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gelesen :: Der Schrecken verliert sich vor Ort

Über das Buch habe ich in einem anderen Buch gehört/gelesen. Letzten Jahr hatte ich „Meine wundervolle Buchhandlung“ auf dem Ohr. Einer der darin erwähnten Bücher war jenes, was mir dann eine Freundin geliehen hat, damit ich es lesen kann.

Der Schrecken verliert sich vor Ort

Lena lernt vor einem Gerichtssaal Heiner kennen, ein Mann der älter ist als sie und Auschwitz überlebt hat. Die beiden verlieben sich ineinander und lassen sich auf eine Beziehung ein, die für beide nicht ganz einfach ist. Für Lena nicht, weil sie Heiners Geschichte mit tragen muss, die so sehr sein Leben bestimmt: Wort, Geräusche, Szenen – es gibt viele Alltagsdetails, die Erlebnisse in seiner Vergangenheit triggern. Für Heiner nicht, weil es ihm nicht gelingt, seine Erlebnisse für Lena erfahrbar und teilbar zu machen, weil er nicht vergessen will. Auch nicht, weil er nicht sicher ist, ob er das Glück überhaupt verdient hat, weil er überlebt hat und so viele seiner Mitleidenden im KZ vor seinen Augen gestorben sind. Hat er sich damit schuldig gemacht? Nicht eingegriffen zu haben? Eine unglaubliche Bürde trägt er mit sich herum.

Heiner trifft andere KZ Überlebende, die eine zärtliche Zuneigung verbindet an die Lena nie rankommen kann. Aber will sie das zum Preis der Geschichte udn Qualen? Sie erzählen einander die Auschwitz-Erlebnisse, theatralisch überspitzt, einer von ihnen wohnt sogar auf dem Gelände des ehemaligen KZ.

„Die Vorstellung, dass Heiner und seine Freunde das Universum, was in ihren Köpfen steckte, ins Grab mitnahmen, war ungeheuerlich. Sie schreiben auf, was sie erinnerten, sie sprachen ihre Vorträge in Mikrofone, dennoch war das, was sie erlebt hatten, nicht dasselbe wie das, was man später lesen oder hören konnte. Man müsste aus ihren Erinnerungen Impfstoff machen.“ Monika Held

Trotz der beschriebenen Grausamkeiten und Ungeheuerlichkeit menschlicher Abgründe fand ich das Buch gut zu lesen. Die Beziehung von Heiner und Lena, die Anstrengung ihres Zusammenseins, das sich aufeinander Einlassen und auch die zärtlichkeit zwischen ihnen. Im Gegensatz dazu die Wucht der Vergangenheit und die Hindernisse in der gegenwart, die dadurch entstanden sind. Tiefe Verletzung und Trauma, woran viele im Nachhinein noch zerbrochen sind.

★★★★☆

Der Schrecken verliert sich vor Ort, Monika Held, Bastei Lübbe, 11 Euro


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