gelesen :: Die Achtsamkeit des Herzens

gelesen :: Die Achtsamkeit des Herzens

Schon einige Male habe ich dieses Buch hier im Blog erwähnt. Es ist eine Sammlung von Essays des Benediktinermönchs David Steindl-Rast. Ich habe es mitgenommen, weil mich darin der „Zieh die Schuhe aus“-Text so angesprochen hat. Im Vorwort steht zum Autor: „Sein Herzensanliegen ist der Friede, der ’nur dann die Welt vereinen kann, wenn er im Herzen wurzelt‘.“ Das hat mich sehr in mir resoniert, denn dieser Ansatz taucht auch immer wieder in anderen spirituellen Büchern und Seminaren auf, die mich begleiten. Z.B. war ein Schwerpunktthema beim Dharmatraining (Krisenintervention, Sterbe- und Trauerbegleitung) die Haltung des offenen Herzens. Und ist nicht auch die Jahreslosung „Suche Frieden und jage ihm nach“(Psalm 34,15)?

Die Achtsamkeit des Herzens

Die Achtsamkeit des Herzens. Ein Leben in Kontemplation, David Steindl-Rast* (Buch7)

In fünf Themenbereichen, die doch alle untrennbar miteinander verknüpft sind schreibt der Autor über den Zugang zu Gott, über Sinnfindung und Dankbarkeit. Einen großen Schwerpunkt legt er auf Sinnlichkeit. Wie wir über unsere Sinne (Hören, Fühlen, Schmecken, Sehen, Riechen) und damit verbundener Achtsamkeit Sinn finden. Er sagt: „Wenn wir Sinn finden wollen im Leben, so müssen wir mit den Sinnen beginnen.“ Viel Raum im Buch nimmt die Dankbarkeit ein. Sie kann Tore öffnen und uns dem Geber aller Gaben (so hat er Gott beschrieben) näher kommen lassen. Die Texte beinhalten immer wieder einen Aufruf zu Einkehr und Stille, zum Gewahrwerden des Jetzt und dem Bewusstsein über die Beständigkeit des Wandels. David Steindl-Rast ist begeistert von Poesie und Lyrik, immer wieder zitiert er Klassiker wie Goethe oder Rilke; ein ganzes Kapitel widmet er der japanisches Kunst des Haikus.

Das Buch ist eines, was man nicht in einem Rutsch durchlesen muss, sondern immer mal wieder zur Hand nehmen und drin schmökern kann.

Lieblingszitate

„Unser Glücklichsein gründet sich nicht auf Glücksgefühle, sondern auf inneren Freiden, den Frieden des Herzens. (…) Indem ich mich der Botschaft des Augenblicks ganz öffne, kann ich zur Quelle der Sinnhaftigkeit vorstoßen und den Sinn des Lebens erkennen.“ (S. 14)

„Das Herz ist der Bereich, in dem wir nicht nur mit unserem innersten Selbst in Berührung sind, sondern gleichzeitig mit dem ganzen Dasein innigst vereint sind.“ (S.14)

„Beherztes Vertrauen auf den geber aller Gaben ist Glaube. Danken zu lernen, selbst wenn uns die Güte des Gebers nicht offenbar istm heißt, den Weg zum Herzensfrieden finden. Denn nicht Glücklichsein macht uns dankbar, sondern Dankbarsein macht uns glücklich.“ (S.17)

„Stille ist nicht nur eine Eigenschaft der Umwelt, sondern vor allem eine innere Haltung, die Haltung des Hinhorchens.“ (S.31)

Er geht dann weiter in seinen Ausführungen und leitet vom Horchen, vom aufmerksamen nach Innen horchen das Wort Gehorsam ab. Das fand ich sehr schön, denn damit hat es seine negativ konnotierte Bedeutung für mich etwas verloren.

„Gehorsam ist ein Horchen auf den inneren Rhythmus des Lebens. Gehorsam hört, wofür es in diesem Augenblick Zeit ist, und tut das dann.“ (S.92)

„Kreuzweg unserer Sinne ist das Herz. Herz bedeutet den Schnittpunkt unserer gesitigen und unserer leiblichen Wirklichkeit. Herz bedeutet jenen Mittelpunkt unserer individuellen Innerlichkeit, wo wir zugleich eins sind mit allen anderen Menschen, Tieren, Pflanzen – mit dem ganzen Kosmos. In unserem Herzen ist Gott uns näher, als wir uns selber sind.“ (S. 36)

„Geh in der Verwandlung aus und ein.“ Rilke

„Ehrfurcht ist eine eigenartige Furcht, eine Furcht, zu der man Mut braucht, den Mut, der auch der Demut eigen ist; „Dien-mut“, Mut zu dienen; Mut sich zu verschenken. Nur was wir verschenken, wird so wirklich unser eigen. Aber unsere größte Angst ist es, uns selbst zu verlieren. Daher ist auch der Mut, der diese Angst überwindet, Groß-mut.“ (S.58) – ich liebe solche Wort-Erkundungen!

„Für arglose Ohren ist jeder Laut Geschenk. Und für Herzen, die hören können, ist jedes Geschenk Botschaft.“ (S.62)

„Begegnung mit Schönheit verwandelt.“ (S.68)

„Es ist unmöglich, Sinnliches und Übersinnliches säuberlich auseinanderzuhalten. (…) Nur glühend dankbare Lebensfreude kann diese Verschmelzung zustande bringen.“ (S.70)

„Mein Fuß spricht mit den Steinen, die er betritt.“ Rilke (S.72)

„Berührung ist immer gegenseitig.“ (S.74)

„Nur was uns alles kostet, schenkt uns zugleich alles. „Wolle die Wandlung!“ (S.79)

„Die Choreographie des kosmischen Tanzes verlangt von uns den Willen zur Wandlung.“ (S.97)

„Lebensmut ist die Tapferkeit, die wir für jenes Immer-wieder-Sterben brauchen, das zum wachen Lebendigsein untrennbar dazugehört.“ (S.95)

„Wenn wir im Rhythmus des Lebens mitschwingen, sind wir im Einklang mit der Welt, und sie gehört ganz uns.“ (S.129)

 

Auf youtube findest du Interviews und Vorträge des Benediktinermönchs David Steindl-Rast. Er gründete auch die Website gratefulness.org und für das deutschsprachige Publikum dankbar-leben.

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Ein Gedanke zu „gelesen :: Die Achtsamkeit des Herzens

  1. Liebe Ramona,
    danke, dass Du dieses Buch vorstellst. Ich werde gleich mal sehen, ob ich es noch bekommen kann.
    Deine ausgewählten Zitate bringen etwas in mir in Schwingung, in Resonanz, das wieder einmal gehört und angesehen werden will.
    Überhaupt berühren mich Deine Beiträge immer wieder, weil sie so ehrlich und aus dem Alltag heraus sind. Danke dafür.
    Herzliche Grüße
    Angela

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