_Alltag

Zum Wochenende –Alltagsschnipsel

Bestimmt schon drei Blogposts hatte ich begonnen, mehr noch in meinem Kopf. Keiner davon hat es über drei Zeilen geschafft. Nicht mal mein eigenes morgendliches Geschreibse ging über diese Menge an Sätzen hinaus. Deshalb möchte ich jetzt die Zeit nutzen, hinzuschauen, was es ist, was meinen Alltag so voll macht. Der Mann ist gerade weggefahren zu einem Date in der Stadt, die Jungs zocken an den Geräten, die Teenager sind unterwegs.

Besuch aus Finnland

Seit Montag haben wir eine finnische Gastschülerin zu Besuch. Sie besucht in dieser Woche die Tochterschule, nächstes Jahr wird die Tochter dann nach Helsinki reisen. Nun gilt es also am Morgen 6 Menschen zu koordinieren, damit alle pünktlich in der Schule und am Bahnhof sind. Und am Abend am Bahnhof abzuholen, weil die jungen Leute ja auch München unsicher manchen wollen, aber auf unsere Fahrdienste angewiesen sind. Jetzt merke ich erst wieder, wie toll es ist, dass die Tochter sonst die meisten Touren mit ihrem Motorrad erledigt. Ok, wenn es zu kalt oder glatt ist, dann fahre ich sie auch. Aber es ist eben doch eine Entlastung, wenn sie selber fahren kann. Deshalb macht sie gerade auch ihren Auto-Führerschein. Denn im Winter ist Motorradfahren doch keine Freude.

Ich empfand die Woche anstrengender als erwartet. Sie war voll und trubelig, mich selbst ereilt immer wieder eine Schlappheit oder Übererregung, die ich schlecht einschätzen kann. Das heisst, ich muss lernen, auch im größten Trubel sehr achtsam mit mir selbst zu sein. Das ist nicht immer einfach. Oft merke ich erst hinterher, wie sehr mich etwas gefordert hat.

Gedankenschnipsel

In den kleinen Pausen zwischendrin habe ich mich dabei ertappt, mich zu fragen, wann ich früher geschafft hab, was ich geschafft hab. Mit Arbeit, kleinen Kindern und Baby. Podcast, Stricken, Nähen, Basteln, Bloggen, Kochen. Was ist jetzt anders, dass so viel von meinem Wollen beim Wollen und Wünschen bleibt? Die Kinder sind größer und doch eigentlich selbständiger. Die Nächte erholsamer (meistens jedenfalls) und der Tagesrhythmus weniger fremdbestimmt. Und doch bleibt vieles liegen. Ich bin nicht drauf gekommen. Vielleicht nehme ich mir mehr Pausen, vielleicht sitze ich nicht mehr bis abends um zehn am Rechner. Vielleicht gönne ich mir Spaziergänge und versuche nicht mehr verbissen soviel zu schaffen. Auch nicht die Dinge, die mir eigentlich Freude machen würden.Vielleicht ist es mir auch einfach nicht (mehr) wichtig genug, all das zu machen und zu schaffen. Auch wenn im Hinterkopf ein kleines ich-würde-aber-gerne mitschwingt.

Arbeit und Familienleben

Und womit habe ich nun tatsächlich diese dichte Woche verbracht? Ich arbeite jeden Vormittag an meinen Kundenaufträgen und eben den Dingen, die man tut, wenn man selbständig ist. Finanzen, Marketing, Werbung, Dienstleistungen, Buchhaltung. Ich habe Telefonate geführt und Rechnungen geschrieben, Jobs für KundInnen erledigt und mich über positive Rückmeldungen gefreut. Am Dienstag Nachmittag habe ich spontan eine Vertretung an der Schule übernommen, am Mittwoch hatte ich meinen regulären Nachmittagskurs. In meinem Fach lag ein Schokoweihnachtsmann. Ich hab mich darüber so sehr gefreut. Darüber, Teil des Teams und der Gemeinschaft zu sein, darüber, ein eigenes Fach zu haben, wo meine Abrechnungen drin liegen oder ich meine Stundenzettel reinlege. Die Arbeit mit den Kindern macht Freude, so langsam haben wir einen gemeinsamen Rhythmus für unseren Nachmittag gefunden. Ich geniesse die Stunde Aufsicht im Aussengelände. Meist ergeben sich nette Gespräche mit den beiden anderen lehrerinnen, die mit mir Aufsicht haben. Ich mag die frische Luft, die Details rund um die Schule (wie die feinen Eiskristalle im Moos auf dem Stapel Feuerholz oder die tiefstehende Sonne, die durch die Bäume bricht.)

