gelesen :: Erika und Therese

gelesen :: Erika und Therese

Wenn ich ein schwarz-weiss Foto im Stil der 20er Jahre sehe, dann werde ich automatisch davon angezogen. So erging es mir vermutlich auch, als ich das Buch Erika und Therese in der Buchhandlung in Moosburg entdeckte. Ich hab es dann erstmal stehen lassen und auf meinen Merkzettel gepackt. Als ich auf Hiddensee war, hätte es thematisch gut gepasst, aber die kleine Buchhandlung hatte das Buch nicht vorrätig. Jetzt, letzten Monat, habe ich es mir dann über genialokal bestellt und bin eingetaucht in die Geschichte von Erika Mann und Therese Giehse.

Erika und Therese

Erika Mann und Therese Giehse – Eine Liebe zwischen Kunst und Krieg, Gunna Wendt, Piper* (Buch7)

Immer wieder merke ich, wie gern ich in andere Biografien abtauche, wie mich Stärke, Klarheit oder besondere Flexibilität anderer Menschen faszinieren. Wie sie mit Schmerz, Verletzung und eben dem Leben umgehen. Wie sie zu dem stehen, was sie sind oder aber leiden und verzagen. Das Doppelportrait von Erika und Therese hat mich anfangs etwas irritiert. Beim Kauf des Buches hatte ich etwas ganz anderes erwartet. Mehr Liebe, weniger Biografie. Ich weiss nicht, wie ich darauf kam. Als ich mich dann aber auf den Schreibstil des Buches einlassen konnte, fand ich den Einblick in das Leben der beiden Hauptdarstellerinnen sehr spannend. Was hat sie zum Theater geführt, was hat die Familiengeschichte und der Krieg mit ihnen gemacht. Ich fragte mich mehr als einmal, ob Theater und literarisches Kabarett, wie in den 20er und 30er Jahren noch beliebt und bekannt, heute überhaupt noch in dieser Form exisitert (ich bin nicht so der Theatermensch, um das beurteilen zu können). Es geht um Kunst und Ausdruck, wie man Menschen durch Tiefsinn, Witz und doppelbödige Aussagen ins Denken bringt, wie man Kritik äußern kann, ohne zu offensichtlich zu sein und Angriffsfläche zu bieten.

Bei beiden Frauen bin ich begeistert von der Art, in Widerstand zu gehen und zu ihrem Sein und Tun zu stehen, egal wie hoch der Preis ist und was es für Konsequenzen hat. Das Buch könnte ich mir gut als Verfilmung vorstellen. Es war eine interessante Lektüre zwischendrin. Nicht ganz so leichte Kost wie ein Liebesroman gewesen wäre, aber auch nicht zäh und beschwerlich. Ich habe keine Lieblingszitate mitgeschrieben, war aber mehr als einmal verliebt in die sprachlichen Feinheiten aus Zitaten dieser Zeit. Oder gebraucht heute noch jemand „Bockbein“ oder „bockbeinige Spinnurschel“ als Schimpfwort?


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Ein Gedanke zu „gelesen :: Erika und Therese

  1. Ich empfehle die Reihe „Great Women“ im Blog: le monde de kitchi .
    Gruss Daniela

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