_Alltag

Tu es jolie

Gestern drehte ich eine Runde über Facebook und entdeckte eine Nachricht im Messenger. Auf Französisch. Ob ich ihn denn noch kenne, den Musikanten von damals. Es scheint so, als tauchen gerade ganz viele Bekanntschaften aus meiner Vergangenheit auf. Menschen, die ich hin und wieder auf Fotos in meiner Erinnerungskiste entdecke, mich freue und überlege, was sie oder er denn jetzt macht. Nie hatte ich die Idee, nach B. zu suchen, ich erinnerte ja nicht mal mehr den Nachnamen.

Umso lustiger fand ich die Nachricht. Denn natürliche kenne ich ihn noch. Denjenigen, der mir damals den ersten Kuss gegeben hat. Auf einem Blasmusikfestival in Bad Orb, wo wir mit dem Spielmannszug mehrere Tage gefeiert und Musik gemacht haben. Zusammen mit anderen Blaskapellen und Spielmannszügen aus allen möglichen Ländern. Ich erinnere mich an das Festzelt und die Sternmärsche, die Auftritte im Kurort und das gemeinsame Musizieren der Europahymne. Schön war’s!

Im Schatten der Nacht

Naja. Und dann war da B. der Franzose, der mir den Hof machte und sich meinetwegen sogar in eine Schlägerei mit seinen Landesgenossen verwickelte. Die Kerle hatten gefühlt einen dauerhaft Grund-Alkoholpegel. Das bringen leider solche Zusammenkünfte mit sich. Ich erinnere mich an heimliche Treffen zwischen uns gackernden Weibern (ich war 15) und den hofierenden Franzosen. Ich erinnere mich auch an den kleinen Brief, in dem drin stand „Tu es jolie“ und an einen schüchternen ersten Kuss im Schatten unserer Schlafunterkünfte. Ich erinnere mich an die kribbelige Aufregung und die ganze Stimmung.

Ich erinnerte mich allerdings nicht mehr daran, dass wir auch danach noch Briefe geschrieben haben (oder vielleicht ich nur ihm?). Seit dem sind nun schon über 25 Jahre vergangen. B schreibt, dass er meine Briefe wiedergefunden und mich auf Facebook gesucht hat. Wir haben also gestern ein bisschen hin und her geschrieben. Auf Französisch. Ich habe mich mit Google Translate beholfen, denn Französisch ist von allen Fremdsprachen, die ich gelernt habe die, die ich am schlechtesten kann. Ich habe mich sehr amüsiert, allein über die Tatsache, dass wir, die wir uns als 15 jährige Teenies nur 3 Tage im Leben getroffen haben, jetzt miteinander schreiben.

Komplimente klingen übrigens auf französisch immer noch so schön wie damals.


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Ein Kommentar

  • Antonia

    Hallo Ramona,

    deepl.com leistet auch sehr gute Übersetzungsdienste von Deutsch auf Französisch und andersrum.
    Und, falls ihr neue deutsch-französische Blasmusik- oder andere thematische Treffen plant: Seit kurzem gibt es den deutsch-französischen Bürgerfonds, z.B. hier gut erklärt: https://www.buergerfonds.eu/aktuelles/der-buergerfonds-2-minuten-103. „Der Deutsch-Französische Bürgerfonds unterstützt Bürgerinitiativen und Vereine, Städte- und Regionalpartnerschaften, Stiftungen oder Akteure aus Sozialwirtschaft, Bildung und Wissenschaft im Dienste der deutsch-französischen Freundschaft und eines lebendigen Europas. Er ist ein Projekt des Vertrages von Aachen und wird während einer dreijährigen Pilotphase vom Deutsch-Französischen Jugendwerk umgesetzt.“

    Bon week-end,
    Antonia

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