_Alltag

Mittwochseinblicke

Besonders erholsam war die Nacht nicht. Ich konnte gut durch die Nase atmen, brauchte aber ewig, zur Ruhe zu kommen und in den Schlaf zu finden. Gerade, als ich soweit war, stand der Sterngucker verstört und rufend im Flur. War aufgeschreckt, musste zur Toilette und war desorientiert. Das hat er manchmal. Der Wolf ist gerade auch ein unruhiger Schläfer. Wacht nachts auf, redet im Schlaf, wandert umher und will Dinge erledigen, ist aber nicht wirklich ansprechbar. Ich frage mich manchmal, was da gerade im Gehirn passiert. Begleiterscheinungen des pubertären Umbaus?

Ich habe dann doch ein bisschen geschlafen. Die Tatsache, dass ich alle Termine für heute abgesagt hatte, entlastete mich erheblich. Nach einem recht dünnen Frühstück – mir fehlt der Appetit –, kümmerte ich mich ein bisschen um den Haushalt, während der Mann den Wolf zur Schule fuhr und Dinge im Nachbarort erledigte. Neuer Personalausweis und so.

Etwas halbherzig checkte ich meine Aufgabenliste, aber es wollte sich keine Konzentration einstellen. Ich hab nichtmal ein schlechtes Gewissen, nichts zu arbeiten.

Am Vormittag läuft die Nase immer am intensivsten, habe ich das Gefühl. Also war ich die meiste Zeit mit Schneuzen, Tee trinken und so Kram beschäftigt. Ab und an war ich überrascht von der Farbe dessen, was da im Taschentuch landete. Ich googelte ein bisschen Symptome und Behandlung von Nebenhöhlenkram. Ich bin nicht besorgt, weil es mir insgesamt, also unter dem Schnupfen, doch recht gut geht (und das nenne ich mal Fortschritt zu meinem psychischen Zustand noch vor ein paar Monaten. Da hätte mich allein die Farbe meines Taschentuchinhalts schon panisch gemacht). Keine Schmerzen, kein Fieber, keine Matschebirne. Aber eben krank. Und der Heilprozess dauert. Ich mache alles, was ich auch als Empfehlungen gelesen habe: Nasenspülung, Dampfbad, viel Trinken, Füße warm halten, Ruhe. Da stand auch Bettruhe hilft am besten. Das konnte ich bisher noch nicht so umsetzen, klingt aber verlockend, vorallem, weil ich Nachts nicht so gut schlafe.

Meine kleinen Helferlein

  • Kamillosan fürs Dampfbad. Kamillosan gehört zur Grundausstattung unserer Medizinkiste. Hilft bei Halsschmerzen, gegen Pickel, wunde Stellen an anderen Körperstellen. Es ist seit meiner Kindheit quasi ein Alleskönner.
  • Nasendusche. Wir haben ein anderes, älteres Modell. Das geht ziemlich gut damit.
  • Weleda Skin Food gegen die wunde Nase (morgens und Abends aufgetragen). Diese Creme war mal ein Notkauf, als ich an der Ostsee weilte und durch Wind und Wetter mein Gesicht spannte. Die hat sich dann als so toll und hilfreich erwiesen, dass ich mittlerweile die dritte Tube davon habe.

Die Putzfrau kam putzen und war heute sehr gesprächig. Ich strickte also und unterhielt mich mit ihr während sie um mich herum putzte über Schule, das Schulsystem und die Kinder.  Wie man sich eben unterhält, wenn jemand die sprache nicht fliessend sprich. Nach 7 Jahren, die sie nun schon bei uns ist, habe ich mich daran gewöhnt, wenn sie da ist, auch mal die Beine hochzulegen (schon allein, um ihr nicht im Weg herumzulaufen). Zwischendrin kam noch der Schornsteinfeger. Zum Glück hat es zeitlich so gepasst, dass er die Putzfrauarbeit nicht sabbotiert hat. Naja, und die Schornsteinfeger ziehen sich ja eh so Schuhüberzieher drüber, wenn sie reinkommen, um den Ofen zu checken.