Auf den Autofahrten höre ich Hörbuch und freue mich an der immer wechselnden Stimmung. Mal sehe ich die Berge, mal tauchen Nebelschwaden auf, mal ist alles von feinem Frost überzogen, ein andermal leuchtet der Mond am Himmel. Gestern habe ich „Meine wunderbare Buchhandlung“* (Buch7) von Petra Hartlieb gehört. Das war ein unterhaltsamer No-Brainer (also kein Nachdenken erforderlich) zum Nebenbeihören und Unterhalten lassen. Ich freue mich an den Adventsblogposts von Veronika Smoor, an den Texten in meinem Anderer-Advent-Adventskalender und habe Lust, noch mehr zu vereinfachen, loszulassen und im Moment zu sein. Ich verdränge Entscheidungen, die getroffen werden wollen und Dinge, die auf Erledigung hoffen.

Weihnachtsvorbereitungen

Am Donnerstag hab ich mich für zwei Stunden davongestohlen und war im Spielzeugladen der Kreisstadt, um mich nach Weihnachtsgeschenken für die Jungs umzuschauen (ich bin fündig geworden) und ein Familienspiel zu bestellen. Das hat den Vorteil, dass ich nächste Woche nochmal hin darf. Im Spielzeugladen einkaufen zu gehen bedeutet auch, dass mein November-Finanzengpass durchstanden ist. Die ausstehenden Zahlungen sind eingegangen, sodass Weihnachten in der Familie nicht ohne Geschenke stattfinden muss. Dennoch achte ich sehr aufs Budget, denn der Dezember und Januar müssen ja auch überbrückt werden.

Nun freue ich mich auf ein hoffentlich ruhiges Wochenende. Ich habe noch keine Weihnachtspackerl gepackt und Karten geschrieben. Vielleicht verzichte ich dieses Jahr einfach darauf und vertage das auf zwischen die Jahre, wo sich Zeit und Muße einstellen werden. Die Kinder haben schon Plätzchen gebacken. Aber sehr moderat. Der Wolf gestern ein Blech Heidesand nach dem Rezept von Veronikas Blog, der Sterngucker letzte Woche Schokotaler nach einem Rezept, was er in der Schule beim Backen aufgeschrieben hat. Die meiste Zeit hatten wir Lebkuchen und Stollen von der Schwiegermutter. Die sind so heilig. dass der Mann sie Stückweise zum Nachmittagskaffee einteilt.

3 Kommentare

  • Suomitany

    Liebe Ramona, es ist immer wieder schön, von dir zu lesen.
    Interesant fand ich deine Ausführung, dass es mit großen Kindern doch anders und daher leichter sein müsse. Diese Gedanken habe ich oft auch. Früher, da waren die Kinder klein und präsenter. Die Nächte schlecht, es gab zig Termine und dazwischen habe ich fast 30 Std gearbeitet plus 1 Std Fahrzeit. Dann musste ich aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten und die Kinder sind größer geworden. Aber es geht mir deshalb nicht einfach so besser. Ich überlege dann, ob ich mir empfindlich bin oder ob es Nachwirkungen der damaligen Überforderung sind….

    Dir und deiner Familie einen schönen 3. Advent. LG Tanja

  • Sabine

    Liebe Ramona,
    schön, wieder von dir zu lesen – das mache ich soo gerne – ich habe deinen Beitrag echt schon vermisst. Ich kann einiges gut nachempfinden, denn obwohl unser Haushalt an manchen Wochen auf nur zwei Personen zusammen schmilzt, habe ich das Gefühl, viel weniger zu schaffen. Dabei müsste ich doch viel mehr Zeit übrig haben – weniger Wäsche, nicht so viel einkaufen und kochen…. Wahrscheinlich nimmt man sich einfach viel zu viel vor und ist dann enttäuscht, wenn man nicht mehr hinter her kommt, auch wenn es schöne Dinge sind, die man plant. Ich wünsch euch noch eine schöne Rest-Adventszeit. Liebe Grüße aus der Nachbarschaft

  • amberlight

    Hach war deine Post für mich schon – schreiben werde ich darüber noch. Meine Phase der kleinen Kinder, schlechten Nächte und vielen Termine ist gerade im hier und jetzt (und doch schaffe ich es immer besser, sie zu genießen, weil ich ahne, dass sie schon bald Vergangenheit sein werden). Um so mehr lese ich gerne bei dir, denn ein bisschen habe ich dabei immer das Gefühl, dass ich schon in die eigene Zukunft schauen kann. Wir sollten gut auf uns achten …

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