_Alltag

Tagebuch im November 2020 – Freitag 6.11.

Heute waren meine Nerven noch dünner als sonst. Konzentriertes Arbeiten am Morgen? Fehlanzeige! Und auch sonst war es den ganzen Tag über laut, voll, ungenügend und irgendwie frustrierend. Aber es gab auch einige schöne Momente. Die will ich groß werden lassen.

Was meinen Tag gefüllt hat

Weil ich schon lange nicht Laufen war, starte ich den Tag mit einer Laufrunde nach dem Frühstück. Knapp 4 km in den Novembernnebel hinein. Unterwegs gehe ich immer ein Stück. Meine Kondition ist längst nicht zurück. Ich laufe nicht auf Leistung, sondern um des Bewegens willen.

Zurück am Schreibtisch brauche ich lange, um wirklich ins Tun zu kommen. Immer wieder lenken mich die Kinder ab, die sich nichts finden, denen langweilig ist oder nicht zocken dürfen.

Gegen Mittag finde ich doch ins Tun, aber da ist fast schon Essenszeit. Heute steht Kartoffelbrei auf dem Speiseplan, aber wir haben keine Kartoffeln. Der Mann muss eh zur Post und erbeutet uns gleich noch einen Sack Kartoffeln. Dann kocht er das Mittagessen. Er bemerkt, dass auch Butter fehlt. Ich fahre also schnell nochmal los, Butter kaufen. Es gibt Kartoffelbrei, Karottengemüse und Gemüsestäbchen (diese und diese mit Spinat)

Die Küche ist voll, es ist laut und wuselig. So geht das den ganzen Tag weiter. Heute mache ich keine Mittagspause, sondern gehe zurück an den Schreibtisch und finde endlich ins Tun.

Am Nachmittag waren der Wolf und ich zu einer kleinen Trompetensession bei der Nachbarsfamilie. Das hat voll Spaß gemacht.

Danach war ich noch mit einer Freundin spazieren, Brot kaufen und schon war Zeit zum Abendessen. Da habe ich mich von diesem Flammkuchenrezept (mit Birne) inspirieren lassen und es mit Fertigflammkuchenteig nachgebaut. Sehr lecker! Dazu gab es Salat.

Der Sterngucker war den ganzen Tag unausgeglichen und brauchte mal etwas Mamazeit. Ich hab mich also mit ihm auf die Bank gekuschelt und ein ganzes Kapitel Ronja Räubertochter vorgelesen, bevor ich mich zu meinem Textura-Zoomcall ins Büro zurückgezogen hab. Die Tochter wollte auch Aufmerksamkeit und leistete uns sowohl beim Lesen als auch bis zum Kursbeginn Gesellschaft.

Die reichliche Stunde Zoomcall verging wie im Flug. Ich hab voll Spaß an der Sache, erkläre und bastele mit den TeilnehmerInnen. Danach gab es einen kleinen Knatsch mit dem Mann. Das passiert meistens, wenn es Konflikte mit dem Wolf gibt. Da geraten wir zwei schnell aneinander. Da muss ich noch üben, mich rauszuhalten. Oder wir insgesamt klarer werden. Zum Glück ist der Mann kein nachtragender und wir finden schnell wieder zueinander zurück. Ich glaube, uns allen fällt diese Ferien ein bisschen die Decke über dem Kopf zusammen, so alle zusammen unter einem Dach mit dem Mittelpunkt in unserer Wohnküche. Da regiert das Chaos, was uns dann schonmal aus der Mitte bringt.

Was mich erfüllt hat

Die Trompetensession. Wir haben zu viert „Oh when the saints“ gespielt und dabei so viel Spaß gehabt. Ich hab das jetzt als Ohrwurm.

Der Zoomcall mit meinem Textura-Kurs.

Konsumauszeit

Heute habe ich mir einen USB-Stick mit viel Speicherplatz bestellt, quasi als externe Festplatte. Darauf möchte ich die Daten eines Kunden auslagern, damit auf meinem Rechner wieder mehr Platz wird. Das zähle ich jetzt mal als notwendige Betriebsausgabe.

Gelesen

Ronja Räubertochter für den Sterngucker. Ich liebe dieses Buch schon seit meiner eigenen Kindheit. Und auch jetzt als Erwachsene finde ich darin so viele rührende Facetten des Großwerdens, zwischenmenschliche Herausforderungen, Mutterliebe (Lovis), Stolz (Mattis), Mut und Vertrautheit (Ronja und Birk). So schön. Da hab ich manches Mal einen Kloß im Hals beim Lesen, wenn mich eine Stelle besonders anrührt.

Aus der Bibliothek habe ich „Das Buch von dem du dir wünschst, deine Eltern hätten es gelesen“ von Philippa Perry ausgeliehen. Davon hatte ich von meiner Therapeutin erfahren, jetzt lief es mir quasi über den Weg. Ich habe in die ersten 20 Seiten reingelesen. Philippa Perry ist eine Psychotherapeutin. In ihrem Buch geht es darum, wie wir selbst erzpgen wurden und welchen Einfluss das auf unsere Elternschaft hat. Sie beschreibt, warum wir manchmal auf Situationen reagieren, die mit der eigentliche Sache nichts zu tun haben und über Verwicklungen mit unseren eigenen Themen. Ich bin sehr gespannt, denn mal ehrlich, unsere Kinder sind doch die größen Lernfelder zur eigenen Entwicklung, nicht? (Den Titel des Buches finde ich überhaupt nicht ansprechend)

Gehört

Während meiner Laufrunde und im Auto habe ich einen Podcast von Sarah Keshtkaran im Interview mit Gunnar Engel gehört. Der heisst „Unterwegs zu uns“ und die beiden gehen der Frage auf den Grund „Ist Gott genug für uns?“ Beide stellen ganz nebenbei ihre Bücher vor. Ich bin noch nicht ganz durch damit.

Dankbar

Heute bin ich dankbar für das leckere Essen, was es heute zum Mittag und Abend gab, dafür, dass ich mich zur laufrunde aufgerafft habe und den Novembernebel geniessen konnte, dass danach noch warmes Wasser zum Duschen von gestern in der Leitung war. Dankbar für die tolle Trompeten-Session und eine Teekassengabe <3 Die Post hat mir eine Buchüberraschung gebracht. Ich hatte neulich „Den Weg des Künstlers erwähnt“ und schwupp hat mir einE aufmerksameR LeserIn das Buch geschickt. Ohne Notiz. Also an dieser Stelle ein dickes DANKE für das Buch!

Ich bin dankbar für den langen Spaziergang und Gespräche mit einer Freundin und den schönen Zoomcall mit den KursteilnehmerInnen. Und für mein Bett, in das ich mich gleich mit Wärmflasche einkuscheln werde.

Notizen

Das Max Planck Institut hat einen Leitfaden zur psychischen Gesundheit während der Corona-Ausgangsbeschränkungen (pdf) herausgegeben.

Während ich Fotos für eine Website suche, stolpere ich über Kinderfotos von vor vielen Jahren und verfalle eine Weile in Vergangenheits-Sentimentalitis. Da war der Sterngucker noch nicht geboren und der Wolf 3 Jahre alt. Wir waren auf Camps und hatten Gemeinschaft. Ein kleiner Seufzer und Sehnsucht nach diesem Teil der Vergangenheit machen sich in mir breit. Dann fällt mir aber ein, dass auch damals nicht alles gut war. Die Fotos zeigen nur einen kleinen Ausschnitt, sind Stückwerk des Lebens.


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