Zum Mittag hatte ich mir wieder eine Gemüsesuppe gewünscht. Statt Hühnerbrühe. Ich riech ja nix und kann demnach auch nicht gescheit abschmecken. Und Gemüsesuppe kocht der Mann eh leckerer. Nach dem Essen verzog ich mich tatsächlich in mein Bett zurück und verbrachte dort den Nachmittag. Einfach nur rumlungern, ein bisschen schlafen, ein bisschen im Internet lesen, mit einer Freundin schreiben und lesen.

Buchtipp

Passende Lektüre aus der Biblithek, die ich gerade sehr erfrischend finde zu all den Produktivitäts- und Selbstoptimierungsbüchern: „Dinge geregelt kriegen ohne einen Funken Selbstdisziplin“ von Kathrin Passig und Sascha Lobo (Leseprobe vom Verlag). Da geht es um die guten Seiten von Prokrastination, Nichtstun und Faulenzen. Ich mag den Schreibstil und das Thema. Genau, was ich gerade brauche.

Ich hatte mir auch mein Mahabuch (so heisst mein Notizbuch/Bulletjournal) mit ins Bett genommen, um mir endlich Überblick über meine Aufgaben und offenen Jobs zu verschaffen. Das will ich schon seit Tagen. Ich habe noch nichtmal das Gesprächsprotokoll vom vorletzten Wochenende aufgearbeitet und daraus die dringendsten To-Do’s erarbeitet. Aber irgendwie geht das gerade auch nicht. Das kommt wieder.

Auch mein Freundin-Date, was für morgen geplant war, habe ich abgesagt. Stattdessen telefonieren wir. Und ich werde noch mehr ausruhen.

Insgesamt geht es mir also gut. So mental. Untendrunter. Zwischendrin bin ich genervt vom Schnupfen, dann wieder dankbar, dass mein Körper sich so vorbildlich um die Eindringlinge (Viren?) kümmert. Das ist doch eigentlich toll. Das Kranksein gibt mir gleichzeitig die offizielle Genehmigung, langsamer zu machen und mich auszuruhen, zu entschleunigen. Ganz ohne schlechtes Gewissen. Obwohl ich merke, dass sich im Hinterkopf schon wieder die Aufgaben stapeln. Weia.

So, genug jetzt vom Befindlichkeitskram. Der dominiert halt gerade ziemlich meinen Alltag. Mit der Ruhe passieren aber auch wichtige Prozesse in mir drinnen. Zum Beispiel das Gefühl, langsam aus der Winterruhe auftauchen zu wollen. Kraftquellen, Ideen, Erkenntnisse – eben all die Dinge, die sich erst durch ein vages Gefühl, eine Ahnung andeuten und noch gar nicht recht benennen lassen.

Am Abend fuhr der Mann zum Sport, zum Abendessen gab es Tiefkühlpommes, Restsuppe, Salat und Brot. Ich hatte tagsüber viel zu wenig gegessen und jetzt Abends gemerkt, dass das wohl keine so gute Idee war. Vorm Bettfertig machen haben wir noch eine Weile den Kindermund im Blog gelesen und uns darüber amüsiert. Schade, dass ich irgendwann aufgehört habe, das hier aufzuschreiben. Ich sollte vielleicht noch ein paar nachtragen, hihi.

 

 

2 Kommentare

  • TAC

    Unsere Kinder mögen es auch sehr, ihre eigenen Kindermund-Aussagen zu lesen. Ich hab viele im Blog aufgeschrieben. Leider vergess ich die meisten, eh ich es aufschreiben kann.
    Gute Besserung auch weiterhin.
    LG von TAC

  • Edi

    Liebe Ramona,

    gute Besserung wünsche ich Dir und danke für die Leseprobe – das hat mich schon sehr schmunzeln lassen :)

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