Wochenschnipsel

Wochenschnipsel

Die letzten Tage waren bunt, voll und herbstlich schön. Seit dem Herbstanfang ist hier schlagartig die nasskalte Jahreszeit in all ihre Fülle angekommen. Morgens ist es kühl, nachmittags sonnig schön. Mal regnet es, mal ist es bedeckt. Kastanien, Nüsse und Blätter fallen zu Boden. Die Luft riecht würziger.

Dienstag

Am Dienstag hatten alle Kinder lang Schule. Das heisst, sie sind bis 16:00 bzw 16:20 weg (normalerweise kommen sie 12 Uhr bzw der Sterngucker 13:30 Uhr nach Hause). Das war ein toller Arbeitstag für uns beide. Wir konnten richtig was schaffen und uns in unsere Arbeit vertiefen.

Unser Holzvorrat war aufgebraucht. Der Mann hat neues Holz bestellt. Das wurde uns vorgestern geliefert. Bevor es zu regnen begann, haben wir gemeinsam 4 Ster Holz gestapelt. Nun kann der Winter kommen. Der Holzlieferant staunt immer wieder, dass uns für ein Jahr so wenig Holz ausreicht.

Der Nachmittag war also holzig. Der Sterngucker kam aus seinem ersten Nachmittag bei der offenen Ganztagsschule sehr glücklich wieder. Er durfte Holz hacken und Feuer machen und hat uns beiden eine Specksteinkette bebastelt. Am liebsten würde er gleich den nächsten Tag wieder Nachmittags bleiben.

Die Tochter hatte Kuchen gebacken. So gab es einen kleinen Nachmittagsheimkommschmaus für alle. Das hat die Jungs sehr gefreut. Da ich selbst nicht oft backe, ist das ein echtes Leckerli gewesen. Das war also ein echter Bullerbü Tag. Die Jungs waren noch lange mit den Fahrrädern in der Siedlung unterwegs. Das Holzstapeln hat sich gut angefühlt, weil man sieht, was man schafft. Da funktioniere ich echt noch sehr analog. Aus einem wirren Haufen ein Stapel. Zack, Erfolgsgefühl. So virtuell am Rechner klappt es nicht so nachhaltig.

Am Abend gab es Kräuterbaguette und Rohkost. Unser Speiseplan funktioniert ganz gut. Wir könnten noch etwas mehr Augenmerk drauf legen, auch wirklich einzukaufen, was wir brauchen für das, was drauf steht. Dann müssten wir weniger improvisieren. Wir tasten uns da ran an eine Disziplin.

Am Abend war der Mann mit einer Freundin essen. Da gab es noch ein paar lustige Nebengeschichten. Am meisten habe ich mich über ein kleines Mitbringsel für mich gefreut. Ein Blog-Inspirationsdankeschön. Hach. Und überhaupt will ich hier mal sagen, wie sehr mir eure letzten Kommentare gut taten! Danke.

Mittwoch

Am Mittwoch hatte ich meinen ersten Arbeitstag in der Nachmittagsbetreuung der Schule. Pausenaufsicht und danach der Bastelkurs. Die Kinder sind total nett. Am ersten Tag haben wir uns erstmal kennengelernt und das vorhandene Material im Bastelschrank begutachtet. Da braucht es noch einiges an Zeug, um schöne Dinge zu kreiieren. Wir hatten dennoch Spaß mit dem, was da war. Die Kinder sind so kreativ mit ihren Ideen! Ich habe keine Vorschläge gemacht und keine Anleitung gegeben und doch ist am Ende jedeR mit etwas aus dem Kurs gegangen. Bauchladen, Pokemon Stiftehalter, Spendensammelbüchsen und bunt beklebte Steine. Am meisten haben mich die Gespräche der Kinder untereinander beeindruckt. Über den brennenden Regenwald, Plastik und Umweltthemen.

Nach diesem ersten Nachmittag bin ich mit dem Schulbus zurück nach Hause gefahren, hatte dort etwas Verschnaufpause und war am Abend noch bei meiner Sensory Awareness Stunde, die diesmal sehr ausgleichend und ohne Tränen und Drama für mich war. Auch mal schön.

