_Bücher

gelesen :: Die Jesus Revolution

Letztes Jahr hatte Lena von Segenregen einen kleinen Flohmarkt auf Instagram, wo sie Bücher und aussortierte Spielsachen weitergereicht hat. Das Buch Die Jesus Revolution hat mich vom Titel her angesprochen, ich habe es mir bestellt. Die Lektüre hat nun doch etwas länger gedauert, obwohl im Buch wirklich spannende Themen und Sichtweisen diskutiert werden. Vielleicht war es auch gerade die Dichte, die mich die Dosis etwas zeitlich verlängern lassen hat.

Die Jesus Revolution – Was passiert, wenn wir Ihn beim Wort nehmen

In den USA gibt es eine christliche Bewegung, die sich die Red-Letter-Christen nennen. 1899 begann man, die Bibeln zweifarbig zu drucken. Den normalen Text in schwarz, die Worte Jesu in rot. Diese Gruppe von Christen möchte die Worte von Jesus radikal ernst nehmen. Was er gesagt hat, wollen sie im alltäglichen Leben ohne Abstriche umsetzen. Wir sollen die Bibel lesen, immer mit der Frage im Hinterkopf: „Was bedeutet das alles wirklich für mich persönlich?“

„Die Bibel ist leicht zu begreifen. Doch wir Christen sind ein Haufen ränkevoller Schwindler. Wir tun so, als ob wir unfähig sind, sie zu verstehen. Wissen wir doch sehr genau, dass wir von dem Augenblick an, in dem wir sie verstehen, entsprechend handeln müssen.“ Søren Kierkegaard

Diese Haltung führt unweigerlich zu einer faszinierenden Auseinandersetzung darüber, was es heisst Christ zu sein. Das Buch ist eine interessanter Dialog zwischen Shane Clairborne und Tony Campolo. Die beiden trennen fast vier Jahrzehnte. In drei Teilen beleuchten die beiden fundamentale Bereiche unseres Lebens:

Teil 1: Die Worte Jesu – Theologie

Hier geht es erstmal um einen grundsätzlichen Überblick. Um die Geschichte, Gemeinschaft, Kirche, Liturgie, Heilige, aber auch um Islam, Reichtum und Armut und die Hölle. Es geht um Jesus, die Bibel und Auseinandersetzungen mit dem Glaube und was es für unser Leben und unsere Entscheidungen bedeutet. Wie können wir daraus eine Haltung entwickeln? Was bedeutet Nächstenliebe, wenn wir sie konsequent leben?

„Überall hat Jesus einen wesentlich höheren moralischen Standard angelegt.“ S. 28

„Wir können an ihn glauben und ihm doch nicht nachfolgen.“ Wir finden bei Jesus eine Einladung, uns auf eine Beziehung mit ihm einzulassen.

Teil 2: Die Worte Jesu leben

Jetzt wird es konkreter und persönlicher. Was bedeutet es denn für mich und meine alltäglichen Entscheidungen, Ihn beim Wort zu nehmen? Die beiden beleuchten Themen wie Familie, Abtreibung/Schutz ungeborenen Lebens, Umweltschutz, Familie, Homosexualität, Frauen, Immigration, Geben und ziviler Ungehorsam.

Interessant fand ich hier zum Beispiel den Dialog über Abtreibung bzw den Schutz des ungeborenen Lebens. Das war nicht einfach ein dafür oder dagegen, sondern ein abwägen, dass gleichzeitig entsprechende Strukturen geschaffen werden müssen, um zB Frauen, die ungewollt schwanger geworden sind, zu unterstützen, dass es ihnen überhaupt möglich ist, Sorge für ein Kind zu tragen.

„Wir sind bereit, das Leben zwischen Emfängnis und Geburt unter allen Umständen zu schützen, doch wenn so ein Baby dann geboren ist, sind wir nicht bereit, ihm ein leben in Fülle zu ermöglichen.“ Barney Frank

„Sünde ist das, was uns daran hindert, aus der Liebe zu leben.“ (S.145)

Teil 3: Die Worte Jesu und die Öffentlichkeit

Von persönlichen Entscheidungen und Standpunkten gehen die beiden im dritten Teil zu globaleren Themen über. Politik, Krieg und Gewalt, Staatsverschuldung, der nahostkonflikt, Ökumene, Versöhnung, Mission und das Leben nach dem Tod.

Sie regen in allen Teilen und Kapitel interessante Gedankengänge an und fordern auf, eine eigene Haltung zu beziehen. Dabei grenzen sie keine christliche Richtung oder Gruppierung aus, sondern ermuntern immer wieder, voneinander zu lernen und sich gegenseitig inspirieren zu lassen.

„Wo die Mystiker uns lehren können, mit Gott zu reden und mit ihm in Kontakt zu bleiben, sehen wir bei den Amischen, wie unser Glaube zu einem Lebensstil werden kann.“ (S. 214)

„Man kann wie überall davon ausgehen, dass Gott schon da ist.“ S.227

„Jeder Christ ist sowohl Lehrer als auch Schüler.“ (S. 236)

 

Meine Vorleserin und ich haben viele Passagen im Buch unterstrichen, viele Anmerkungen und Gedanken an den Rand geschrieben. Das Buch hat zum Nachdenken angeregt, meine eigenen Werte zu hinterfragen, kritisch zu beleuchten und an der ein oder anderen Stelle eventuell auch nachzujustieren. Dieses Buch hätte ich gern mit jemandem anderen gelesen, um mich darüber auszutauschen und die Standpunkte zu erörtern, ins Gespräch zu gehen und die Tiefe zu ergründen.

Die Jesus-Revolution. Was passiert, wenn wir ihn beim Wort nehmen. Shane Clairborne, Tony Campolo, Gerth Medien

★★★★☆


Hat dir der Beitrag gefallen? Wie bei StrassenkünstlerInnen der Hut, steht hier im Blog eine Teekasse. Nur eben virtuell. Wenn du magst, kannst du mir einen Tee ausgeben. Oder Farben und Papier. Danke für die Wertschätzung <3

2 Kommentare

  • Mathilda

    Das klingt wirklich spannend. Was hat Jesus denn zu Homosexualität u Abtreibung gesagt? Ich wusste bisher gar nicht, dass er sich dazu geäußert hat.
    Viele Grüße

  • Jademond

    Na nein, er persönlich hat dazu eben nichts gesagt, aber es gibt ja immer wieder Diskussionen um Homosexualität und um Abtreibung (Erhaltung des Lebens). Darüber haben die beiden Autoren gesprochen und einbezogen, was in der Bibel steht und wie Jesus‘ Haltung war.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.