das innere Leben zu behalten, denn so, wie unsere Mutter das Leben betrachtet, steht hinter allem, was wir erleben, die wunderbare Fügung Gottes, u. man darf nie den Fingerzeig Gottes übersehen, sonst war das, was wir erleben, umsonst erlebt.”

Das hat mir gut gefallen. Aber auch die Briefe, die sich Menschen damals geschickt haben, in dem sie sich etwa austauschen, wie sinnlos (und unchristlich) eigentlich Kriege sind, und in denen ihre pazifistische Haltung deutlich wird.

Gesehen

  • Ein Künstler hat einen Schwarzweiss-Film von 1936 digital überarbeitet und eingefärbt. Das ist schön anzusehen: Dresden 1936
  • Mehr als einmal habe ich mir das Stück von Pantomime Künstler Carloz Martinez angeschaut: The Bus Stop, Carloz Martinez
    Den Künstler habe ich vor einigen Jahren bei der Schön-Konferenz Life erlebt.
  • Mit dem Mann hatte ich am Samstag einen gemütlichen Filmabend. Wir haben uns “Frühstück bei Tiffany” angeschaut. Ein wirklich sehr skurriler Film, der mich aber gut amüsiert hat.
  • Seit Montag schaue ich mir jeden Tag die Videos aus dem Kurs “Journal your Life” von Susannah Conway an. Kleine Häppchen zum Thema Jorunaling. Noch ist alles sehr Basic udn es geht rund um’s Setup. Ich bin gespannt auf die tieferen Themen.
  • Bei Jeanne Oliver höre ich verschiedene KünstlerInnen zum Thema “Rhythms and Rituals”. Es geht um die Zeit des Wartens. Man sät etwas, dann wartet man und dann können wir ernten. Die Zeit des Wartens ist oft lang, schmerzhaft und schwer auszuhalten. Die KünstlerInnen geben Einblicke und Sichtweisen, wie wir uns hineinlehnen können in diese herausfordernden Zeiten und gleichzeitig durch Rhythmen und Rituale Stabilität schaffen.
  • Weniger inspirierend, aber notwenig war die online Dekra Betriebssicherheits-Schulung, die ich mir anhören und anschauen musste. Die findet ja sonst in der Schule statt für alle MitarbeiterInnen. Jetzt gab’s die eben online. Zack erledigt.

Dankbar

Am Bett liegt mein Dankbarkeitstagebuch. Jeden Abend, bevor ich schlafen gehe, schreibe ich ein paar Zeilen hinein wofür ich dankbar bin. Den Schnee, die Sonne, die Spaziergänge, das gute Essen, wenn Menschen meine Kurse buchen, wenn es mir gelingt, trotz Widerständen doch an einer Sache zu arbeiten, wenn ich mit meinen Freundinnen lache und rede oder mit dem Mann kuschle, wenn mich wunderschöne kalligrafische Post aus dem Internet erreicht als Dankeschön für mein Wirken und meinen Adventskalender, wenn Gaben in der virtuellen Teekasse landen oder liebevolles Feedback in meinem Posteingang. Oder Schokolade im Paket von meinen Eltern. So viel Segen in meinem Leben! Danke.

Notizen

  • Wir können nicht Proben. Neulich dachte ich gerade, dass mir das Trompeten spielt, aber ich gar nicht weiss, was ich jetzt üben soll. Die Weihnachtslieder wollen nicht mehr recht passen. Ich brauche aber etwas konkretes. Und just da schrieb unser Posaunenchorleiter eine Email mit einem Holy Ghost Brass / Young Spirit Brass Corona Fitness Programm für die Blasinstrumente. In erster Linie Tonleitern, Blasübungen und Rhythmus. Jetzt widme ich mich also wieder meiner Trompete etwas zugewandter.
  • Am Wochenende findet das Frauen-Kreativseminar vom Marburger Kreis statt. Das gibt es als Online-Angebot. Wir starten am Freitag Abend mit einer Kennenlernrunde und einem Impuls. Am Samstag gibt es dann Workshops: Makramé, Bibelartjournaling (mit mir!), Seife herstellen und Papier mit Rasierschaum marmorieren. Also alles Dinge, die man gut von Zuhause aus machen kann, die aber schön in gemeinschaft sind. Wenn du dabei sein möchtest, melde dich bei Cathy an.
  • Vom Springseilspringen tun mir die Füße weh. Erst dachte ich an Muskelkater, aber es scheint etwas tieferes zu sein. Deshalb pausiere ich gerade und habe mir stattdessen von einer Freundin einen einfachen Hula Hoop Reifen ausgeliehen. Mal sehen, ob das ein Ersatz ist bis es meinem Fuß wieder besser geht.

Hat dir der Beitrag gefallen? Wie StrassenkünstlerInnen der Hut, steht hier im Blog eine Teekasse. Nur eben virtuell. Wenn du magst, kannst du mir einen Tee ausgeben. Oder Farben und Papier. Danke für die Wertschätzung <3

Ein Kommentar

  • M.M.

    Ach guck, da ist es wieder, das Balance-Thema!

    Mich würde sehr interessieren, wie du es mit den Bilderrahmen hältst. Was ist dir dabei wichtig und wie setzt du es um? Wo bekommst du, was du suchst?

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