Donnerstag

Auch wenn es ganz entspannt klingt, waren die letzten Wochen einfach voll und turbulent. Immer ein fliegender Wechsel von Terminen, Zuständigkeiten  und Abwesenheiten – und sei es nur mental. Der Jüngste fordert meine Präsenz, die anderen beiden wollen Zeit mit mir verbringen. Ich bin aber immer noch sehr damit beschäftigt, zu spüren, was ich brauche, um mich gut zu regulieren. Manche Tage sind mühsamer als andere. Donnerstag habe ich zum Kreativ-Tag ernannt. Da nehme ich mir Zeit, schöpferisch tätig zu sein: zu kalligrafieren, zu malen, zu zeichnen. Manchmal einfach so, manchmal an einem konkreten Projekt. Gestern habe ich ein bisschen mit farbigen Papierhintergründen, Schreibübungen aus meinem Onlinekurs mit Yves Leterme und Bastelkram. Das hat Spaß gemacht. Ausserdem waren wir noch ein Auto abholen, denn der Mann wird übers Wochenende weg sein. Wir haben ja nur ein Familienauto. Das wir auf dem Land manchmal eng, weshalb wir uns vom Autoteiler-Verein ein zweites dazubuchen.

Am Abend war der Mann arbeiten. Er hat Donnerstags immer eine Session in einem Hotel am Tegernsee, wo er für die Gäste Gong spielt. Ich habe die Kinder ins Bett gebracht und bin dann zum Elternabend gefahren. Ich wäre lieber ins Bett gegangen, wollte aber den ersten Elternabend des Sternguckers nicht verpassen.

Freitag

Heute habe ich hauptsächlich Bürokram erledigt. Termine eingetragen, Texte finalisiert, Fahrkarten für die nächsten Reisen gebucht und Emails beantwortet. So bekommt man einen Vormittag auch viel zu schnell rum! Nach einem Mittagsschläfchen hab ich den Tag vertrödelt, ich kann gar nicht genau sagen womit. Ein Spaziergang war dabei, Wäsche, Essen… eben so täglicher Familienkram. Der Mann experimentiert mit selbstgemachtem Joghurt. Momentan noch mit Kuhmilch, ich bin gespannt, wenn er genug Erfahrung für eine vegane Variante hat. Am Wochenende wird er wieder auf Workshop sein, und ich bin strohwitwig mit den Kindern. Ich und die Kinder habe schon ein paar Ausflugsideen im Kopf. Mal sehen, wie es mir geht und worauf wir dann Lust haben werden (Zur Auswahl stehen: Kunst und Kürbis, Kloster Seeon mit einer Ausstellung mit Bildern von Wolf Erlbruch und dem Sciptorium, Schwimmhalle)

Was gerade schön ist

Feedback von Blogleserinnen und Freundinnen, gutes Essen, Feuer, frische Herbstluft, interessante Jobangebote und sich auftuende Chancen, tolle Bücher zur Rezension auf meinem Schreibtisch, die Begeisterung des Sternguckers über seine Schultage, Gespräche mit anderen Menschen, die Arbeit in der Schule, Herbsstimmung, Struktur und Planung, die Kinder, wenn sie bullerbümässig draussen in der Siedlung unterwegs sind, Vorfreude auf den Oktober, nette berufliche Kontakte & Zusammenarbeit

Was gerade herausfordernd ist

Der Wolf und seine Befindlichkeiten, Hämorrhoiden, die immer mal wieder angespannte Stimmung in der Familie, das tägliche Chaos, die zu wenige Arbeitszeit am Stück, der mangelnde echte Kontakt mit allen Familienmitgliedern, der zwischen all den vollen Tagen etwas zu kurz kam

Ein Gedanke zu „Wochenschnipsel

  1. Soooooooo schön zu lesen!!!
    Wie schön das Du nun in der Schule wirkst.Ein Segen für die Kinder UND Dich!!!
    Einmal die Woche bin ich für die Grundschulkinder in der Schulbücherei tätig, es ist soooo erfüllend und ein wahres Geschenk…

    Ich wünsche Dir und Deiner Familie ein wunderschönes (Michaelis-)Wochende,Ramona.

    WENN DU AUS DIR VERJAGST,ALL UNRUH UND GETÜMMEL,SO WIRFT SANKT MICHAEL DEN DRACHEN AUS DEM HIMMEL.
    Angela Silesius

    Fühle Dich umarmt,
    Ines

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