Sonntag – ganz nach meinem Geschmack

Sonntag – ganz nach meinem Geschmack

Der Sonntag heute war ganz nach meinem Geschmack. Die perfekte Mischung aus Geschäftigtsein und Müßiggang. Der Sterngucker hat sich heute wieder nach dem Frühstück verabredet. Ich bringe ihn also zu seinem Freund. Danach kümmere ich mich um den Haushalt: Staubsaugen, Wäsche anstellen und Feuer machen. Ich wasche meine tollen Seidenhemden per Hand und fette meine ebenso tollen Schuhe ein. Sie haben durch das nasse Wetter etwas gelitten.

Draussen regnet und windet es den ganzen Tag. Der Wolf hat sich zum Zocken zurückgezogen (derzeitiger Stand zum Medienthema nach unserem Gespräch gestern: es gibt feste Zocktage, dann aber ohne Begrenzung innerhalb eines Rahmens. Rahmen bedeutet: erst die Pflichten & Frischluft, gemeinsame Mahlzeiten). Heute also: Zocktag.

Die Tochter ist schon seit Donnerstag abend unterwegs. Ich habe also ein nahezu ruhiges Haus. Ich liege auf der Couch, geniesse die Ruhe, lese, höre Hörbuch und male ein Ausmalbuch aus. Ausserdem schreibe ich einen Brief an eine Freundin.

Mich überkommt eine Traurigkeit und innere Kälte ohne bestimmten Grund. Ich kenne das schon. Wenn ich jetzt Weinen kann, dann geht es besser. Manchmal staut sich was unter der Oberfläche, was ich nicht benennen kann. Es hilft mir dann, mich zu spüren. Oder zu meditieren oder zu beten. Ich bete. „Sing“ höre ich eine innere Stimme sagen und mir fällt das Mantra „Aap sahai Hoa“ ein. Und das mache ich. Ich setze mich hin und chante 11 Minuten zu diesem Mantra. In mir öffnet sich etwas, ich weine ein bisschen. Danach geht es mir tatsächlich besser. Ich schau nach, was es mit dem Mantra auf sich hat:

Aap Sahai Hoa
Sache Da Sacha Dhoa
Har Har Har

 

Heisst übersetzt soviel wie

Gott, du selbst (aap) bist unser Beschützer (Sahai) geworden (hoa).
Du bist die Wahrheit (sache da) die eigentliche Wahrheit in uns (dhoa).

Har ist die kreative Unendlichkeit.

(aus: Mantras im Kundalini Yoga in der Tradition von Yogi Bhajan, Sat Hari Singh)

Das Mantra beruhigt, stabilisiert und hilft, Negativität in uns und unserer Umgebung zu überwinden.

Zum Mittag gibt es Kartoffelbrei und einen frischen Salat. Ich fühle mich wieder besser und genährt (auf mehreren Ebenen). Kartoffelbrei ist eines meiner Wohlfühlessen. Am Nachmittag mache ich mir Tee, einen Datteldip und Äpfel.

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Trotz des Wetters möchte ich an die frische Luft. Einmal durchpusten lassen, mich spüren und die Energien verteilen. Ich ziehe mich wasserdicht an und gehe meine Spazierrunde. Der Weg ist matschig. Überall tauen die Schneemassen von letzter Woche weg. Das Draussensein tut mir gut. Aus dem Wald nehme ich mir einen von Eichhörnchen abgeknabberten Fichtenzapfen mit. Der riecht so herrlich harzig. Und ein Stück Moos, was ich später in mein Moleskine-Diary zeichne.

Und sonst? Gegen 17 Uhr hole ich den Sterngucker wieder ab und sammle auf dem Rückweg die Tochter ein. Der Sterngucker geht in das fremde Haus und meint, er wolle sich hier gern mal umschauen. Also darf er mit Begleitung das Haus erkunden und erbeutet im Apfelkeller einen Kanister Apfelsaft. Na da ist er aber glücklich! Den trägt er ganz allein zum Auto wie einen Schatz. Daheim essen wir zusammen Abend. Es gibt ganz langweilig Nudeln mit Tonatensosse, weil wir nix anderes im Hause haben, was alle essen. Die Reste packe ich der Tochter in ein Glas. Für morgen in die Schule.

***

Morgen kommt der Mann wieder.

 

 

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