_Bücher

gelesen :: Die Menschheit hat den Verstand verloren

Nachdem ich so begeistert vom Hörbuch „Ich habe auch gelebt! – Briefe einer Freundschaft“ von Astrid Lindgren und Lousie Hartung war, hat mir eine Freundin zu Weihnachten das Buch mit den Tagebuchaufzeichnungen von Astrid Lindgren während des zweiten Weltkrieges geschenkt.

Die Menschheit hat den Verstand verloren

Astrid Lindgren, Die Menschheit hat den Verstand verloren, Tagebücher 1939-1945* (Buch7)

Die Art zu Schreiben ist so leicht zu lesen, so einfach und doch so berührend. Für mich war es sehr spannend, über den zweiten Weltkrieg aus einer ganz anderen Betrachtungsweise zu lernen als im Geschichtsunterricht, wo eh nur wirre Fragmente hängengeblieben sind. Das ganze Ausmaß der Grausamkeiten wurde mir durch diese Tagebücher noch einmal schmerzlich bewusst. Es ist interessant, die Kriegsbetrachtungen von ausserhalb Deutschlands zu lesen. Auch, wenn man nicht sonderlich geschichtsinteressiert ist oder keine Lust auf Kriegsschilderungen hat, ist das Buch schön zu lesen. Die Tagebucheinträge sind ergänzt durch Zeitungsausschnitte, die Astrid Lindgren eingeklebt hat und die immer im Anschluss an ein Kapitel überstezt sind. Diese habe ich meistens übersprungen, da ich nicht so tief in die Geschichte eintauchen wollte, sondern eher an den persönlichen Schilderungen interessiert war.

So erhält man zwischen dem politischen Weltgeschehen auch immer Einblicke in Astrid Lindgrens Privatleben, ihren Alltag und ihre Gedanken. Ihre Hausfrauentägigkeiten, Anfänge ihrer Schriftstellerei, Sorgen um die Kinder und eine Krise mit ihrem Mann. Sie beschreibt den Jahreslauf, die kalten Winter, leichten Sommer und hoffnungsvollen Frühlingstage. Sie ist eine kulinarische Geniesserin und schreibt gern, was es zu essen gibt (Rentierbraten!) und was sie zu den Festen verschenkt und bekommen hat. Diese Mischung aus Alltag, Tiefe und Leichtigkeit hat mir wirklich gut gefallen.

Lieblingssätze

Natürlich noch viele mehr, vorallem die kleinen Zwischensätze und Alltagsbeschreibungen, die mich schmunzeln oder zustimmend nicken liessen.

Im Vorwort von Antje Rávic Strubel: „So macht Lindgrens Tagebuch auch deutlich, mit welcher Geschwindigkeit und Absolutheit sich kollektives Bewusstsein von grund auf verändern kann und wie wichtig das manchmal mühsam erscheinende demokratische Aushandeln politischer Entscheidungen ist.“

„Ich habe hier in Furusund einiges über Geschichte gelesen, und das ist eigenlich eine unheimlich beklemmende Lektüre – Krieg und Krieg und wieder Krieg und das ständige Leiden der Menschheit. Und niemals lernt sie etwas daraus, sie begießt die Erde nur immer weiter mit Blut, Schweiß und Tränen.“

„Und gestern bin ich in einem Buchladen gewesen und habe mir ein Exemplar von Pipi Langstrumpf gekauft, diesem verflixt lustigen Buch, das wahrscheinlich nie entstanden wäre, wenn ich mir im Spätwinter 1944 nicht den Fuß verknackst hätte. Aber das hätte vielleicht auch nichts gemacht!“

„Aber so einfach istz es nicht, glücklich zu sein. Etwas habe ich jedenfalls gelernt – wenn man glücklich sein will, muss es aus dem eigenen Inneren kommen und nicht von einem anderen Menschen.“

„Am glücklichsten bin ich, wenn ich schreibe.“

*Affiliate-Link

 


Wie beim Frisör das Sparschwein oder bei StrassenkünstlerInnen der Hut, steht hier im Blog eine virtuelle Teekasse. Wenn du magst, kannst du mir einen Tee ausgeben. Oder Farben und Papier.

2 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.